Zoo Heidelberg

  • Geschichte und wichtige Personen

Im Jahre 1934 wurde der Tiergarten Heidelberg eröffnet. Basis war eine Stiftung, die der Chemiker und spätere Geschäftsführer der BASF Prof. Carl Bosch auf Initiative von Prof. Otto Fehringer (Ornithologe) ins Leben rief. Das Gelände in Heidelberg-Neuenheim war ursprünglich als Friedhof der Stadt Heidelberg geplant, konnte aber aufgrund eines zu hohen Grundwasserspiegels nach dem ersten Weltkrieg nicht weiter genutzt werden. Schon in den Jahren nach der Gründung litt der Zoo unter Geldmangel besonders nach dem Tod des Förderers Carl Bosch im Jahr 1940, der zweite Weltkrieg viele Pläne auf Eis legte und 1945 ein Bombenangriff den Tiergarten in Schutt und Asche legte. In den 50er Jahren begannen dann langsam die Aufbauarbeiten, die durch Direktor Dieter Poley ab 1972 vorangetrieben wurden. In der Folgezeit wurden viele Anlagen erneuert oder neu gebaut. Seit 1998 leitet Direktor Klaus Wünnemann erfolgreich die Geschicke des Zoos.

  • Schwerpunkte – Tiere

Der Zoo präsentiert etwa 155 Arten mit einem hohen Anteil an Vögeln. Besonders erwähnenswert finde ich: Berberlöwen, Sumatra-Tiger, Syrische Braunbären, Mitchell-Lori, Riesen-Seeadler, Flachlandgorillas und Schimpansen. Wohl einmalig in Deutschland ist die Anlage der Asiatischen Elefanten, wo ausschließlich Jungbullen in einem natürlichen sozialen Verband leben. Das Verhalten der Tiere untereinander zu beobachten ist unglaublich spannend und interessant.

  • Artenschutz und Zucht

Besonders erfolgreich waren die Heidelberger mit der Nachzucht der in freier Natur (Bali) ausgestorbenen Mitchell-Lories, einer Papageienart, im Jahr 2020; in jüngster Zeit Nachzuchten bei den Syrischen Braunbären, Sumatra-Tigern und den Ägyptischen Landschildkröten jeweils 2021.

Die Artenschutzprojekte des Zoo Heidelberg

  • Artenschutzzentrum Feldhamster (regional)
  • WAPCA (Westafrika)
  • Yaqu Pacha (Südamerika)
  • AEECL (Madagaskar)
  • SCP (Madagaskar)
  • ETH (Sri Lanka)
  • Save Magiao (Südostasien)

 

  • Bildung

Das Bildungsprogramm für Kinder und Erwachsene wird von der Zoo-Akademie vermittelt. Hier geht es um die Themen Tiere & Natur, Ausstellung, Labor und Technik. Führungen, Workshops, Experimente und Laborarbeit bieten einen breiten Fächer an Bildungsangeboten für jedes Alter und jedes Interessengebiet, das in Verbindung mit der Zooarbeit, der Tierhaltung, dem Artenschutz oder zum Thema Nachhaltigkeit steht.

  • Mein Fazit

Ich mag den Heidelberger Zoo sehr. Einerseits natürlich wegen der durchaus spektakulären Tiere, andererseits aber auch wegen der besonderen Gartenlandschaft mit vielen Bäumen und Grün. Ich würde mir noch mehr verglaste Käfige bzw. Volieren wünschen. (Als Hobbyfotograf hat man es in Zoos nicht immer einfach). Besonders die Mitchell-Lories und die Tigerbabys abzulichten war ein schwieriges Unterfangen. Mit der riesigen Savannenlandschaft die in den nächsten Jahren entstehen soll, wird der Zoo noch attraktiver und bekommt mit Giraffen ein weiteres absolutes Highlight dazu. Eine neue sehr großzügige Außenanlage erhalten die Flachlandgorillas. Dies versetzt den Zoo zukünftig in die Lage am Erhaltungszuchtprogramm für diese bedrohte Tierart teilzunehmen.

 

Sumatra-Tiger

Ich könnte stundenlang vor den Tiger-Gehegen verbringen. Die Tiere sind elegant, schön, kraftvoll und haben Augen die förmlich strahlen. Eigenschaften, die auch auf viele Menschen zutreffen und die wir sehr schätzen. Trotzdem sind diese herrlichen Tiere fast ausgerottet.

Tiger lassen sich genetisch in 2 Unterarten* einteilen, in Festlandtiger und Sundatiger, zu denen auch der Sumatra-Tiger gehört. Vor etwa 6000 – 12000 Jahren führte die Erhöhung des Meeresspiegels dazu, dass die Festlandsbrücke zu den Sundainseln unterbrochen wurde. Daher unterscheiden sich die Inselbewohner (Sumatra) genetisch deutlich von den Unterarten auf dem asiatischen Festland. Sumatra-Tiger sind beispielsweise deutlich kleiner und die Männchen ziert ein markanter Backenbart.

Die Probleme der Tiger auf Sumatra sind vielschichtig. Eine stetig anwachsende Bevölkerungszahl die mehr Ressourcen an Land benötigt, das Abholzen der Wälder, um Platz für Palmölplantagen zu schaffen und man ahnt es schon, die Wilderei, um z.B. für die chinesische Medizin Tigerknochen zu erhalten oder der Handel mit Tigerfellen.

Die Restbestände (etwa 370 Tiere) der Sumatra-Tiger leben heute in isolierten Populationen überwiegend in Schutzgebieten. Da weder Tiger noch ihre Beutetiere zwischen den Schutzgebieten wechseln können, ergeben sich weitere Schwierigkeiten. Der Genpool wird kleiner und die Zahl der Huftiere ist dramatisch gesunken. Da der Mensch hier als Nahrungskonkurrent auftritt, fehlt es den Tigern praktisch an Beutetieren. Unliebsame Begegnungen mit Menschen und deren Haustieren sind so vorprogrammiert.

Die Inselbewohner leben in ihrer Heimat in dichten tropischen Wäldern im Tief- und Hochland. Sie benötigen die Nähe zu Wasser, da sie dort auch jagen oder sogar baden. Sumatra-Tiger haben Schwimmhäute zwischen den Zehen und sind ausgezeichnete Schwimmer.

Die Gehege in den modernen Zoos sind dieser Tatsache soweit es geht angepasst. Allerdings ist auch klar, dass ein Käfig oder ein Freigehege, sei es noch so groß, das Revier eines Tigers nie ersetzen kann. Dieses ist üblicherweise je nach Nahrungsangebot zwischen 20 und 100 km² groß. Da Tiger Einzelgänger sind, verteidigen insbesondere die männlichen Tiere ihr markiertes Revier gegen Eindringlinge. Sie akzeptieren allerdings Revierüberschneidungen mit weiblichen Artgenossinnen. Diese haben meistens kein festes Revier oder wechseln es häufig auf der Suche nach Katern.

Es gibt bei Tigern keine feste Paarungszeit. Solange eine Kätzin keinen Nachwuchs hat, ist sie etwa alle 45 bis 55 Tage paarungsbereit. Allerdings ist die Tigerin während der Brunstzeit, die zwischen 20 und bis zu 80 Tagen dauert, nur etwa 3-7 Tage befruchtungsfähig.

Meine Bilder entstanden im Zoo Frankfurt und Heidelberg. Die Frankfurter Tigerin Malea bekam zum letzten Mal 2013 Nachwuchs. Berani bekam 2014 in Augsburg eine neue Heimat. Nach dem Tod des Katers Iban kam Kater Vanni 2017 aus Spanien nach Frankfurt. Allerdings klappte es zwischen Malea und ihm nicht, sodass es keinen weiteren Nachwuchs gab. Beide Tiere sind in der Zwischenzeit verstorben.

Der überwiegende Teil der Bilder stammt aus dem Zoo in Heidelberg. Dort hatte es zwischen Kater Tebo und Kätzin Karis gefunkt und im Februar 2021 kamen Jambi, Dumai und Sabah zur Welt. Die Bilder sind ab Juni 2021 entstanden.

* Diese Angabe basiert auf den aktuellen Erkenntnissen. Es gibt jedoch auch Unterscheidungen von bis zu 9 Unterarten. Darauf gehe ich in einem zukünftigen Beitrag über den Amur-Tiger ein.

Neue Bilder aus Heidelberg 09/22

Zoologische Gärten – die Geschichte

Meine Erinnerungen an die ersten Zoobesuche reichen zurück in die 1960er Jahre und im Vergleich zu damals gab es in den vergangenen Jahren eine sehr positive Entwicklung. Was sich meiner Meinung nach nicht geändert hat seit dem Tiere, in welcher Form auch immer, ausgestellt werden, ist unsere Faszination für exotische Tiere. Auch die Gründe warum Tiere präsentiert werden haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert – zum Wohl der Tiere.

Zooähnliche Tierhaltung ist bereits aus Ägypten, China oder aus Mexiko bekannt. Funde belegen, dass ca. 3500 v. Chr. in Hierakonpolis, dem damaligen politischen und religiösen Zentrum Oberägyptens, Tiere gehalten wurden. Kaiser Wu-Wang, der Ahnherr der Zhou-Dynastie, lies um 1150 v. Chr. den Garten der Intelligenz anlegen, in dem zahlreiche Tiere aber auch Pflanzen aus weit entfernten Regionen gezeigt wurden. Bei der Eroberung Mexikos staunten die Spanier nicht schlecht, als sie eine Anlage vorfanden, die den späteren Menagerien in Europa ähnelte und in der Aztekenherrscher Moctezuma II in Wasserbehältern, Vogelhäusern und Käfigen eine Vielzahl exotischer Tiere hielt. Man kann wohl davon ausgehen, dass die damaligen Herrscher die Tiere – zumindest die Säugetiere – nicht nur als Schauobjekte, sondern auch zur Jagd oder als Opfergabe hielten.

Eine besonders unrühmliche Art der Tierhaltung wurde im römischen Reich praktiziert. Mit Tierhetzen, Gladiatorenkämpfen oder Wagenrennen in Arenen versuchte das herrschende Patriarchat Einfluss auf das niedere Volk zu bekommen, um so in der Hierarchie weiter aufzusteigen oder die eigene Position zu festigen. Der Verbrauch an exotischen Tieren aus Afrika, dem Nahen Osten und Indien war enorm und führte zur Dezimierung vieler Tierarten in den von Rom beherrschten Gebieten. Die erste Tier Hatz durch Marcus Fulvius Nobilior fand 188 v. Chr. statt. Die letzte bekannte Tierhatz in Rom wurde vom Ostgotenkönig Theoderich dem Großen 523 n.Chr. durchgeführt. Mit Beginn der Völkerwanderung verlor diese Art der Volkbelustigung zunächst ihre Bedeutung.

Damit allerdings nicht genug. Zu Beginn der Neuzeit (Wechsel vom 14. zum 15. Jahrhundert) wurde es en vogue, in den Herrscherhäusern wieder Kampfarenen einzurichten. Mit der Kolonialisierung war der Nachschub an exotischen Tieren gesichert und der Vernichtungsfeldzug nahm seinen Lauf. Hinzu kam, dass die neuen Herren in Indien, Afrika oder Südamerika ihre Jagdleidenschaften entdeckten. Am Beispiel der Löwen kann man die Ergebnisse leicht nachvollziehen. Bis ins Jahr 146 n.Chr. gab es praktisch keine Löwen mehr in Mittel- und Südeuropa. Mit der Eroberung von Nordafrika durch Rom ereilte die Löwenpopulation dort das gleiche Schicksal. Durch die aufkommende Jagdleidenschaft der Kolonialisten, wie bereits erwähnt, schrumpften die Bestände ab dem 15. Jhd. In Nord- und Südafrika. Den asiatischen Löwen ging es nicht besser. Ursprünglich waren sie von der Osttürkei über den Nahen Osten, Zentralasien bis nach Indien weit verbreitet. Die Bilanz menschlicher Dummheit und Geltungssucht: Der letzte Kap-Löwe wurde Mitte des 19. Jhds., die letzten freilebenden Löwen in Marokko und Algerien Anfang des 20 Jhds. erschossen. Die letzten indischen Löwen leben heute im Bundesstaat Gujarat. Zwischen 1800 und 1942 wurden die Löwen auf der Arabischen Halbinsel, in der Türkei, Syrien, Iran, Irak, Pakistan, Afghanistan und Zentralasien ausgerottet.

Aber zurück zur Tierhaltung. Mit Beginn des Zeitalters der Aufklärung um 1700 verschwanden die Tierkampfarenen und die europäischen Herrscher ließen Menagerien bauen in denen Vögel und exotische Tiere gezeigt wurden. Integriert waren die Menagerien üblicherweise in große Gartenanlagen zu denen allerdings nur der Adel und Würdenträger Zutritt hatten. Eine der bedeutendsten Anlagen dieser Art wurde vom Ludwig XIV dem Sonnenkönig in Versailles gebaut. Die nahe gelegene Arena von Vincennes wurde um 1700 geschlossen und die verbliebenen Tiere nach Versailles gebracht.

Ein großer Schritt von der Menagerie zum Zoologischen Garten vollzog sich im Rahmen der französischen Revolution. Das private Präsentieren von Tieren wurde verboten. Der bereits im Jahre 1626 von König Ludwig XIII angelegte „Jardin des Plantes“ wurde um 1790 zum ersten Zoologischen Garten in Europa. Tiere aus Wandermenagerien, sonstiger privater Haltung und nicht zuletzt nach Auflösung der Menagerie von Versailles 1793 wurden im „Jardin des Plantes“ untergebracht. Tiere wurden nun nicht mehr zur Repräsentation durch den Adel gehalten. Die Öffentlichkeit bekam Zutritt und die Wissenschaft interessierte sich nun nicht nur für das Aussehen exotischer Tiere, sondern begann mit Untersuchungen und Beobachtungen zum Verhalten und zur artgerechten Haltung. Weitere wichtige Themen aus dieser Zeit waren u.a.: Evolution und Systematik im Tierreich. Die Zoologie schlug hier ein wichtiges Kapitel auf.

Als ältester Zoo der Welt gilt allerdings die Menagerie von Schönbrunn. Zunächst diente diese nach Eröffnung 1752 nur dem wissenschaftlichen Interesse von Kaiser Franz I. Zutritt hatten seine Familie und Höflinge. Aber bereits 1779 wurde die Anlage der Öffentlichkeit – bei freiem Eintritt – zugänglich gemacht.

Eine wahre Welle von Zoogründungen setzte im 19. Jhd. ein. Zunächst in London 1828 (dieser nannte sich zum ersten Mal „Zoologischer Garten“), in den folgenden Jahrzehnten überall in England. Deutschland folgte mit Berlin 1844 und Frankfurt 1858. Im Unterschied zu den Menagerien oder fürstlichen Tierparks verfolgten die neu eröffneten Zoos einen Bildungsanspruch. Sie wollten wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Tierhaltung ziehen und diese an die Bevölkerung vermitteln. Allerdings sollten sie auch der Erholung der Bevölkerung dienen und so wurden viele Zoos mit Restaurants, Spielplätzen, Pavillons etc. ausgestattet, sodass durchaus der Unterhaltungswert in den Vordergrund trat.

Mitte des 19. Jhd. tritt ein Mann auf den Plan, der die Zoolandschaft im wahrsten Sinne des Wortes entscheidend veränderte und prägte – Carl Hagenbeck (geb. 1844). Der Vater von Carl Hagenbeck war eigentlich Hamburger Fischhändler. Durch einige Seehunde die er als Beifang von einem Kutter (lebend) erhielt, kam er auf die Idee, mit Tieren zu handeln. Vor dem Hintergrund, dass die vielen neuen europäischen Zoos einen schier unglaublichen Bedarf an Tieren hatten, war es wohl nicht die schlechteste Idee. Er baute eine sogenannte Handelsmenagerie, in der Tiere zum Weiterverkauf untergebracht waren, die aber öffentlich Zutritt gewährte. Diese wurde nach einem Umzug von seinem Sohn Carl vergrößert. Carl nannte es nun nicht mehr Handelsmenagerie, sondern Tierpark. Es war eine parkähnliche Anlage mit Käfigen, Freigehegen und wohl auch einer Bühne, denn Hagenbeck bot seinen Besuchern auch eine „Völkerschau“. Die Fremden präsentierten hier in Gruppen Volkstänze, Jagdszenen und andere folkloristische Darbietungen ihrer Kultur. Im Jahre 1897 kaufte Carl Hagenbeck ein Grundstück in Hamburg-Stellingen, auf dem 1907 der Tierpark Hagenbeck eröffnet wurde.

Hagenbeck verwirklichte nun sein Konzept der gitterlosen Präsentation der Tiere, außerdem veränderte er die Landschaftsarchitektur dahingehend, dass die Tiere in einer Ihrem Herkunftsland nachempfundenen Freigehege leben konnten. Wassergräben bildeten nun die Grenze zwischen Tier und Besucher. Seiner Vorstellung nach muss die Tierhaltung artgerecht sein: Rudeltiere sollen in Rudeln leben oder revierbildende Tiere erhalten größere Freianlagen. Er hat zusammen mit dem Hamburger Zoologen Alexander Sokolowky viele revolutionäre Ideen entwickelt und umgesetzt. Er hat mit Phantasie und Liebe zu den Tieren die Zoohaltung von Tieren bis heute maßgeblich beeinflusst.

Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, ob ein Tier in Gefangenschaft überhaupt „artgerecht“ gehalten werden kann. Aber das Für und Wider möchte ich in einem weiteren Artikel beleuchten.

Bei meiner Recherche zum Artikel war mir außer dem Internet Ulrich Wirths Studienarbeit „Die Kulturgeschichte der zoologischen Gärten“ erschienen im Grin Verlag eine große Hilfe

Rosapelikan

 

Es sind riesige Vögel, beeindruckend und vielleicht etwas einschüchternd, wenn sie vor einem stehen, die Flügel aufspannen, den Schnabel geöffnet, sodass man in ihren Kehlsack schauen kann. Die Flügelspannweite liegt zwischen 240 und 360 cm. Ein Männchen bringt es auf eine Länge von etwa 150 cm, davon entfallen 30-40 cm auf den Schnabel.

Aber es sind Vögel, die sich schnell an Menschen gewöhnen und ihnen auch folgen. Weltweit werden die Tiere in über 220 Zoos gehalten, dazu noch viele Tiere in Landschaftsgärten und Parks. Meine Aufnahmen sind überwiegend im Luisenpark Mannheim entstanden.

Rosapelikane gehören wie Krauskopf-, Nashorn- und Brillenpelikanen zu den großen Pelikanen, die in dichten Kolonien leben und am Boden brüten; wohingegen Rötel- und Graupelikane die kleinere Pelikanart vertreten, welche in lockeren Verbänden leben und auf Bäumen brüten. Braunpelikane und Chile-Pelikane unterscheiden sich sehr stark von den vorgenannten, sie sind sogenannte Stoßtaucher und leben am Meer.

Das erklärt die große Anzahl von Rosapelikanen in menschlicher Obhut. Sie sind verhältnismäßig einfach zu halten, wenn sie ausreichend Wasserfläche und beheizte Winterquartiere (ebenfalls mit Wasserfläche) haben. Bei freilebenden Vögeln in Europa liegt die Brutsaison etwa im April und Mai. Im Zoo durch die besseren Bedingungen etwas früher. Auffällig sind die Höcker am Schnabelansatz und ein Federschopf am Hinterkopf der sich zur Fortpflanzungszeit bei Männchen und Weibchen bildet, die Federn werden leicht rosa. Damit sich Paare finden, färben sich zusätzlich bei den Männchen die nackte Haut um die Augen gelb-rosa und bei den Weibchen orange. In Deutschland gelang übrigens die Erstzucht eines Rosapelikans im Zoo Berlin 1971 und die erste Handaufzucht war 2006 im Zoo Heidelberg erfolgreich. Die Eier wurden künstlich ausgebrütet und die Jungen in einer Wärmebox aufgezogen. Leider reagieren Pelikane sehr empfindlich auf Störungen während der Brut und verlassen dann häufig das Gelege.

Wenn an sich flugfähige Vögel nicht in Volieren gehalten werden sollen, müssen sie flugunfähig gemacht werden, indem ihre Schwungfedern beschnitten, die Flügelspitze amputiert wird (was seit 2006 verboten ist) oder durch Federfollikelextirpation (die chirurgische Entfernung der Federpapillen). Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema findet Ihr bei Interesse auf der Seite der Bundestierärztekammer.de*.

Pelikane leben auf allen Kontinenten. Den Rosapelikan findet man in Europa allerdings nur noch im Donaudelta, Südrussland, Bulgarien, der Ukraine und an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien im Naturschutzgebiet Prespasee. Grundsätzlich stehen die Pelikane nicht auf der Roten Liste, ihre Bestände weltweit sinken jedoch.

*Artikel Flugunfähigmachen von Vögeln in zoologischen Einrichtungen. Vogelhaltung im Spannungsfeld zwischen Tierschutzgesetz und Verhaltensbiologie von Katrin Baumgartner

Gepard

Nein, das Foto oben stammt nicht aus einem deutschen Zoo. Der Königsgepard (King-Cheetah) wurde in Südafrika aufgenommen und zwar im HESC dem Hoedspruit Endangered Species Centre. Dort beschäftigt sich das Cheetah Project mit Aufzucht und Versorgung von jungen Geparden, die dann im Erwachsenenalter „ausgewildert“ werden. Königsgeparde sind übrigens keine Unterart, sondern eine großfleckige Mutation der normalen Fellzeichnung. In freier Wildbahn haben sie allerdings aufgrund der auffälligen Zeichnung kaum Überlebenschancen.

Die englische und auch im südlichen Afrika gebräuchliche Bezeichnung für den Gepard – Cheetah – stammt vom Sanskrit-Wort chitraka für „der Gefleckte“.

Ursprünglich erstreckte sich das Verbreitungsgebiet von Geparden vom Nahen Osten bis Indien und die afrikanischen Vertreter bevölkerten den ganzen afrikanischen Kontinent. Der Asiatische Gepard gilt als fast ausgestorben, es könnten noch einige Tiere im Iran leben, auch im Nordwesten Afrikas soll es noch Tiere geben. Die größten Bestände ca. 4200 Tiere findet man heute in Namibia und Südafrika. Der Rest des Bestandes lebt im Osten des afrikanischen Kontinents.

Im Laufe seiner Evolution haben es Geparden geschafft sich an vielfältige und sehr unterschiedliche Lebensräume anzupassen. Sie fanden überall ein Zuhause, ob in Busch und Feuchtsavannen, Grasländern und Trockensavannen oder Halbwüsten und Wüsten und vom Tiefland bis auf eine Höhe von 4’000 m.

Aber ausgerechnet ihre fantastische Spezialisierung auf Geschwindigkeit wird ihnen nun in einer modernen, zersiedelten Welt zum Verhängnis. Der Körper eines Gepards ist auf Geschwindigkeit ausgelegt: hohe Beine, geringes Gewicht, schlanke Gestalt und einen Kopf der der Atmung Priorität einräumt und nicht der Beißkraft. Die enorme Anstrengung die eine Jagd von maximal 60 Sekunden kostet bedeutet, dass das Tier fast eine halbe Stunde benötigt um wieder zu Atem zu kommen. Zeit in denen sich die stärkeren Nahrungskonkurrenten wie Hyänen, Leoparden oder Löwen einfinden können und dem erfolgreichen Jäger die Beute streitig machen oder sogar sein eigenes Leben bedrohen. Eine Chance hat dann der Gepard kaum. Es sind daher die einzigen Katzen die tagsüber jagen um dieses Risiko zu verringern und sie benötigen große Reviere.

Die Gebiete in dem Geparden jagen sind riesig und oft sind sogar Parks und Schutzgebiete zu klein, sodass sie Nahrungskonkurrenten nicht ausweichen können. Namibia weist die größte Population an Geparden weltweit auf. Der überwiegende Teil lebt aber nicht in Reservaten, so kommen sie oftmals den Farmern und Ranchern in die Quere, die um ihr Vieh fürchten. Daher wurden die Katzen dort gnadenlos gejagt. Ein vom WWF unterstütztes Projekt des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin soll das verhindern und ist damit auch erfolgreich.

Im Grunde genommen haben Geparden eine gute Chance ihre Art zu erhalten. Im Gegensatz zu in Zoos gehaltenen Tieren pflanzen sie sich nämlich ohne Probleme fort. Sie haben keine feste Zeit in der sie sich fortpflanzen und ein Muttertier kann bis zu 8 Junge gebähren.

Voraussetzungen die der Mensch schaffen kann und muss, sind die Ausweisung wirklich großer Schutzgebiete, auch Länder übergreifend, wie z.B. der Kavango-Zambesi-Schutzgebietsverbund KAZA mit seinen Wildtierkorridoren. Die Hoffnung ruht auch auf den kooperativen Farmern und der erfolgreichen Arbeit der Schutzprogramme.

Die Bilder in der Galerie wurden 2014 und 2021 im Opel-Zoo in Kronberg aufgenommen. Im Juni 2019 brachte „Jamari“ dort 6 Junge zur Welt – eine Sensation!

Ein großartiger Zuchterfolg in der Stuttgarter Wilhelma: Im Juni 2022 kamen dort Fünflinge zur Welt. Die Eltern heißen (Papa) Zawadi und die (Mama) Niara. Die Namen der weiblichen Kids sind Nala und Maleika, die drei Männchen erhielten die Namen Themba, Lunis und Ajani.

Riesenseeadler

Es sind beeindruckende Raubvögel, die einem aus ihrer großen Voliere mit scharfen Augen beobachten. Und ich glaube es war die Dame des Hauses, die sich wohl durch meine Kamera gestört fühlte und das deutlich zum Ausdruck brachte.

Riesenseeadler oder Steller-Seeadler* sind im Osten Russlands an der Küste der Beringsee, den nördlichen Küsten von Kamtschatka, auf den nördlichen Kurilen, am Ochotskischen Meer, am Amur, auf den Schantar-Inseln und auf Sachalin zuhause. Die einstigen Brutpopulationen von Südkorea gelten als erloschen. Laut Roter Liste von 2021 leben noch etwa 3600-3800 Tiere in ihrer natürlichen Umgebung. In Gebieten, in denen die Gewässer das ganze Jahr eisfrei bleiben, sind Riesenseeadler Standvögel, die übrigen Populationen sind Zugvögel. Tiere aus den weiter nördlich gelegenen Brutgebieten ziehen ab Oktober in südliche Gebiete und überwintern in Kamtschatka, auf den südlichen Kurilen, in Süd-Sachalin, an den südlichen Küsten des Ochotskischen Meeres und gelegentlich auch in Korea, aber vor allem auf der nördlichsten Insel Japans – Hokkaido.

Das Pärchen im Heidelberger Zoo wurde 2006 an der holländischen Grenze von Tierschmugglern beschlagnahmt und dem Zoo in Heidelberg zur Pflege übergeben.

*Benannt nach Georg Wilhelm Steller (1709-1746) der mit Vitus Bering die zweite Kamtschatka-Expedition unternahm. Steller war Arzt, Ethnologe und Naturforscher.

 

Syrischer Braunbär

Eine kleine Unterart des Europäischen Braunbären ist der hellgefärbte Syrische Braunbär, dessen Verbreitungsgebiet ursprünglich vom Kaukasus bis in den Nahen Osten reichte. In Syrien, Israel und dem Libanon gelten die Bären als ausgestorben. Die letzten Populationen leben im Gebiet des kleinen Kaukasus, zwischen dem Kaspischen- und dem Schwarzen Meer. Im Gegensatz zu ihren Europäischen Verwandten bevorzugen sie die baumlosen Gebirgsregionen.

In Armenien wird ihr Bestand auf etwa 150 Tiere geschätzt. Dort wurde 2002 auch die Foundation for the Preservation of Wildlife and Cultural Assets (FPWC) von Ruben Khachatryan, dem Zoodirektor in Jerewan gegründet. Die Tierschutzorganisation hat ein 20.000 Hektar großes Schutzgebiet errichtet, ein Refugium für bedrohte Arten wie Luchse, Wildziegen, Kaukasische Leoparden und Syrische Braunbären. Einen interessanten Artikel über die Auswilderung der Syrischen Braunbärin „Dasha“ findet ihr in der Zeitschrift Spektrum vom 27.08.2019.

Meine Bilder entstanden im Zoo Heidelberg. Sie zeigen u.a. die Bärin Ronja mit ihrem Baby Merle, das im April 2021 geboren wurde. Tragisch: der Vater Martin musste im Januar des gleichen Jahres eingeschläfert werden. Da die Bärin zu dieser Zeit ihre Winterruhe hielt, wusste der Zoo nichts von der Schwangerschaft. Die Freude und Sensation war perfekt als Merle das Licht der Welt erblickte – die erste Nachzucht nach 20 Jahren in Heidelberg.Weiterlesen »