Fossa

Fossas werden im Deutschen auch Frettkatzen genannt. Sie leben ausschließlich auf Madagaskar. Sie werden der Familie der Schleichkatzen an, wie z.B. Mungos, Ginster- und Zibetkatzen oder Mangusten zugerechnet. Fossas bilden jedoch wegen einiger spezieller Körpermerkmale und ihrem isolierten Vorkommen als einzige Art eine eigene Unterfamilie (Madagaskar-Schleichkatzen). Man geht davon aus, dass Fossas eine sehr altertümliche Tierart sind. Ein Hinweis könnte die lange Reifezeit der jungen Fossas von 5 Jahren sein. Nach der Isolierung Madagaskars von Afrika und Indien wanderte die Urform, ein Mangusten ähnliches Tier, über die Straße von Mosambik nach Madagaskar ein. Das geschah im Laufe des späten Tertiärs (vor etwa 23-18 Mio. Jahren) wo die Tiere dann eine endemische Entwicklung nahmen.

Wenn man ein passendes Adjektiv für sie suchen müsste, wäre „quirlig“ wohl das Beste. Fossas sind etwa 80 bis 90 cm groß, sehr schlank und haben einen langestreckten Körper. Bei meinen Besuchen habe ich sie in permanenter Aktion gesehen. Sowohl am Boden als auch in 3 Meter Höhe. Sie klettern unglaublich behände und sind dabei so schnell, dass sie jedem Fotografen den Schweiß auf die Stirn treiben. Die teilweise dicht bewachsenen Gehege, den Wäldern auf Madagaskar nachempfunden, und die schwierige Lichtstimmung tun ihr übriges.

Fossas sind reine Fleischfresser, immer auf der Suche nach Essbarem und in ihrer Heimat nicht übermäßig beliebt, da sie sich auch gerne an kleinen Haustieren vergreifen. Allerdings ist ihre Hauptnahrung Lemuren (Halbaffen) – man kann dann auch verstehen, warum sie so enorm flink sein müssen. In ihrer Heimat durchstreifen die Tiere als Einzelgänger die tropischen Regen- und Trockenwälder. Wo der Mensch die Wälder gerodet hat, wie z.B. im zentralen Hochland können sie nicht überleben.

Die bereits erwähnten speziellen Körpermerkmale beziehen sich u.a. auf die einziehbaren Krallen, die Reißzähne (wie Katzen), Analtaschen (wie Mangusten) oder Schädel (wie Schleichkatzen). Dass Fossas außergewöhnliche Tiere sind, zeigt eine Besonderheit bei den Weibchen – eine vorübergehende Vermännlichung. Man versteht darunter zum einen die Ausbildung von Stacheln an der Klitoris, die dem männlichen Penisknochen ähneln und das Ausscheiden eines orangefarbenen Secrets, das die Bauchseite der Weibchen kurzfristig orange (wie bei den Männchen) färbt. Diese eigentlich männlichen Merkmale verschwinden wieder, wenn das Weibchen mit etwa 5 Jahren geschlechtsreif wird. Man kann also davon ausgehen, dass diese Merkmale die noch nicht geschlechtsreifen Weibchen vor den männlichen Freiern schützen sollen. Im Alter von 2-3 Jahren werden die Jungtiere nämlich von ihrer Mutter vertrieben und verlieren somit deren Schutz.

Auch die Paarung der Fossas zeigt ein ungewöhnliches Verhalten. Das Weibchen zieht sich auf einen bestimmten Baum ins Geäst zurück. Die Männchen am Boden kämpfen um das Vorrecht der Begattung. Der Sieger wird jedoch häufig vom Weibchen abgewiesen. Nach welchen Kriterien die Männchen ausgesucht werden ist jedoch noch nicht bekannt. Der Begattungsakt dauert ungewöhnlich lange, meistens bis zu 2 Stunden. Die Tiere sind dabei so fest verbunden, dass beide Tiere bei Gefahr oder Störung im Baum klettern können, ohne sich zu lösen.

Das erste Tier kam übrigens im Jahr 1890 in den Londoner Zoo. In der Zwischenzeit leben in vielen Zoos Fossas und vermehren sich dort auch. Besonders erfolgreich ist dabei der Duisburger Zoo, wo auch das Zuchtbuch geführt wird und der das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert. Mehrere Artenschutzprojekte fördern Schutzmaßnahmen auf Madagaskar.

Diese außergewöhnlichen Tiere haben unsere Aufmerksamkeit und Schutz verdient. Aber dies gilt auch für die Menschen auf Madagaskar. Während ich diese Zeilen im Oktober 21 schreibe gibt es folgende Medienberichte (z.B. ZDF.de):

Hunderttausende stehen in Madagaskar am Rande der Verzweiflung. Der Süden des tropischen Inselstaats, der nahe der Ostküste Afrikas im Indischen Ozean liegt, erlebt die schlimmste Dürre seit 30 Jahren. Es gibt kein sauberes Trinkwasser und kaum noch Nahrungsmittel. Seit Monaten leben die Menschen von Kakteenfrüchten, mit Tamarindensaft gemischtem Lehm, Heuschrecken und Blättern.

Sumatra-Tiger

Ich könnte stundenlang vor den Tiger-Gehegen verbringen. Die Tiere sind elegant, schön, kraftvoll und haben Augen die förmlich strahlen. Eigenschaften, die auch auf viele Menschen zutreffen und die wir sehr schätzen. Trotzdem sind diese herrlichen Tiere fast ausgerottet.

Tiger lassen sich genetisch in 2 Unterarten* einteilen, in Festlandtiger und Sundatiger, zu denen auch der Sumatra-Tiger gehört. Vor etwa 6000 – 12000 Jahren führte die Erhöhung des Meeresspiegels dazu, dass die Festlandsbrücke zu den Sundainseln unterbrochen wurde. Daher unterscheiden sich die Inselbewohner (Sumatra) genetisch deutlich von den Unterarten auf dem asiatischen Festland. Sumatra-Tiger sind beispielsweise deutlich kleiner und die Männchen ziert ein markanter Backenbart.

Die Probleme der Tiger auf Sumatra sind vielschichtig. Eine stetig anwachsende Bevölkerungszahl die mehr Ressourcen an Land benötigt, das Abholzen der Wälder, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen und man ahnt es schon, die Wilderei, um z.B. für die chinesische Medizin Tigerknochen zu erhalten oder der Handel mit Tigerfellen.

Die Restbestände (etwa 370 Tiere) der Sumatra-Tiger leben heute in isolierten Populationen überwiegend in Schutzgebieten. Da weder Tiger noch ihre Beutetiere zwischen den Schutzgebieten wechseln können, ergeben sich weitere Schwierigkeiten. Der Genpool wird kleiner und die Zahl der Huftiere ist dramatisch gesunken. Da der Mensch hier als Nahrungskonkurrent auftritt, fehlt es den Tigern praktisch an Beutetieren. Unliebsame Begegnungen mit Menschen und deren Haustieren sind so vorprogrammiert.

Die Inselbewohner leben in ihrer Heimat in dichten tropischen Wäldern im Tief- und Hochland. Sie benötigen die Nähe zu Wasser, da sie dort auch jagen oder sogar baden. Sumatra-Tiger haben Schwimmhäute zwischen den Zehen und sind ausgezeichnete Schwimmer.

Die Gehege in den modernen Zoos sind dieser Tatsache soweit es geht angepasst. Allerdings ist auch klar, dass ein Käfig oder ein Freigehege, sei es noch so groß, das Revier eines Tigers nie ersetzen kann. Dieses ist üblicherweise je nach Nahrungsangebot zwischen 20 und 100 km² groß. Da Tiger Einzelgänger sind, verteidigen insbesondere die männlichen Tiere ihr markiertes Revier gegen Eindringlinge. Sie akzeptieren allerdings Revierüberschneidungen mit weiblichen Artgenossinnen. Diese haben meistens kein festes Revier oder wechseln es häufig auf der Suche nach Katern.

Es gibt bei Tigern keine feste Paarungszeit. Solange eine Kätzin keinen Nachwuchs hat, ist sie etwa alle 45 bis 55 Tage paarungsbereit. Allerdings ist die Tigerin während der Brunstzeit, die zwischen 20 und bis zu 80 Tagen dauert, nur etwa 3-7 Tage befruchtungsfähig.

Meine Bilder entstanden im Zoo Frankfurt und Heidelberg. Die Frankfurter Tigerin Malea bekam zum letzten Mal 2013 Nachwuchs. Berani bekam 2014 in Augsburg eine neue Heimat. Nach dem Tod des Katers Iban kam Kater Vanni 2017 aus Spanien nach Frankfurt. Allerdings klappte es zwischen Malea und ihm nicht, sodass es keinen weiteren Nachwuchs gab. Beide Tiere sind in der Zwischenzeit verstorben.

Der überwiegende Teil der Bilder stammt aus dem Zoo in Heidelberg. Dort hatte es zwischen Kater Tebo und Kätzin Karis gefunkt und im Februar 2021 kamen Jambi, Dumai und Sabah zur Welt. Die Bilder sind ab Juni 2021 entstanden.

* Diese Angabe basiert auf den aktuellen Erkenntnissen. Es gibt jedoch auch Unterscheidungen von bis zu 9 Unterarten. Darauf gehe ich in einem zukünftigen Beitrag über den Amur-Tiger ein.

Neue Bilder aus Heidelberg 09/22

Gepard

Nein, das Foto oben stammt nicht aus einem deutschen Zoo. Der Königsgepard (King-Cheetah) wurde in Südafrika aufgenommen und zwar im HESC dem Hoedspruit Endangered Species Centre. Dort beschäftigt sich das Cheetah Project mit Aufzucht und Versorgung von jungen Geparden, die dann im Erwachsenenalter „ausgewildert“ werden. Königsgeparde sind übrigens keine Unterart, sondern eine großfleckige Mutation der normalen Fellzeichnung. In freier Wildbahn haben sie allerdings aufgrund der auffälligen Zeichnung kaum Überlebenschancen.

Die englische und auch im südlichen Afrika gebräuchliche Bezeichnung für den Gepard – Cheetah – stammt vom Sanskrit-Wort chitraka für „der Gefleckte“.

Ursprünglich erstreckte sich das Verbreitungsgebiet von Geparden vom Nahen Osten bis Indien und die afrikanischen Vertreter bevölkerten den ganzen afrikanischen Kontinent. Der Asiatische Gepard gilt als fast ausgestorben, es könnten noch einige Tiere im Iran leben, auch im Nordwesten Afrikas soll es noch Tiere geben. Die größten Bestände ca. 4200 Tiere findet man heute in Namibia und Südafrika. Der Rest des Bestandes lebt im Osten des afrikanischen Kontinents.

Im Laufe seiner Evolution haben es Geparden geschafft sich an vielfältige und sehr unterschiedliche Lebensräume anzupassen. Sie fanden überall ein Zuhause, ob in Busch und Feuchtsavannen, Grasländern und Trockensavannen oder Halbwüsten und Wüsten und vom Tiefland bis auf eine Höhe von 4’000 m.

Aber ausgerechnet ihre fantastische Spezialisierung auf Geschwindigkeit wird ihnen nun in einer modernen, zersiedelten Welt zum Verhängnis. Der Körper eines Gepards ist auf Geschwindigkeit ausgelegt: hohe Beine, geringes Gewicht, schlanke Gestalt und einen Kopf der der Atmung Priorität einräumt und nicht der Beißkraft. Die enorme Anstrengung die eine Jagd von maximal 60 Sekunden kostet bedeutet, dass das Tier fast eine halbe Stunde benötigt um wieder zu Atem zu kommen. Zeit in denen sich die stärkeren Nahrungskonkurrenten wie Hyänen, Leoparden oder Löwen einfinden können und dem erfolgreichen Jäger die Beute streitig machen oder sogar sein eigenes Leben bedrohen. Eine Chance hat dann der Gepard kaum. Es sind daher die einzigen Katzen die tagsüber jagen um dieses Risiko zu verringern und sie benötigen große Reviere.

Die Gebiete in dem Geparden jagen sind riesig und oft sind sogar Parks und Schutzgebiete zu klein, sodass sie Nahrungskonkurrenten nicht ausweichen können. Namibia weist die größte Population an Geparden weltweit auf. Der überwiegende Teil lebt aber nicht in Reservaten, so kommen sie oftmals den Farmern und Ranchern in die Quere, die um ihr Vieh fürchten. Daher wurden die Katzen dort gnadenlos gejagt. Ein vom WWF unterstütztes Projekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin soll das verhindern und ist damit auch erfolgreich.

Im Grunde genommen haben Geparden eine gute Chance ihre Art zu erhalten. Im Gegensatz zu in Zoos gehaltenen Tieren pflanzen sie sich nämlich ohne Probleme fort. Sie haben keine feste Zeit in der sie sich fortpflanzen und ein Muttertier kann bis zu 8 Junge gebähren.

Voraussetzungen die der Mensch schaffen kann und muss, sind die Ausweisung wirklich großer Schutzgebiete, auch Länder übergreifend, wie z.B. der Kavango-Zambesi-Schutzgebietsverbund KAZA mit seinen Wildtierkorridoren. Die Hoffnung ruht auch auf den kooperativen Farmern und der erfolgreichen Arbeit der Schutzprogramme.

Die Bilder in der Galerie wurden 2014 und 2021 im Opel-Zoo in Kronberg aufgenommen. Im Juni 2019 brachte „Jamari“ dort 6 Junge zur Welt – eine Sensation!

Ein großartiger Zuchterfolg in der Stuttgarter Wilhelma: Im Juni 2022 kamen dort Fünflinge zur Welt. Die Eltern heißen (Papa) Zawadi und die (Mama) Niara. Die Namen der weiblichen Kids sind Nala und Maleika, die drei Männchen erhielten die Namen Themba, Lunis und Ajani.

Syrischer Braunbär

Eine kleine Unterart des Europäischen Braunbären ist der hellgefärbte Syrische Braunbär, dessen Verbreitungsgebiet ursprünglich vom Kaukasus bis in den Nahen Osten reichte. In Syrien, Israel und dem Libanon gelten die Bären als ausgestorben. Die letzten Populationen leben im Gebiet des kleinen Kaukasus, zwischen dem Kaspischen- und dem Schwarzen Meer. Im Gegensatz zu ihren Europäischen Verwandten bevorzugen sie die baumlosen Gebirgsregionen.

In Armenien wird ihr Bestand auf etwa 150 Tiere geschätzt. Dort wurde 2002 auch die Foundation for the Preservation of Wildlife and Cultural Assets (FPWC) von Ruben Khachatryan, dem Zoodirektor in Jerewan gegründet. Die Tierschutzorganisation hat ein 20.000 Hektar großes Schutzgebiet errichtet, ein Refugium für bedrohte Arten wie Luchse, Wildziegen, Kaukasische Leoparden und Syrische Braunbären. Einen interessanten Artikel über die Auswilderung der Syrischen Braunbärin „Dasha“ findet ihr in der Zeitschrift Spektrum vom 27.08.2019.

Meine Bilder entstanden im Zoo Heidelberg. Sie zeigen u.a. die Bärin Ronja mit ihrem Baby Merle, das im April 2021 geboren wurde. Tragisch: der Vater Martin musste im Januar des gleichen Jahres eingeschläfert werden. Da die Bärin zu dieser Zeit ihre Winterruhe hielt, wusste der Zoo nichts von der Schwangerschaft. Die Freude und Sensation war perfekt als Merle das Licht der Welt erblickte – die erste Nachzucht nach 20 Jahren in Heidelberg.Weiterlesen »