Lange bin ich davon ausgegangen, dass der osteuropäisch klingende Name ein Hinweis auf die ursprüngliche Heimat dieser Wildpferde sein müsste. Weit gefehlt, denn die Ursprünge der Tiere liegen im östlichen Teil Eurasiens. Tach ist der mongolische Name der Pferde. In Europa hat man, warum auch immer, ein „i“ hinzugefügt. (Vielleicht war der Initiator Schweizer? 😊). Die internationale Schreibweise ist Takhi.
Hier der Steckbrief dieser wunderbaren Tiere: Ein kurzer Hals, ein großer Kopf, die Schulterhöhe von 125-147 cm unterstreichen die gedrungene Statur. Die Fellfarbe reicht von fahlgelb bis rötlich-braun und typisch die „Mehlnase“, die weiße Färbung um die Nüstern. Wie bei Wildpferden üblich, haben sie eine Stehmähne und einen schwarzen Aalstrich, der über den Rücken verläuft. Tachi haben 66 Chromosomen statt 64 bei Hauspferden.
Tachi sind in Harems- und Junggesellengruppen organisiert. Eine Haremsgruppe besteht aus einem Hengst und einigen Weibchen, sowie deren Nachkommen. Nach zwei Jahren werden die Junghengste aus der Haremsgruppe verjagt. Sie schließen sich meist einer Junggesellengruppe an, bis sie selber ein Harem gründen oder es einem Konkurrenten abjagen können. Auch die jungen Stuten verlassen ihre Muttergruppe.
Als die Art 1869 von Europäern entdeckt wurde, war sie bereits sehr selten. Die letzten Sichtungen in der Wildnis gab es 1969 in der Region Dsungarai (größte Stadt ist Urumtschi) im Nordwesten Chinas und der benachbarten Mongolei. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten noch etwa 30 Tiere u.a. im Prager Zoo und im Tierpark Hellabrunn.
Zunächst aber ein kurzer Überblick über die domestizierte und die Wildform des Pferdes. Im Gegensatz zu Kamelen oder Hunden dauerte es sehr lange bis die Menschen den Nutzen eines Pferdes erkannten.

Das Hipparion, ein Dreizehiges Urpferd lebte etwa vor 10-5 Mio. Jahren und bildet einen ausgestorbenen Zweig der Pferde-Evolution. Aufnahme Nachbildung im Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe.
Die Hauspferde
Natürlich kam die Menschheit nicht sofort auf den Gedanken, die Tiere zu reiten. Pferde lieferten Fleisch, Fell und Knochen. In Felsmalereien in Frankreich und Mittelasien wurden sie schon vor etwa 10.000 Jahren als Jagdwild dargestellt. Vielleicht war es irgendwann so, dass Fohlen instinktiv den Menschen folgten, die ihre Mütter getötet hatten und vielleicht ist einem dieser Jäger die Idee gekommen, die Kleinen in der Nähe des Lagers zu halten, um einfacher an den Braten zu kommen. Und eines Tages schwang sich vielleicht ein Mensch auf den Rücken eines der Gefangenen. Die ersten Spuren, dass Pferde geritten wurden, sind etwa 5000-3500 Jahre alt. Grabbeigaben wie Pferdeschädel untermauern die zunehmend enge Verbindung zwischen Mensch und Tier. Es muss eine Art Revolution gewesen sein, als die Menschen erkannten, welche Vorteile ein Reittier brachte. Schnelligkeit und Ausdauer der neuen Genossen erschlossen neue Jagdgründe und -erfolge. Gleichzeitig jedoch eröffnete es eine nie dagewesene Möglichkeit, bisher unerreichbare Gebiete zu erobern. Eine neue Art der Eroberungsfeldzüge war geboren, die ohne Pferd schlicht undenkbar gewesen war. Die Geschichte der Awaren, Skythen, Hunnen, Mongolen und anderer Reitervölkern zeugen davon.
Mit der Domestizierung nahm auch die Zucht und damit die Ausbildung verschiedener Pferderassen ihren Anfang. Eine der ältesten Pferderassen ist der Araber, der auf der Arabischen Halbinsel gezüchtet wurde und von dort seine Verbreitung fand.
Sie zählen zu den ursprünglich geblieben Hauspferde-Rassen, links: Pinzgauer Pferde auf dem Rosskopf am Spitzingsee, Mitte: Dülmener Pferd im Zoo Hannover, rechts: Exmoor-Ponys in ihrer Heimat. Exmoor Nationalpark in West Sommerset/Devon GB. Dieses schöne Bild hat mir mein Freund Uwe-Carsten zur Verfügung gestellt. Danke dafür!



Die Wildpferde
Vor etwa 11.700 Jahren endete die letzte Eiszeit. Die Zeit der Megafauna wie Mastodon, Mammut oder Höhlenlöwe war vorbei, sie machten Platz für die Tiere wie wir sie heute (teilweise) noch kennen. Darunter befanden sich auch die Wildpferde, die sich (mit einer Ausnahme) die Steppen- und Graslandschaften des Eurasischen Doppelkontinents zur Heimat machten. Veränderung ihres Lebensraums (in Europa von Savanne zu Wald) und Überjagung durch den Menschen bescherte den meisten von ihnen jedoch ein nur kurzes Dasein. Um 50 v. Chr. war das Iberische Wildpferd bereits ausgerottet, es folgte etwa um 1200 n. Chr. der mitteleuropäische Waldtarpan. Der letzte Steppentarpan (eine Stute) wurde 1879 zur Strecke gebracht. In den Weiten der Steppen zwischen dem Fluss Ural, dem Kaspischen Meer über die Steppen Kasachstans bis zur Ostmongolei und Nordchina überlebte zunächst nur der Tachi. Sein Glück: diese Gebiete waren lange Zeit äußerst dünn besiedelt und wenig oder nicht erforscht.

Mit der Expansion Russlands und Chinas, die in diesen Gebieten ihren Rohstoffhunger stillen wollten, begann zunächst die mehr oder weniger systematische Erkundung. Zahlreiche Wissenschaftler, wie Zoologen und Geologen aber auch Militärs begaben sich auf Forschungsreisen in die „Terra Incocnita“. Dass es so lange gedauert hat bis die Kunde über diese Pferde in Europa ernst genommen wurde, ist auch der Ignoranz der damaligen Wissenschaft zu verdanken. Frei nach dem Zitat von Christian Morgenstern „Was nicht ist kann nicht sein“ ignorierten Alexander von Humboldt (1829), Alfred Brehm (1876), der schottische Arzt John Bell (1719-1722) und viele andere auf ihren Reisen ins Innere Asiens die Meldungen der lokalen Bevölkerung. Die „angeblichen Wildpferde“ wurden als versprengte Haustiere oder Kulane (asiatische Wildesel) abgetan.
links: Kulane im Tiergarten Nürnberg, rechts: Heckpferde (Abbildzüchtung Tarpan) im Tierpark Sababurg


„Rückzucht“
Bei meinen Recherchen kam mir oft das Wort „hätte“ in den Sinn. Hätte die Wissenschaft die Tiere nicht so lange ignoriert, hätte das Streben nach Gewinn und Besitztum nicht an erster Stelle gestanden, sondern der Artenschutz, hätte… Tatsache ist aber auch, wären keine Tiere nach Europa gelangt, gäbe es das Przewalski-Pferd heute nicht mehr.
Mit dem bereits vor hundert Jahren zuvor ausgestorbenen Tarpan hatte die Menschheit nicht dieses Glück, über eine Restpopulation zu verfügen. Hier sollte die „Rückzucht“ den Fehler wieder gutmachen. Wobei es meiner Meinung nach keine „Rückzucht“ gibt. Gene die verloren sind, lassen sich nicht wieder herstellen. Daher nennt man es besser Abbildzucht.
Gregor Mendel war Priester des Augustinerordens und leidenschaftlicher Gärtner. 1866 veröffentlichte er die „Mendelschen Regeln“ der Vererbungslehre, die er durch Kreuzungsversuche an Pflanzen herausgefunden hatte. Zunächst interessierte sich niemand dafür, er war seiner Zeit voraus. 1900 bestätigten Wissenschaftler jedoch seine Erkenntnisse und es wurde plötzlich nach dem Prinzip des Machbaren wild gekreuzt was das Zeug hielt. Dabei ging es weder bei Pflanzen noch bei Tieren um Artenschutz, sondern um Leistungsoptimierung. Als dem leitenden Veterinär von Askanija-Nowa* Elias (Ilja) Iwanow die künstliche Befruchtung bei Pferden gelang, war ein neues Kapitel der Domestikation von Tieren aufgeschlagen. Es wurde nun möglich, Tiere zu kreuzen die das auf natürliche Weise nie getan hätten bzw. bei Arten deren räumliche Trennung zu groß war.
Ab den 1920er Jahren versuchten die Brüder Heinz Heck *1892 (Zoo Berlin) und Lutz Heck *1894 (Tiergarten Hellabrunn) zunächst, ein Abbild des ausgestorbenen Auerochsen zu züchten. Ab 1930 erweiterten sie ihre Zuchtversuche, um den ausgestorbenen Tarpan wieder auferstehen zu lassen. Die Ergebnisse dieser Zuchtversuche nennt man Heckrinder bzw. Heckpferde. Mit den ausgestorbenen Rassen hatten sie jedoch nur äußerliche Ähnlichkeit.
Erfolgreicher waren die Brüder beim Schutz der Przewalski-Pferde, Der Berliner Zoo, Hellabrunn und Askanija-Nowa* wurden zum Zentrum der Arterhaltung.
*Askanija-Nowa ist ein Naturschutzgebiet, das in der Steppenzone der Südukraine liegt und zum Verwaltungsgebiet Cherson gehört. Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt-Köthen gründete 1828 das Gut und mit Genehmigung des russischen Staates übersiedelten 2300 Schafe, einige Rinder, Pferde und 25 Personen von Anhalt nach Askanija-Nowa. Allerdings war das Gut unrentabel und 1856 wurde es an den deutsch-russischen Adligen Friedrich Fein verkauft. Unter Leitung seiner Tochter und deren Ehemann Johann G. Pfalz wurde ein Zoo und ein botanischer Garten geründet. Die Familie trug den Namen Falz-Fein. Sie waren nicht nur die größten Schafzüchter Russlands, sondern engagierten sich auch in der Zucht von Pferden und exotischen Tieren. 1921 wurde Askanija-Nowa zum Naturschutzgebiet erklärt.



Przewalski-Fohlen im Tiergarten Nürnberg
Es geht weiter mit Teil II s.u.















































































































































