Eisbär I – in Freiheit

Eisbären – Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust. Einerseits denke ich, wenn ich vor einem Gehege stehe, an die unendlichen Weiten der Arktis die eine Bärin mit ihrem Jungen durchstreift oder einen Bären, der auf einer riesigen Eisscholle sitzend auf das Auftauchen seiner Beute wartet; andererseits daran, welchen Hype die kleinen Eisbären Knut oder Flocke ausgelöst und dazu beigetragen haben, dass der Eisbär das Symbol des Klimawandels wurde. So haben uns in Gefangenschaft gehaltene Bären erst bewusst gemacht, wie wir den Lebensraum dieser herrlichen Tiere nach und nach vernichten.

Tierrechteorganisationen (im Folgenden TRO genannt) sehen naturgemäß den Wirbel um Eisbären in Zoos komplett anders und es gibt natürlich auch kritische Stimmen von Wissenschaftlern zu dieser Thematik. Ich werde daher ausnahmsweise weniger über die Tiere selbst schreiben. Viele Fakten sind Euch bestimmt aus zahllosen Dokumentationen (oder den Zoos) bereits bekannt. Im Folgenden möchte ich Pro und Kontra zur Eisbärenhaltung beleuchten. Jeder kann und sollte sich seine eigene Meinung bilden.

Eisbären sind in vielerlei Hinsicht komplizierte Tiere. Durch Evolution und Auslese haben sie sich perfekt an ein Klima, das eigentlich lebensfeindlich ist, angepasst. Sie sind strikte Einzelgänger und kommen nur zur Paarung zusammen (Ausnahmen bilden Mutterfamilien). Bärinnen sind nur etwa eine Woche in den Monaten März bis Juni fruchtbar. Sollte das Nahrungsangebot jedoch knapp sein, verhindert ein natürlicher Schutzvorgang, dass sich das befruchtete Ei in der Gebärmutter einnistet. Männliche Eisbären töten die Nachkommen ihrer Konkurrenten, wenn sie derer habhaft werden, damit die Bärin erneut paarungsbereit wird. Grundsätzlich sind Eisbären Allesfresser. Um aber ihre Fettreserven zu sichern, besteht ihre Hauptnahrung aus Ringelrobben oder Bart- und Sattelrobben. Deren Bestände sind jedoch stark gefährdet.

Eigentlich könnte sich also jeder Eisbär glücklich schätzen, wenn er in einem Zoo leben könnte oder?

Über in Freiheit lebende Eisbären ist uns Folgendes bekannt:

  1. Sie wandern große Strecken, folgen der Treibeisgrenze und haben meist kein festes Revier. Das Jagdrevier eines Eisbären hat etwa einen Radius von 150 km.
  2. Es leben geschätzt 22.000 – 25.000 Tiere in 19 Populationen in Alaska, Kanada, Russland, Grönland und Norwegen. Siehe Grafik
  3. Die Tiere erreichen ein Höchstalter von 15 – 18 Jahren.
  4. Die Winterruhe dauert 4 Monate.
  5. Es gibt eine hohe Sterblichkeit von 50% bei Jungtieren bis zum 5. Lebensjahr, die den äußeren Umständen geschuldet ist.
  6. Der Klimawandel wird als Bedrohung der Tierart gesehen.

Zu Punkt 1: Grundsätzlich ist diese Aussage korrekt, es gibt aber Populationen die durchaus standorttreu sind. Wie bereits bei den Amur-Tigern beschrieben, ist es unmöglich Tieren mit hohem Bewegungsdrang einen adäquaten Ersatzlebensraum zu schaffen. Das bedeutet, dass an Gehege und Haltung der Tiere sehr hohe Ansprüche gestellt werden müssen. Unvorstellbar ist heute, dass wie im Zoo Hannover 1938 14 Eisbären und ein Braunbär auf einer Anlage gehalten werden oder die Haltung dieser Tiere im Zirkus.

Zu Punkt 2: Die TRO PeTA legt in ihrer Recherche von 2010 eine Statistik vor, aus der sie ableitet, dass sich der Bestand von 5000 Individuen 1950 auf 25.000 im Jahr 2005 erhöht hat. Sie berufen sich außerdem auf eine Einschätzung der IUCN (führt die „Rote Liste“) nachdem 2009 die Bestände stabil oder im Steigen wären und folgert daraus:

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Eisbären II – im Zoo

Wie wirkt sich die Gefangenschaft auf das Tierwohl aus bzw. welche Erkenntnisse gibt es über die Zoohaltung? Eisbären sind sehr anfällig für sogenannte Stereotypen und als Besucher im Zoo fallen diese Verhaltensweisen häufig auf. Prof. Georgia Mason* hat das Verhalten wie folgt definiert: Verhaltensweisen, die sich wiederholen, starr und unveränderlich sind und kein offensichtliches Ziel oder keine Funktion haben. Dazu gehören Hin- und Herwiegen (Weben) bei Pferden und Elefanten, das Auf- und Abspringen bei Bären, im Kreis oder Achter-Schlingen laufen, das Hin- und Herlaufen oder -schwimmen (bei Raubtieren). Damit verbunden sind häufig Kopfdrehungen an bestimmten Stellen.

Auslöser für solches Verhalten sind in den meisten Fällen Fehler bei der Haltung der Tiere, also das Fehlen von Versteckmöglichkeiten, Schlafplätzen oder natürlichem Boden, die Umsetzung in andere Gehege, Transport und falsche Gruppenstruktur. Stereotypen werden auch hervorgerufen, wenn durch feste Fütterungszeiten eine sogenannte Fütterungserwartung ausgelöst wird. Stress wird häufig durch Stereotype abgebaut, verursacht beispielsweise durch eine hohe Anzahl von Besuchern, dominante Tiere innerhalb der Gruppe oder räumliche Enge mit wenigen Ausweichmöglichkeiten.

Durch Untersuchungen des Cortisolwerts (Stresshormon) von Eisbären konnte nachgewiesen werden, dass Eisbärinnen besonders anfällig für Stresssituationen sind. (Dr. Ulrike Stephan**)

Wie sollte also die Lösung dieses Problems aussehen oder wie könnte eine Verbesserung der Situation herbeigeführt werden? Ulrike Richter*** schlägt vor: Zum einen sind lebensraumbereichernde und beschäftigungsfördernde Maßnahmen der Gehegegestaltung wichtig (z.B. Spielzeug, Beschäftigungsmaterial), zum anderen Variationen in der Fütterung, wie Streufütterungen und wechselnde Fütterungszeiten.

Vom britischen Tierschutzforscher Trevor Pool stammt das sogenannte SCAN-Prinzip. Er hat die Anforderungen an die Tierhaltung wie folgt präzisiert:

S für Sicherheit (security), das heißt Rückzugsmöglichkeiten und Verstecke, Berücksichtigung der artspezifischen Fluchtdistanz, vertrautes Sozialgefüge und die Möglichkeit zur Markierung.

C steht für Komplexität (complexity), reich strukturierte Gehegeeinrichtung sowie komplexe zeitliche Abläufe.

A steht für „etwas erreichen können“ oder „Erfolg“ (achievement). Die Tiere sollen ihre Bedürfnisse durch zielgerichtete Verhaltensweisen befriedigen können bzw. man bezeichnet damit verschaffte Erfolgserlebnisse.

N steht für Neuigkeiten und Abwechslung, die regelmäßig den Alltag bereichern und damit die Eintönigkeit kompensieren sollen.

Die Eisbärenhaltung ist komplex, anspruchsvoll und teuer. Man muss sich also nicht wundern, wenn viele Zoos auf die Ausstellung dieser Tiere verzichten. Denjenigen, die sich entschlossen haben weiter – hoffentlich erfolgreich – zu züchten, kann man nur wünschen, dass die erforderlichen Geldmittel akquiriert werden können und, dass alle Verantwortlichen mit hohem Engagement und vielen guten Ideen für das Wohlbefinden ihrer Schützlinge sorgen.

Man mag die Wirkung des Eisbären als Symbol für den Klimaschutz auf uns bezweifeln, ich bin allerdings anderer Meinung. Sicherlich werden sich nicht alle nach einem Zoobesuch aktiv an Klimaschutzprojekten etc. beteiligen. Aber vielleicht ist es für viele ein Anstoß alte Gewohnheiten zu ändern oder ihr Verhalten zu überdenken. Und das reicht schon.


*Prof. Georgia Mason – Professorin im Fachbereich Tierwissenschaften an der Universität von Guelph/Kanada

Bei meinen Recherchen zum Thema Eisbären waren mir die folgenden Dissertationen besonders hilfreich:

**Dr. Ulrike Stephan – Untersuchungen an Eisbären in europäischen zoologischen Gärten: Verhalten und Veränderungen von Stresshormon-Konzentrationen unter Berücksichtigung der Gehegegröße und Gruppenzusammensetzung (2006)

***Ulrike Richter – Komplexität und Reduzierbarkeit von Stereotypien bei ehemals depriviert gehaltenen Braunbären im Bärenpark Worbis (2004)

Für die Historiker und Frankfurter unter uns: Die Großeltern von Viktoria waren Erich (geb. 1955) und Bärin Teddy (geb 1956). Beide kamen aus anderen Zoos nach Frankfurt und starben dort in hohem Alter. Teddy 1991, Erich 1989. Danach hat der Frankfurter Zoo die Eisbärenhaltung eingestellt.


Die folgenden Bilder zeigen Eisbärbaby Mika und seine Mutter Nuka im März 25. Mika wurde am 02. Nov 24 im Zoo Karlsruhe geboren.

Löwe

Tierstimmen lösen bei uns sehr unterschiedliche Reaktionen und Empfindungen aus: das Zwitschern von Singvögeln lässt uns beim Spaziergang innehalten und lauschen; das Gurren der Taube vor dem Schlafzimmerfenster lässt uns an Mord denken; das Kläffen von Hunden die eigentlich keine mehr sind, nervt uns; das Heulen eines Wolfes jagt uns einen Schauer über den Rücken und das Miauen eines Kätzchens löst bei uns einen „Streichelimpuls“ aus.

Das tiefe, langanhaltende Gebrüll eines Löwen gehört wohl zu den beeindruckendsten Stimmen in der Natur (wie auch das Trompeten von Elefanten). In den Savannen Afrikas hat man das Gefühl alles Leben erstarrt und lauscht; im Zoo setzen sich die Besucher eilig in Richtung Löwengehege in Bewegung um die Ursache für das Gebrüll herauszufinden. Das Gebrüll das übrigens meistens morgens und in der Abenddämmerung angestimmt wird und das etwa 5-9 km weit hörbar ist, dient der Reviermarkierung und wohl auch der Kommunikation mit weiter entfernten Rudelmitgliedern. Ein Ranger in der Motswari Lodge (nähe Krügerpark) erklärte uns, der brüllende Löwe würde seinen Bruder rufen.

Der Faszination für diese Tiere kann auch ich mich schwerlich entziehen und so ist es an der Zeit, einige Zeilen über Löwen zu schreiben.

Beschreiben braucht man diese Tierart eigentlich nicht. In vielen Tierdokus sind sie Thema, Spielfilme und Zeichentrickfilme tragen zu ihrem Bekanntheitsgrad bei. Adlige Familien, Städte und Länder haben sich den Löwen als Wappentier erkoren.

Fangen wir also mit der Taxonomie an. Auf der Seite der WWF finde ich zu Löwen folgende Bemerkung: Bis zur abschließenden wissenschaftlichen Klärung schlagen die Raubkatzenexperten der Weltnaturschutzunion IUCN folgende Gliederung der Löwen vor: Die Löwen in Asien, West- und Zentralafrika gehören zur Unterart P. l. leo. Daneben bilden die Löwen in Süd- und Ostafrika die Unterart P. l. melanochaita. Es wird davon ausgegangen, dass diese Einteilung demnächst wissenschaftlich bestätigt wird.“

Die traurige – bestätigte – Wahrheit ist, dass die Unterart der West- und Zentralafrikanischen Löwen stark gefährdet ist (ca. 2850 Tiere) und Berber-Löwen in der Wildnis bereits ausgestorben sind. Der Bestand an Asiatischen Löwen ist auf einen kleinen Bestand im indischen Gir Forest bei Gujarat geschrumpft und somit höchst gefährdet (noch etwa 400 Tiere). In den Zoos kann man sie teilweise noch bewundern und ihre Zucht ist erfolgreich.

Süd- und Ostafrikanische Löwen sind größer als ihre nordafrikanischen und asiatischen Verwandten und die Mähne der Männchen ist deutlich umfangreicher. Bei der asiatischen Unterart kann man daher meist die Ohren sehen. Bei den Afrikanern sind sie durch die Mähne verdeckt. Und für Besserwisser: Löwen sind die einzigen Katzen, deren Schwanz eine Quaste hat. Die Fellfarbe ist üblicherweise einfarbig hell- oder dunkelbeige, allerdings gibt es auch weiße Löwen in Südafrika (Transvaal Löwen) und einigen Zoos. Es handelt sich jedoch nicht um Albinos, sondern um eine erbliche Defektmutation (es fehlen farbstoffbildende Zellen). Die Mähne der männlichen Löwen beeindruckt allerdings nicht nur uns Menschen, sie hat zwei ganz wichtige Funktionen, dazu komme ich gleich.

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Säbelantilope

Diesen Text müsste ich eigentlich in der Vergangenheitsform schreiben. Aber eins nach dem anderen.

Der Lebensraum dieser schönen Antilope ist das nördliche Afrika und umfasst alle Länder in der Sahara oder an sie angrenzend. Dementsprechend sind sie „Hungerkünstler“ und kommen auch einige Tage ohne Nahrung und wochenlang ohne Wasser aus. Sie fressen Gräser, Kräuter, Blätter, Knospen, Früchte, Wurzelknollen und Zwiebeln. Um ihren Bedarf zu decken wandern die Herden weite Strecken.

Angepasst an diese Lebensweise sind die Jungtiere nach ihrer Geburt „Ablieger“. Sie warten also geschützt – soweit möglich – auf die Rückkehr des Muttertieres während deren Nahrungssuche. Nach zwei Wochen bilden die Kälber einen „Kindergarten“ und schließen sich der Herde an.

Säbelantilopen gehören zum Tribus – Pferdeantilopen und der Gattung – Oryx und sind somit nahe Verwandte der Oryx-Antilopen, die man von der Arabischen Halbinsel und dem südlichen Afrika kennt.

Und nun der traurige Teil der Geschichte. Der Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft Philipp J. Cretzschmar hat die Art zum ersten Mal 1826 wissenschaftlich beschrieben. Im Jahr 2000 mussten die Säbel-Antilopen als ausgerottet eingestuft werden. 1970 lebten in freier Wildbahn noch einige Tausend Tiere. Doch Bürgerkriege, Wilderei und natürlich auch die Dürreperioden in der Sahelzonen ließen den Antilopen keine Chance. Hinzu kam, dass die Menschen offensichtlich ihren Spaß daran hatten, die Jagd vom Auto oder Flugzeug aus zu betreiben. Da die Tiere in ihrem Lebensraum praktisch keine Rückzugsmöglichkeit hatten und Flucht sinnlos war, wurden die Bestände schnell vernichtet.

Von den letzten Überlebenden kamen Anfang der 60er Jahre aus dem Tschad Tiere in europäische Zoos und sicherten so zunächst einmal das Überleben der Art. Erfolgreiche Auswilderungen folgten dann in Tunesien und Marokko, wo heute in geschützten Reservaten etwa 500 Tiere leben. Nach einer Zählung aus dem Jahr 2013 leben in Zoos weltweit etwa 1750 Exemplare und noch ca. 4000 (geschätzt) auf Jagdfarmen und in Privatbesitz in arabischen Ländern.

Ja und wenn der geneigte Leser noch etwas Geld übrig hat: texanische Jagdfarmen bieten Trophäen-Abschüsse für 3000 bis 6500 USD an, rein weiße Exemplare kosten etwa das Doppelte. (Info aus Zootierliste.de)

Ich beende meinen Beitrag nun (bevor mir noch schlecht wird) und füge wie immer einige Fotos an. Diese sind im Vivarium Darmstadt und der Wilhelma Stuttgart entstanden. Die Bilder der Oryx-Antilopen wurden in einem Hotel Resort in Dubai (2001) und in der Kalahari /Südafrika (2019) aufgenommen.

Katta

Wir sind zurück auf Madagaskar und wer innert sich nicht gerne an die „Madagaskar“ Animationsfilme mit Katta King Julien. Er hat die Zuschauer offensichtlich so nachhaltig beeindruckt, dass 2017 eine eigene Serie unter seinem Namen startete. Und nicht nur das, in den Zoos scheint ein regelrechter Katta–Boom ausgebrochen zu sein. Von A wie Angermünde bis W wie Worms findet man praktisch in allen Zoos und Tierparks diese Publikumslieblinge.

Für die ausgesprochen friedliebenden Tiere haben die Zoos neue Haltungsformen entwickelt. So gibt es im Allwetterzoo Münster eine Lemuren Insel, im Salzburger Zoo sind die Kattas auf der Afrika-Savanne u.a. mit Breitmaulnashörnern vergesellschaftet. Weiterhin wurden begehbare Gehege entwickelt, die sowohl dem Besucher optimale Bedingungen schaffen um den Tieren möglichst nahe zu kommen und den Tieren ein Maximum an Bewegungsfreiheit bieten.

Um Kattas erfolgreich züchten zu können, ist es erforderlich, sie in einer großen Gruppe zu halten in der die Männchen zahlenmäßig stärker vertreten sind. Der Männerüberschuss regt in der Fortpflanzungszeit offensichtlich die Werbung und Aktivität an. Im Gegensatz zu anderen Primaten sind in einer Gruppe Kattas die älteren Weibchen dominant. Kattas leben üblicherweise in Gruppen von 6 bis 24 Tieren. Das Revier wird durch stark riechende Duftsekrete markiert, was auch für die Gehege im Zoo gilt. Es herrscht eine strenge Rangordnung unter den Gruppenmitgliedern. Katta Männchen weisen ihre Konkurrenten oder Eindringlinge mit einem besonderen Imponiergehabe in die Schranken. An den Unterarmen der Tiere befinden sich Duftdrüsen. Der Schwanz wird also an den Duftdrüsen vorbeigezogen und mit dem Sekret eingerieben, anschließend wedelt der Katta mit seinem Ringelschwanz dem Mitbewerber um Weibchen oder Rangplatz entgegen. Ein ganz typisches Verhalten der Kattas. Der geringelte Schwanz wird beim Laufen hochgehalten und dient so als Erkennungszeichen im hohen Gras oder Buschland.

Eine erstaunliche Entdeckung machten Forscher der Duke University in Australien. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei Lemuren der Geruch in Zusammenhang mit den genetischen Anlagen steht. So spiegelt der Geruch des Sekrets die genetischen Qualitäten eines fortpflanzungsfähigen Männchens wider. Die Weibchen können also einen vielversprechenden Bewerber erriechen. Des Weiteren fand die Biologin Christina Drea heraus, dass in der Paarungszeit der männliche Geruch auch Aufschluss über das verwandtschaftliche Verhältnis der Tiere untereinander geben kann. Kattas haben verschiedene Duftdrüsen, wie bereits erwähnt an den Unterarmen/Handgelenken, aber auch an der Schulter und den Genitalien.

In ihrer Heimat fressen Katta hauptsächlich Feigendisteln, Früchte von Kakteen (Opuntien) oder Blätter. Die Zoos müssen bei der Ernährung darauf achten, dass das verfütterte Obst zu viel Zucker enthält und daher einen Ausgleich schaffen, da die Tiere sonst zu dick werden.

Kattas sind tagaktiv und lieben die Sonne. Sie setzten sich oft mit ausgebreiteten Armen und Beinen hin und nehmen ein Sonnenbad. Diese aktiven Tiere zu beobachten macht sehr viel Spaß. Sie sind unglaublich flink und beweglich, Sprünge über mehrere Meter sind überhaupt kein Problem. Zum Ausruhen, Schlafen oder um sich aufzuwärmen kuscheln sich die Tiere zusammen, was lustig aussieht, da man einzelne Tiere im Knäuel kaum ausmachen kann.

In Madagaskar beschränkt sich ihr Lebensraum auf den Süden und den Südwesten der Insel. Kattas findet man dort in den Trockenwäldern, in den schmalen Streifen Galeriewald die sich entlang von Flüssen ziehen und im Dornbusch.

Und die folgenden Sätze könnte ich eigentlich kopieren und in praktisch jeden meiner Berichte einfügen: Kattas werden auf der Roten Liste seit 2014 als stark gefährdet eingestuft. Erstens werden sie immer noch als Leckerbissen von der Bevölkerung bejagt oder als Haustier gefangen. Zweitens wird ihr Lebensraum durch die Landnahme der Menschen immer weiter eingeschränkt und zerklüftet, sodass der Genpool durch die Isolierung der Gruppen immer kleiner wird.

Meine Bilder sind im Opel-Zoo Kronberg und im Zoo Heidelberg entstanden.

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Die folgenden bilder entstanden in der Freianlage des Augsburger Zoos 03/23

Roter (Kleiner) Panda

Beginnen wir diesen Artikel mit einer Frage: Was haben Kleine Pandas, Hunde, Bären, Walrosse, Robben oder Marder gemeinsam? – Sie alle bilden in der Systematik der Tiere eine Unterordnung innerhalb der Ordnung „Raubtiere“. Alle genannten Tiere gehören in die Unterordnung „Hundeartige“. Häufige, gemeinsame Merkmale sind die spitze Schnauze (liebe Hundezüchter habt Ihr das gelesen: spitze Schnauze), dass sie Zehengänger sind und Krallen haben, die sich nicht einziehen lassen. Der Kleine Panda weicht insofern von diesen Merkmalen ab, als er Sohlengänger ist, eine eher stumpfe Nase hat und einige seiner Krallen einziehen kann.

Eigentlich hätten diese hübschen Kerlchen das Zeug zu Publikumsmagneten in den Zoos. Nach dem Motto unser Gehege ist zwar klein aber hoch, verbringen sie jedoch die meiste Zeit des Tages in den Bäumen und zwar so weit wie möglich oben im Wipfel, wo sie kaum zu entdecken sind. Es sind nachtaktive Tiere, die am Tag überwiegend schlafend anzutreffen sind und nur zum Fressen nach unten kommen.

Es gibt noch zwei Verbreitungsgebiete des Kleinen Pandas, das die Gattung aufgrund der geografischen Lage in zwei Unterarten teilt. Der Westliche Kleine Panda hat seine Heimat in Nepal, Assam, Sikkim und Bhutan und wird deshalb auch Himalaja-Katzenbär genannt. Der Östliche Kleine Panda oder auch Chinesischer-Katzenbär lebt im südlichen China und nördlichen Myanmar. Das Verbreitungsgebiet wurde vor etwa 220.000 Jahren durch die Vergletscherung während der letzten Kaltzeit getrennt. Die Vorfahren des Kleinen Panda hießen Parailurus und lebten im Pliozän (vor 5,3 – 2,8 Mio. Jahren). Sie waren über die gesamte nördliche Halbkugel verbreitet.

Bis auf einige abweichende körperliche Merkmale sind sich die beiden Panda Arten jedoch sehr ähnlich. Ihre Nahrung besteht zu etwa 85% aus Bambusblättern und anderen Pflanzenteilen, hin und wieder auch Insekten, Jungvögeln oder Eiern. Sie leben in subalpinen Bergwäldern und Bambusdickichten, da sie eher kühlere Temperaturen vorziehen. Den etwas verwirrenden Namen Katzenbär erhielten sie, weil sie die Angewohnheit haben, sich nach Katzenart den Körper mit der abgeleckten Handsohle zu säubern. Ebenso ungewöhnlich ihre Art zu trinken. Sie tauchen eine Pfote ins Wasser und lecken diese dann ab. Selten schlürfen sie Flüssigkeiten ein.

Rote Pandas sind normalerweise Einzelgänger (Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel) und finden nur zur Paarungszeit zusammen. Kurz vor dem Wurf sammelt das Weibchen Zweige und Blätter und baut damit ein Nest in eine Baumhöhle oder Felsspalte. Es werden 1-4 Junge geboren, die mit verschlossenen Augen und Ohren zur Welt kommen. Die Entwicklung der Jungtiere schreitet sehr langsam voran. Erst im Alter von 65 bis 90 Tagen können sie erstmals ihr Nest verlassen. Sie werden fast 5 Monate von der Mutter gesäugt. Um dafür genügend Milch zu haben, muss sie die dreifache Menge an Futter zu sich nehmen, d.h. sie ist gezwungen, ihre Jungen während der Futtersuche lange alleine zu lassen. Man kann sich vorstellen, dass ihre natürlichen Fressfeinde Schneeleoparden oder Baummarder dies zu nutzen wissen.

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Amur (Sibirischer) Tiger

Über die südlichen Verwandten des Amur Tigers habe ich bereits geschrieben. In vielen Merkmalen gleichen sich alle Unterarten natürlich, deshalb gehe ich nur auf die sichtbaren Unterschiede ein.

Der Amur Tiger ist die größte lebende Katze. Die Kater werden bis zu 2,90 m lang und können ein Gewicht von 325 kg erreichen. (Sumatra Tiger etwa die Hälfte). Der Backenbart ist bei dieser Unterart nicht so ausgeprägt wie bei den Inseltigern. Die Färbung ist meist etwas heller, oben rötlichgelb bis rostbraun, unterseits und an den Flanken weiß, die schwarzgrauen Querstreifen ziehen sich über den ganzen Körper. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse haben diese Tiger ein dichtes und längeres Fell als die südlichen Vertreter.

Weiße Tiger sind übrigens eine Züchtung, die auf einen weißen Bengal Tiger aus Rewa in Vorderindien zurückgeht. Dieser wurde 1951 gefangen und mit einer normalgefärbten Tigerin gepaart. Aber erst als er mit seiner  Tochter gekreuzt wurde, hatte er weißen Nachwuchs. Sowohl Vater als auch Mutter müssen die (Gen-)Veränderung besitzen, damit sie beim Nachwuchs zum Tragen kommen kann. Aufgrund der häufigen Inzucht sind die Jungen meist krank oder nicht überlebensfähig. Man hat festgestellt, dass die ursprüngliche Weißfärbung durch einen Gendefekt verursacht wird. Es sind aber keine echten Albinos, denn sie haben dunkle Streifen und blaue Augen. Der letzte weiße Bengal-Tiger in Freiheit wurde 1958 geschossen.

Doch zurück zum Amur (Sibirischen) Tiger. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom Baikalsee nach Korea und nach Sachalin – die nördlich von Japan gelegene Insel. Heute sind die beiden Regionen im Fernen Osten Russlands Primorje bis in die südlichen Teile von Chabarowsk, die letzten Rückzugsgebiete. Der Fluss Amur bildet die westliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes.

Die Größe der Reviere hängen vom Nahrungsangebot ab, das in diesen Breiten eher dünn ist. Bei Katern sind dies enorme 800 bis 1000 qkm, die der Weibchen sind deutlich kleiner und überschneiden sich häufig mit den Revieren eines Männchens. Da Weibchen nur etwa 3-7 Tage paarungsbereit sind, suchen sie sich häufig einen Partner. Die Paarung der Tiere zu beobachten ist durchaus spannend. Im Zoo Landau konnte ich beobachten, dass die Initiative oft vom Weibchen ausging und sie auch das Ende des Aktes bestimmt hat und dies laut und nachdrücklich.

Und hier noch die Unterarten von Panthera Tigris:

  1. Amur-Tiger auch Sibirischer oder Amur-Ussuri-Tiger genannt,
  2. Südchinesischer Tiger ursprünglich in Südchina, freilebend weitestgehend ausgerottet. In chinesischen Zoos leben etwa 70 Tiere,
  3. Hinterindischer (Indochina) -Tiger, etwa noch 350 Tiere in Kambodscha, Thailand, Myanmar, Laos und vielleicht in Vietnam,
  4. Malaiische Tiger – auf der malaiischen Halbinsel leben etwa 250 Tiere,
  5. Königs- oder Bengaltiger* – verbreitet in Indien und den Nachbarstaaten leben dort etwa 2500 Tiere.
  6. Sumatra-Tiger – etwa 400 Individuen auf Sumatra
  7. Java-Tiger – ausgerottet seit 1970
  8. Bali-Tiger – ausgerottet seit etwa 1940
  9. Kaspischer Tiger – ursprünglich weite Verbreitung von Anatolien über den Iran und Zentralasien bis in die Mongolei. Heute ausgerottet.

Die weitaus meisten Tiger leben heute in Zoos und leider auch in privaten Tiergehegen. In Texas alleine sind es etwa 2000 in solchen Hinterhofgehegen, ohne jede Kontrolle durch Veterinäre oder andere staatliche Organe. Unter welchen Bedingungen möchte man nicht wissen**.  In China werden Tiger in etwa 20 privaten Farmen gezüchtet (die Zahl die man vermutet schwankt zwischen 5000 und 10.000 Tieren) – und man ahnt es schon – um  geschlachtet und zu „Medizin“ verarbeitet zu werden.

*ein bekannter Vertreter ist Mowglis Widersacher Schir Khan aus dem Dschungelbuch von Rudyard Kipling. Der im Übrigen das schlechte Image, das Tiger oft in ihren Heimatländern haben, in seinen Roman übernimmt.

**Ich empfehle einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung Magazin von Michaela Haas „Ein Tiger als Spielzeug“ mit den einleitenden Worten: „In einigen US-Bundesstaaten ist es einfacher, an einen Tiger zu kommen als an ein Auto. Bis zu 20 000 Wildkatzen werden als Haustier, Partyattraktion oder Maskottchen gehalten. Und Prominente machen das Problem nur noch größer.“

Die Bilder sind in den Zoos von Leipzig (oben), Duisburg und Landau (in der Galerie) entstanden.

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Erdmännchen

Ich will unbedingt Erdmännchen sehen, so der Wunsch meiner Schwägerin, als wir am Kgalagadi Transfrontier Park in Südafrika die Formalitäten erledigt hatten und erwartungsvoll in den Park hineinfuhren. Um es gleich zu sagen: es wurde nichts daraus, denn an der einzigen Kolonie in unserer Nähe sind wir natürlich vorbeigefahren. Das kann einem in deutschen und europäischen Zoos nicht passieren. In Europa gibt es ungefähr 550 Erdmännchen-Anlagen davon in Deutschland alleine etwa 130.

Mit Sicherheit haben Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumba aus „König der Löwen“ zur Beliebtheit der Erdmännchen beigetragen. Meistens sind die Anlagen von begeisterten Kids umringt, die aufgeregt alle Aktionen und die Kommunikation der Tiere untereinander kommentieren.

Dabei fällt auf wie viele der Besucher gut informiert sind. Das ausgesprochen spannende Sozialverhalten der Erdmännchen macht die Tiere interessant für den Schulunterricht oder die Zoopädagogik. Übrigens gibt es viele Namen für sie, darunter Scharrtiere (von Prof. Grzimek so genannt wegen ihrer Leidenschaft fürs Graben) oder Meerkat (Meerkatze in Afrikaans). In der Systematik der Biologie gehören Erdmännchen zur Familie der Mangusten.

Aber sind Erdmännchen wirklich nur die putzigen Tiere die wir sehen? Gibt es gar Parallelen zum Sozialverhalten der Menschen?

Erdmännchen leben in Südwest-Angola, Botswana, Namibia und Südafrika. Dort besiedeln sie trockene Gebiete bis Halbwüsten mit wenig oder keinem Baumbestand. Das sind z.B. die Namib, Kalahari, Karoo und das Highveld (das flache innere Hochplateau zwischen der Kalahari und Johannesburg – Nordwest-Provinz).

Ein dominantes Weibchen führt die Gruppe an, die sich aus Tieren beiderlei Geschlechts zusammensetzt. Sie ist normalerweise auch das einzige Weibchen das mit dem ranghöchsten Männchen für Nachwuchs sorgt (etwa 80% der Jungtiere). So zahlen beide Geschlechter der Familienmitglieder einen hohen Preis – sie verzichten auf Sex. Inzucht innerhalb der Gruppe wird nicht toleriert.

Clutton-Brock, Verhaltensbiologe von der Universität Cambrigde und ausgewiesener Experte, sagt: „Das Leben der Erdmännchen ist ein großer Widerspruch zur Evolutionstheorie. Danach müsste sich der Lebenserfolg einer Art nur nach der Zahl der Nachkommen bemessen lassen. Im scharfen Überlebenskampf der Wüste haben sich alle bekannten Verhaltensmuster als unbrauchbar erwiesen. Als überlebensfähig hat sich nur das archaische Gemeinwohl-Modell bewährt.“ (vergleichbar den Ameisen und Bienen)

Wenn man das Modell Bienen mit Arbeitern und Bienenkönigin oder Kriegern (bei den Ameisen) mit der Gemeinschaft der Erdmännchen vergleicht, gibt es hier nur drei „Berufe“: Wächter, Babysitter und Nahrungsbeschaffer. Babysitter ist nach der Geburt der Jungen zunächst ein älteres Weibchen, das bei Abwesenheit der „Königin“ – die sich immer an der Jagd bzw. Futtersuche beteiligt – die Jungen umsorgt und sogar in der Lage ist diese zu säugen, obwohl sie keine eigenen Jungen hat oder bekommen wird. Nach etwa 2 Monaten bringen die Gruppenmitglieder den Kleinen dann Beutetiere, die zunächst tot und später auch lebendig dargereicht wird.

Wächter beobachten das Umfeld des Baus, während der Rest der Familie auf Nahrungssuche ist. Man erkennt die Wächter daran, dass sie auf den Hinterbeinen stehen und ihren Blick stetig schweifen lassen. Im Gegensatz dazu sitzen die Familienmitglieder auf den Hinterbeinen, wenn sie sich ausruhen. Neue Beobachtungen haben ergeben, dass die Wächter zudem unterscheiden, ob der Feind aus der Luft oder übers Land kommt und, ob er weit weg ist oder schon tödlich nah. Durch Lautäußerungen informiert der Wächter die nahrungssuchende Gruppe ständig über die Lage.

Erdmännchen leben in einem despotischen System. Dies führt dazu, dass männliche Tiere ihre Gruppe mit etwa 3 bis 4 Jahren verlassen, da sie sich in der eigenen Familie nicht fortpflanzen können. Sie bilden oft mit vertriebenen Weibchen eigene Gruppen. Die verbleibenden Männchen bleiben in der Rolle von Helfern (Nahrungsbeschaffern, Wächtern).

Anders als die Männchen verlassen die Weibchen die Gruppe nie freiwillig, sondern werden in einem Alter von zwei bis vier Jahren vom dominanten Weibchen durch wiederholtes aggressives Verhalten zum Abwandern genötigt. Im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft verhält sich das dominante Weibchen gegenüber den weiblichen Helferinnen (die ja auch trächtig werden könnten) besonders aggressiv. Das geht soweit, dass sie die potentiellen Konkurrentinnen kurzzeitig vertreibt oder falls diese doch von einem fremden Männchen trächtig sind, sogar deren Nachwuchs tötet und frisst.

Mobben, Krieg führen und liebevolles Familienleben. All dies existiert in einem Familienverband bei Erdmännchen und einiges davon ist sehr menschlich. Wahrscheinlich sind sie uns auch deshalb so sympathisch.

Die Bilder sind in den Zoos von Heidelberg, Frankfurt, Duisburg, dem Opel-Zoo sowie dem Zoo Basel entstanden.

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Hier noch etwas zum schmunzeln: Pressemitteilung vom 01.04.2023:

Die Debatte um gendergerechte Sprache hat jetzt auch den Opel Zoo in Kronberg (Taunus) erreicht. Erste Beschwerden von Besuchern wegen der Namensgebung von Tieren seien schon eingegangen, beklagt der Zoo. Nun wolle man reagieren und weiteren Vorwürfen vorbeugen.

Ausgerechnet bei einem Publikumsliebling haben die Experten Konfliktpotential ausgemacht: Die Erdmännchen sollen deshalb ab sofort Erdpersönchen heißen, teilte der Zoo am Samstag mit. Eine neue Infotafel ist auch schon entworfen

Nachwuchs im Zoo Frankfurt Sep 25

Fossa

Fossas werden im Deutschen auch Frettkatzen genannt. Sie leben ausschließlich auf Madagaskar. Sie werden der Familie der Schleichkatzen an, wie z.B. Mungos, Ginster- und Zibetkatzen oder Mangusten zugerechnet. Fossas bilden jedoch wegen einiger spezieller Körpermerkmale und ihrem isolierten Vorkommen als einzige Art eine eigene Unterfamilie (Madagaskar-Schleichkatzen). Man geht davon aus, dass Fossas eine sehr altertümliche Tierart sind. Ein Hinweis könnte die lange Reifezeit der jungen Fossas von 5 Jahren sein. Nach der Isolierung Madagaskars von Afrika und Indien wanderte die Urform, ein Mangusten ähnliches Tier, über die Straße von Mosambik nach Madagaskar ein. Das geschah im Laufe des späten Tertiärs (vor etwa 23-18 Mio. Jahren) wo die Tiere dann eine endemische Entwicklung nahmen.

Wenn man ein passendes Adjektiv für sie suchen müsste, wäre „quirlig“ wohl das Beste. Fossas sind etwa 80 bis 90 cm groß, sehr schlank und haben einen langestreckten Körper. Bei meinen Besuchen habe ich sie in permanenter Aktion gesehen. Sowohl am Boden als auch in 3 Meter Höhe. Sie klettern unglaublich behände und sind dabei so schnell, dass sie jedem Fotografen den Schweiß auf die Stirn treiben. Die teilweise dicht bewachsenen Gehege, den Wäldern auf Madagaskar nachempfunden, und die schwierige Lichtstimmung tun ihr übriges.

Fossas sind reine Fleischfresser, immer auf der Suche nach Essbarem und in ihrer Heimat nicht übermäßig beliebt, da sie sich auch gerne an kleinen Haustieren vergreifen. Allerdings ist ihre Hauptnahrung Lemuren (Halbaffen) – man kann dann auch verstehen, warum sie so enorm flink sein müssen. In ihrer Heimat durchstreifen die Tiere als Einzelgänger die tropischen Regen- und Trockenwälder. Wo der Mensch die Wälder gerodet hat, wie z.B. im zentralen Hochland können sie nicht überleben.

Die bereits erwähnten speziellen Körpermerkmale beziehen sich u.a. auf die einziehbaren Krallen, die Reißzähne (wie Katzen), Analtaschen (wie Mangusten) oder Schädel (wie Schleichkatzen). Dass Fossas außergewöhnliche Tiere sind, zeigt eine Besonderheit bei den Weibchen – eine vorübergehende Vermännlichung. Man versteht darunter zum einen die Ausbildung von Stacheln an der Klitoris, die dem männlichen Penisknochen ähneln und das Ausscheiden eines orangefarbenen Secrets, das die Bauchseite der Weibchen kurzfristig orange (wie bei den Männchen) färbt. Diese eigentlich männlichen Merkmale verschwinden wieder, wenn das Weibchen mit etwa 5 Jahren geschlechtsreif wird. Man kann also davon ausgehen, dass diese Merkmale die noch nicht geschlechtsreifen Weibchen vor den männlichen Freiern schützen sollen. Im Alter von 2-3 Jahren werden die Jungtiere nämlich von ihrer Mutter vertrieben und verlieren somit deren Schutz.

Auch die Paarung der Fossas zeigt ein ungewöhnliches Verhalten. Das Weibchen zieht sich auf einen bestimmten Baum ins Geäst zurück. Die Männchen am Boden kämpfen um das Vorrecht der Begattung. Der Sieger wird jedoch häufig vom Weibchen abgewiesen. Nach welchen Kriterien die Männchen ausgesucht werden ist jedoch noch nicht bekannt. Der Begattungsakt dauert ungewöhnlich lange, meistens bis zu 2 Stunden. Die Tiere sind dabei so fest verbunden, dass beide Tiere bei Gefahr oder Störung im Baum klettern können, ohne sich zu lösen.

Das erste Tier kam übrigens im Jahr 1890 in den Londoner Zoo. In der Zwischenzeit leben in vielen Zoos Fossas und vermehren sich dort auch. Besonders erfolgreich ist dabei der Duisburger Zoo, wo auch das Zuchtbuch geführt wird und der das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert. Mehrere Artenschutzprojekte fördern Schutzmaßnahmen auf Madagaskar.

Diese außergewöhnlichen Tiere haben unsere Aufmerksamkeit und Schutz verdient. Aber dies gilt auch für die Menschen auf Madagaskar. Während ich diese Zeilen im Oktober 21 schreibe gibt es folgende Medienberichte (z.B. ZDF.de):

Hunderttausende stehen in Madagaskar am Rande der Verzweiflung. Der Süden des tropischen Inselstaats, der nahe der Ostküste Afrikas im Indischen Ozean liegt, erlebt die schlimmste Dürre seit 30 Jahren. Es gibt kein sauberes Trinkwasser und kaum noch Nahrungsmittel. Seit Monaten leben die Menschen von Kakteenfrüchten, mit Tamarindensaft gemischtem Lehm, Heuschrecken und Blättern.

Sumatra-Tiger

Ich könnte stundenlang vor den Tiger-Gehegen verbringen. Die Tiere sind elegant, schön, kraftvoll und haben Augen die förmlich strahlen. Eigenschaften, die auch auf viele Menschen zutreffen und die wir sehr schätzen. Trotzdem sind diese herrlichen Tiere fast ausgerottet.

Tiger lassen sich genetisch in 2 Unterarten* einteilen, in Festlandtiger und Sundatiger, zu denen auch der Sumatra-Tiger gehört. Vor etwa 6000 – 12000 Jahren führte die Erhöhung des Meeresspiegels dazu, dass die Festlandsbrücke zu den Sundainseln unterbrochen wurde. Daher unterscheiden sich die Inselbewohner (Sumatra) genetisch deutlich von den Unterarten auf dem asiatischen Festland. Sumatra-Tiger sind beispielsweise deutlich kleiner und die Männchen ziert ein markanter Backenbart.

Die Probleme der Tiger auf Sumatra sind vielschichtig. Eine stetig anwachsende Bevölkerungszahl die mehr Ressourcen an Land benötigt, das Abholzen der Wälder, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen und man ahnt es schon, die Wilderei, um z.B. für die chinesische Medizin Tigerknochen zu erhalten oder der Handel mit Tigerfellen.

Die Restbestände (etwa 370 Tiere) der Sumatra-Tiger leben heute in isolierten Populationen überwiegend in Schutzgebieten. Da weder Tiger noch ihre Beutetiere zwischen den Schutzgebieten wechseln können, ergeben sich weitere Schwierigkeiten. Der Genpool wird kleiner und die Zahl der Huftiere ist dramatisch gesunken. Da der Mensch hier als Nahrungskonkurrent auftritt, fehlt es den Tigern praktisch an Beutetieren. Unliebsame Begegnungen mit Menschen und deren Haustieren sind so vorprogrammiert.

Die Inselbewohner leben in ihrer Heimat in dichten tropischen Wäldern im Tief- und Hochland. Sie benötigen die Nähe zu Wasser, da sie dort auch jagen oder sogar baden. Sumatra-Tiger haben Schwimmhäute zwischen den Zehen und sind ausgezeichnete Schwimmer.

Die Gehege in den modernen Zoos sind dieser Tatsache soweit es geht angepasst. Allerdings ist auch klar, dass ein Käfig oder ein Freigehege, sei es noch so groß, das Revier eines Tigers nie ersetzen kann. Dieses ist üblicherweise je nach Nahrungsangebot zwischen 20 und 100 km² groß. Da Tiger Einzelgänger sind, verteidigen insbesondere die männlichen Tiere ihr markiertes Revier gegen Eindringlinge. Sie akzeptieren allerdings Revierüberschneidungen mit weiblichen Artgenossinnen. Diese haben meistens kein festes Revier oder wechseln es häufig auf der Suche nach Katern.

Es gibt bei Tigern keine feste Paarungszeit. Solange eine Kätzin keinen Nachwuchs hat, ist sie etwa alle 45 bis 55 Tage paarungsbereit. Allerdings ist die Tigerin während der Brunstzeit, die zwischen 20 und bis zu 80 Tagen dauert, nur etwa 3-7 Tage befruchtungsfähig.

Meine Bilder entstanden im Zoo Frankfurt und Heidelberg. Die Frankfurter Tigerin Malea bekam zum letzten Mal 2013 Nachwuchs. Berani bekam 2014 in Augsburg eine neue Heimat. Nach dem Tod des Katers Iban kam Kater Vanni 2017 aus Spanien nach Frankfurt. Allerdings klappte es zwischen Malea und ihm nicht, sodass es keinen weiteren Nachwuchs gab. Beide Tiere sind in der Zwischenzeit verstorben.

Der überwiegende Teil der Bilder stammt aus dem Zoo in Heidelberg. Dort hatte es zwischen Kater Tebo und Kätzin Karis gefunkt und im Februar 2021 kamen Jambi, Dumai und Sabah zur Welt. Die Bilder sind ab Juni 2021 entstanden.

* Diese Angabe basiert auf den aktuellen Erkenntnissen. Es gibt jedoch auch Unterscheidungen von bis zu 9 Unterarten. Darauf gehe ich in einem zukünftigen Beitrag über den Amur-Tiger ein.

Neue Bilder aus Heidelberg 09/22