Art – Artenschutz

Bevor ich mich diesem Thema widme, wäre eigentlich zu klären, was man unter „Art“ versteht. Aufmerksame Leserinnen und Leser werden natürlich jetzt antworten: „das wurde doch im Beitrag Systematik der Tiere erklärt“. Die allgemeingültige Erklärung lautet also: Wenn sich Tiere in ihren wesentlichen Merkmalen gleichen und wenn sie als Männchen und Weibchen miteinander wieder gleiche, fruchtbare Nachkommen hervorbringen, so gehören sie zu einer Art.

Carl von Linné ging davon aus, dass die Arten bereits schon immer existierten. Charles Darwin hat uns dann gelehrt, dass sich Tiere durch Evolution und Arten durch Selektion weiterentwickeln. Es gibt heute einige wissenschaftliche Konzepte um Tiere in Arten einzuteilen. Einige sind wie kaum anders zu erwarten bei den Fachleuten umstritten: das merkmalbezogene Artkonzept, das cladistische Artkonzept oder das Biospezies-Konzept. Charles Darwin hat einmal gesagt:

Keine Definition der Art hat bisher alle befriedigt, obwohl jeder Naturwissenschaftler zu wissen glaubt, was er meint, wenn er von einer Art spricht.

Und nicht genug mit den Naturwissenschaftlern auch Philosophen und Tierethiker wie Christine Korsgaard leisten ihren Beitrag zum Thema. Korsgaard fragt in ihrem Buch „Tiere wie wir“: Menschen betrachten das Aussterben jeder Art als tragisches Ereignis – Warum? Einige Arten sind für das Ökosystem wichtiger als andere, also wo ist das Problem, wenn die eine oder andere Art ausstirbt? Wir Menschen betrachten den Wert eines Tieres für uns, jedoch nicht den Wert des Tieres für es selbst. (Beispiel: wir bedauern das Aussterben von Tigern – gegen das Aussterben der Stechmücken hätten wir jedoch nichts einzuwenden).

Für Biologen ist die Artenvielfalt etwas Gutes und unerlässlich für ein funktionierendes Ökosystem. Daraus folgt, dass das Aussterben einer Art von Bedeutung ist, wenn es die Artenvielfalt und damit die Gesundheit und damit auch das Wohl seiner Bewohner gefährdet. Diese Aussage, der biologische Artbegriff (Fortpflanzungsgemeinschaft) als auch der morphologische Artbegriff (gemeinsame Artmerkmale) bilden die Grundlage meiner eigenen Überzeugung. Ich habe sie im ersten Abschnitt allgemeingültige Erklärung der Art genannt.

Doch nun zum Artenschutz. Dieser ist ein Teilbereich des Naturschutzes. In allen meinen Beiträgen über Tiere spreche ich auch die Zerstörung des Lebensraums an. Abholzung von Wäldern für die Landwirtschaft, Erschließung von Flächen für Siedlungen und Infrastruktur aber auch Trockenlegung von Mooren, Überdüngung und Lichtverschmutzung. Und das passiert beileibe nicht nur in Brasilien oder Afrika, sondern auch bei uns in Europa und den anderen Industriestaaten.


Wenn man über Artenschutz liest, tauchen zwei wichtige Begriffe auf, die ich im Folgenden erkläre:
In-situ-Erhaltung von Ökosystemen und Biotopen bedeutet: die Erhaltung oder Wiederansiedlung von Arten in ihrem natürlichen Lebensraum, beispielsweise durch das Ausweisen von Schutzgebieten.
Im Naturschutz sind Ex-situ-Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt solche, die außerhalb des eigentlichen Lebensraums einer Art stattfinden, beispielsweise in Botanischen und Zoologischen Gärten oder in Genbanken. Eine wichtige Rolle bei Durchführung beider Maßnahmen spielt das 1985 gegründete EEP, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm. Das Programm wird vom Verband Europäischer Zoos (EAZA) verantwortet. Ursprünglich sollte das Programm durch den Austausch von Zuchttieren die genetische Diversität der Zootiere sichern, da es immer schwieriger wurde Wildfänge zu bekommen. In den folgenden Jahren verlagerte sich das Hauptaugenmerk jedoch immer mehr hin zum Artenschutz

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Löwe

Tierstimmen lösen bei uns sehr unterschiedliche Reaktionen und Empfindungen aus: das Zwitschern von Singvögeln lässt uns beim Spaziergang innehalten und lauschen; das Gurren der Taube vor dem Schlafzimmerfenster lässt uns an Mord denken; das Kläffen von Hunden die eigentlich keine mehr sind, nervt uns; das Heulen eines Wolfes jagt uns einen Schauer über den Rücken und das Miauen eines Kätzchens löst bei uns einen „Streichelimpuls“ aus.

Das tiefe, langanhaltende Gebrüll eines Löwen gehört wohl zu den beeindruckendsten Stimmen in der Natur (wie auch das Trompeten von Elefanten). In den Savannen Afrikas hat man das Gefühl alles Leben erstarrt und lauscht; im Zoo setzen sich die Besucher eilig in Richtung Löwengehege in Bewegung um die Ursache für das Gebrüll herauszufinden. Das Gebrüll das übrigens meistens morgens und in der Abenddämmerung angestimmt wird und das etwa 5-9 km weit hörbar ist, dient der Reviermarkierung und wohl auch der Kommunikation mit weiter entfernten Rudelmitgliedern. Ein Ranger in der Motswari Lodge (nähe Krügerpark) erklärte uns, der brüllende Löwe würde seinen Bruder rufen.

Der Faszination für diese Tiere kann auch ich mich schwerlich entziehen und so ist es an der Zeit, einige Zeilen über Löwen zu schreiben.

Beschreiben braucht man diese Tierart eigentlich nicht. In vielen Tierdokus sind sie Thema, Spielfilme und Zeichentrickfilme tragen zu ihrem Bekanntheitsgrad bei. Adlige Familien, Städte und Länder haben sich den Löwen als Wappentier erkoren.

Fangen wir also mit der Taxonomie an. Auf der Seite der WWF finde ich zu Löwen folgende Bemerkung: Bis zur abschließenden wissenschaftlichen Klärung schlagen die Raubkatzenexperten der Weltnaturschutzunion IUCN folgende Gliederung der Löwen vor: Die Löwen in Asien, West- und Zentralafrika gehören zur Unterart P. l. leo. Daneben bilden die Löwen in Süd- und Ostafrika die Unterart P. l. melanochaita. Es wird davon ausgegangen, dass diese Einteilung demnächst wissenschaftlich bestätigt wird.“

Die traurige – bestätigte – Wahrheit ist, dass die Unterart der West- und Zentralafrikanischen Löwen stark gefährdet ist (ca. 2850 Tiere) und Berber-Löwen in der Wildnis bereits ausgestorben sind. Der Bestand an Asiatischen Löwen ist auf einen kleinen Bestand im indischen Gir Forest bei Gujarat geschrumpft und somit höchst gefährdet (noch etwa 400 Tiere). In den Zoos kann man sie teilweise noch bewundern und ihre Zucht ist erfolgreich.

Süd- und Ostafrikanische Löwen sind größer als ihre nordafrikanischen und asiatischen Verwandten und die Mähne der Männchen ist deutlich umfangreicher. Bei der asiatischen Unterart kann man daher meist die Ohren sehen. Bei den Afrikanern sind sie durch die Mähne verdeckt. Und für Besserwisser: Löwen sind die einzigen Katzen, deren Schwanz eine Quaste hat. Die Fellfarbe ist üblicherweise einfarbig hell- oder dunkelbeige, allerdings gibt es auch weiße Löwen in Südafrika (Transvaal Löwen) und einigen Zoos. Es handelt sich jedoch nicht um Albinos, sondern um eine erbliche Defektmutation (es fehlen farbstoffbildende Zellen). Die Mähne der männlichen Löwen beeindruckt allerdings nicht nur uns Menschen, sie hat zwei ganz wichtige Funktionen, dazu komme ich gleich.

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Säbelantilope

Diesen Text müsste ich eigentlich in der Vergangenheitsform schreiben. Aber eins nach dem anderen.

Der Lebensraum dieser schönen Antilope ist das nördliche Afrika und umfasst alle Länder in der Sahara oder an sie angrenzend. Dementsprechend sind sie „Hungerkünstler“ und kommen auch einige Tage ohne Nahrung und wochenlang ohne Wasser aus. Sie fressen Gräser, Kräuter, Blätter, Knospen, Früchte, Wurzelknollen und Zwiebeln. Um ihren Bedarf zu decken wandern die Herden weite Strecken.

Angepasst an diese Lebensweise sind die Jungtiere nach ihrer Geburt „Ablieger“. Sie warten also geschützt – soweit möglich – auf die Rückkehr des Muttertieres während deren Nahrungssuche. Nach zwei Wochen bilden die Kälber einen „Kindergarten“ und schließen sich der Herde an.

Säbelantilopen gehören zum Tribus – Pferdeantilopen und der Gattung – Oryx und sind somit nahe Verwandte der Oryx-Antilopen, die man von der Arabischen Halbinsel und dem südlichen Afrika kennt.

Und nun der traurige Teil der Geschichte. Der Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft Philipp J. Cretzschmar hat die Art zum ersten Mal 1826 wissenschaftlich beschrieben. Im Jahr 2000 mussten die Säbel-Antilopen als ausgerottet eingestuft werden. 1970 lebten in freier Wildbahn noch einige Tausend Tiere. Doch Bürgerkriege, Wilderei und natürlich auch die Dürreperioden in der Sahelzonen ließen den Antilopen keine Chance. Hinzu kam, dass die Menschen offensichtlich ihren Spaß daran hatten, die Jagd vom Auto oder Flugzeug aus zu betreiben. Da die Tiere in ihrem Lebensraum praktisch keine Rückzugsmöglichkeit hatten und Flucht sinnlos war, wurden die Bestände schnell vernichtet.

Von den letzten Überlebenden kamen Anfang der 60er Jahre aus dem Tschad Tiere in europäische Zoos und sicherten so zunächst einmal das Überleben der Art. Erfolgreiche Auswilderungen folgten dann in Tunesien und Marokko, wo heute in geschützten Reservaten etwa 500 Tiere leben. Nach einer Zählung aus dem Jahr 2013 leben in Zoos weltweit etwa 1750 Exemplare und noch ca. 4000 (geschätzt) auf Jagdfarmen und in Privatbesitz in arabischen Ländern.

Ja und wenn der geneigte Leser noch etwas Geld übrig hat: texanische Jagdfarmen bieten Trophäen-Abschüsse für 3000 bis 6500 USD an, rein weiße Exemplare kosten etwa das Doppelte. (Info aus Zootierliste.de)

Ich beende meinen Beitrag nun (bevor mir noch schlecht wird) und füge wie immer einige Fotos an. Diese sind im Vivarium Darmstadt und der Wilhelma Stuttgart entstanden. Die Bilder der Oryx-Antilopen wurden in einem Hotel Resort in Dubai (2001) und in der Kalahari /Südafrika (2019) aufgenommen.

Katta

Wir sind zurück auf Madagaskar und wer innert sich nicht gerne an die „Madagaskar“ Animationsfilme mit Katta King Julien. Er hat die Zuschauer offensichtlich so nachhaltig beeindruckt, dass 2017 eine eigene Serie unter seinem Namen startete. Und nicht nur das, in den Zoos scheint ein regelrechter Katta–Boom ausgebrochen zu sein. Von A wie Angermünde bis W wie Worms findet man praktisch in allen Zoos und Tierparks diese Publikumslieblinge.

Für die ausgesprochen friedliebenden Tiere haben die Zoos neue Haltungsformen entwickelt. So gibt es im Allwetterzoo Münster eine Lemuren Insel, im Salzburger Zoo sind die Kattas auf der Afrika-Savanne u.a. mit Breitmaulnashörnern vergesellschaftet. Weiterhin wurden begehbare Gehege entwickelt, die sowohl dem Besucher optimale Bedingungen schaffen um den Tieren möglichst nahe zu kommen und den Tieren ein Maximum an Bewegungsfreiheit bieten.

Um Kattas erfolgreich züchten zu können, ist es erforderlich, sie in einer großen Gruppe zu halten in der die Männchen zahlenmäßig stärker vertreten sind. Der Männerüberschuss regt in der Fortpflanzungszeit offensichtlich die Werbung und Aktivität an. Im Gegensatz zu anderen Primaten sind in einer Gruppe Kattas die älteren Weibchen dominant. Kattas leben üblicherweise in Gruppen von 6 bis 24 Tieren. Das Revier wird durch stark riechende Duftsekrete markiert, was auch für die Gehege im Zoo gilt. Es herrscht eine strenge Rangordnung unter den Gruppenmitgliedern. Katta Männchen weisen ihre Konkurrenten oder Eindringlinge mit einem besonderen Imponiergehabe in die Schranken. An den Unterarmen der Tiere befinden sich Duftdrüsen. Der Schwanz wird also an den Duftdrüsen vorbeigezogen und mit dem Sekret eingerieben, anschließend wedelt der Katta mit seinem Ringelschwanz dem Mitbewerber um Weibchen oder Rangplatz entgegen. Ein ganz typisches Verhalten der Kattas. Der geringelte Schwanz wird beim Laufen hochgehalten und dient so als Erkennungszeichen im hohen Gras oder Buschland.

Eine erstaunliche Entdeckung machten Forscher der Duke University in Australien. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei Lemuren der Geruch in Zusammenhang mit den genetischen Anlagen steht. So spiegelt der Geruch des Sekrets die genetischen Qualitäten eines fortpflanzungsfähigen Männchens wider. Die Weibchen können also einen vielversprechenden Bewerber erriechen. Des Weiteren fand die Biologin Christina Drea heraus, dass in der Paarungszeit der männliche Geruch auch Aufschluss über das verwandtschaftliche Verhältnis der Tiere untereinander geben kann. Kattas haben verschiedene Duftdrüsen, wie bereits erwähnt an den Unterarmen/Handgelenken, aber auch an der Schulter und den Genitalien.

In ihrer Heimat fressen Katta hauptsächlich Feigendisteln, Früchte von Kakteen (Opuntien) oder Blätter. Die Zoos müssen bei der Ernährung darauf achten, dass das verfütterte Obst zu viel Zucker enthält und daher einen Ausgleich schaffen, da die Tiere sonst zu dick werden.

Kattas sind tagaktiv und lieben die Sonne. Sie setzten sich oft mit ausgebreiteten Armen und Beinen hin und nehmen ein Sonnenbad. Diese aktiven Tiere zu beobachten macht sehr viel Spaß. Sie sind unglaublich flink und beweglich, Sprünge über mehrere Meter sind überhaupt kein Problem. Zum Ausruhen, Schlafen oder um sich aufzuwärmen kuscheln sich die Tiere zusammen, was lustig aussieht, da man einzelne Tiere im Knäuel kaum ausmachen kann.

In Madagaskar beschränkt sich ihr Lebensraum auf den Süden und den Südwesten der Insel. Kattas findet man dort in den Trockenwäldern, in den schmalen Streifen Galeriewald die sich entlang von Flüssen ziehen und im Dornbusch.

Und die folgenden Sätze könnte ich eigentlich kopieren und in praktisch jeden meiner Berichte einfügen: Kattas werden auf der Roten Liste seit 2014 als stark gefährdet eingestuft. Erstens werden sie immer noch als Leckerbissen von der Bevölkerung bejagt oder als Haustier gefangen. Zweitens wird ihr Lebensraum durch die Landnahme der Menschen immer weiter eingeschränkt und zerklüftet, sodass der Genpool durch die Isolierung der Gruppen immer kleiner wird.

Meine Bilder sind im Opel-Zoo Kronberg und im Zoo Heidelberg entstanden.

Bitte auf eines der kleinen Bilder klicken um die Galerie bildschirmfüllend zu betrachten.

System im Tierreich I

In meinen Berichten ist oft die Rede von …gehört zur Familie, der Art…  oder …ist eine Unterart von… Es wird also Zeit für eine Erklärung. Wenn wir ordnungsliebende Menschen sind, dann nutzen wir Systeme auf dem PC, bei der Arbeit oder Zuhause um etwas wiederzufinden, zu vergleichen, Zusammenhänge zu erkennen oder zum Meinungsaustausch mit anderen. So auch Biologen, die ein Klassifizierungsschema – die Taxonomie – nutzen, um das komplette Tier- und Pflanzenreich jeweils in eine hierarchische Ordnung zu bringen.

Wenn sich Tiere in ihren wesentlichen Merkmalen gleichen und wenn sie als Männchen und Weibchen miteinander wieder gleiche, fruchtbare Nachkommen hervorbringen, so gehören sie zu einer Art. Wenn sie daneben in unerheblichen Merkmalen, wie Färbung oder Größe, voneinander abweichen, dann kann man von Unterarten, Varietäten oder Rassen sprechen. Arten, die sich nur geringfügig unterscheiden, fasst man zu einer Gattung zusammen. Werden die Unterschiede größer, werden weitere Gattungen aufgestellt. Diese lassen sich dann wieder nach dem Grad der Ähnlichkeit zu Familien vereinigen. Auf der nächsthöheren Stufe stehen die Ordnungen, die aus einander ähnelnden Familien zusammengesetzt sind. Desweiteren werden zusammengehörige Ordnungen zu Klassen und Klassen zu Stämmen vereint, und alle Tierstämme bilden das Reich der Tiere.

Wichtige Voraussetzung ist ein einheitliches Namensgebungsverfahren – die Nomenklatur – das für die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern weltweit gültig ist. Die Grundstruktur dieses heute noch gültigen Systems entwickelte Carl von Linné (1707-78). Der schwedische Forscher hat die binäre (doppelte) lateinische Nomenklatur eingeführt, die als Grundlage für sein „Systema naturae“ gilt.

Erklärung für die binäre Nomenklatur am Beispiel für den lateinischen Namen des Östlichen Kleinen Pandas: Es funktioniert wie unsere Vor- und Familiennamen und orientiert sich an Gattung und Art. Der lateinische Name ist also Ailurus fulgens styani und setzt sich aus der Gattung und der Art zusammen und, da es zwei Arten gibt, wurde der Nachname seines Entdeckers des Naturforschers Frederick William Styan hinzugefügt.

Um das System wirklich aussagekräftig zu machen, ist es erforderlich auch die ausgestorbenen Vertreter aller Tierarten zu erfassen. Siehe Anmerkung zu Ailuridae. So lassen sich nach molekularbiologischen und morphologischen Untersuchungen Verwandtschaften oder Abspaltungen von einer bestimmten Linie erkennen. Wer sich wundert, dass Walrosse und Robben in einer gemeinsamen Familie mit Hundeartigen sind, dem sei gesagt, dass es gemeinsame Merkmale gibt, die diese Einordnung rechtfertigen. Neuste Untersuchungen lassen vermuten, dass Bären und Robben einen gemeinsamen Vorfahren gehabt haben.

Oftmals vertreten Wissenschaftler unterschiedliche Ansichten was die Zuordnungen zu einzelnen Rängen betrifft und dies bringt natürlich eine gewisse Bewegung in das System. Oder die Forschungsergebnisse sind schlicht nicht eindeutig und die Diskussion darüber machen Anpassungen der Systematik erforderlich.

In einem folgenden Bericht werde ich auf die Systematik bei Homo sapiens eingehen.

*Die Chorda ist ein vorläufiges Achsenskelett, das durch die Wirbelsäule bei Wirbeltieren im Laufe der Entwicklung des Embryos ersetzt wird.

**Ailuridae – Die Familie umfasst die Kleinen Pandas und ihre bereits ausgestorbenen Verwanden. Eine genaue Darstellung erfolgt normalerweise im Tribus und Subtribus.

System im Tierreich II

Als Carl von Linné sein „Systema naturae“ austüftelte, hatte er natürlich nicht die Untersuchungsmöglichkeiten die uns heute zur Verfügung stehen. Außerdem kamen durch die Vielzahl der Forschungsreisen und Ausgrabungen in den folgenden Jahrhunderten immer mehr Erkenntnisse hinzu, die in der Systematik verarbeitet werden mussten.

Als Beispiel für eine aktuelle Klassifizierung betrachten wir die Ordnung der Primaten. Welches sind die Merkmale eines Säugetieres das dieser Ordnung zugerechnet werden soll.

  • Augen nach vorne gerichtet
  • gering ausgeprägter Geruchsinn
  • vergrößertes Gehirn
  • elterliche Fürsorge
  • verlängerte Jugendphase
  • Bildung sozialer Gruppen
  • spezielles Gebiss (gleiche Zahnformel)
  • Vorderextremitäten sind Greif- und Tastorgane, Daumenbildung

Somit gehören alle Säugetiere, die diese Merkmale besitzen, zur Ordnung der Primaten. Weichen die Merkmale ab, werden sie einer anderen Ordnung zugewiesen.

Entgegen der Denkweise des Mittelalters ordnete Linné den Menschen bereits 1735 ins Tierreich ein. In der 10. Auflage die 1758 erschien erhielt der Mensch seinen bis heutigen gültigen lateinischen Namen Homo (Mensch) sapiens (weiße, klug) und bekam seinen Platz in der Ordnung der Primaten. Allerdings ordnete Linné die Lebewesen nach ihrer Morphologie (Lehre von der Struktur und Form der Organismen) und erst Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie (Die Entstehung der Arten 1859) öffnete die Sicht für ein phylogenetisches System (die Systematik auf Basis der Evolution).

Weitere Erkenntnisse und Forschungen führten schließlich zur Erkenntnis, dass die nächsten Verwandten des Menschen die Schimpansen sind. Dass es im Gegensatz zu Schimpansen und Gorillas beim Homo sapiens keine Unterarten gibt, sprich keine Rassen, ist eine weitere wichtige und aktuelle Erkenntnis. In der Biologie werden die Kriterien für eine Unterart wie folgt definiert:

  1. geographisch begrenzte, klar differenzierte Populationen
  2. über längere Zeit getrennte Stammeslinien

Die Ergebnisse der evolutionsbiologischen und molekulargenetischen Forschung zeigen, dass die beiden genannten Kriterien auf menschliche Populationen nicht zutreffen.

Die Einordnung ins System des Tierreichs und unsere doch nahe Verwandtschaft mit Menschenaffen werfen auch in ethischer Hinsicht viele Fragen auf. Wie definiert sich unser Verhältnis zu Tieren? Sind wir wie in der Vergangenheit gelehrt wurde „die Krone“ der Evolution, gibt es Verpflichtungen gegenüber den Tieren und was ist mit den Rechten von Tieren?

In einem weiteren Artikel möchte ich auf diese Fragen eingehen. Da die Recherche aber Zeit benötigt, werde ich meinen Spaziergang durch die Zoos zunächst einmal weiter fortsetzen.

*Homininae – umfasst Gorillas, Schimpansen und Menschen einschließlich aller ihrer Vorfahren bis zu deren Trennung von der Entwicklungslinie der Orang-Utans

Roter (Kleiner) Panda

Beginnen wir diesen Artikel mit einer Frage: Was haben Kleine Pandas, Hunde, Bären, Walrosse, Robben oder Marder gemeinsam? – Sie alle bilden in der Systematik der Tiere eine Unterordnung innerhalb der Ordnung „Raubtiere“. Alle genannten Tiere gehören in die Unterordnung „Hundeartige“. Häufige, gemeinsame Merkmale sind die spitze Schnauze (liebe Hundezüchter habt Ihr das gelesen: spitze Schnauze), dass sie Zehengänger sind und Krallen haben, die sich nicht einziehen lassen. Der Kleine Panda weicht insofern von diesen Merkmalen ab, als er Sohlengänger ist, eine eher stumpfe Nase hat und einige seiner Krallen einziehen kann.

Eigentlich hätten diese hübschen Kerlchen das Zeug zu Publikumsmagneten in den Zoos. Nach dem Motto unser Gehege ist zwar klein aber hoch, verbringen sie jedoch die meiste Zeit des Tages in den Bäumen und zwar so weit wie möglich oben im Wipfel, wo sie kaum zu entdecken sind. Es sind nachtaktive Tiere, die am Tag überwiegend schlafend anzutreffen sind und nur zum Fressen nach unten kommen.

Es gibt noch zwei Verbreitungsgebiete des Kleinen Pandas, das die Gattung aufgrund der geografischen Lage in zwei Unterarten teilt. Der Westliche Kleine Panda hat seine Heimat in Nepal, Assam, Sikkim und Bhutan und wird deshalb auch Himalaja-Katzenbär genannt. Der Östliche Kleine Panda oder auch Chinesischer-Katzenbär lebt im südlichen China und nördlichen Myanmar. Das Verbreitungsgebiet wurde vor etwa 220.000 Jahren durch die Vergletscherung während der letzten Kaltzeit getrennt. Die Vorfahren des Kleinen Panda hießen Parailurus und lebten im Pliozän (vor 5,3 – 2,8 Mio. Jahren). Sie waren über die gesamte nördliche Halbkugel verbreitet.

Bis auf einige abweichende körperliche Merkmale sind sich die beiden Panda Arten jedoch sehr ähnlich. Ihre Nahrung besteht zu etwa 85% aus Bambusblättern und anderen Pflanzenteilen, hin und wieder auch Insekten, Jungvögeln oder Eiern. Sie leben in subalpinen Bergwäldern und Bambusdickichten, da sie eher kühlere Temperaturen vorziehen. Den etwas verwirrenden Namen Katzenbär erhielten sie, weil sie die Angewohnheit haben, sich nach Katzenart den Körper mit der abgeleckten Handsohle zu säubern. Ebenso ungewöhnlich ihre Art zu trinken. Sie tauchen eine Pfote ins Wasser und lecken diese dann ab. Selten schlürfen sie Flüssigkeiten ein.

Rote Pandas sind normalerweise Einzelgänger (Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel) und finden nur zur Paarungszeit zusammen. Kurz vor dem Wurf sammelt das Weibchen Zweige und Blätter und baut damit ein Nest in eine Baumhöhle oder Felsspalte. Es werden 1-4 Junge geboren, die mit verschlossenen Augen und Ohren zur Welt kommen. Die Entwicklung der Jungtiere schreitet sehr langsam voran. Erst im Alter von 65 bis 90 Tagen können sie erstmals ihr Nest verlassen. Sie werden fast 5 Monate von der Mutter gesäugt. Um dafür genügend Milch zu haben, muss sie die dreifache Menge an Futter zu sich nehmen, d.h. sie ist gezwungen, ihre Jungen während der Futtersuche lange alleine zu lassen. Man kann sich vorstellen, dass ihre natürlichen Fressfeinde Schneeleoparden oder Baummarder dies zu nutzen wissen.

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Amur (Sibirischer) Tiger

Über die südlichen Verwandten des Amur Tigers habe ich bereits geschrieben. In vielen Merkmalen gleichen sich alle Unterarten natürlich, deshalb gehe ich nur auf die sichtbaren Unterschiede ein.

Der Amur Tiger ist die größte lebende Katze. Die Kater werden bis zu 2,90 m lang und können ein Gewicht von 325 kg erreichen. (Sumatra Tiger etwa die Hälfte). Der Backenbart ist bei dieser Unterart nicht so ausgeprägt wie bei den Inseltigern. Die Färbung ist meist etwas heller, oben rötlichgelb bis rostbraun, unterseits und an den Flanken weiß, die schwarzgrauen Querstreifen ziehen sich über den ganzen Körper. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse haben diese Tiger ein dichtes und längeres Fell als die südlichen Vertreter.

Weiße Tiger sind übrigens eine Züchtung, die auf einen weißen Bengal Tiger aus Rewa in Vorderindien zurückgeht. Dieser wurde 1951 gefangen und mit einer normalgefärbten Tigerin gepaart. Aber erst als er mit seiner  Tochter gekreuzt wurde, hatte er weißen Nachwuchs. Sowohl Vater als auch Mutter müssen die (Gen-)Veränderung besitzen, damit sie beim Nachwuchs zum Tragen kommen kann. Aufgrund der häufigen Inzucht sind die Jungen meist krank oder nicht überlebensfähig. Man hat festgestellt, dass die ursprüngliche Weißfärbung durch einen Gendefekt verursacht wird. Es sind aber keine echten Albinos, denn sie haben dunkle Streifen und blaue Augen. Der letzte weiße Bengal-Tiger in Freiheit wurde 1958 geschossen.

Doch zurück zum Amur (Sibirischen) Tiger. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom Baikalsee nach Korea und nach Sachalin – die nördlich von Japan gelegene Insel. Heute sind die beiden Regionen im Fernen Osten Russlands Primorje bis in die südlichen Teile von Chabarowsk, die letzten Rückzugsgebiete. Der Fluss Amur bildet die westliche Grenze ihres Verbreitungsgebietes.

Die Größe der Reviere hängen vom Nahrungsangebot ab, das in diesen Breiten eher dünn ist. Bei Katern sind dies enorme 800 bis 1000 qkm, die der Weibchen sind deutlich kleiner und überschneiden sich häufig mit den Revieren eines Männchens. Da Weibchen nur etwa 3-7 Tage paarungsbereit sind, suchen sie sich häufig einen Partner. Die Paarung der Tiere zu beobachten ist durchaus spannend. Im Zoo Landau konnte ich beobachten, dass die Initiative oft vom Weibchen ausging und sie auch das Ende des Aktes bestimmt hat und dies laut und nachdrücklich.

Und hier noch die Unterarten von Panthera Tigris:

  1. Amur-Tiger auch Sibirischer oder Amur-Ussuri-Tiger genannt,
  2. Südchinesischer Tiger ursprünglich in Südchina, freilebend weitestgehend ausgerottet. In chinesischen Zoos leben etwa 70 Tiere,
  3. Hinterindischer (Indochina) -Tiger, etwa noch 350 Tiere in Kambodscha, Thailand, Myanmar, Laos und vielleicht in Vietnam,
  4. Malaiische Tiger – auf der malaiischen Halbinsel leben etwa 250 Tiere,
  5. Königs- oder Bengaltiger* – verbreitet in Indien und den Nachbarstaaten leben dort etwa 2500 Tiere.
  6. Sumatra-Tiger – etwa 400 Individuen auf Sumatra
  7. Java-Tiger – ausgerottet seit 1970
  8. Bali-Tiger – ausgerottet seit etwa 1940
  9. Kaspischer Tiger – ursprünglich weite Verbreitung von Anatolien über den Iran und Zentralasien bis in die Mongolei. Heute ausgerottet.

Die weitaus meisten Tiger leben heute in Zoos und leider auch in privaten Tiergehegen. In Texas alleine sind es etwa 2000 in solchen Hinterhofgehegen, ohne jede Kontrolle durch Veterinäre oder andere staatliche Organe. Unter welchen Bedingungen möchte man nicht wissen**.  In China werden Tiger in etwa 20 privaten Farmen gezüchtet (die Zahl die man vermutet schwankt zwischen 5000 und 10.000 Tieren) – und man ahnt es schon – um  geschlachtet und zu „Medizin“ verarbeitet zu werden.

*ein bekannter Vertreter ist Mowglis Widersacher Schir Khan aus dem Dschungelbuch von Rudyard Kipling. Der im Übrigen das schlechte Image, das Tiger oft in ihren Heimatländern haben, in seinen Roman übernimmt.

**Ich empfehle einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung Magazin von Michaela Haas „Ein Tiger als Spielzeug“ mit den einleitenden Worten: „In einigen US-Bundesstaaten ist es einfacher, an einen Tiger zu kommen als an ein Auto. Bis zu 20 000 Wildkatzen werden als Haustier, Partyattraktion oder Maskottchen gehalten. Und Prominente machen das Problem nur noch größer.“

Die Bilder sind in den Zoos von Leipzig (oben), Duisburg und Landau (in der Galerie) entstanden.

Bitte auf eines der kleinen Bilder klicken um die Galerie bildschirmfüllend zu betrachten.

Opel-Zoo Kronberg

  • Geschichte und wichtige Personen

Der ‚Kronberger Tiergarten‘ wurde bereits 1955 gegründet. Der Enkel des legendären Adam Opel, Georg von Opel (sein Vater Carl wurde 1918 in den erblichen Adelsstand erhoben) gründete im Jahre 1956 den Trägerverein für das ‚Georg-von-Opel Freigehege für Tierforschung‘. Das gab dem Tiergarten die erforderliche finanzielle Absicherung für die weitere Entwicklung. Der Trägerverein ging 2007 in der ‚von Opel Hessische Zoostiftung‘ auf.

  • Schwerpunkte – Tiere

Der Zoo präsentiert etwa 233 Arten mit insgesamt ca. 1600 Tieren. Der Schwerpunkt liegt bei Huftieren und Großsäugern. Bereits 1955 kamen die ersten Afrikanischen Elefanten Conti, Vauka und Opeline in den Zoo. Giraffen, Zebras, Knus, Elche oder der Mesopotamische Damhirsch folgten in den Jahren darauf. Der Tierbestand wurde konsequent erweitert. Aus meiner Sicht erwähnenswert sind noch Geparden, Rote Pandas, Luchse oder die Brillenpinguine. Gerade fertiggestellt wurde eine Madagaskar-Voliere für Kattas und Rote Varis und in der Planung ist eine Anlage für asiatische Panzernashörner.

  • Artenschutz und Zucht

Mit den ersten Afrikanischen Elefanten gelang 1965 und 1968 die Nachzucht. Das ist insofern bemerkenswert, als bis zu diesem Zeitpunkt die Zucht weltweit nur in einem einzigen Zoo gelang.

Noch faszinierender ist die Geschichte des Mesopotamischen Damhirsches. Dieser galt bereits als ausgestorben. Die ursprüngliche Heimat waren die Länder des Nahen Ostens. Als Mitte der 50er Jahre jedoch in Israel Abwurfstangen gefunden wurden, schickte Georg von Opel eine Expedition unter Leitung von Werner Trense. Dieser fand tatsächlich die Tiere und brachte drei davon 1958 nach Kronberg. Der Großteil der in Zoos gehalten Tiere stammt heute von den Kronberger Hirschen ab. Ebenso wurden bereits einige Exemplare in Israel ausgewildert, um den dortigen Bestand zu sichern.

Die Artenschutzprojekte des Opel-Zoos:

  • Für den Mesopotamischen Damhirsch und den Hirscheber führt der Opel-Zoo das Zuchtbuch im Rahmen des EEPs (Europäisches Erhaltungsprogramm),
  • Auffangstation für Europäische Wildkatzen,
  • Auswilderung der Sumpfschildkröte,
  • Beteiligung an 26 internationalen Erhaltungszuchtprogrammen für Reptilien, Vögel und Säugetiere und koordiniert selbst zwei solcher Programme, s.o.
  • -Unterstützung TAWI-Conservancy Programm in Kenia um den dortigen Elefanten Korridore für ihre Wanderungen zu schaffen.
  • 2021/22 werden insgesamt 52 Feldhamster im Taunus ausgewildert,
  • zukünftige nimmt der Zoo am Auswilderungsprogramm für den europäischen Ziesel teil.

 

  • Bildung

Die Zoopädagogik (Zooschule) hat sich sowohl Bewusstseinsbildung für den Artenschutz als auch Wissensvermittlung auf die Fahnen geschrieben.

  • Mein Fazit

Um es vorweg zu nehmen, natürlich können nicht alle Besucher einer Einrichtung immer einer Meinung sein. Überall gibt es Plus- und Minuspunkte, die jeder von uns anders gewichtet. Das ist auch gut so.

Allerdings sollte man beim Bewerten – nicht wie es heute üblich – seinen Frust über die eigene unzureichende Planung, die äußeren Umstände oder schlicht die eigene schlechte Laune in die Bewertung einfließen lassen.

Ich will in diesem Fall ausnahmsweise einmal Stellung zu einigen Bewertungen nehmen, die im Web zu lesen sind. Ja der Eintrittspreis ist hoch, aber ich denke, man kann den Preis nicht immer an der Anzahl der Tiere festmachen die man gesehen hat und schon gar nicht, ob ich in der Provinz bin oder einer Großstadt. Der Opel-Zoo erhält meines Wissens keine staatlichen Zuschüsse und muss für seine Einnahmen selbst sorgen. Den Zoo im Winter zu schließen oder die Preise in dieser Zeit zu senken ist, auch keine gute Idee, denn die Tiere werden auch im Winter nicht weniger fressen und die Angestellten sollen auch die ihnen zustehende Entlohnung bekommen.

Tatsächlich ist es manchmal schwierig, die Tiere zu finden. Das hängt wohl an der Witterung und hin und wieder an der Tageszeit. Hier ist Geduld gefordert und es lohnt oft, eine zweite Runde zu drehen. Ein Problem übrigens, das man in allen Zoos hat, zumal wenn die Häuser wegen Corona geschlossen waren.

Ich denke der überwiegende Teil der Bewertungen ist sehr positiv und dem kann ich mich nur anschließen. Der Zoo ist in eine sehr schöne Landschaft eingebettet, einige Wege führen durch den Wald und es gibt eine große Artenvielfalt. Wenn ich etwas zu bemängeln hätte, ist es das Füttern der Tiere (ausgenommen Streichelzoo) durch Besucher. Ach ja und ich mag Hunde – aber nicht im Zoo. Hunde und Zootiere haben schon genug Stress.

Erdmännchen

Ich will unbedingt Erdmännchen sehen, so der Wunsch meiner Schwägerin, als wir am Kgalagadi Transfrontier Park in Südafrika die Formalitäten erledigt hatten und erwartungsvoll in den Park hineinfuhren. Um es gleich zu sagen: es wurde nichts daraus, denn an der einzigen Kolonie in unserer Nähe sind wir natürlich vorbeigefahren. Das kann einem in deutschen und europäischen Zoos nicht passieren. In Europa gibt es ungefähr 550 Erdmännchen-Anlagen davon in Deutschland alleine etwa 130.

Mit Sicherheit haben Erdmännchen Timon und Warzenschwein Pumba aus „König der Löwen“ zur Beliebtheit der Erdmännchen beigetragen. Meistens sind die Anlagen von begeisterten Kids umringt, die aufgeregt alle Aktionen und die Kommunikation der Tiere untereinander kommentieren.

Dabei fällt auf wie viele der Besucher gut informiert sind. Das ausgesprochen spannende Sozialverhalten der Erdmännchen macht die Tiere interessant für den Schulunterricht oder die Zoopädagogik. Übrigens gibt es viele Namen für sie, darunter Scharrtiere (von Prof. Grzimek so genannt wegen ihrer Leidenschaft fürs Graben) oder Meerkat (Meerkatze in Afrikaans). In der Systematik der Biologie gehören Erdmännchen zur Familie der Mangusten.

Aber sind Erdmännchen wirklich nur die putzigen Tiere die wir sehen? Gibt es gar Parallelen zum Sozialverhalten der Menschen?

Erdmännchen leben in Südwest-Angola, Botswana, Namibia und Südafrika. Dort besiedeln sie trockene Gebiete bis Halbwüsten mit wenig oder keinem Baumbestand. Das sind z.B. die Namib, Kalahari, Karoo und das Highveld (das flache innere Hochplateau zwischen der Kalahari und Johannesburg – Nordwest-Provinz).

Ein dominantes Weibchen führt die Gruppe an, die sich aus Tieren beiderlei Geschlechts zusammensetzt. Sie ist normalerweise auch das einzige Weibchen das mit dem ranghöchsten Männchen für Nachwuchs sorgt (etwa 80% der Jungtiere). So zahlen beide Geschlechter der Familienmitglieder einen hohen Preis – sie verzichten auf Sex. Inzucht innerhalb der Gruppe wird nicht toleriert.

Clutton-Brock, Verhaltensbiologe von der Universität Cambrigde und ausgewiesener Experte, sagt: „Das Leben der Erdmännchen ist ein großer Widerspruch zur Evolutionstheorie. Danach müsste sich der Lebenserfolg einer Art nur nach der Zahl der Nachkommen bemessen lassen. Im scharfen Überlebenskampf der Wüste haben sich alle bekannten Verhaltensmuster als unbrauchbar erwiesen. Als überlebensfähig hat sich nur das archaische Gemeinwohl-Modell bewährt.“ (vergleichbar den Ameisen und Bienen)

Wenn man das Modell Bienen mit Arbeitern und Bienenkönigin oder Kriegern (bei den Ameisen) mit der Gemeinschaft der Erdmännchen vergleicht, gibt es hier nur drei „Berufe“: Wächter, Babysitter und Nahrungsbeschaffer. Babysitter ist nach der Geburt der Jungen zunächst ein älteres Weibchen, das bei Abwesenheit der „Königin“ – die sich immer an der Jagd bzw. Futtersuche beteiligt – die Jungen umsorgt und sogar in der Lage ist diese zu säugen, obwohl sie keine eigenen Jungen hat oder bekommen wird. Nach etwa 2 Monaten bringen die Gruppenmitglieder den Kleinen dann Beutetiere, die zunächst tot und später auch lebendig dargereicht wird.

Wächter beobachten das Umfeld des Baus, während der Rest der Familie auf Nahrungssuche ist. Man erkennt die Wächter daran, dass sie auf den Hinterbeinen stehen und ihren Blick stetig schweifen lassen. Im Gegensatz dazu sitzen die Familienmitglieder auf den Hinterbeinen, wenn sie sich ausruhen. Neue Beobachtungen haben ergeben, dass die Wächter zudem unterscheiden, ob der Feind aus der Luft oder übers Land kommt und, ob er weit weg ist oder schon tödlich nah. Durch Lautäußerungen informiert der Wächter die nahrungssuchende Gruppe ständig über die Lage.

Erdmännchen leben in einem despotischen System. Dies führt dazu, dass männliche Tiere ihre Gruppe mit etwa 3 bis 4 Jahren verlassen, da sie sich in der eigenen Familie nicht fortpflanzen können. Sie bilden oft mit vertriebenen Weibchen eigene Gruppen. Die verbleibenden Männchen bleiben in der Rolle von Helfern (Nahrungsbeschaffern, Wächtern).

Anders als die Männchen verlassen die Weibchen die Gruppe nie freiwillig, sondern werden in einem Alter von zwei bis vier Jahren vom dominanten Weibchen durch wiederholtes aggressives Verhalten zum Abwandern genötigt. Im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft verhält sich das dominante Weibchen gegenüber den weiblichen Helferinnen (die ja auch trächtig werden könnten) besonders aggressiv. Das geht soweit, dass sie die potentiellen Konkurrentinnen kurzzeitig vertreibt oder falls diese doch von einem fremden Männchen trächtig sind, sogar deren Nachwuchs tötet und frisst.

Mobben, Krieg führen und liebevolles Familienleben. All dies existiert in einem Familienverband bei Erdmännchen und einiges davon ist sehr menschlich. Wahrscheinlich sind sie uns auch deshalb so sympathisch.

Die Bilder sind in den Zoos von Heidelberg, Frankfurt, Duisburg, dem Opel-Zoo sowie dem Zoo Basel entstanden.

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