Gorillas

Warum sollte ich eigentlich über Gorillas schreiben und nicht lieber über Quolls oder Schuhschnäbel? Die kennt kaum jemand und es gibt das eine oder andere Spannende über sie zu berichten. Menschenaffen genießen ja schon eine hohe mediale Aufmerksamkeit und es gibt tolle Blogs und Infos über Gorillas im Internet. Also warum?
Es sind die zahlreichen Begegnungen in Zoos, die mich immer wieder tief beeindrucken und der letzte Anstoß waren der Film über Dian Fossey und ihr Buch „Gorillas im Nebel“. Ich werde mich jedoch auf einige Aspekte im Leben der Gorillas beschränken müssen, hier zunächst etwas Geschichte und Geographie. In Teil 2 lasse ich Coco zu Wort kommen. Wer sich weiter informieren will, dem empfehle ich die am Ende meines Beitrags genannten Webseiten.

Menschen und Gorillas, das war schon immer ein toxisches Verhältnis* und so verwundert es nicht, dass ihr Weg von ihrer Entdeckung bis in die europäischen und amerikanischen Zoos geprägt waren von Tierleid, Grausamkeit, Unverständnis und mangelndem Sachverstand.

* Eine toxische Beziehung besteht aus einem dominanten, fordernden und einem eher zurückhaltendem, schwachen Part. Die Bedürfnisse des dominanten Parts stehen absolut im Fokus.

Gorillas und Wir – Teil 1

„Drei Tage lang segelten wir von dort an feurigen Sturzbächen entlang und gelangten dann an eine Bucht, die ‚Horn des Südwinds‘ (Nótū Kéras) hieß. Im Winkel lag eine Insel, die der ersten glich und ebenfalls einen See aufwies. Und in diesem See lag eine weitere Insel, voll von wilden Menschen. Es waren überwiegend Weiber, die am ganzen Körper dicht behaart waren; die Dolmetscher nannten sie goríllai. Wir verfolgten sie, konnten aber keine Männer fangen; sie entwischten alle, weil sie ausgezeichnete Kletterer waren und sich mit Felsbrocken zur Wehr setzten; Weiber aber fingen wir drei ein; sie bissen und kratzten und wollten denen, die sie führten, nicht folgen. Daher töteten wir sie, zogen ihnen die Haut ab und brachten die Bälge nach Karthago mit.“

So beschrieb Hanno ein karthagischer Seefahrer um 470 v.Chr. sein Zusammentreffen mit Wesen, die die Dolmetscher Gorillai nannten. Dokumentiert ist diese Reise im „periplus“ einem Reisebericht über eine Entdeckungsreise von Karthago bis in den Golf von Guinea.

Im Jahr 1847 wurden die Tiere zum erstmals wissenschaftlich anhand von Schädel- und Knochenfunden durch T.S. Savage und J. Wyman beschrieben. Es handelte sich dabei um Westliche Flachland Gorillas. In Anlehnung an Hannos Reisebericht erhielten sie den Gattungsnamen Gorilla. In den folgenden Jahren wurden weitere Tiere untersucht und in die Systematik eingeordnet.

Der frz. Afrikaforscher Paul Belloni Du Chaillu war wohl der erste Weiße, der 1855 in Gabun auf lebende Gorillas stieß. Seine und folgende Berichte beschrieben den Gorilla als gefährliches Monster und wurden so Inspiration und Vorlage für Filme wie King Kong. Dass dem nicht so war, wurde erst durch die Studien von Jill Donisthorpe, Schaller und Fossey mehr als 100 Jahre später bekannt. Sie zeichneten das Bild eines sozialen und friedlichen Tieres, des sanften Riesens.

Auf einer Expedition im Jahr 1902, schoss der deutsche Hauptmann Friedrich R. von Beringe im Gebiet der Virunga Vulkane in Ruanda zwei Tiere, die der deutsche Zoologe Paul Matschke untersuchte, als Unterart „Berggorilla“ neu einordnete und ihnen den wissenschaftlichen Namen (zu Ehren ihres Entdeckers) Gorilla beringei beringei nannte. Aus heutiger Sicht eine zweifelhafte Ehre, aber zu dieser Zeit war das Motto: erst schießen dann untersuchen.

Zwei junge Frauen, die Schottin Rosalie Osborn und Jill Donisthorpe eine Südafrikanische Journalistin, reisten 1954 in die Virunga Berge, um für 9 Monate das Leben der Gorillas zu studieren und schlussendlich mit dem Mythos des gefährlichen Monsters aufzuräumen.

Die ersten Langzeit-Feldstudien wurden von George Schaller ab 1959 durchgeführt. Schaller ist amerikanischer Zoologe und Naturforscher. Er studierte die Berggorillas im Gebiet der Virunga Vulkane im Kongo (heute Demokratische Republik Kongo). Seine Beobachtungen und Erkenntnisse waren die ersten, die die Wissenschaft über freilebende Gorillas erhielt. Sie waren auch die Basis auf der Dian Fossey ihre Langzeitstudien aufbauen konnte.

Dian Fossey begann ihre Studien 1969 zunächst in Kabara/Kongo und wechselte von dort nach ihrer Ausweisung in das benachbarte Gebiet der ruandischen Virunga-Vulkane. Sie gründete dort das Forschungs-Camp Karisoke in dem sie bis zu ihrer Ermordung 1985 lebte und forschte.

Das Verbreitungsgebiet der Gorillas gab den Wissenschaftlern lange Zeit einige Rätsel auf. Im Westen Afrikas umfasst es Gabun (mit der höchsten Anzahl an Tieren), Teile von Kamerun (Süden), Kongo und evtl. die angolanische Enklave Cabinda. Hier lebt die Unterart Westlicher Flachlandgorilla. Die Heimat der Östlichen Flachlandgorillas umfasst Teile der DR Kongo und Uganda und die der Berggorillas liegt im Grenzgebiet zwischen Uganda, Ruanda und der DR Kongo in den Virunga-Vulkanen. Das bedeutet, dass zwischen den östlichen und westlichen Populationen etwa 1000 km liegen, in denen es keine Gorillas gibt. Colin P. Groves** vermutete, dass das Verbreitungsgebiet ursprünglich entlang des nördlichen Kongobeckens reichte. Aber nach Ende der Kaltzeit (im Pleistozän) erwärmte sich die Erde mit Beginn des Holozäns vor etwa 11700 Jahren. Das hatte zur Folge, dass in Afrika zwischen den Gebirgen in Osten und Westen ausgedehnte Savannen entstanden. Mit dieser Klimaänderung starben die dort lebenden Gorillas aus, da Savannen für sie als Lebensraum ungeeignet sind. So entwickelten sich die Unterarten getrennt voneinander.

Heute gehören die Berggorillas zu der am besten erforschten Unterart. Geschuldet dürfte dies der Vorarbeit von Schaller und Fossey sein, die die Gruppen an menschliche Anwesenheit gewöhnen konnten und natürlich den Gorillas, die dies akzeptierten. Im Gegensatz zu ihren westlichen Verwandten. die Menschen gegenüber äußerst misstrauisch waren.

Der erste nach Deutschland (Berlin) verbrachte Gorilla war im März 1928 der 2-jährige „Bobby“. Er wog bei seiner Ankunft 15 kg. Durch falsche Ernährung und ein Mangel an Beschäftigung wog er an seinem Todestag am 01. Aug. 1935 unglaubliche 262 kg (normal wären ca. 180 kg gewesen). Durch die falsche Haltung der Tiere gab es natürlich auch keine Nachzuchterfolge. Zudem wurden in den späteren Jahren die Forschungsergebnisse von Dian Fossey beharrlich ignoriert. Erst der Basler Zoologe Jörg Hess, der Dian Fossey auf deren Einladung besuchte, leitete die Wende zu einer modernen Gorillahaltung in Europa ein.

**Colin P. Groves – war ein brit.-australischer Wissenschaftler, u.a. Anthropologe und Primatologe. Seine Doktorarbeit setzte den Standard für die Gorilla-Systematik.

Für uns Besserwisser:
Republik Kongo (seit 1991), Hauptstadt Brazzaville, ehemals frz. Kolonie, grenzt im Osten an den atlantischen Ozean.
Demokratische Republik Kongo (seit 1997) Hauptstadt Kinshasa, ehemals belg. Kolonie. Wird als „gescheiterter“ Staat bezeichnet. Grenzt im Norden an die Zentralafrikanische Republik, im Osten an Uganda, Ruanda und die Republik Kongo im Westen.
Cabinda ist eine Enklave von Angola und liegt eigentlich auf dem Gebiet der DR Kongo. Es wird durch einen schmalen Streifen vom Mutterland getrennt. 80% des angolanischen Finanzhaushalt wird durch die Erdölförderung in Cabinda erlöst. Außerdem Kakao, Kaffee und neu: Gold.

Bilder der oberen Galerie alle Wilhelma Stuttgart 01/24 Bilder der unteren Galerie alle Zoo Duisburg 10/21

https://www.berggorilla.org/ und https://www.gorillas-abisz.de/

Gorillas – Coco & Pucker

Teil 2

„Ich heiße Coco. Mir geht es nicht so gut. Und vielleicht werde ich bald sterben, wie meine gute Freundin Pucker vor einigen Tagen. Aber vorher will ich euch noch aus meinem Leben erzählen. Fragt nicht warum ich die Sprache von euch Menschen verstehe. Ihr Menschen glaubt ja auch alles zu verstehen, alles zu wissen. Und ich bin ein Gorilla…

Vor vielen Jahren als ich noch ganz klein war, lebte ich im Wald, den ihr Menschen Virunga nennt, zusammen mit meiner Familie. Wir waren elf, meine Mama, mein Papa der Silberrücken, Tanten, Onkel und ein Junge, der war etwas älter als ich. Er durfte sich schon abends ein eigenes Nest bauen um darin zu schlafen. Ich lag bei meiner Mama im Nest, denn mit dem Nestbau, das ist nicht einfach, die Zweige und Blätter bleiben einfach nicht dort wo sie sollen. Wenn es hell wurde, haben die Erwachsenen gegessen, Farne, Disteln, Blätter und anderes Grünzeug. Das war langweilig und dann habe ich mit dem Jungen gespielt. Wir sind die Bäume hochgeklettert, auf dem Boden gerollt, haben uns versteckt und manchmal habe ich mich hingestellt und auf meine Brust getrommelt, wie mein Papa. Da hat er aber nur gelacht und sich auf dem Boden gekugelt.

Mein Papa hat immer die besten Futterplätze gefunden, hat gesagt wann wir wandern müssen und wann wir ausruhen sollen. Er hat uns beschützt, wenn andere Gorillamänner gekommen sind, um unsere Frauen zu stehlen. Er konnte sehr zornig werden, aber ich durfte auf ihm herumtollen und ihn ein bisschen ärgern. Manchmal hat er mich dann angekuckt, dann bin ich schnell zu meiner Mama gelaufen.

Oft haben wir andere Tiere getroffen. Auf dem Sattel zwischen den Bergen waren Elefanten und Büffel, da musste man sehr vorsichtig sein. Im Wald kamen manchmal kleine Ducker -Antilopen, wenn wir gerade Rast machten, die haben wir dann erschreckt. In unserer Nähe sind oft Schimpansen vorbeigezogen. Die waren aber immer oben in den Bäumen und sehr laut und schnell. Papa hat sie ignoriert. Ich fand sie spannend, denn sie sahen fast aus wie wir.

Eines Tages kamen Wesen die ich noch nie gesehen hatte. Sie liefen auf zwei Beinen. Ihre Haut war schwarz, sie hatten keine Haare wie wir und sie machten laute Geräusche fast wie die Schimpansen. Mein Papa war sehr wütend und wollte, dass sie uns in Frieden lassen, er drohte ihnen. Aber sie hatten Stöcke die knallten und plötzlich lagen alle auf dem Boden, meine Mama, mein Papa, alle außer mir. Sie hielten mich fest und banden mich an einen Stock. So trugen sie mich aus meinem Wald. Es dauerte sehr lange und dann sperrten sie mich in einen Käfig. Das was sie mir zu essen gaben, konnte ich nicht essen.

Viele, viele Tage vergingen und ich dachte ich sterbe, als plötzlich der Käfig geöffnet wurde. Vor dem Käfig stand eine Frau, sie war weiß und hatte helle Haare aber nur auf dem Kopf. Sie schimpfte laut mit einem anderen. Ich hatte Angst was nun wieder passieren würde und habe ihn in die Hand gebissen. Später wurde ich zurück in den Wald getragen zu dieser Frau. Alle riefen sie Dian. Sie hat mich gefüttert und auf den Arm genommen – wie meine Mama. Aber ich war sehr traurig und habe oft geweint, bis eines Tages noch ein Gorillamädchen kam. Dian nannte sie Pucker und mich Coco. Auch Pucker war sehr krank und hatte furchtbare Angst. Dian hat sie wie mich gesundgepflegt und wir gingen dann oft zum Spielen und Toben in den Wald. Dann kamen wieder Menschen die uns geholt und in Kisten gesteckt haben. Dian hat geschrien und geweint, aber es hat nichts genutzt – wir gingen auf eine sehr lange Reise.

Viele Tage später sind wir dann angekommen. Die Kisten wurden geöffnet und wir waren in einem riesigen Käfig. Da waren keine Bäume oder Sträucher kein Gras und keine Blätter – nichts. Aber Pucker war da und wir haben uns aneinandergeklammert und geweint. Einige Tage später kamen viele Menschen vor unseren Käfig. Sie hatten komische Sachen vor den Augen, die klickten und Blitze machten. Ein Mann sprach zu ihnen, dass wir beide in Köln die ersten Berggorillas in Europa wären und der Kölner Zoo sehr stolz auf uns wäre. Wir wären ein Geschenk der ruandischen Regierung an Köln.

Ich glaube, das war eine Lüge. Als Dian mich befreit hatte, schimpfte sie mit dem Mann, weil er einen Land Rover und viel Geld bekommen sollte, wenn er zwei junge Gorillas nach Köln schicken würde. Ich weiß was ein Land Rover ist, denn Dian hatte auch einen, sie nannte ihn Lily, aber was Geld ist weiß ich nicht. Es muss etwas Böses sein, denn es ist der Grund warum wir hier sind.

Nun sind viele Jahre vergangen und meine liebe Freundin Pucker ist gestorben und gestern war ein Mensch bei mir, den sie Doktor nannten der hat nur den Kopf geschüttelt und alle wurden traurig. Aber nun kennt ihr ja meine Geschichte.“


Liebe Leserinnen und Leser, die Geschichte die ich Coco hier erzählen lasse, beruht auf einem Kapitel aus Dian Fossey’s Buch „Gorillas im Nebel“ und einigen wenigen Informationen aus dem Netz. Einzig die Pressekonferenz vor Coco‘s und Pucker‘s Gehege entspringt meiner Fantasie. Allerdings nicht der Inhalt. Die beiden Gorillamädchen kamen im Mai 1969 in den Kölner Zoo. Pucker starb am 01. April 1978 und Coco am 01. Juni 1978. Um der beiden im Gebiet des Mt. Karisimbi in Ruanda habhaft zu werden, mussten zwei Gruppen mit insgesamt 18 Familienmitglieder sterben. Die ruandische Naturschutzbehörde(!) hatte ausgerechnet einen der berüchtigtsten Wilderer beauftragt, zwei junge Gorillas für den Kölner Zoo zu „besorgen“.

Bob Campbell photograph of Dian Fossey with orphaned gorillas Coco and Pucker, Rwanda 1969

Photos of Dian Fossey courtesy of Bob Campbell Papers/George A. Smathers Libraries/Univ. of Florida.

(Indisches) Panzernashorn

Sie scheinen Relikte aus uralter Zeit zu sein, noch dazu mit martialischem Aussehen. Hautfalten welche die Oberfläche in Platten einteilen, wie eine Panzerung wirken und Beulen, die an Nieten auf einem Schiffsrumpf erinnern. Und doch sind Panzernashörner (meist) sanfte Riesen, die eine eher gemächliche Gangart bevorzugen und im Zoo bei Pflegerinnen und Pflegern beliebt sind, da sich zu ihnen ein sehr vertrauensvolles, enges Verhältnis aufbauen lässt.

Ihr englischer Name „One-Horned Rhinoceros“ deutet auf einen wichtigen Unterschied zu ihren afrikanischen Verwandten hin. Asiatische Nashörner haben nur ein Horn, während die afrikanischen Vertreter deren zwei tragen. Sie sind mit einer Schulterhöhe von 170 – 190 cm und einem Gewicht von 2,2 – 2,7 t nach Elefanten und Breitmaulnashorn die größten Landsäugetiere. Die Maße gelten für Bullen, Kühe sind etwa ein Viertel leichter und kleiner. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet war der gesamte nördliche Indische Subkontinent, also von der Grenze zu Pakistan über die Flussebenen des Ganges und Brahmaputra, Bangladesch, den Süden von Nepal und Bhutan bis zur Grenze nach Burma.  Heute findet man sie nur noch in Schutzgebieten im nordöstlichen Indien (Assam, Westbengalen und Uttar Pradesh) und in den fruchtbaren Ebenen von Nepal. Die folgende Karte zeigt die indischen Schutzgebiete in Assam.

Die meisten Tiere leben in Kaziranga (2400*) und dem Chitwan-Nationalpark (645*) in Nepal. Im Nationalpark Manas, der sowohl auf indischem als auch bhutanischem Gebiet liegt, waren die Tiere praktisch ausgerottet. Durch Wiederansiedlung versucht man die Population zu retten.

Ihr favorisierter Lebensraum sind Feucht- bzw. Sumpfgebiete entlang der Flüsse sowie offene Graslandschaften aber auch lichte Wälder. Hier finden sie durch das bis zu 5 m hohe sogenannte Elefantengras (Familie der Süßgräser) Schutz und Nahrung. Regelrechte Tunnelpfade durchs hohe Gras verbinden die Schlaf-, Futter-, Ruhe- und Badeplätze miteinander. Einen Großteil des Tages verbringen sie mit äsen, aber während der heißesten Zeit des Tages legen sie sich gerne ins Wasser und sie sind sehr gute Schwimmer. Suhlen im Sumpf ist wichtig und gehört wie bei den Elefanten zur Körperpflege.

Die Reviere sind eher klein. Solange genügend Nahrung vorhanden ist sind die Tiere ortstreu. Oftmals überlappen sich die Territorien z.B. durch Überschwemmungen. Obwohl es keine Herdentiere sind, schätzen sie die Anwesenheit von Artgenossen. Das Aufeinandertreffen der Tiere verläuft in der Regel friedlich. Einzig Schlaf- und Weideplätze werden verteidigt. Die dominanten Bullen leben meist alleine, tolerieren aber die Anwesenheit von Weibchen. Junge und alte Bullen sowie Mütter mit ihren Kälbern leben oftmals in Gruppen zusammen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten in Afrika markieren Panzernashörner ihr Gebiet mit Urin und einem Sekret aus Duftdrüsen, die sich an den Füssen befindet. Mehrere Tiere benutzen aber den gleichen Ablageplatz für Kot, den sie zu Haufen aufschichten, wobei jedes Tier versucht, seinen Dung zuoberst abzulegen. Diese Dunghaufen dienen jedoch der Kommunikation mit Artgenossen und geben z.B. Auskunft über den Fortpflanzungsstatus der Weibchen. Da die Wechsel im hohen Gras kaum zu sehen sind, dienen die Dunghaufen auch der Orientierung. Panzernashörner haben einen sehr feinen Geruchs- und Hörsinn, dafür sehen sie sehr schlecht.

Wenn ich bei der Beschreibung im ersten Abschnitt von „meist“ sanften Riesen spreche, dann gibt es natürlich Einschränkungen. Bei Kämpfen unter Bullen um Kühe, Müttern mit Kälbern denen Artgenossen – auch weibliche – zu nahe kommen oder bei der Verteidigung von Schlaf- oder Äsungsplätzen geht es äußerst ruppig zu. Sie kämpfen nicht mit dem Horn wie man vermuten könnte, sondern beißen sich und bringen sich so heftige Wunden bei. Gegner und Angreifer werden auch über längere Strecken verfolgt. Auch vor dem Deckakt geht es zur Sache. Der Bulle treibt und bedrängt das Weibchen bis zur Erschöpfung, wird dann vom Weibchen „umgarnt“ bis es nach Stunden zum Deckakt kommt, der etwa eine Stunde dauert.

Kommunikation unter Artgenossen findet aber nicht nur über Duftmarken statt. Panzernashörner verfügen über mindestens 10 unterschiedliche Lautäußerungen.

„Die Nashornmutter lockt ihr Junges durch Blöken. Wenn die Nashörner drohen schnauben sie, indem Luft durch das geschlossene Maul geblasen wird. Wollen sie ihre in der Nähe befindlichen Artgenossen auf eine Gefahr aufmerksam machen, so grunzen sie kurz und abgehackt wie ein Gnu. Diese Laute stoßen sie auch auf der Flucht aus. Wird eine Nashornkuh in der Brunstzeit von einem Bullen getrieben, so gibt das Weibchen ein hohes, wieherndes Fiepen von sich, während der Bulle einen langen Grunzlaut hören lässt, den er auch ausstößt, wenn er einen Rivalen verfolgt. Der Verfolgte lässt in diesem Falle ein langes Fiepen hören, das immer in gleicher Tonlage bleibt. Außerdem gibt es noch einen schnurrenden Laut als Kontaktlaut den die Tiere hören lassen, wenn sie in eine Schlammsuhle oder ein Wasserloch hinein wollen in dem sich schon Artgenossen befinden. Diese antworten mit einem Blubbern indem sie unter Wasser Luft aus Maul oder Nase blasen.“

Ursula und Wolfgang Ullrich (Zoodirektor in Dresden 1950 – 1973) „Im Dschungel der Panzernashörner“ erschienen Neumann Verlag 1962

Panzernashörner und Zoos

Der WWF geht heute von einem Bestand von 2750* Tieren in freier Wildbahn aus. In europäischen Zoos leben etwa 80 Tiere. Bereits 1956 gelang dem Zoo Basel die Erstzucht in menschlicher Obhut. Seitdem werden dort regelmäßig Jungtiere geboren. Das internationale Zuchtbuch wird dort geführt und das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) von Basel koordiniert. Wenn man bedenkt, dass Wolfgang Ullrich und seine Frau Anfang der 1960er Jahre beschlossen nach Assam zu fliegen, um dort einige Monate das Leben dieser Tiere zu studieren, da es bis zu diesem Zeitpunkt darüber kaum oder falsche Informationen gab, ist dieser Zuchterfolg umso höher zu bewerten. Gleichzeitig stimmt es traurig, dass, wie so oft, eine Tierart kurz vor dem Aussterben stand, bevor wir wussten wie sie überhaupt lebt.

Die Haltung von Panzernashörnern stellt hohe Anforderungen an die Zoos. Beispiele:

  • Beschaffenheit des Bodens (die Tiere haben sehr empfindliche Sohlen, da sie im weichen Sumpfgelände leben),
  • Außengehege mit Pool und Schlammsuhle, je nach Anzahl der Tiere teilbar in 3 Bereiche, eigene Futterplätze für jedes Tier,
  • genaue Kenntnisse der Paarungsgewohnheiten – manche Zoos haben die Paarung abgebrochen, da sie befürchteten, dass das Weibchen vom Männchen getötet werden könnte. Das Verhalten der Tiere ändert sich in der Brunst enorm. Bullen bemerken z.B. bis zu eine Woche vorher, dass das Weibchen in die Brunst kommt,
  • und letztendlich ein flexibles Zeitmanagement des Zoos, um beispielsweise Ruhephasen der Tiere nicht durch Training oder Beschäftigung zu stören.

Insgesamt waren die Zoos in den letzten Jahren sehr erfolgreich bei der Haltung und Aufzucht von Panzernashörnern. Ebenso wichtig ist es aber, dass die Zoos durch Artenschutzabgaben ihrer Besucher in die Lage versetzt wurden, lokale Organisationen und deren vielfältige Schutzmaßnahmen zu unterstützen. Vor hundert Jahren waren Panzernashörner fast ausgerottet. Jagd, Wilderei und die Umwandlung von Grasland in Ackerflächen waren dafür verantwortlich. Heute haben sich die Bestände erholt* und man kann optimistisch in die Zukunft blicken, was das Überleben dieser faszinierenden Tierart betrifft.

*Die Zahlen weichen leider erheblich voneinander ab, teils sind es Schätzungen, teils Zählungen die aber nicht immer aktuell sein müssen.

Die folgenden Bilder wurden im Zolli Basel 07/22 aufgenommen. Tarun ist im Mai geboren.

Alle folgenden Bilder wurden im Zolli Basel 10/23 aufgenommen. In der Zwischenzeit war Tican im Sep 22 geboren worden.

Brillenbär / Andenbär / Ucumari

Gehen wir doch einmal einige Jahre in unserer Erdgeschichte zurück. Im späten Miozän bis frühes Pliozän (also vor etwa 7,3 – 4,3 Mio. Jahren) trennten sich die evolutionäre Entwicklung der Bären und es formten sich zwei Unterfamilien. Eine genannt Ursinae, sie umfasst die meisten heute bekannten Großbären also z.B. Kodiak- oder Europäische Braunbären. Die andere ist die der Kurzschnauzenbären (wissenschaftlich: Tremarctinae), deren Verbreitung von Nordamerika bis Patagonien reichte. Vertreter dieser Gattung brachten Riesen hervor. Skelettfunde in Nordamerika und Argentinien lassen vermuten, dass sie ein Gewicht bis zu 2 Tonnen auf die Waage brachten und bei einer Schulterhöhe bis 1,8m aufgerichtet 3,40m maßen. Beide starben vor 11.000 Jahren aus.

Die Kurzschnauzenbären entwickelten sich in zwei Gattungen weiter. Die nordamerikanischen Vertreter (Tremarctos floridanus) starben jedoch vor 8000 Jahren aus. Somit ist der Brillen- oder Andenbär die heute einzig überlebende (rezente) Gattung der Kurzschnauzenbären und ist evolutionär gesehen die jüngste Bärenart. Die ältesten Funde stammen aus der Chaquil-Höhle im Nordosten von Peru und sind ungefähr 6000-7000 Jahre alt.

Den Namen Brillenbär erhielten sie aufgrund ihrer cremefarbigen bis gelblichen Zeichnung um Schnauze, Stirn und Augen. Sie verläuft oft in Streifen und erinnert an eine Brille. Das Muster ist von Tier zu Tier verschieden, ansonsten ist das Fell schwarz. Die beeindruckenden Maße ihrer Ahnen erreichen sie nicht: 90 cm Schulterhöhe und etwa 130 bis 175 kg Gewicht bei den Männchen. Die Weibchen sind deutlich kleiner und leichter.

Der zweite Name deutet auf ihr Verbreitungsgebiet hin. Es umfasst die tropischen Anden und deren vorgelagerte Gebirgszüge in Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Bolivien und Peru. Somit erstreckt sich das Gebiet über eine Länge von ca. 4600 km während es jedoch nur zwischen 200 und 650 km breit ist. Die jeweiligen Lebensräume in den Verbreitungsgebieten sind sehr unterschiedlich. Obwohl die meisten Sichtungen in einer Höhe von 1000m verzeichnet wurden, liegt der bevorzugte Lebensraum in einer Höhe von 1900m bis 2400m überwiegend in den dortigen tropischen und subtropischen Wäldern. Die Tiere sind wohl sehr anpassungsfähig aber natürlich abhängig vom Nahrungsangebot. Wie alle Bären sind sie Allesfresser mit einem deutlichen Schwerpunkt bei der Pflanzenkost. Fleisch oder Aas wird jedoch nicht verschmäht. Das erklärt auch die verkürzte Schnauze, da das Gebiss darauf ausgelegt ist, faserige Pflanzen und Früchte zu zerkauen. Um sich ausreichend mit den Früchten von Bromelien (Puya u. Tillandsia), Kakteen aber auch Palmtrieben und den Blütenständen von Orchideen zu versorgen, folgen sie dem Fruchtzyklus ihrer bevorzugten Nahrung und wechseln bei Bedarf zwischen den unterschiedlichen Lebensräumen.

Andenbären sind Einzelgänger und finden nur zur Paarung zusammen. Ihre Reviere überlappen sich häufig. Sie zeigen bei einem Zusammentreffen mit Artgenossen keinerlei Aggression. Paarungen finden während des ganzen Jahres statt. Bärinnen können das Einnisten der Eizelle hinauszögern und so die Tragzeit dem Nahrungsangebot anpassen. Es werden 1 bis 4 Jungtiere geboren, die zwei Jahre von der Mutter betreut werden.

Das erste Mal beschrieben wurde der Andenbär vom Schweizer Naturforscher Johann J. von Tschudi, der 1838 und 1857 die Andenstaaten bereiste und längere Zeit in Peru lebte. Bereits 1947 gelang dem Zoo in Buenos Aires eine erfolgreiche Erstzucht. Die beiden Jungtiere wurden an den Zoo in Basel gegeben. Laut dem internationalen Zuchtbuch gab es Ende 2017 in Zoos und Tierparks 253 Tiere. Allerdings stammten auch das Wissen und die meisten Informationen über das Leben der Andenbären aus diesen Institutionen, während das Leben freilebender Tiere bis Ende der 1970er Jahre wenig erforscht war. Zählungen führten jedoch zur Erkenntnis, dass die Tiere in ihren Verbreitungsgebieten stark gefährdet waren und die Bestände rasant zurückgingen. Die Folge waren die Gründung von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in den Andenstaaten, die sich den Schutz der Bärenpopulationen und den Erhalt der Biodiversität auf die Fahnen schrieben. Es wurden Schutzgebiete eingerichtet von denen es heute 58 gibt. Jagd und Handel wurden verboten. Seit 1987 gibt es das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Leider blieb der Erfolg der beschlossenen Maßnahmen weitestgehend aus. Durch das Zusammentreffen von Mensch und Tier in den Randgebieten der Schutzzonen kommt es immer wieder zu Wilderei und Jagd auf Bären. Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der wirtschaftlichen Not der lokalen Bevölkerung. Während Großgrundbesitzer die ertragreichen Flächen in Beschlag genommen haben (in Kolumbien ist es der illegale Drogenanbau), muss die Landbevölkerung auf die Randgebiete ausweichen, wo die Bären leben. Das bedeutet eine Fragmentierung des Lebensraums der Bären mit der Folge, dass die genetische Vielfalt der Tiere stark abgenommen hat.

Nach der Jahrtausendwende überarbeiteten die Naturschutzorganisationen in Südamerika in Zusammenarbeit mit WWF die Schutzmaßnahmen und gaben neue Empfehlungen für das weitere Vorgehen aus:

  • Die Schutzzonen sollten von Regierungsseite vergrößert und besser kontrolliert werden, um Wilderei zu verhindern,
  • es sollten Korridore zwischen den Nationalparks entstehen um den Bären zu ermöglichen dem Nahrungszyklus hinterherzuwandern,
  • Korridore sollten sicherstellen, dass mehr paarungsbereite Tiere zusammenfinden,
  • illegale Rodungen sollten verhindert werden, aber Vereinbarkeit der Bedürfnisse von Landbevölkerung und Andenbären soll ein Ziel sein,
  • Aufklärung der Bevölkerung über den Sinn und Zweck von Biodiversität, da die Region für viele Millionen Menschen wichtig ist als Wasser- und Co2 Speicher.
  • Es bestehen immer noch große Wissenslücken (z. B. über Populationsdynamik, Lebensraumnutzung, Fortpflanzung), diese müssen dringend geschlossen werden.

Einen wichtigen Schritt sah man darin, den Andenbär als sogenannte Schwerpunktart auszuwählen. Schwerpunkttierarten benötigen zum Überleben eine bestimmte Kombination von Lebensräumen, im Allgemeinen in sehr ausgedehnten Landschaften. Sie legen häufig weite Entfernungen zurück, sind gebietsempfindlich, gute Indikatoren für den Erhaltungszustand ihrer Lebensräume und haben spezielle Ernährungs- oder Fortpflanzungsbedürfnisse. Wenn ihr Überleben gesichert ist, wäre auf diese Weise auch das Überleben vieler anderer einheimischer Arten einer Region durch den Schutz großer und gut vernetzter Gebiete gesichert.

Auch Zoos und weitere Naturschutzgruppen haben den Andenbär als Flaggschiff und somit als Symbol für den Artenschutz in den Anden etabliert.

Für uns Besserwisser:
in Südamerika werden die Bären Oso Andino (Andenbär) oder Oso de Anteojos (Brillenbär) genannt. Und in der Quechua Sprache heißen sie Ucumari.

Die Brillenbären in Frankfurt, die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2021 – 2023. Zum vergrößern bitte auf ein Bild klicken.

Grévy-Zebra

Beim Anblick eines Zebras könnte man meinen, Zebra sei Zebra. Aber weit gefehlt. Das Problem ist, dass man im Zoo (und meist auch in freier Wildbahn) nur eine der zahlreichen Unterarten vor sich sieht, die Ähnlichkeit ist groß, die Unterschiede hat man da natürlich nicht vor Augen. Zumindest geht es uns Laien wohl so.

Zebras gehören in eine Untergattung der Gattung Pferde und werden in drei Arten eingeteilt:

Bergzebra mit den Unterarten Hartmann-Bergzebra und Kap-Bergzebra

Grévy-Zebra ohne Unterarten

Steppenzebra mit den Unterarten, Burchell-Zebra (†) gleich mit Zulu- und Damara-Zebra, Chapman-Zebra, Crawshay-Zebra, Böhm- oder Grant-Zebra sowie das Quagga (†), das leider schon ausgestorben ist.

Grévy-Zebras fallen in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen und deshalb möchte ich diesen Beitrag ausschließlich ihnen widmen.

Zum Äußeren: Grévys (ich spare mir jetzt mal den Rest) sind die größten der wildlebenden Pferdeartigen. Ihre Widerristhöhe beträgt bis zu 1,60m bei einem Gewicht bis 450 kg. Die Unterschiede zu anderen Zebras sind: ein schwarzer Rücken- bzw. Aalstrich, ein weißer Bauch, der Bereich um das Maul ist braun, große tütenförmige Ohren und eine enge Streifung. Während das Grévy etwas 80 Streifen aufweist, haben Bergzebras 45 und Steppenzebras ungefähr nur 30. Da stellt sich natürlich sofort die Frage – wie ist die Grundfarbe von Zebras? – Im Mutterleib sind die Föten zunächst schwarz, die weißen Fellstreifen bilden sich erst kurz vor der Geburt. Wie bei allen Säugetierhaarfarben wird dies durch Melanin produzierende Zellen bestimmt, die Melanozyten. Diese Pigmentzellen befinden sich im Haarfollikel und sorgen dafür, dass die Streifung entsteht. Auf die Frage warum Zebras überhaupt gestreift sind, gibt es mehrere Antworten. Aber die neuesten Untersuchungen haben gezeigt, dass die Facettenaugen der Insekten (Bremsen) durch die Streifen so verwirrt werden, dass sie keinen Landeplatz ausmachen können. Das Gleiche gilt für Tsetsefliegen, die zusätzlich den Hautgeruch von Zebras nicht mögen. Das ist ein sehr schlauer Abwehrmechanismus, da alle Pferdeartige durch die von diesen Insekten übertragene Nagana-Seuche (ähnlich der Schlafkrankheit) sehr gefährdet sind.

Und da drängt sich eine weitere Frage auf. Zebras sind eine wichtige Nahrungsquelle für Raubtiere wie Löwen, Leoparden und Hyänen. Das bedeutet, einerseits werden die Tiere durch ihre Streifen vor Krankheit und Tod geschützt, andererseits von Raubtieren in großer Zahl getötet.

Spinnt also die Natur? Hat die Evolution versagt? Steckt ein Plan dahinter? Ja es gibt diesen Plan: Schutz einerseits und Begrenzung andererseits sorgen für eine ausgewogene Anzahl von Individuen, den Fortbestand der Art, und Sicherung der Überlebenschancen für weitere Spezies. So wird das ökologische System im Gleichgewicht gehalten und nicht durch Überweidung oder Verschwendung von Wasserressourcen gefährdet. Wir Menschen heißen solch einen Plan gut… solange es Tiere und Pflanzen, aber nicht uns betrifft. Wir möchten doch alle ein hohes Alter erreichen und viele Kinder haben. Die hochentwickelte Medizin hilft uns dabei. Im globalen Süden macht man sich zwar wahrscheinlich weniger Gedanken um das zu erreichende Alter, aber bei einem Geburtenniveau beispielsweise in Afrika von durchschnittlich 4,6 Kindern pro Frau und Bevölkerungszahlen von 1,4 Mrd. in Indien und China, ist das ökologische Gleichgewicht weltweit schon lange gefährdet. Und das nicht nur in Afrika und Asien, denn wir in den sogenannten Industrieländern verbrauchen ungeheure Ressourcen. Spätestens 2080 wird unsere Erde von 10,4 Milliarden menschlichen Bewohnern bevölkert. Eine Katastrophe. Nicht nur die Grévy-Zebras werden bis dahin von der Erde verschwunden sein. *

Quagga im Senckenberg Museum Frankfurt

Doch nun zurück zu den Grévys. Obwohl Schriftsteller die Hippotigris (Tigerpferde) bereits in der griechisch-römischen Antike erwähnten und auf Bildern aus späterer Zeit Grévy-Zebras zu erkennen sind, wurden die Tiere erst 1882 genauer beschrieben und wissenschaftlich eingeordnet. Menelik II seinerzeit König von Shewa und später Negus (König der Könige) von Abessinien (heute Äthiopien) schickte ein Zebra an den französischen Staatspräsidenten Jules Grévy als Geschenk. Der Zoologe Emile Oustalet erkannte die Besonderheiten dieses Tieres, beschrieb es, ordnete es als eigene Art ein und gab ihm den Namen Grévy-Zebra.

Grévys unterscheiden sich nicht nur äußerlich von Steppen- und Bergzebras. In Grzimeks Tierleben werden sie als eine „urtümliche Form mit abweichendem Verhalten“ beschrieben. Im Gegensatz zu ihren Verwandten bilden sie keine festen Herden. Wissenschaftliche Untersuchungen die 2006 veröffentlicht wurden haben gezeigt, dass sich zwar feste Cliquen von Stuten, Jungtieren und Junggesellen bilden, diese Verbände sich jedoch jederzeit wieder trennen können. Begründet wird dies mit dem ökologischen Druck dem die Verbände ausgesetzt sind (Nahrungsangebot, Raubtiere). Wobei es erwiesen ist, dass Stuten sich bevorzugt in Cliquen zusammenfinden in der die weiblichen Tiere den gleichen Fortpflanzungsstatus (z.B. unbefruchtet, trächtig) haben.  Sie durchwandern große Gebiete auf der Suche nach Nahrung und Wasser und wählen Territorien von denjenigen dominanten Hengsten, die das beste Nahrungsangebot bieten. Während es in umherwandernden Verbänden keine Dominanzhierarchie gibt, beherrschen dominante Hengste territorial ein Revier, das zwischen 2 und 12 qkm groß sein kann. Normalerweise leben sie in diesen Territorien während der Regenzeit bzw. solange ausreichend Wasser vorhanden ist. Sie tolerieren jedoch die in ihr Revier einwandernden Junggesellen und schließen sich diesen oft für kurze Zeit an, solange keine brünstigen Stuten in ihrem Revier sind. Denn dann verteidigen dominante Hengste „ihre“ Stuten vehement. Auch zu den Mitgliedern der eigenen Truppe sind die Hengste sehr häufig äußerst rabiat. Durch ihr Verhalten ähneln Grévys tatsächlich eher Wildeseln oder den bereits beschriebenen Onagern und Kulanen als Pferden oder den beiden anderen Zebra Unterarten. Das wird auch bei ihren Lautäußerungen deutlich. Alarmrufe klingen wie lautes Brummen, wenn sie Angst oder Schmerzen haben, oder kämpfen pfeifen bzw. quicken sie. Ein Schnauben ist meistens eine Warnung und um ihre Dominanz zu zeigen, iahen sie (wie ein Esel), bei der Paarung ist eine Art Bellen zu hören.

Zebrastuten bringen ihre Jungen nach 390-410 Tagen zur Welt. Für die Geburt entfernen Sie sich von der Gruppe und kehren erst nach etwa 2 Tagen zurück.  Die Mütter verhalten sich zu den anderen Stuten in dieser Zeit sehr aggressiv. Das kann man mit dem Verhalten der Fohlen erklären. Diese folgen sobald sie auf den Beinen sind, allem was sich bewegt und größer ist als sie selbst. Sie müssen daher zuerst auf die Mutter geprägt werden. Das geschieht über die individuelle Fellzeichnung an den Beinen bzw. Steiß. Nach einer Woche wissen die Fohlen wer ihre Mutter ist und folgen ausschließlich ihr. 

Vom eigenwilligen Verhalten der Grévys (Hengst oder Stute ist dabei egal) können Tierpflegerinnen und -pfleger ein Lied singen. Regina Bakely beschreibt in einem Artikel** wie Sie den Grévy-Hengst Moyo dazu gebracht hat auf ein Target zu reagieren und wie Sie es geschafft hat, sein Vertrauen zu gewinnen. Und trotz aller Verbundenheit mit dem Tier, konnte sie sein Gehege nicht betreten.

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet leben Grévys heute nur noch in Äthiopien (ca. 130) und in Kenia (ca. 2400). Die Bestände leiden unter dem Nahrungswettbewerb und der Konkurrenz um Wasserquellen in einem Lebensraum der eher trocken ist und wo Regen oft lange Zeit ausbleibt. Und es sind weniger andere Wildtiere als vielmehr Nutztierherden in großer Zahl, die ihr Überleben bedrohen. Die Bestände gelten nicht als gesichert. Umso wichtiger ist die Aufgabe der Zoos und Nationalparks die Art zu erhalten. Grévy-Zebras sind ein wundervolles Geschenk der Natur. Etwas wird der Natur allerdings nicht bewusst gewesen sein, als sie die Tiere mit Streifen versah, dass nämlich Designer, Künstler und Fotografen das Muster von Zebrastreifen verwenden, um unsere Welt etwas schöner zu machen. Und Grévys gehören für mich überhaupt zu den Schönsten.

*Das ist mein Standpunkt – wenn ihr gleicher oder anderer Meinung seid, dann hinterlasst doch einen Kommentar. Wie sind eure Gedanken zu diesem Thema.

** im Web zu finden: nationalzoo.si.edu/animals/news/how-do-you-train-zebra

Für uns Besserwisser:

Zebrastreifen ist nur der umgangssprachliche Begriff für einen Fußgängerüberweg. Dessen Ursprung findet man in der deutschen Geschichte in den 1950ern in München. Damals wurde er von den Beamten als „Dickstrichkette“ bezeichnet. Diese wurde in die StVO. aufgenommen, weil die Anzahl an Autos stark anstieg und somit eine größere Gefahr für Fußgänger entstand, die es einzudämmen galt.

Erst durch eine Aktion in Hamburg am 24. April 1954 bekam der Fußgängerüberweg den Namen „Zebrastreifen“. Damals hatte die Polizei zusammen mit einer Zeitung die Aktion „Zebra“ ins Leben gerufen, damit die Autofahrer an einem Zebrastreifen auch wirklich anhalten. Wer am Zebrastreifen angehalten hat, der bekam eine Plakette, auf der ein Zebra abgebildet war. Die Abkürzung „Zebra“ stand für „Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers“. Seitdem nannten bald alle Deutschen den Fußgängerüberweg „Zebrastreifen“.)

Und noch etwas zum Üben für den nächsten Zoobesuch:

…und noch ein wichtiger Unterschied zwischen Bergzebras und Steppenzebras: die Bergzebras haben wie die Grévys einen weißen Bauch. Bei den Steppenzebras laufen die Streifen am Bauch zusammen.

Wölfe

und das Phänomen der „Trophischen Kaskade“

Der Europäische Wolf ist momentan in aller Munde und nicht nur in den Medien präsent, sondern leibhaftig zurück in den Wäldern einiger Bundesländer.

Bekanntermaßen wandern (Jung-)Wölfe auf der Suche nach Revieren weite Strecken. Was die Tiere allerdings veranlasst ausgerechnet in ein dicht besiedeltes, durch Verkehrswege und landwirtschaftliche Nutzung zersiedeltes Land wie Deutschland zurückzukehren? Die Antwort auf diese Frage ist wohl noch ungeklärt.

Obwohl – vorsichtig ausgedrückt – nicht alle erfreut sind, den Wolf in ihrer Nähe zu haben, muss man sich natürlich fragen wer war zuerst da, Wolf oder Viehzüchter? Doch es gibt eine Menge guter Gründe sich über die Anwesenheit zu freuen. Ein guter Grund ist aus ökologischer Sicht ein Phänomen, das „Trophische Kaskade“ genannt wird. Ich will hier auf die übliche Beschreibung von Europäischen Wölfen verzichten, denn wie eingangs angemerkt, gibt es aktuell genug in den Medien über diese Tiere zu erfahren.

Widmen wir uns also zunächst der Trophischen Kaskade und im zweiten Teil des Beitrages um ein Unterarten des Wolfes, nämlich dem Polar- und Tundrawolf und einem Wolf der keiner ist – den Mähnenwolf.

Die Frage „Wer frisst wen?“ können wir am besten beantworten, indem wir uns Nahrungsketten betrachten. Sie stellen in linearer Form die Nahrungsbeziehungen von Lebewesen untereinander dar. Also z.B. Pflanzen, Pflanzenfresser und Raubtiere. Da es aber Pflanzenfresser gibt die auch tierische Nahrung nicht verschmähen oder Raubtiere die von größeren Raubtieren gefressen werden, kann diese Nahrungskette aus vielen Gliedern bestehen*. Nun stellen wir uns dieses System nicht linear vor, sondern als Pyramide und betrachten die ganze Sache aus Sicht des Wolfes (als sogenannter Spitzenprädator), dann kommen wir in diesem Fall auf drei Ebenen (oder Trophieebenen). Oben der Spitzenprädator Wolf – seine Beute die Pflanzenfresser und unten die Pflanzen als Erzeuger von Biomasse.

Die Veränderungen in dieser Pyramide, die von oben nach unten durch den Wegfall von Spitzenprädatoren ausgelöst werden, nennt man Trophische Kaskade. Nicht alle Ökologen unterstützen diese Theorie. Aber das Beispiel der Wölfe im Yellowstone Nationalpark/Wyoming zeigt, dass sie nicht ganz von der Hand zu weisen ist:

Im Jahr 1872 wurde der Nationalpark gegründet. Durch die anfangs erlaubte Jagd und Wilderei waren bereits 1920 die Wölfe aus dem Park verschwunden. In den folgenden Jahren wurde die Zunahme der Elch- und Wapiti-Hirsch Populationen beobachtet. Die Folge war Bodenerosion durch den Verlust der Vegetation besonders an Bächen und in Feuchtgebieten. Zum Beispiel fehlten speziell Zitterpappeln. Das wiederum wirkte sich auf den Lebensraum der hier beheimateten Biber aus, die nicht mehr genug Holz fanden, um ihre Staudämme zu bauen und so der Schutz der Nester und die Nahrungsbevorratung nicht mehr gewährleistet war. Die Anzahl der Biber ging dramatisch zurück.

Die Wiederansiedlung von Wölfen erfolgte dann 1995 mit der Folge, dass sich das Ökosystem langsam erholte. Die Reduzierung der Pflanzenfresser durch die Wölfe war allerdings nur ein Grund für diesen Erfolg. Prädatoren halten alleine durch ihre Anwesenheit und die Gefahr die von ihnen ausgeht die Herden der Pflanzenfresser in Bewegung, sodass diese gezwungen sind häufig Standortwechsel vorzunehmen. So wird Kahlfraß verhindert und die Pflanzen bekommen Zeit zur Regeneration.

Trophische Kaskaden gibt es natürlich nicht nur an Land, sondern auch in Seen oder im Meer. So hat man z.B. an einer flachen Felsküste in Nova Scotia alle Hummer entnommen. Ergebnis des Eingriffs war die unkontrollierte Vermehrung der Seegurken, was zum Verschwinden der ausgedehnten Seetangwälder führte – der Lieblingsnahrung von Seegurken.

Trophische Kaskaden können sehr komplex sein und es kann auch mehr als drei Ebenen geben, maximal jedoch fünf. Und muss man es erwähnen? Ja! – Auslöser der meisten Trophischen Kaskaden ist der Mensch, der oft und falsch in Ökosysteme eingreift. Die Erkenntnisse über dieses Phänomen bieten uns allerdings auch die Chance der Korrektur. Eine solche Korrektur ist die Wiederansiedlung von Wölfen in Deutschland.

*Komplexere Beziehungen die in der Nahrungskette nicht dargestellt werden können, werden in Nahrungsnetzen verdeutlicht.

Die folgenden Bilder des Europäischen Grauwolfs wurden aufgenommen: im Tierpark Worms, Alte Fasanerie Klein-Auheim, Tier- und Pflanzenpark „Fasanerie“ Wiesbaden und Tiergarten Weilburg.

Die folgenden Bilder der Timberwölfe sind im Mai 2023 im Erlebnis-Zoo Hannover entstanden. Timberwölfe sind die nordamerikanischen Verwandten unserer einheimischen Grauwölfe.

Polarwolf + Tundrawolf

Wölfe bevölkerten die gesamte nördliche Halbkugel. Die Einteilung in Untergruppen fällt schwer, da es viele Gemeinsamkeiten gibt und sich benachbarte Populationen durchaus vermischt haben könnten. Nach ihrem Verbreitungsgebiet kann man zwischen den Eurasischen Wölfen und den auf dem nordamerikanischen Kontinent verbreitenten Wölfen unterscheiden. Den Polarwolf oder Arktischer Wolf (Canis lupus arctos) finden wir in der kanadischen Arktis und Grönland. Zu den amerikanischen Tundra Wölfen zählen der Barron-Ground Wolf oder Alaska-Tundrawolf und der Hudson Bay Wolf. Der Tundrawolf (oder Turukhanwolf (Canis lupus albus) lebt im nördlichen Eurasien von Finnland bis Kamtschatka. Alle diese Unterarten haben eine sehr helle bis weiße Fellfarbe. Für mich gehören sie zu den beeindruckendsten Wölfen. Daher widme ich ihnen diesen Beitrag.

Das Verbreitungsgebiet dieser weißen Wölfe ist sehr lebensfeindlich insofern mussten sich die Tiere im Laufe der Evolution an Kälte und begrenzte Nahrungsressourcen anpassen. Im Unterschied zu den Grauen Wölfen in den südlichen Verbreitungsgebieten ist ihr Fell dichter und länger, sie sind kräftiger und die Sozialstrukturen sind noch enger.

Die Größe eines Rudels wird vom Nahrungsangebot bestimmt. Es können 5 aber auch 25 Tiere pro Rudel sein. In der kargen Landschaft in der sie leben, fressen sie sozusagen alles was sich bewegt, vom kleinen Lemming, Schneehasen bis zu Karibus oder Moschusochsen. Je größer die Beute umso mehr Rudelmitglieder sind erforderlich, um gemeinschaftlich diese zu erlegen.

Welpen kommen im März und April zu Welt. Normalerweise sorgt nur das Alphapaar für Nachwuchs. Die Welpen werden vom ganzen Rudel großgezogen. Eigentlich müsste man sagen „umsorgt“ und bewacht, wenn die Alphahündin zur Jagt unterwegs ist. Alle Rudelmitglieder erhalten einen Anteil an der Beute, auch wenn sie zum Schutz der Jungen bei der Wurfhöhle bleiben mussten oder sie sich beim Jagen getrennt hatten. Der Umgang untereinander ist überwiegend sehr freundlich. Allerdings verteidigen die Alphatiere ihre Position auch gnadenlos und schützen ihr Rudel konsequent. In einer Dokumentation des ARD* ist zu sehen, dass ein Muttertier versehentlich eine Wurfhöhle im Revier eines fremden Rudels bezogen hatte. Sie wurde entdeckt und trotz aller Ablenkungsmanöver, die Wurfhöhle aufgespürt und die Welpen alle getötet. Es sind sehr verstörende Bilder aber das eigene Überleben hat in der kargen lebensfeindlichen Landschaft oberste Priorität. Allerdings haben diese Lebensbedingungen sie auch weitestgehend vor dem Zugriff der Menschen bewahrt, sieht man von den Inuit ab, die Polarwölfe wegen ihres Fells jagen. Der Bestand an Polar- und Tundrawölfen ist weitestgehend stabil.

*sehr empfehlenswert: „Polarwölfe – Überleben in Kanadas Arktis“ in 3 Teilen zu finden in der ARD-Mediathek.

Für uns Besserwisser: Wölfe heulen den Mond an. – Nein, das ist ein Märchen und ja natürlich heulen Wölfe auch bei Vollmond, denn da ist es heller und besser zum Jagen, was sie so dem Rudel mitteilen – aber sie heulen ihn nicht an. Das Wolfsheulen dient der Verständigung unter Rudelmitgliedern, zur Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht oder zur Abgrenzung ihres Reviers gegen Eindringlinge, seien es andere Wölfe oder Menschen. Im Alter von 4 Monaten lernen Welpen bereits das Heulen und somit die spezifischen Töne, die für ihr eigenes Rudel typisch und unverwechselbar sind.

Die folgenden Bilder der Hudson-Bay Wölfe wurden aufgenommen im Oktober 2021 im Zoo Duisburg

Die Bilder der Polar Wölfe wurden aufgenommen im Januar 2021 im Wildpark „Alte Fasanerie“ Klein-Auheim bei Hanau

Mähnenwolf

Ein Wolf der keiner ist.

Auch wenn sein Aussehen an einen hochbeinigen Fuchs erinnert, ist er mit den südamerikanischen Vertretern dieser Art wie zum Beispiel den Kampfüchsen* oder Waldhunden nur sehr entfernt verwandt. Dies gilt auch für eine Verwandtschaft mit Wölfen,trotz des irreführenden Namens. Charakteristisch ist jedoch die dunkel gefärbte Mähne im Nacken-/Schulterbereich. Dieser Teil des Namens ist also korrekt. Bereits bei seiner Einwanderung aus dem nördlichen Teil Amerikas hatten sich die Entwicklungslinien getrennt und so wird er heute als eine eigene Art (Chrysocyon brachyurus) unter den Wildhunden klassifiziert. Mit dem Ende des Pleistozäns vor ca. 12.000 Jahren ist er auch der letzte Überlebende der südamerikanischen Großtierfauna.

Ursprünglich waren Mähnenwölfe in den offenen südamerikanischen Graslandschaften** und deren Überschwemmungswäldern zuhause. Bejagung und Lebensraumzerstörung haben dazu geführt, dass sie nur noch in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Peru und einige wenige in Uruguay überleben konnten.

Im Gegensatz zu ihrer entfernten Verwandtschaft bilden sie keine Rudel. Sie jagen, auch wenn sich Männchen und Weibchen in einem gemeinsamen Territorium für längere Zeit zusammentun, immer einzeln. Auf dem Speiseplan stehen kleine Nager und anderes Kleingetier aber auch vegetarische Kost. Im Zoo kann man beobachten, dass gemeinsam gehaltene Tiere für das Fressen verschiedene Plätze in ihren Gehegen aufsuchen und „eifersüchtig“ darauf achten, dass die Fresskonkurrenz gehörigen Abstand hält. Trotz ihrer langen Beine sind Mähnenwolfe keine Jäger, die ihre Beute hetzen, sondern sie pirschen sich an. Dabei sind in der Graslandschaft lange Beine und große Ohren sehr von Vorteil.

Mähnenwölfe bewegen sich im Passgang, sie setzen also fast gleichzeitig den Hinter- und Vorderlauf einer Seite auf den Boden. Trotz dieser schlendernden Bewegung sind sie sehr schnell unterwegs. Je schneller sie werden umso mehr wird der Kopf nach vorne gestreckt und die Schnauze immer tiefer gesenkt. Mit schnellen steilen Sprüngen überwinden sie Hindernisse oder überraschen damit ihre Beute von oben.

Obwohl Einzelgänger ziehen Wölfin und Wolf den Nachwuchs gemeinsam auf. Dies wurde allerdings hauptsächlich in Zoos beobachtet. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird in Leipzig geführt. Die erste erfolgreiche Aufzucht von Welpen durch das Muttertier gelang 1967 in Frankfurt. In 15 Zoos im deutschsprachigen Raum kann man die Tiere bewundern und riechen. (sie verströmen einen intensiven Geruch).

*Achtung richtig lesen – von spanisch Campos oder dem indigen Quechua Pampa = baumlose Ebene

**südamerikanische Graslandschaften:

Pampa – ist eine weitgehend flache, gehölzlose Graslandschaft im südöstlichen Südamerika, die sich in einem großen Bogen um den Río de la Plata erstreckt und einen bedeutenden Teil Argentiniens, ganz Uruguay und einen kleinen Teil von Südost-Brasilien einnimmt. Im engeren (ökologischen) Sinne ist es ein steppenähnliches, subtropisches Grasland.

Chaco – Der Gran Chaco bedeckt eine riesige Fläche von Bolivien bis in die argentinische Provinz Santa Fé und vom Andenrand bis an die Flüsse Paraguay und Paraná.

Cerrado – Der Cerrado liegt etwa 300-600 m.ü.M. mit Tafelbergen, die bis zu 1’600 m hoch sind. Das Klima ist tropisch-halbfeucht. Die Mittlere Jahrestemperatur liegt bei 20 bis 27°C. Die locker stehenden, zumeist immergrünen Bäume werden überwiegend 3-5 m hoch. Die Grasnarbe verschwindet während der von Mai bis September dauernden Trockenzeit. Der Cerrado bedeckt 21% der Landfläche Brasiliens.

Llanos und Chapparales – Als Chapparales werden die offenen Baumsavannen Kolumbiens und Venezuelas bezeichnet, deren Vegetation jener des Cerrado ähnelt. Sie liegen eingestreut in die Llanos, die während der Regenzeit regelmäßig überschwemmten Grassavannen des Orinoko-Gebiets.

Für uns Besserwisser:

In Südamerika hat der Mähnenwolf folgende Namen:

  • aguará guazú in Paraguay
  • aguara guasu“ in der Tupi-Guarani Sprache (großer Fuchs)
  • borochi in Bolivien.
  • lobo de crin in Peru
  • lobo de los esteros (Wolf der Sümpfe)
  • lobo colorado (Rotwolf)
  • lobo guará in Brasilien (Mähnenwolf)

Falklandwolf – Noch ein Wolf der keiner war, sondern ein Fuchs. Beheimatet auf den Falklandinseln wurde er noch von Charles Darwin beschrieben. Der letzte seiner Art wurde 1876 erlegt.

Die Bilder entstanden 2022 im Zoo Nürnberg und in der Wilhelma Stuttgart

Die folgenden Bilder entstanden 03/2023 im Zoo Augsburg

Mesopotamischer Damhirsch

In diesen Tagen begann in Montreal die 15. United Nations Biodiversity Conference (Weltnaturschutz-Konferenz). UN-Generalsekretär António Guterres hielt die eindrucksvolle und hoffentlich nachhaltige Eröffnungsrede:

„Mit unserem bodenlosen Appetit auf unkontrolliertes und ungleiches wirtschaftliches Wachstum ist die Menschheit zu einer Massenvernichtungswaffe geworden. Wir führen Krieg gegen die Natur. Bei dieser Konferenz geht es um die dringende Aufgabe, Frieden zu schließen. Die Menschheit behandelt die Natur wie eine Toilette und begeht damit stellvertretend Suizid, weil der Verlust von Artenvielfalt auch mit gewaltigen Kosten für die Menschheit einhr geht. Die „Orgie der Zerstörung“ muss beendet werden. Wir müssen die Verantwortung übernehmen für den Schaden, den wir angerichtet haben, und handeln, um es wieder in Ordnung zu bringen. Trotz der Träume von Milliardären, die sich etwas vormachen, gibt es keinen Planet B. Wir müssen die Welt in Ordnung bringen, die wir haben.“

UN-Generalsekretär António Guterres am 07.12.2022

Aber zum Glück gibt es immer wieder auch Erfolge im Arten- und Naturschutz zu vermelden. Von einer erfolgreichen ex-situ* Maßnahme will ich in diesem Beitrag berichten.

Der Name dieser Damhirsch Art weißt nicht nur auf sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet hin. Er steht auch für eine Hochkultur der Menschheit. Die Erfindung der Schrift und der ersten Rechtsordnungen geht auf sie zurück. Sie hat Dinge des täglichen Lebens entwickelt wie Ziegelsteine, Streitwagen, das Bier und die Keramik. Es war der Beginn der Stadtentwicklung von Kultur- und Technikgeschichte – Mesopotamien.

Dem Mesopotamischen Damhirsch hat diese Entwicklung allerdings weder geholfen noch genutzt, im Gegenteil. Seit frühster Zeit, mit dem sesshaft werden der Menschen in seiner ursprünglichen Heimat, wurde er gejagt und durch die Ausbreitung der Landwirtschaft und Städte aus seinem natürlichen Lebensraum verdrängt. Werfen wir doch einen Blick zurück in die Vergangenheit:

In der westiranischen Provinz Kermanschah wurden Felsenreliefs aus sassanidischer** Zeit gefunden. Diese zeigen u.a. eine Hirschjagd. Ägyptische und mesopotamische Herrscher legten bereits die ersten Menagerien an. Es wird vermutet, dass auch Damhirsche hier gehalten wurden. Im 9. Jahrhundert vor Christus ließ der assyrische König Assurnasirpal II. wissen: „Ich habe ganze Herden hergeholt und vermehrt. In den Ländern, in die ich reiste, und auf den Bergen, die ich überquerte, habe ich nach Bäumen und Samen ausgeschaut und sie gesammelt.“ Gleichzeitig erhielt der assyrische Herrscher unzählige weitere Exoten, unter anderem Elefanten, Bären und auch Hirsche. Allerdings wurden Tiere in den antiken Hochkulturen auch gejagt und gehalten um sie zu opfern. So war der Damhirsch das wichtigste Opfertier für Mond- und Jagdkulte der Ägypter, Assyrer, Sumerer.

Später wird in der Thora das hebräische Wort für eine Tierart genannt, die gegessen werden darf. Einige Übersetzer benutzen das Wort für Damhirsch. Und natürlich wird der Hirsch auch oft in der Bibel erwähnt. z.B. „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“ (Psalm 42,2). Man kann vermuten, dass sowohl Thora als auch Bibel vom Mesopotamischen Damhirsch sprechen, da Israel und die Levante zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Tiere gehörten.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts galt die Art bereits als ausgestorben. Im Jahr 1875 wurde sie dann wiederentdeckt und durch Sir Victor Brooke als neue Art wissenschaftlich beschrieben. Einige Tiere wurden nach London geschickt und sorgten dort auch für Nachwuchs (1880). Allerdings verstarben alle Tiere im Laufe der Jahre und 1951 galt der Mesopotamische Damhirsch als endgültig ausgestorben, da keine Sichtung mehr erfolgte und man auch nichts mehr von ihnen hörte.

Der amerikanische Forscher M. Talbot reiste 1955 im Auftrag der IUCN nach Vorderasien. Man erzählte ihm von einer Population die sich im irakisch/iranischen Grenzgebiet aufhalten sollte. Er berichtete den beiden deutschen Zoologen T. Haltenorth und W. Trense und die Wissenschaftler vermuteten, dass es sich um die Damhirsche handeln müsse. Werner Trense unternahm daraufhin im Auftrag von Georg von Opel eine Expedition, um auch weiteren Hinweisen nachzugehen. Die Reise war vom Erfolg gekrönt und Trense brachte 1957 das erste Zuchtpaar in den Opel Zoo in Kronberg. Georg von Opel gelang es mit weiteren importierten Tieren eine erfolgreiche Zucht aufzubauen. Bisher sind daraus etwa 260 Tiere hervorgegangen. Praktisch alle in Zoos und Gehegen gehaltenen Tiere sind Nachkommen dieser ersten Zuchtgruppe.

Die Berichte die Haltenorth an die iranische Regierung schrieb veranlassten diese, den Mesopotamischen Damhirsch unter Schutz zu stellen und Schutzgebiete auszuweisen. So wurde unter anderem das Semeshkandeh-Gehege in der Nähe der Stadt Sari eingerichtet, die mit reimportierten Tieren, u.a. aus dem Opel Zoo, bestückt wurde.

Mit Hilfe des Opel Zoos wurden 1976 die Tiere auch wieder in Israel angesiedelt. Es gibt in der Zwischenzeit außer im Zoo von Jerusalem noch zwei freilebende Gruppen dort. Um die Bemühungen weiter zu unterstützen, erhielt das Auswilderungsprogramm 2017 zwei Jungtiere aus Kronberg.

Heute leben etwa 1000 Tiere in Zoos und Parks überall auf der Welt. Im Jahr 1989 unternahmen Prof. G. Heidemann von der Uni Kiel und der damalige Direktor des Zoos Hellabrunn H. Wiesner eine Reise in den Iran, um die Bestände zu sichten. Leider mit ernüchterndem Ergebnis. Zum damaligen Zeitpunkt lebten etwa 300 Tiere in verschiedenen Gehegen. Der gesundheitliche Zustand der Tiere war zu dieser Zeit schon schlecht. Aktuelle Informationen liegen aufgrund der momentanen Gegebenheiten im Iran nicht vor.

Das ist die spannende Geschichte einer Tierart, die ohne Unterstützung engagierter Menschen und Zoos mit Sicherheit ausgestorben wäre.

*Im Naturschutz sind Ex-situ Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt solche, die außerhalb des eigentlichen Lebensraums einer Art stattfinden, beispielsweise in Botanischen und Zoologischen Gärten. Siehe auch Beitrag Art, Artenschutz.

**Sassaniden – die letzte vorislamische Dynastie, die das zweite persische Großreich gründete. 224 – 651 n.Chr.

Für uns Besserwisser: Im Iran werden die Tiere Gawazn Zard-e Irani genannt – Iranischer Gelbhirsch

Alle Bilder dieser Galerie entstanden im Opel-Zoo Kronberg.

Binturong

Bintu… was? Noch nie gehört, noch nie gesehen? So ging es mir vor einiger Zeit auch, als ich nicht nur vor einem Gehege stand, sondern auch auf dem sprichwörtlichen Schlauch. Aber die Wissenslücke lässt sich leicht schließen:

Binturongs gehören zur Familie der Schleichkatzen und ja die hatten wir schon mal – die Fossas. Am äußeren Erscheinungsbild erkennt man schon wie vielfältig in Gestalt und Aussehen diese Tiergruppe ist. Über eine Eigenschaft verfügen jedoch alle baumbewohnenden Schleichkatzen gleichermaßen, sie sind phantastische Kletterer.

Prof. Grzimek schreibt in seinem Tierlexikon:

Der Binturong ist ein sehr spiellustiges Tier und behält diese Neigung zum Spiel zumindest in Menschenobhut auch als Erwachsener bei. Mit einer Behändigkeit, die seiner schweren, an Kleinbären erinnernden Gestalt und seiner sonstigen Langsamkeit kaum zuzutrauen ist, führt er „Rennspiele“ aus, macht mit allen vieren zugleich die tollsten Sprünge, überschlägt sich dabei manchmal und landet auf dem Rücken.

Grzimeks Tierleben – Säugetiere 3

Allerdings muss der Beobachter ein erhebliches Maß an Geduld mitbringen, da die Tiere sich üblicherweise, wie erwähnt, sehr langsam und bedächtig bewegen und lange Ruhephasen haben.

Ansonsten sind es typische Baumbewohner. Ausgestattet mit einem Klammer- bzw. Greifschwanz, schmalen, scharfen Krallen und nackten Sohlen mit starken Schwielen bewegen sie sich sicher sowohl auf ansteigenden oder waagrechten Ästen als auch kopfüber nach unten.

Ihr deutscher Name Marderbär oder der englische Name Bearcat deuten darauf hin, dass die Tiere ursprünglich zur Familie der Kleinbären gezählt wurden, was sich als falsch erwies. Die Bedeutung des Namens Binturong ist unbekannt. Er stammt vielleicht aus dem indonesischen (benturun(g) – glücklich?) dem Malaiischen (bentur – abstürzen?) oder aus einer sonstigen – evtl. nicht mehr gebräuchlichen – Sprache im südostasiatischen Verbreitungsgebiet der Tiere*

Heimat der Binturongs sind die tropischen Regenwälder von Indien (Nordosten), Westbengalen (nördlicher Teil), Sikkim und Tripura, Nepal, Bangladesch, Myanmar, China (Yunnan, Guangxi), Laos, Thailand, Malaysia, Vietnam, Indonesien (Kalimantan, Sumatra, Java), Philippinen (Insel Palawan). In den meistens dieser Verbreitungsgebiete dürfte er allerdings ausgestorben oder sehr selten sein. Sie ernähren sich von Früchten, Sprossen, kleinen Nagern, Insekten, Vögeln oder Vogeleiern. Zur Nahrungssuche verlassen sie durchaus die Baumwipfel und bewegen sich am Boden als Sohlengänger eher bedächtig und nicht besonders schnell. Lieblingsspeise sind Feigen, deren Samen sie mit ihrem Kot verteilen und so zum Bestand dieser Bäume beitragen.

Über ihre Hauptaktivitätszeit in der Wildbahn gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Vermutlich sind sie dämmerungs- oder sporadisch aktiv. Im Zoo wird ihr Verhalten jedoch von den Fütterungszeiten beeinflusst. Aber auch sehr hohe Außentemperaturen, Regen oder eine zu große Anzahl an Besuchern und der damit verbundene Lärmpegel spielen eine Rolle bei den Aktivitätsphasen. Bei meinen bisherigen Besuchen in den Zoos von Frankfurt*, Heidelberg und dem Vivarium Darmstadt hat sich der Zeitraum zwischen 09:00 und 10:00 Uhr als beste Beobachtungszeit bewährt. *Nachtrag: Es gibt keine Binturongs mehr in Frankfurt

Binturongs sind Einzelgänger, leben aber nach der Geburt des Nachwuchses durchaus eine Zeitlang zusammen. Die Weibchen sind dominant und auch deutlich größer als die Männchen. Geburten kann es ein bis zweimal im Jahr geben, die Tragzeit ist 92 Tage. Eigentlich sind das gute Nachrichten für Zoos und deren Nachzucht. Allerdings ist zu befürchten, dass der Genpool der in Zoos gehaltenen Tiere zu klein ist.

1821 wurden diese Tiere durch den britischen Forscher und Gründer Singapurs Thomas Stamford Raffles das erste Mal offiziell beschrieben. Vieles aus dem Leben der Binturongs in der Wildnis ist bis heute ungeklärt. Allerdings haben wir es geschafft durch Bejagung, Vernichtung des Regenwaldes, Umwandlung des Lebensraums in (Palmöl-)Plantagen die Art an den Rand des Aussterbens zu bekommen. Allein in den letzten 30 Jahren soll der Bestand um 30% zurückgegangen sein.

Binturongs sind keine spektakulären Tiere und vielen von uns unbekannt. aber sie sind wichtige Teile ihres Ökosystems (z.B. Feigensamen) und somit haben sie unsere Aufmerksamkeit und Schutz verdient.

Afrikanischer Wildhund

Das erste Mal in „Berührung“ mit Afrikanischen Wildhunden kam ich bei einer Beobachtungsfahrt auf dem Gebiet der Umkumbe Safari Lodge. Ranger Markus bekam während unseres Morgendrives die Nachricht, dass ein Rudel Wildhunde in der Nähe der Lodge gesichtet worden war. Wir befanden uns natürlich am anderen Ende des Reservates, das mehr oder weniger an den Krüger National Park grenzt. Seine Begeisterung über die Sichtung haben wir zunächst nicht verstanden, genauso wenig, warum er in halsbrecherischer Fahrt durchs Reservat raste, um uns ein paar Wildhunde zu zeigen. Doch seine Erklärungen haben uns dann die Augen geöffnet.

Ursprünglich kamen die Tiere in praktisch allen Staaten Afrikas südlich der Sahara vor. Ihr bevorzugter Lebensraum sind Halbwüsten, Kurzgrassteppen, Buschland und Savannen. Hier finden sie optimale Voraussetzungen für ihre Art zu jagen und entsprechendes Wild, wie Gazellen, Antilopen oder Warzenschweine. Die Bestände wurden in den letzten Jahren stark dezimiert und so findet man sie nur noch in Kenia, Tansania, Sambia, Simbabwe, Botswana und Südafrika. Leider hält die Habitatfragmentierung* weiter an. Im Krügerpark leben nach Schätzungen etwa noch 350 Tiere und ca. 20 davon hatten wir nun vor Augen.

Afrikanische Wildhunde gehören zur Familie der Hunde und bilden innerhalb dieser Familie eine eigene Gattung (Lycaon). Sie sind nicht direkt mit den Wölfen oder Haushunden verwandt, die der Gattung (Canis) angehören. Sie lassen sich auch nicht mit Hunden oder Wölfen kreuzen, da sie genetisch nicht kompatibel sind. Ganz falsch ist die Bezeichnung Hyänenhund, denn Hyänen gehören zu den Katzenartigen und haben mit Schleichkatzen (z.B. Mungos, Mangusten) gemeinsame Vorfahren. Wildhunde haben große runde Ohren, einen sehr schlanken Körperbau und sie bellen nicht. Das Fell ist glatt, ohne Unterwolle und eher spärlich, sodass manchmal die schwarze Grundfarbe der Haut durchscheint. Es weist rötliche, braune, gelbe und weiße Flecken auf. Jedes Tier hat eine individuelle Zeichnung, einzig die Schwanzspitze ist bei allen Tieren weiß.

Außer der besonderen Färbung gibt es weitere spannende Eigenschaften im Verhalten dieser Tiere. Es sind Rudeltiere mit einer festen sozialen Struktur. Die Rudel umfassen zwischen 4 und 30 erwachsene Individuen plus Jungtiere. Die Größe der Rudel hängt jedoch vom Futterangebot und der Reviergröße ab. Wenn man bedenkt, dass ein Wildhund etwas 2 kg Fleisch pro Tag benötigt, muss es auch entsprechend viele Beutetiere geben.

Die Koordination innerhalb des Rudels, etwa bei der gemeinschaftlichen Jagd oder der Aufzucht der Jungtiere, bedeutet ständige Interaktionen und wird durch außerordentliche Kommunikationsleistungen ermöglicht. Das Sozialverhalten ist so komplex, dass man sie zu den höchst entwickelten Tierarten zählen muss. Die Töne umfassen ein erstaunliches Spektrum: vogelähnlichen Zwitschern, miauen wie Katzen, heulen, winseln und grummeln wie Haushunde oder zirpen auf Frequenzen, die das menschliche Ohr nicht mehr wahrnehmen kann.

Die Jagd: Wildhunde sind Tag aktiv. Eben noch schlafend oder ruhend, genügt der Laut eines Rudelmitglieds das Witterung aufgenommen hat um alle in Bewegung zu versetzen. Die Beute wird gehetzt, wobei sich das Rudel aufteilt und strategisch vorgeht. Eine Verfolgung über fünf Kilometer mit Höchstgeschwindigkeit stellt kein Problem dar. Die Beute wird gestellt und von den Rudelmitgliedern zerrissen. Eine Tötungsart, die uns grausam erscheint, aber im Gegensatz zu Großkatzen, die ihre Beute erwürgen (Biss in die Kehle), dauert der Todeskampf meist nur 5 Sekunden. Der Jagderfolg liegt bei bis zu 80% während Löwen nur bei 15-30% aller Jagden erfolgreich sind (Geparden 50-70%). Die wichtigsten Beutetiere sind zwar, wie bereits erwähnt z.B. Gazellen, aber in Zimbabwe haben sich Rudel auf die Pavian-Jagd spezialisiert, ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen. ** Im Okavango Tal in Botswana wurde beobachtet, dass Rudelmitglieder durch ein Niesen die restlichen Rudelmitglieder zur Jagd auffordern und, dass es bei den Alphatieren meist nur ein Niesen braucht, um die restlichen Tiere auf die Beine zu bringen. ***

Fortpflanzung: Für Nachwuchs sorgt normalerweise nur das Alpha-Paar. Sollte es vorkommen, dass eine andere Hündin (in der Rangfolge nach dem Alpha-Weibchen) trächtig wird, werden deren Junge durch das Alpha-Weibchen entweder getötet oder adoptiert. 4 bis 17 Welpen werden geboren und von den Rudelmitgliedern versorgt. Die Größe des Wurfes hängt auch hier vom Beuteangebot und den Gegebenheiten im Revier ab.

Rudel: Es herrscht ein Matriarchat. Stirbt das Alphaweibchen teilt sich das Rudel oft auf. Eine Rangfolge ist im Rudel zwar festgelegt, sie ist aber oft nicht leicht zu erkennen, da es zwischen den Tieren wenig Aggression oder Rangkämpfe gibt. Normalerweise verlassen junge Weibchen im geschlechtsreifen Alter das Rudel, während der männliche Nachwuchs bleibt. Das Verhältnis zwischen männlichen zu weiblichen Tieren beträgt etwa 3:1. Die Weibchen suchen sich ein neues Rudel und vertreiben meistens die weiblichen Rudelmitglieder, sodass auf diese Art und Weise Inzucht innerhalb eines Rudels vermieden wird. Kranke, Alte und Jungtiere die nicht an der Jagd teilnehmen können, erhalten ihren Anteil an der Beute von den Jägern, die ein Teil des Fraßes dafür wieder auswürgen. Auf diese Weise werden auch die Wächter, die nicht an der Jagd beteiligt sind, sondern die Jungtiere schützen sollen, versorgt.

Afrikanische Wildhunde lassen sich nicht domestizieren. Dafür fehlt ihnen eine Eigenschaft über die Hunde verfügen – sie lassen sich von Menschen niemals anfassen und sie sind allen Lebewesen gegenüber, außerhalb des Rudels äußerst misstrauisch. Eigenschaften die diese Tiere sehr sympathisch machen.

* der Fachbegriff, der beschreibt, dass die einst großen und weitläufigen Territorien der Hunde entweder ganz dem Menschen zugefallen sind oder in viele kleine Territorien zerstückelt wurden. Afrikanische Wildhunde reagieren sehr empfindlich auf diese Störungen ihres natürlichen Lebensraums. Ansteckende Krankheiten und Unfälle auf Straßen tun ihr Übriges.

**Siehe hierzu den Bericht von Nicholas Dryer: „Neue Beute für Afrikanische Wildhunde im Überlebenskampf“ veröffentlicht National Geographic 23.Nov 18

*** Siehe hierzu den Bericht von Traci Walker: „Diese Hunde stimmen per Niesen ab“ veröffentlicht von National Geographic 09. Nov 17

Für uns Besserwisser:

Der lateinische (wissenschaftliche) Name Lycaon pictus bedeutet etwa „Bunter Wolf“ im Englischen werden sie Painted Dog genannt.

Hunde haben 5 Zehen, die Afrikanischen Wildhunde nur deren 4.