Fennek (Wüstenfuchs)

Wir Menschen können uns bekanntermaßen (fast) allen Lebensräumen anpassen. Wir haben die Mittel, die Möglichkeiten und ob wir vier Monate in der Dunkelheit in Spitzbergen, wie Inuit bei bitterer Kälte in Grönland oder die San in der Hitze der Kalahari leben, wir passen uns an. Es gibt aber Tiere die stellen „die Krone der Schöpfung“ weit in den Schatten. Dazu gehören auch die Wüstenfüchse oder Fenneks. Warum? Lest weiter.

Wie der deutsche Name dieser Tiere schon sagt, leben Fenneks in einer Zone, die sich über den nördlichen Teil der Sahara erstreckt. Genau liegt das Verbreitungsgebiet zwischen Marokko (dort fast bis zur Atlantikküste) und südlich des Atlasgebirges über die Nachbarstaaten (dort fast bis zur Mittelmeerküste) bis nach Ägypten zum Nil und die Nubische Wüste. Nach Süden wird es von der Sahelzone begrenzt.

Die sogenannte Allensche Regel besagt, dass Körperanhänge (also z.B. Ohren, Beine, Schwanz) in kälteren Regionen kürzer sind als bei Tieren die in warmen oder heißen Regionen leben. Fenneks mit ihren langen Beinen und riesigen Ohren sind ein sehr gutes Beispiel für die perfekte Anpassung an Klima und Lebensraum. Mit etwa 35 – 40 cm Körperlänge und einem Gewicht von 1,5 kg gehören sie zu den kleinsten Vertretern der Fuchsfamilie. Ihre Ohren messen etwa 15 – 19 cm in der Länge. Fenneks können damit sehr tiefe Töne wahrnehmen und somit Bewegungen tief im Sand lokalisieren. Sie dienen nicht nur zum Aufspüren der Nahrung, sondern auch zum Temperaturausgleich, da sie nicht schwitzen können. Das dichte, weiche und lange Fell vermutet man nicht unbedingt bei einem Tier, das in der Wüste lebt. Fenneks sind jedoch dämmerungs- und nachtaktiv und sind so bestens gegen die nächtliche Kälte geschützt.

Unerlässlich für das Leben der Fenneks ist Sand, in den sie ihren Unterschlupf bauen. Die Bauten bestehen aus flach verlaufenden Gängen, die von der Oberfläche schräg in die Tiefe reichen und in einem tieferliegenden Kessel enden. Dieser wird mit Blättern, Fell oder anderen Materialien ausgelegt. In lockerem Untergrund sind diese Bauten recht klein. In Dünen mit etwas festerem Untergrund können sie aber enorme Ausdehnung erreichen und oft werden mehrere Bauten untereinander verbunden.  Es sind unglaublich agile und flinke Tiere, die hoch und weit springen können und sich blitzschnell im Sand eingraben, sodass man das Gefühl hat, sie würden einfach verschwinden.

Die Wüstenfüchse leben in Familienverbänden mit enger sozialer Bindung. Es sind dies die Eltern und etwa 2 – 5 Jungtiere. Männchen verteidigen ihre Familie vehement gegen Eindringlinge und Fressfeinde. Auch die Nahrungsversorgung der Mutter nach der Geburt wird vom Männchen übernommen.

Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Kerbtieren wie Heuschrecken aber auch Mäusen, Eidechsen oder kleinen Vögeln und Pflanzen. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken sie überwiegend mit der Nahrung. Wenn sie die Möglichkeit dazu haben, trinken sie auch Wasser.

Der Bestand gilt nicht als gefährdet (Erhebung von 2015), allerdings gibt es keine exakten Untersuchungen wie viele Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum noch leben. Die Ausfuhr der Tiere ist zwar geregelt und genehmigungspflichtig, allerdings wurden in den Jahren 1977 – 2017 4109 Ausfuhren genehmigt und etwa 3500 als Nachzuchten deklarierte Tiere exportiert. (Die Zahlen stammen aus dem Zootier-Lexikon). Man könnte also schon vermuten, dass dieser Handel (vom illegalen nicht zu reden) den Druck auf die Bestände zusätzlich erheblich verstärkt, den sie durch Klimaveränderungen und den Verlust von Lebensraum sowieso schon haben.

Laut Zootierliste gibt es weltweit etwa 250 Haltungen in Zoos und Parks. Das wären geschätzte 500 – 800 Tiere. Und der Rest? Die Beantwortung dieser Frage und meine Meinung dazu lest ihr im Beitrag nach der Galerie.

Es sind unbestritten sehr putzige Tiere und es macht viel Spaß sie zu beobachten. Allerdings haben sie, wie oben erwähnt, tagsüber lange Ruhephasen was man in meiner Bildergalerie unschwer erkennen kann. 🙂

Für uns Besserwisser:
Die Allensche Regel oder ökogeografische Proportionsregel ist eine Klimaregel – Die Regel gilt für gleichwarme Tiere. Das bedeutet für Vögel und Säugetiere die eine gleichbleibende Körpertemperatur haben, egal wie kalt oder warm es draußen ist.
Sahelzone – Die Sahelzone in Afrika ist die in Ost-West-Richtung langgestreckte semiaride Übergangszone zwischen der Wüste Sahara im Norden und der Trockensavanne im Süden. Bis auf einen kleinen Teil in Ostafrika liegt der Sahel in der Großlandschaft Sudan.

Exoten gehören nicht in private Hände.

Sucht man Informationen zu exotischen Tieren im Internet, fällt auf, dass Fragen nach dem Kauf oder der Haltung solcher Tiere in den Suchmaschinen auftauchen z.B.:
Kann man einen Fennek als Haustier halten?
Was kostet ein Fennek (-Tier)?

Ich gehe davon aus, dass eine Suchmaschine sich Fragen merkt, die sehr häufig gestellt werden. Und ja, Fenneks sind süß, goldig, witzig… Sie riechen aber auch stark nach Fuchs, sind nachtaktiv, vertragen sich nicht immer mit Artgenossen und die Zucht ist sehr schwierig. Trotzdem wurden in 20 Jahren fast 8000 Tiere gehandelt. Der größte Teil landet wohl in amerikanischen Privathaushalten.

Aber bei meinem Statement oben geht es ja nicht nur um Fenneks. Besonders dramatisch ist meiner Meinung nach der Handel mit exotischen Vögeln und Amphibien, da er aufgrund der oft kurzen Lebensdauer immer wieder Nachschub verlangt.

Nun gibt es natürlich auch Argumente für private Haltungen von Exoten. Klar ist, dass es viele Tierhalter gibt, die auf ihrem Gebiet absolute Spezialisten sind und über großes Fachwissen verfügen. Ihnen gelingt auch die Zucht ihrer Tiere und sie tragen so zur Erhaltung der Art bei. Tiere aus Nachzuchten können meist ohne Probleme gehandelt werden, andere Halter und selbst Zoos können ihre Bestände aus diesen Nachzuchten ergänzen. Dies vermindert den Druck auf die freilebenden Populationen.

Vielleicht lehne ich mich sehr weit aus dem Fenster, aber für alle anderen gilt: Exotische Tiere gehören nicht in private Hände. Man tut weder sich selbst noch den Tieren einen Gefallen, denn die Haltung ist oft sehr schwierig und die Bedürfnisse der Tiere können nicht erfüllt werden. Mit Lebewesen zu experimentieren, ob es vielleicht doch klappt, ist definitiv der falsche Weg. Dies gilt auch für Spontankäufe zu Festtagen und nicht nur für Exoten, sondern auch für Hunde und Katzen.

Okapi

Wie oft habe ich eigentlich schon geschrieben „… ist ein faszinierendes Tier…“? Wahrscheinlich schon sehr häufig und bei genauerer Betrachtung trifft dies wohl auf alle Tiere zu über die ich bisher geschrieben habe – wenn man sich mit ihnen näher auseinandersetzt. So ist es auch mit dem Okapi das manchmal Waldgiraffe genannt wird. Ein scheues, empfindsames und geheimnisvolles Tier mit riesigen Ohren, großen Augen und einer ungewöhnlichen Fellzeichnung.

Wenn ich von einem geheimnisvollen Tier spreche, dann deshalb, weil es das letzte Großsäugetier war, das von Weißen in Afrika entdeckt wurde. Im Jahre 1887 erzählten Pygmäen dem Afrikaforscher Henry Stanley* von einem Tier, das ähnlich aussehen sollte wie die von Stanley mitgeführten Pferde. Der Zoologe und Generalkonsul des neuen Protektorats Uganda Henry Johnston las Stanleys Bericht einige Jahre später und wollte das Geheimnis um das Tier lüften, da er es für unmöglich hielt, dass Savannentiere – wie Pferde es nun einmal sind – im dichten Urwald leben sollten. Pygmäen die schon immer zur Versorgung mit Fleisch Jagd auf diese Tiere gemacht hatten und es Okhapi nannten, fertigten aus dem Fell u.a. Gürtel. Stanleys Bericht wurde also von verschiedenen Seiten bestätigt. Johnston konnte Fellreste bekommen und schickte diese nach London zur Kgl. Zoologischen Gesellschaft, um sie dort untersuchen zu lassen. Die Londoner Wissenschaftler schlossen eine Verwandtschaft mit Zebras oder Pferden aus und benannten im Dez. 1900 die neue Tierart vorläufig „Equus? johnstoni“, also „Pferd? des Johnston“. Johnston gelang es jedoch bereits ein halbes Jahr später, ein vollständiges Fell und zwei Schädel zu erwerben. Die Wissenschaftler erkannten die verblüffende Ähnlichkeit mit der ausgestorbenen Kurzhalsgiraffe, die vor über 10 Mio. Jahren auch in Europa gelebt hatte. Sie benannten die neue Tierart nach seinem Entdecker „Okapia johnstoni“.

Von da ab setzte eine wahre Okapi-Hysterie bei Jägern, Museen und der internationalen Presse ein. Zoos bemühten sich an lebende Exemplare zu kommen. Da der Kongo unter belgischer Kolonialverwaltung stand, gingen die ersten Tiere in den Zoo von Antwerpen. Zur traurigen Wahrheit gehört aber, dass die Fang- und Transportmethoden nicht geeignet waren, Okapis gesund nach Europa zu bringen. Die Tiere wurden zunächst in Fallgruben gefangen, in einem Kraal an Menschen gewöhnt und von dort aus meist hunderte Kilometer an den Fluss Kongo gebracht. Sie wurden auf Flussdampfer umgeladen, um eine mehrwöchige Reise in die Hauptstadt Léopoldville (heute Kinshasa) anzutreten. Erneut wurden die Tiere umgeladen, um per Eisenbahn zum Hafen von Matadi oder Boma transportiert zu werden. Dort begann oft nach langem Warten der letzte Teil der Reise mit dem Schiff nach Europa (18 Tage) oder Amerika. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Antwerpener Zoos, Frau Dr. Agathe Gijzen, schreibt in ihrem Buch von 1959 „Das Okapi“, dass in den ersten 40 Jahren, in denen lebende Okapis in Zoos verschickt wurden 30 Bullen und 19 Kühe Afrika verließen und 19 davon den Transport oder das erste Jahr am Bestimmungsort nicht überlebten. Erst als die Tiere per Flugzeug transportiert werden konnten, besseres Futter gegeben wurde und die hygienische und medizinische Versorgung sich wesentlich verbesserten, hatten Okapis eine realistische Überlebenschance. Das Weibchen „Tele“ kam 1928 nach Antwerpen und lebte dort 15 Jahre, ebenso der Bulle „Congo“, der im Zoo von New York ebenfalls 15 Jahre alt wurde. Nachdem die Eingewöhnung der Okapis gelungen war, konnte mit der Zucht begonnen werden. Das erste Okapi in Deutschland war der Bulle „Costy-Epulu“, der 1954 durch den Zoo Frankfurt importiert wurde, diesem folgte 1958 das Weibchen „Safari“. 1960 ging aus dieser Verbindung das erste in Deutschland geborene Kalb „Kiwu“, ein echter Frankfurter, hervor. 

Ein Blick auf das Verbreitungsgebiet der Okapis zeigt, warum die Zucht in Zoos heute so wichtig ja unverzichtbar ist. Ursprünglich lebten die Tiere in den Ubangi-Wäldern von Äquatorialafrika, Uganda und im Kongo. Die heutigen Vorkommen beschränken sich jedoch ausschließlich auf Schutzgebiete in der DR Kongo mit der größten Anzahl im Ituri-Wald. Somit erleiden sie momentan das gleiche Schicksal wie die Berggorillas (siehe meinen Beitrag): anhaltende Wilderei, ein begrenztes Verbreitungsgebiet und ein immer kleiner werdender Lebensraum.


Die Familie der Giraffenartigen umfasst nur zwei Arten: Savannengiraffen und Waldgiraffen.  Die Verwandtschaft ist unverkennbar, der Kopf, der bei Okapis leicht abfallende Rücken, Passgang, eine lange Zunge zum Abstreifen der Blätter von Zweigen. Bei den Bullen zieren außerdem zwei mit Fell überzogene Scheitelhörner den Kopf. Die Zeichnung des Fells ist einem Leben im Wald angepasst. Das rötlich-braune fast schwarze Fell mit den markanten Streifen am Hinterteil und den dunkel/weiß gezeichneten Beinen lässt die Tiere in der typischen Vegetation des Regenwaldes fast verschwinden. Die Haut scheidet ein Hautfett aus, das das Fell eines gesunden Okapis wunderschön samten glänzen lässt.

Den Kopf trägt das Okapi immer leicht nach vorne gestreckt. Nur wenn es aufmerksam wittert oder lauscht sind die Ohren gerade aufgerichtet und der Kopf wird angehoben. Okapis können wie Giraffen ihren Kopf nicht ganz nach unten senken. Zum Trinken spreizt es daher wie die Verwandtschaft in der Savanne die Vorderbeine auseinander. Mit ihrer langen Zunge erreichen sie praktisch alle Körperteile und, da es sehr reinliche Tiere sind, kann man sie oft beobachten, wie sie mit der Zunge über die Augen fahren oder ihr Fell von Schmutz befreien. Dies ist übrigens einer der Gründe warum die Haltung der Tiere in den Anfangsjahren oft scheiterte. Durch das Lecken wurde nicht nur Schmutz entfernt, sondern die Eier von Fadenwürmern und anderen Schmarotzern aufgenommen. Auch die Ernährung stellten Zoos vor Herausforderungen. Okapis sind sogenannte Konzentrat-Selektierer. Das bedeutet, dass sie sehr gezielt leicht verdauliche Pflanzenteile zum Fressen wählen z.B. Blätter. Auch hier wurde in der Anfangszeit bei Transport und Eingewöhnung sehr viel falsch gemacht.

Wilhelma 07/24

Im Gegensatz zu Giraffen sind Okapis Einzelgänger, die nur zur Paarung zusammenkommen. Das Muttertier bekommt jeweils nur ein Kalb. Die Kälber sind „Ablieger“, d.h. sie bleiben die ersten Wochen an einem Platz versteckt, die Mutter sucht den Nachwuchs nur zum Säugen auf. Zum Schutz haben die Kälber noch keinen Eigengeruch. Sind also für Fressfeinde schwer auszumachen. Es wird vermutet, dass die Muttertiere zu ihren Kälbern keine besonders enge Bindung haben.

Da Okapis in ihrer natürlichen Umgebung schwer zu beobachten sind, stammen die Erfahrungen und das Wissen über diese Tierart hauptsächlich aus den Auffangstationen und Zoos. So auch die Tatsache, dass sie zwar einen sehr friedlichen Eindruck machen, wenn sie verängstigt sind oder sich bedroht fühlen, zu heftigen Wutausbrüchen neigen und sehr wehrhaft sind.

… Okapis nur durch den Menschen bedroht, aber vielleicht auch nur dank ihm vor der völligen Ausrottung bewahrt.
Dr. Agathe Gijzen „Das Okapi“ 1959

*Henry M. Stanley – war ein Journalist und Afrikaforscher. Zunächst wurde er bekannt durch seine Suche nach dem verschollenen Missionar David Livingston. Später kolonialisierte er im Auftrag des belgischen Königs Leopold II den Kongo, indem er für ihn Land erwarb. Die Verträge sicherten Leopold nicht nur den Besitz des Landes, sondern auch die Arbeitskraft seiner Bewohner. Allerdings wussten die Stammesfürsten nicht was sie unterschrieben, da die Verträge in einer fremden Sprache abgefasst waren und die wenigsten wohl lesen oder schreiben konnten. Leopold II wurde so (Privat-)Besitzer des Kongo über 2,5 Mio. qm Land und dessen Einwohner. Obwohl Stanley viele Jahre in Afrika verbrachte, gestand er, „den Kontinent von ganzem Herzen zu verabscheuen“.

Alle Bilder dieser Galerie wurden im Zoo Frankfurt aufgenommen

Für uns Besserwisser:

Der Begriff Fresstyp bezieht sich auf die Einteilung von Wildtieren anhand ihrer Ernährungsweise und den bevorzugten Nahrungsressourcen:
Wildtiere, die sich bevorzugt von energie- und nährstoffreichen Pflanzenteilen wie Knospen, Trieben, Blättern und Früchten ernähren, werden als Konzentrat-Selektierer bezeichnet. Sie sind in der Lage, rasch große Mengen solcher Nahrungsressourcen aufzunehmen, um ihren Energie- und Nährstoffbedarf zu befriedigen. Selektives Fressverhalten = wählerische Auswahl. Z.B. Rehwild, Kudu, Giraffen, Okapis.

Intermediär-Typen stellen die Zwischengruppe zwischen Konzentrat-Selektierern und Raufutter-Vertilgern dar. Sie sind nicht so wählerisch wie Konzentrat-Selektierer und können ein breiteres Spektrum an Nahrungsquellen aufnehmen und verdauen. Z.B. Hirsche, Moschusochsen

Raufutter-Konsumenten sind bekannt für ihr weniger wählerisches Fressverhalten, haben jedoch trotzdem gewisse Präferenzen. Sie können große Mengen faserreicher Nahrung aufnehmen, die von anderen Fresstypen oft vermieden wird. Aufgrund ihrer effizienten Verdauung sind sie in der Lage, auch in Lebensräumen mit nährstoffärmeren Nahrungsangeboten zu überleben. Z.B. Bisons, Bantengs

Wilhelma Juli 25

Rotschulter-Rüsselhündchen

Dieser Name ist zumindest in Teilen verwirrend, wenn man sich das Tierchen ansieht. Mit einem Hund hat es nämlich gar nichts zu tun und ob die verlängerte Nase als Rüssel bezeichnet werden kann sei dahingestellt. Allerdings muss man dem Entdecker der Rüsselhündchen zugutehalten, dass man damals Tiere meist nach ihrem Erscheinungsbild bzw. körperlichen Merkmalen einordnete. Aufgrund ihrer großen, nach hinten gebogenen Eckzähnen (Hund) und der beweglichen, verlängerten Nase (Rüssel) erhielten die Tiere vom deutschen Zoologen und Naturforscher Wilhelm Peters ihren Namen. Peters hatte die Tiere während einer Expedition 1843 in Mosambik entdeckt. Heute kann man mit Hilfe von molekulargenetischen Untersuchungen neue Erkenntnisse gewinnen, allerdings werden einmal vergebene Namen nicht revidiert.

In der Systematik der höheren Säugetiere, zu denen die Rüsselhündchen gehören, gibt es jedoch interessante Verwandtschaftsverhältnisse:
In der Gruppe der Afrotheria werden sechs Ordnungen zusammengefasst. Gemeinsam ist ihnen ein Genom das sie als stammesgeschichtliche Vertreter der afrikanischen Tierwelt ausweist. Mit dem Auseinanderbrechen des südlichen Großkontinents Gondwana in der Kreidezeit entwickelte sich Afrotheria und brachte ganz unterschiedlich aussehende Vertreter hervor. Z.B. die Röhrenzähner (Erdferkel), Schliefer (Klippschliefer), Seekühe oder den Afrikanischen Elefanten und letztendlich auch die Rüsselspringer (mit den Rüsselhündchen und den Elefantenspitzmäusen). Rüsselspringer werden auch wissenschaftlich/ englisch Sengis genannt. Rüsselhündchen sind deren größte Vertreter.

Die folgenden Bilder wurden im Zoo Frankfurt aufgenommen:

Es werden folgende fünf Arten Rüsselhündchen unterschieden:

Rotschulter-Rüsselhündchen im südöstlichen Kenia und nordöstlichen Tansania sowie den vorgelagerten Inseln Sansibar und Mafia.
Goldenes Rüsselhündchen in der Küstenregion des südöstlichen Kenia
Geflecktes Rüsselhündchen vom Osten der D.R. Kongo über Malawi und Tansania bis nach Mosambik
Dunkles Rüsselhündchen nördliche D. R. Kongo und Uganda
Graugesichtiges Rüsselhündchen in den Udzungwa-Bergen im zentralen Tansania

Zum letzteren sei erwähnt, dass es erst im Jahr 2008 vom Verhaltensökologen Galen Rathbun und F. Rovero bei einer Expedition entdeckt wurde. Da aber in den Zoos überwiegend das Rotschulter – Rüsselhündchen gezeigt wird, soll dieser Beitrag dieser Art gewidmet sein.

Die Färbung: Der Kopf, die vorderen Rumpfpartien sowie der Bauch sind orange oder rotbraun. Der hintere Teil des Körpers ist schwarz. Das Fell insgesamt kurz.

Nahrung: Auffällig ist nicht nur die Schnauze, die rüsselartig verlängert und nach allen Richtungen bewegt werden kann, sondern auch die lange Zunge. Rüsselhündchen durchwühlen den laubbedeckten Boden auf der Suche nach Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Sie verlassen sich dabei auf eine olfaktorische Wahrnehmung.

Ihr bevorzugter Lebensraum sind laubabwerfende Küstenwälder bzw. die Wälder der Eastern Arc Mountains, einer Gebirgskette in Kenia und Tansania. Es ist also ein sehr eng begrenztes Gebiet, das aber mit seinen immergrünen Bäumen und dem laubbedeckten Boden ideale Voraussetzungen bietet. Die Gehege in den Zoos, wie beispielsweise in Frankfurt oder Basel, sind entsprechend angelegt und mit einer dicken Schicht Laub bedeckt, sodass man die Tiere beobachten kann, wie sie mit ihrer Schnauze den Boden durchpflügen und wühlen auf der Suche nach ihrer Lieblingsspeise.

Im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten sind Rüsselhündchen tagaktiv. Wie alle Sengis haben sie einen gut entwickelten Seh-, Hör- und Geruchssinn und sie sind unglaublich flink (für Fotografen eine schöne Herausforderung). Das ist natürlich bei Tieren ihrer „Größe“ erforderlich, da es eine Vielzahl von Fressfeinden gibt.

Männchen und Weibchen bilden eine sogenannte Fortpflanzungsgemeinschaft. D.h. sie leben zwar monogam kommen aber nur zur Fortpflanzung zusammen. Ihre Territorien überlappen sich oder sind deckungsgleich und sie verteidigen sie gemeinsam und zwar geschlechtsspezifisch, also Weibchen gegen Weibchen und Männchen gegen Männchen. Das Junge wird in einem vorher angelegten Nest (eine Mulde ausgelegt mit Blättern) geboren, dort bleibt es etwa 2 Wochen. Wahrscheinlich um es vor Entdeckung vor Fressfeinden zu schützen, besucht die Mutter ihr Jungtier nur zum Säugen. Nach etwa 20 Wochen verlässt es das Territorium der Eltern und sucht sich ein eigenes.

In Gefangenschaft werden Rüsselhündchen bis zu 11 Jahre alt. In der Natur 3 – 4 Jahre. Laut Galen Rathbun (1990+ 2000) ist der Status aller Rüsselhündchen besorgniserregend, da sie in eingeschränkten oder fragmentierten Waldlebensräumen vorkommen, die stark durch Abholzungspraktiken und Rodungen für die landwirtschaftliche und städtische Entwicklung beeinträchtigt werden. In manchen Gegenden kann auch die Nahrungssuche ein Problem darstellen.

Für uns Besserwisser: Die olfaktorische Wahrnehmung oder Riechwahrnehmung, auch Geruchssinn oder olfaktorischer Sinn (von lateinisch olfacere – riechen) genannt, ist die Wahrnehmung von Gerüchen.
Kreidezeit – vor 145 Mio. Jahren bis vor 66 Mio. Jahren.

Alle Bilder der obigen Galerie entstanden im Zolli Basel im März 24. Die beiden folgenden Bilder zeigen links einen Kurzohr-Rüsselspringer und rechts eine Rotbraune-Elefantenspitzmaus die nächsten Verwandten der Rüsselspringer aufgenommen im Zoo Frankfurt im April 24

Gorillas

Warum sollte ich eigentlich über Gorillas schreiben und nicht lieber über Quolls oder Schuhschnäbel? Die kennt kaum jemand und es gibt das eine oder andere Spannende über sie zu berichten. Menschenaffen genießen ja schon eine hohe mediale Aufmerksamkeit und es gibt tolle Blogs und Infos über Gorillas im Internet. Also warum?
Es sind die zahlreichen Begegnungen in Zoos, die mich immer wieder tief beeindrucken und der letzte Anstoß waren der Film über Dian Fossey und ihr Buch „Gorillas im Nebel“. Ich werde mich jedoch auf einige Aspekte im Leben der Gorillas beschränken müssen, hier zunächst etwas Geschichte und Geographie. In Teil 2 lasse ich Coco zu Wort kommen. Wer sich weiter informieren will, dem empfehle ich die am Ende meines Beitrags genannten Webseiten.

Menschen und Gorillas, das war schon immer ein toxisches Verhältnis* und so verwundert es nicht, dass ihr Weg von ihrer Entdeckung bis in die europäischen und amerikanischen Zoos geprägt waren von Tierleid, Grausamkeit, Unverständnis und mangelndem Sachverstand.

* Eine toxische Beziehung besteht aus einem dominanten, fordernden und einem eher zurückhaltendem, schwachen Part. Die Bedürfnisse des dominanten Parts stehen absolut im Fokus.

Gorillas und Wir – Teil 1

„Drei Tage lang segelten wir von dort an feurigen Sturzbächen entlang und gelangten dann an eine Bucht, die ‚Horn des Südwinds‘ (Nótū Kéras) hieß. Im Winkel lag eine Insel, die der ersten glich und ebenfalls einen See aufwies. Und in diesem See lag eine weitere Insel, voll von wilden Menschen. Es waren überwiegend Weiber, die am ganzen Körper dicht behaart waren; die Dolmetscher nannten sie goríllai. Wir verfolgten sie, konnten aber keine Männer fangen; sie entwischten alle, weil sie ausgezeichnete Kletterer waren und sich mit Felsbrocken zur Wehr setzten; Weiber aber fingen wir drei ein; sie bissen und kratzten und wollten denen, die sie führten, nicht folgen. Daher töteten wir sie, zogen ihnen die Haut ab und brachten die Bälge nach Karthago mit.“

So beschrieb Hanno ein karthagischer Seefahrer um 470 v.Chr. sein Zusammentreffen mit Wesen, die die Dolmetscher Gorillai nannten. Dokumentiert ist diese Reise im „periplus“ einem Reisebericht über eine Entdeckungsreise von Karthago bis in den Golf von Guinea.

Im Jahr 1847 wurden die Tiere zum erstmals wissenschaftlich anhand von Schädel- und Knochenfunden durch T.S. Savage und J. Wyman beschrieben. Es handelte sich dabei um Westliche Flachland Gorillas. In Anlehnung an Hannos Reisebericht erhielten sie den Gattungsnamen Gorilla. In den folgenden Jahren wurden weitere Tiere untersucht und in die Systematik eingeordnet.

Der frz. Afrikaforscher Paul Belloni Du Chaillu war wohl der erste Weiße, der 1855 in Gabun auf lebende Gorillas stieß. Seine und folgende Berichte beschrieben den Gorilla als gefährliches Monster und wurden so Inspiration und Vorlage für Filme wie King Kong. Dass dem nicht so war, wurde erst durch die Studien von Jill Donisthorpe, Schaller und Fossey mehr als 100 Jahre später bekannt. Sie zeichneten das Bild eines sozialen und friedlichen Tieres, des sanften Riesens.

Auf einer Expedition im Jahr 1902, schoss der deutsche Hauptmann Friedrich R. von Beringe im Gebiet der Virunga Vulkane in Ruanda zwei Tiere, die der deutsche Zoologe Paul Matschke untersuchte, als Unterart „Berggorilla“ neu einordnete und ihnen den wissenschaftlichen Namen (zu Ehren ihres Entdeckers) Gorilla beringei beringei nannte. Aus heutiger Sicht eine zweifelhafte Ehre, aber zu dieser Zeit war das Motto: erst schießen dann untersuchen.

Zwei junge Frauen, die Schottin Rosalie Osborn und Jill Donisthorpe eine Südafrikanische Journalistin, reisten 1954 in die Virunga Berge, um für 9 Monate das Leben der Gorillas zu studieren und schlussendlich mit dem Mythos des gefährlichen Monsters aufzuräumen.

Die ersten Langzeit-Feldstudien wurden von George Schaller ab 1959 durchgeführt. Schaller ist amerikanischer Zoologe und Naturforscher. Er studierte die Berggorillas im Gebiet der Virunga Vulkane im Kongo (heute Demokratische Republik Kongo). Seine Beobachtungen und Erkenntnisse waren die ersten, die die Wissenschaft über freilebende Gorillas erhielt. Sie waren auch die Basis auf der Dian Fossey ihre Langzeitstudien aufbauen konnte.

Dian Fossey begann ihre Studien 1969 zunächst in Kabara/Kongo und wechselte von dort nach ihrer Ausweisung in das benachbarte Gebiet der ruandischen Virunga-Vulkane. Sie gründete dort das Forschungs-Camp Karisoke in dem sie bis zu ihrer Ermordung 1985 lebte und forschte.

Das Verbreitungsgebiet der Gorillas gab den Wissenschaftlern lange Zeit einige Rätsel auf. Im Westen Afrikas umfasst es Gabun (mit der höchsten Anzahl an Tieren), Teile von Kamerun (Süden), Kongo und evtl. die angolanische Enklave Cabinda. Hier lebt die Unterart Westlicher Flachlandgorilla. Die Heimat der Östlichen Flachlandgorillas umfasst Teile der DR Kongo und Uganda und die der Berggorillas liegt im Grenzgebiet zwischen Uganda, Ruanda und der DR Kongo in den Virunga-Vulkanen. Das bedeutet, dass zwischen den östlichen und westlichen Populationen etwa 1000 km liegen, in denen es keine Gorillas gibt. Colin P. Groves** vermutete, dass das Verbreitungsgebiet ursprünglich entlang des nördlichen Kongobeckens reichte. Aber nach Ende der Kaltzeit (im Pleistozän) erwärmte sich die Erde mit Beginn des Holozäns vor etwa 11700 Jahren. Das hatte zur Folge, dass in Afrika zwischen den Gebirgen in Osten und Westen ausgedehnte Savannen entstanden. Mit dieser Klimaänderung starben die dort lebenden Gorillas aus, da Savannen für sie als Lebensraum ungeeignet sind. So entwickelten sich die Unterarten getrennt voneinander.

Heute gehören die Berggorillas zu der am besten erforschten Unterart. Geschuldet dürfte dies der Vorarbeit von Schaller und Fossey sein, die die Gruppen an menschliche Anwesenheit gewöhnen konnten und natürlich den Gorillas, die dies akzeptierten. Im Gegensatz zu ihren westlichen Verwandten. die Menschen gegenüber äußerst misstrauisch waren.

Der erste nach Deutschland (Berlin) verbrachte Gorilla war im März 1928 der 2-jährige „Bobby“. Er wog bei seiner Ankunft 15 kg. Durch falsche Ernährung und ein Mangel an Beschäftigung wog er an seinem Todestag am 01. Aug. 1935 unglaubliche 262 kg (normal wären ca. 180 kg gewesen). Durch die falsche Haltung der Tiere gab es natürlich auch keine Nachzuchterfolge. Zudem wurden in den späteren Jahren die Forschungsergebnisse von Dian Fossey beharrlich ignoriert. Erst der Basler Zoologe Jörg Hess, der Dian Fossey auf deren Einladung besuchte, leitete die Wende zu einer modernen Gorillahaltung in Europa ein.

**Colin P. Groves – war ein brit.-australischer Wissenschaftler, u.a. Anthropologe und Primatologe. Seine Doktorarbeit setzte den Standard für die Gorilla-Systematik.

Für uns Besserwisser:
Republik Kongo (seit 1991), Hauptstadt Brazzaville, ehemals frz. Kolonie, grenzt im Osten an den atlantischen Ozean.
Demokratische Republik Kongo (seit 1997) Hauptstadt Kinshasa, ehemals belg. Kolonie. Wird als „gescheiterter“ Staat bezeichnet. Grenzt im Norden an die Zentralafrikanische Republik, im Osten an Uganda, Ruanda und die Republik Kongo im Westen.
Cabinda ist eine Enklave von Angola und liegt eigentlich auf dem Gebiet der DR Kongo. Es wird durch einen schmalen Streifen vom Mutterland getrennt. 80% des angolanischen Finanzhaushalt wird durch die Erdölförderung in Cabinda erlöst. Außerdem Kakao, Kaffee und neu: Gold.

Bilder der oberen Galerie alle Wilhelma Stuttgart 01/24 Bilder der unteren Galerie alle Zoo Duisburg 10/21

https://www.berggorilla.org/ und https://www.gorillas-abisz.de/

Gorillas – Coco & Pucker

Teil 2

„Ich heiße Coco. Mir geht es nicht so gut. Und vielleicht werde ich bald sterben, wie meine gute Freundin Pucker vor einigen Tagen. Aber vorher will ich euch noch aus meinem Leben erzählen. Fragt nicht warum ich die Sprache von euch Menschen verstehe. Ihr Menschen glaubt ja auch alles zu verstehen, alles zu wissen. Und ich bin ein Gorilla…

Vor vielen Jahren als ich noch ganz klein war, lebte ich im Wald, den ihr Menschen Virunga nennt, zusammen mit meiner Familie. Wir waren elf, meine Mama, mein Papa der Silberrücken, Tanten, Onkel und ein Junge, der war etwas älter als ich. Er durfte sich schon abends ein eigenes Nest bauen um darin zu schlafen. Ich lag bei meiner Mama im Nest, denn mit dem Nestbau, das ist nicht einfach, die Zweige und Blätter bleiben einfach nicht dort wo sie sollen. Wenn es hell wurde, haben die Erwachsenen gegessen, Farne, Disteln, Blätter und anderes Grünzeug. Das war langweilig und dann habe ich mit dem Jungen gespielt. Wir sind die Bäume hochgeklettert, auf dem Boden gerollt, haben uns versteckt und manchmal habe ich mich hingestellt und auf meine Brust getrommelt, wie mein Papa. Da hat er aber nur gelacht und sich auf dem Boden gekugelt.

Mein Papa hat immer die besten Futterplätze gefunden, hat gesagt wann wir wandern müssen und wann wir ausruhen sollen. Er hat uns beschützt, wenn andere Gorillamänner gekommen sind, um unsere Frauen zu stehlen. Er konnte sehr zornig werden, aber ich durfte auf ihm herumtollen und ihn ein bisschen ärgern. Manchmal hat er mich dann angekuckt, dann bin ich schnell zu meiner Mama gelaufen.

Oft haben wir andere Tiere getroffen. Auf dem Sattel zwischen den Bergen waren Elefanten und Büffel, da musste man sehr vorsichtig sein. Im Wald kamen manchmal kleine Ducker -Antilopen, wenn wir gerade Rast machten, die haben wir dann erschreckt. In unserer Nähe sind oft Schimpansen vorbeigezogen. Die waren aber immer oben in den Bäumen und sehr laut und schnell. Papa hat sie ignoriert. Ich fand sie spannend, denn sie sahen fast aus wie wir.

Eines Tages kamen Wesen die ich noch nie gesehen hatte. Sie liefen auf zwei Beinen. Ihre Haut war schwarz, sie hatten keine Haare wie wir und sie machten laute Geräusche fast wie die Schimpansen. Mein Papa war sehr wütend und wollte, dass sie uns in Frieden lassen, er drohte ihnen. Aber sie hatten Stöcke die knallten und plötzlich lagen alle auf dem Boden, meine Mama, mein Papa, alle außer mir. Sie hielten mich fest und banden mich an einen Stock. So trugen sie mich aus meinem Wald. Es dauerte sehr lange und dann sperrten sie mich in einen Käfig. Das was sie mir zu essen gaben, konnte ich nicht essen.

Viele, viele Tage vergingen und ich dachte ich sterbe, als plötzlich der Käfig geöffnet wurde. Vor dem Käfig stand eine Frau, sie war weiß und hatte helle Haare aber nur auf dem Kopf. Sie schimpfte laut mit einem anderen. Ich hatte Angst was nun wieder passieren würde und habe ihn in die Hand gebissen. Später wurde ich zurück in den Wald getragen zu dieser Frau. Alle riefen sie Dian. Sie hat mich gefüttert und auf den Arm genommen – wie meine Mama. Aber ich war sehr traurig und habe oft geweint, bis eines Tages noch ein Gorillamädchen kam. Dian nannte sie Pucker und mich Coco. Auch Pucker war sehr krank und hatte furchtbare Angst. Dian hat sie wie mich gesundgepflegt und wir gingen dann oft zum Spielen und Toben in den Wald. Dann kamen wieder Menschen die uns geholt und in Kisten gesteckt haben. Dian hat geschrien und geweint, aber es hat nichts genutzt – wir gingen auf eine sehr lange Reise.

Viele Tage später sind wir dann angekommen. Die Kisten wurden geöffnet und wir waren in einem riesigen Käfig. Da waren keine Bäume oder Sträucher kein Gras und keine Blätter – nichts. Aber Pucker war da und wir haben uns aneinandergeklammert und geweint. Einige Tage später kamen viele Menschen vor unseren Käfig. Sie hatten komische Sachen vor den Augen, die klickten und Blitze machten. Ein Mann sprach zu ihnen, dass wir beide in Köln die ersten Berggorillas in Europa wären und der Kölner Zoo sehr stolz auf uns wäre. Wir wären ein Geschenk der ruandischen Regierung an Köln.

Ich glaube, das war eine Lüge. Als Dian mich befreit hatte, schimpfte sie mit dem Mann, weil er einen Land Rover und viel Geld bekommen sollte, wenn er zwei junge Gorillas nach Köln schicken würde. Ich weiß was ein Land Rover ist, denn Dian hatte auch einen, sie nannte ihn Lily, aber was Geld ist weiß ich nicht. Es muss etwas Böses sein, denn es ist der Grund warum wir hier sind.

Nun sind viele Jahre vergangen und meine liebe Freundin Pucker ist gestorben und gestern war ein Mensch bei mir, den sie Doktor nannten der hat nur den Kopf geschüttelt und alle wurden traurig. Aber nun kennt ihr ja meine Geschichte.“


Liebe Leserinnen und Leser, die Geschichte die ich Coco hier erzählen lasse, beruht auf einem Kapitel aus Dian Fossey’s Buch „Gorillas im Nebel“ und einigen wenigen Informationen aus dem Netz. Einzig die Pressekonferenz vor Coco‘s und Pucker‘s Gehege entspringt meiner Fantasie. Allerdings nicht der Inhalt. Die beiden Gorillamädchen kamen im Mai 1969 in den Kölner Zoo. Pucker starb am 01. April 1978 und Coco am 01. Juni 1978. Um der beiden im Gebiet des Mt. Karisimbi in Ruanda habhaft zu werden, mussten zwei Gruppen mit insgesamt 18 Familienmitglieder sterben. Die ruandische Naturschutzbehörde(!) hatte ausgerechnet einen der berüchtigtsten Wilderer beauftragt, zwei junge Gorillas für den Kölner Zoo zu „besorgen“.

Bob Campbell photograph of Dian Fossey with orphaned gorillas Coco and Pucker, Rwanda 1969

Photos of Dian Fossey courtesy of Bob Campbell Papers/George A. Smathers Libraries/Univ. of Florida.

(Indisches) Panzernashorn

Sie scheinen Relikte aus uralter Zeit zu sein, noch dazu mit martialischem Aussehen. Hautfalten welche die Oberfläche in Platten einteilen, wie eine Panzerung wirken und Beulen, die an Nieten auf einem Schiffsrumpf erinnern. Und doch sind Panzernashörner (meist) sanfte Riesen, die eine eher gemächliche Gangart bevorzugen und im Zoo bei Pflegerinnen und Pflegern beliebt sind, da sich zu ihnen ein sehr vertrauensvolles, enges Verhältnis aufbauen lässt.

Ihr englischer Name „One-Horned Rhinoceros“ deutet auf einen wichtigen Unterschied zu ihren afrikanischen Verwandten hin. Asiatische Nashörner haben nur ein Horn, während die afrikanischen Vertreter deren zwei tragen. Sie sind mit einer Schulterhöhe von 170 – 190 cm und einem Gewicht von 2,2 – 2,7 t nach Elefanten und Breitmaulnashorn die größten Landsäugetiere. Die Maße gelten für Bullen, Kühe sind etwa ein Viertel leichter und kleiner. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet war der gesamte nördliche Indische Subkontinent, also von der Grenze zu Pakistan über die Flussebenen des Ganges und Brahmaputra, Bangladesch, den Süden von Nepal und Bhutan bis zur Grenze nach Burma.  Heute findet man sie nur noch in Schutzgebieten im nordöstlichen Indien (Assam, Westbengalen und Uttar Pradesh) und in den fruchtbaren Ebenen von Nepal. Die folgende Karte zeigt die indischen Schutzgebiete in Assam.

Die meisten Tiere leben in Kaziranga (2400*) und dem Chitwan-Nationalpark (645*) in Nepal. Im Nationalpark Manas, der sowohl auf indischem als auch bhutanischem Gebiet liegt, waren die Tiere praktisch ausgerottet. Durch Wiederansiedlung versucht man die Population zu retten.

Ihr favorisierter Lebensraum sind Feucht- bzw. Sumpfgebiete entlang der Flüsse sowie offene Graslandschaften aber auch lichte Wälder. Hier finden sie durch das bis zu 5 m hohe sogenannte Elefantengras (Familie der Süßgräser) Schutz und Nahrung. Regelrechte Tunnelpfade durchs hohe Gras verbinden die Schlaf-, Futter-, Ruhe- und Badeplätze miteinander. Einen Großteil des Tages verbringen sie mit äsen, aber während der heißesten Zeit des Tages legen sie sich gerne ins Wasser und sie sind sehr gute Schwimmer. Suhlen im Sumpf ist wichtig und gehört wie bei den Elefanten zur Körperpflege.

Die Reviere sind eher klein. Solange genügend Nahrung vorhanden ist sind die Tiere ortstreu. Oftmals überlappen sich die Territorien z.B. durch Überschwemmungen. Obwohl es keine Herdentiere sind, schätzen sie die Anwesenheit von Artgenossen. Das Aufeinandertreffen der Tiere verläuft in der Regel friedlich. Einzig Schlaf- und Weideplätze werden verteidigt. Die dominanten Bullen leben meist alleine, tolerieren aber die Anwesenheit von Weibchen. Junge und alte Bullen sowie Mütter mit ihren Kälbern leben oftmals in Gruppen zusammen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten in Afrika markieren Panzernashörner ihr Gebiet mit Urin und einem Sekret aus Duftdrüsen, die sich an den Füssen befindet. Mehrere Tiere benutzen aber den gleichen Ablageplatz für Kot, den sie zu Haufen aufschichten, wobei jedes Tier versucht, seinen Dung zuoberst abzulegen. Diese Dunghaufen dienen jedoch der Kommunikation mit Artgenossen und geben z.B. Auskunft über den Fortpflanzungsstatus der Weibchen. Da die Wechsel im hohen Gras kaum zu sehen sind, dienen die Dunghaufen auch der Orientierung. Panzernashörner haben einen sehr feinen Geruchs- und Hörsinn, dafür sehen sie sehr schlecht.

Wenn ich bei der Beschreibung im ersten Abschnitt von „meist“ sanften Riesen spreche, dann gibt es natürlich Einschränkungen. Bei Kämpfen unter Bullen um Kühe, Müttern mit Kälbern denen Artgenossen – auch weibliche – zu nahe kommen oder bei der Verteidigung von Schlaf- oder Äsungsplätzen geht es äußerst ruppig zu. Sie kämpfen nicht mit dem Horn wie man vermuten könnte, sondern beißen sich und bringen sich so heftige Wunden bei. Gegner und Angreifer werden auch über längere Strecken verfolgt. Auch vor dem Deckakt geht es zur Sache. Der Bulle treibt und bedrängt das Weibchen bis zur Erschöpfung, wird dann vom Weibchen „umgarnt“ bis es nach Stunden zum Deckakt kommt, der etwa eine Stunde dauert.

Kommunikation unter Artgenossen findet aber nicht nur über Duftmarken statt. Panzernashörner verfügen über mindestens 10 unterschiedliche Lautäußerungen.

„Die Nashornmutter lockt ihr Junges durch Blöken. Wenn die Nashörner drohen schnauben sie, indem Luft durch das geschlossene Maul geblasen wird. Wollen sie ihre in der Nähe befindlichen Artgenossen auf eine Gefahr aufmerksam machen, so grunzen sie kurz und abgehackt wie ein Gnu. Diese Laute stoßen sie auch auf der Flucht aus. Wird eine Nashornkuh in der Brunstzeit von einem Bullen getrieben, so gibt das Weibchen ein hohes, wieherndes Fiepen von sich, während der Bulle einen langen Grunzlaut hören lässt, den er auch ausstößt, wenn er einen Rivalen verfolgt. Der Verfolgte lässt in diesem Falle ein langes Fiepen hören, das immer in gleicher Tonlage bleibt. Außerdem gibt es noch einen schnurrenden Laut als Kontaktlaut den die Tiere hören lassen, wenn sie in eine Schlammsuhle oder ein Wasserloch hinein wollen in dem sich schon Artgenossen befinden. Diese antworten mit einem Blubbern indem sie unter Wasser Luft aus Maul oder Nase blasen.“

Ursula und Wolfgang Ullrich (Zoodirektor in Dresden 1950 – 1973) „Im Dschungel der Panzernashörner“ erschienen Neumann Verlag 1962

Panzernashörner und Zoos

Der WWF geht heute von einem Bestand von 2750* Tieren in freier Wildbahn aus. In europäischen Zoos leben etwa 80 Tiere. Bereits 1956 gelang dem Zoo Basel die Erstzucht in menschlicher Obhut. Seitdem werden dort regelmäßig Jungtiere geboren. Das internationale Zuchtbuch wird dort geführt und das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) von Basel koordiniert. Wenn man bedenkt, dass Wolfgang Ullrich und seine Frau Anfang der 1960er Jahre beschlossen nach Assam zu fliegen, um dort einige Monate das Leben dieser Tiere zu studieren, da es bis zu diesem Zeitpunkt darüber kaum oder falsche Informationen gab, ist dieser Zuchterfolg umso höher zu bewerten. Gleichzeitig stimmt es traurig, dass, wie so oft, eine Tierart kurz vor dem Aussterben stand, bevor wir wussten wie sie überhaupt lebt.

Die Haltung von Panzernashörnern stellt hohe Anforderungen an die Zoos. Beispiele:

  • Beschaffenheit des Bodens (die Tiere haben sehr empfindliche Sohlen, da sie im weichen Sumpfgelände leben),
  • Außengehege mit Pool und Schlammsuhle, je nach Anzahl der Tiere teilbar in 3 Bereiche, eigene Futterplätze für jedes Tier,
  • genaue Kenntnisse der Paarungsgewohnheiten – manche Zoos haben die Paarung abgebrochen, da sie befürchteten, dass das Weibchen vom Männchen getötet werden könnte. Das Verhalten der Tiere ändert sich in der Brunst enorm. Bullen bemerken z.B. bis zu eine Woche vorher, dass das Weibchen in die Brunst kommt,
  • und letztendlich ein flexibles Zeitmanagement des Zoos, um beispielsweise Ruhephasen der Tiere nicht durch Training oder Beschäftigung zu stören.

Insgesamt waren die Zoos in den letzten Jahren sehr erfolgreich bei der Haltung und Aufzucht von Panzernashörnern. Ebenso wichtig ist es aber, dass die Zoos durch Artenschutzabgaben ihrer Besucher in die Lage versetzt wurden, lokale Organisationen und deren vielfältige Schutzmaßnahmen zu unterstützen. Vor hundert Jahren waren Panzernashörner fast ausgerottet. Jagd, Wilderei und die Umwandlung von Grasland in Ackerflächen waren dafür verantwortlich. Heute haben sich die Bestände erholt* und man kann optimistisch in die Zukunft blicken, was das Überleben dieser faszinierenden Tierart betrifft.

*Die Zahlen weichen leider erheblich voneinander ab, teils sind es Schätzungen, teils Zählungen die aber nicht immer aktuell sein müssen.

Die folgenden Bilder wurden im Zolli Basel 07/22 aufgenommen. Tarun ist im Mai geboren.

Alle folgenden Bilder wurden im Zolli Basel 10/23 aufgenommen. In der Zwischenzeit war Tican im Sep 22 geboren worden.

Brillenbär / Andenbär / Ucumari

Gehen wir doch einmal einige Jahre in unserer Erdgeschichte zurück. Im späten Miozän bis frühes Pliozän (also vor etwa 7,3 – 4,3 Mio. Jahren) trennten sich die evolutionäre Entwicklung der Bären und es formten sich zwei Unterfamilien. Eine genannt Ursinae, sie umfasst die meisten heute bekannten Großbären also z.B. Kodiak- oder Europäische Braunbären. Die andere ist die der Kurzschnauzenbären (wissenschaftlich: Tremarctinae), deren Verbreitung von Nordamerika bis Patagonien reichte. Vertreter dieser Gattung brachten Riesen hervor. Skelettfunde in Nordamerika und Argentinien lassen vermuten, dass sie ein Gewicht bis zu 2 Tonnen auf die Waage brachten und bei einer Schulterhöhe bis 1,8m aufgerichtet 3,40m maßen. Beide starben vor 11.000 Jahren aus.

Die Kurzschnauzenbären entwickelten sich in zwei Gattungen weiter. Die nordamerikanischen Vertreter (Tremarctos floridanus) starben jedoch vor 8000 Jahren aus. Somit ist der Brillen- oder Andenbär die heute einzig überlebende (rezente) Gattung der Kurzschnauzenbären und ist evolutionär gesehen die jüngste Bärenart. Die ältesten Funde stammen aus der Chaquil-Höhle im Nordosten von Peru und sind ungefähr 6000-7000 Jahre alt.

Den Namen Brillenbär erhielten sie aufgrund ihrer cremefarbigen bis gelblichen Zeichnung um Schnauze, Stirn und Augen. Sie verläuft oft in Streifen und erinnert an eine Brille. Das Muster ist von Tier zu Tier verschieden, ansonsten ist das Fell schwarz. Die beeindruckenden Maße ihrer Ahnen erreichen sie nicht: 90 cm Schulterhöhe und etwa 130 bis 175 kg Gewicht bei den Männchen. Die Weibchen sind deutlich kleiner und leichter.

Der zweite Name deutet auf ihr Verbreitungsgebiet hin. Es umfasst die tropischen Anden und deren vorgelagerte Gebirgszüge in Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Bolivien und Peru. Somit erstreckt sich das Gebiet über eine Länge von ca. 4600 km während es jedoch nur zwischen 200 und 650 km breit ist. Die jeweiligen Lebensräume in den Verbreitungsgebieten sind sehr unterschiedlich. Obwohl die meisten Sichtungen in einer Höhe von 1000m verzeichnet wurden, liegt der bevorzugte Lebensraum in einer Höhe von 1900m bis 2400m überwiegend in den dortigen tropischen und subtropischen Wäldern. Die Tiere sind wohl sehr anpassungsfähig aber natürlich abhängig vom Nahrungsangebot. Wie alle Bären sind sie Allesfresser mit einem deutlichen Schwerpunkt bei der Pflanzenkost. Fleisch oder Aas wird jedoch nicht verschmäht. Das erklärt auch die verkürzte Schnauze, da das Gebiss darauf ausgelegt ist, faserige Pflanzen und Früchte zu zerkauen. Um sich ausreichend mit den Früchten von Bromelien (Puya u. Tillandsia), Kakteen aber auch Palmtrieben und den Blütenständen von Orchideen zu versorgen, folgen sie dem Fruchtzyklus ihrer bevorzugten Nahrung und wechseln bei Bedarf zwischen den unterschiedlichen Lebensräumen.

Andenbären sind Einzelgänger und finden nur zur Paarung zusammen. Ihre Reviere überlappen sich häufig. Sie zeigen bei einem Zusammentreffen mit Artgenossen keinerlei Aggression. Paarungen finden während des ganzen Jahres statt. Bärinnen können das Einnisten der Eizelle hinauszögern und so die Tragzeit dem Nahrungsangebot anpassen. Es werden 1 bis 4 Jungtiere geboren, die zwei Jahre von der Mutter betreut werden.

Das erste Mal beschrieben wurde der Andenbär vom Schweizer Naturforscher Johann J. von Tschudi, der 1838 und 1857 die Andenstaaten bereiste und längere Zeit in Peru lebte. Bereits 1947 gelang dem Zoo in Buenos Aires eine erfolgreiche Erstzucht. Die beiden Jungtiere wurden an den Zoo in Basel gegeben. Laut dem internationalen Zuchtbuch gab es Ende 2017 in Zoos und Tierparks 253 Tiere. Allerdings stammten auch das Wissen und die meisten Informationen über das Leben der Andenbären aus diesen Institutionen, während das Leben freilebender Tiere bis Ende der 1970er Jahre wenig erforscht war. Zählungen führten jedoch zur Erkenntnis, dass die Tiere in ihren Verbreitungsgebieten stark gefährdet waren und die Bestände rasant zurückgingen. Die Folge waren die Gründung von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in den Andenstaaten, die sich den Schutz der Bärenpopulationen und den Erhalt der Biodiversität auf die Fahnen schrieben. Es wurden Schutzgebiete eingerichtet von denen es heute 58 gibt. Jagd und Handel wurden verboten. Seit 1987 gibt es das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Leider blieb der Erfolg der beschlossenen Maßnahmen weitestgehend aus. Durch das Zusammentreffen von Mensch und Tier in den Randgebieten der Schutzzonen kommt es immer wieder zu Wilderei und Jagd auf Bären. Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der wirtschaftlichen Not der lokalen Bevölkerung. Während Großgrundbesitzer die ertragreichen Flächen in Beschlag genommen haben (in Kolumbien ist es der illegale Drogenanbau), muss die Landbevölkerung auf die Randgebiete ausweichen, wo die Bären leben. Das bedeutet eine Fragmentierung des Lebensraums der Bären mit der Folge, dass die genetische Vielfalt der Tiere stark abgenommen hat.

Nach der Jahrtausendwende überarbeiteten die Naturschutzorganisationen in Südamerika in Zusammenarbeit mit WWF die Schutzmaßnahmen und gaben neue Empfehlungen für das weitere Vorgehen aus:

  • Die Schutzzonen sollten von Regierungsseite vergrößert und besser kontrolliert werden, um Wilderei zu verhindern,
  • es sollten Korridore zwischen den Nationalparks entstehen um den Bären zu ermöglichen dem Nahrungszyklus hinterherzuwandern,
  • Korridore sollten sicherstellen, dass mehr paarungsbereite Tiere zusammenfinden,
  • illegale Rodungen sollten verhindert werden, aber Vereinbarkeit der Bedürfnisse von Landbevölkerung und Andenbären soll ein Ziel sein,
  • Aufklärung der Bevölkerung über den Sinn und Zweck von Biodiversität, da die Region für viele Millionen Menschen wichtig ist als Wasser- und Co2 Speicher.
  • Es bestehen immer noch große Wissenslücken (z. B. über Populationsdynamik, Lebensraumnutzung, Fortpflanzung), diese müssen dringend geschlossen werden.

Einen wichtigen Schritt sah man darin, den Andenbär als sogenannte Schwerpunktart auszuwählen. Schwerpunkttierarten benötigen zum Überleben eine bestimmte Kombination von Lebensräumen, im Allgemeinen in sehr ausgedehnten Landschaften. Sie legen häufig weite Entfernungen zurück, sind gebietsempfindlich, gute Indikatoren für den Erhaltungszustand ihrer Lebensräume und haben spezielle Ernährungs- oder Fortpflanzungsbedürfnisse. Wenn ihr Überleben gesichert ist, wäre auf diese Weise auch das Überleben vieler anderer einheimischer Arten einer Region durch den Schutz großer und gut vernetzter Gebiete gesichert.

Auch Zoos und weitere Naturschutzgruppen haben den Andenbär als Flaggschiff und somit als Symbol für den Artenschutz in den Anden etabliert.

Für uns Besserwisser:
in Südamerika werden die Bären Oso Andino (Andenbär) oder Oso de Anteojos (Brillenbär) genannt. Und in der Quechua Sprache heißen sie Ucumari.

Die Brillenbären in Frankfurt, die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2021 – 2023. Zum vergrößern bitte auf ein Bild klicken.

Grévy-Zebra

Beim Anblick eines Zebras könnte man meinen, Zebra sei Zebra. Aber weit gefehlt. Das Problem ist, dass man im Zoo (und meist auch in freier Wildbahn) nur eine der zahlreichen Unterarten vor sich sieht, die Ähnlichkeit ist groß, die Unterschiede hat man da natürlich nicht vor Augen. Zumindest geht es uns Laien wohl so.

Zebras gehören in eine Untergattung der Gattung Pferde und werden in drei Arten eingeteilt:

Bergzebra mit den Unterarten Hartmann-Bergzebra und Kap-Bergzebra

Grévy-Zebra ohne Unterarten

Steppenzebra mit den Unterarten, Burchell-Zebra (†) gleich mit Zulu- und Damara-Zebra, Chapman-Zebra, Crawshay-Zebra, Böhm- oder Grant-Zebra sowie das Quagga (†), das leider schon ausgestorben ist.

Grévy-Zebras fallen in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen und deshalb möchte ich diesen Beitrag ausschließlich ihnen widmen.

Zum Äußeren: Grévys (ich spare mir jetzt mal den Rest) sind die größten der wildlebenden Pferdeartigen. Ihre Widerristhöhe beträgt bis zu 1,60m bei einem Gewicht bis 450 kg. Die Unterschiede zu anderen Zebras sind: ein schwarzer Rücken- bzw. Aalstrich, ein weißer Bauch, der Bereich um das Maul ist braun, große tütenförmige Ohren und eine enge Streifung. Während das Grévy etwas 80 Streifen aufweist, haben Bergzebras 45 und Steppenzebras ungefähr nur 30. Da stellt sich natürlich sofort die Frage – wie ist die Grundfarbe von Zebras? – Im Mutterleib sind die Föten zunächst schwarz, die weißen Fellstreifen bilden sich erst kurz vor der Geburt. Wie bei allen Säugetierhaarfarben wird dies durch Melanin produzierende Zellen bestimmt, die Melanozyten. Diese Pigmentzellen befinden sich im Haarfollikel und sorgen dafür, dass die Streifung entsteht. Auf die Frage warum Zebras überhaupt gestreift sind, gibt es mehrere Antworten. Aber die neuesten Untersuchungen haben gezeigt, dass die Facettenaugen der Insekten (Bremsen) durch die Streifen so verwirrt werden, dass sie keinen Landeplatz ausmachen können. Das Gleiche gilt für Tsetsefliegen, die zusätzlich den Hautgeruch von Zebras nicht mögen. Das ist ein sehr schlauer Abwehrmechanismus, da alle Pferdeartige durch die von diesen Insekten übertragene Nagana-Seuche (ähnlich der Schlafkrankheit) sehr gefährdet sind.

Und da drängt sich eine weitere Frage auf. Zebras sind eine wichtige Nahrungsquelle für Raubtiere wie Löwen, Leoparden und Hyänen. Das bedeutet, einerseits werden die Tiere durch ihre Streifen vor Krankheit und Tod geschützt, andererseits von Raubtieren in großer Zahl getötet.

Spinnt also die Natur? Hat die Evolution versagt? Steckt ein Plan dahinter? Ja es gibt diesen Plan: Schutz einerseits und Begrenzung andererseits sorgen für eine ausgewogene Anzahl von Individuen, den Fortbestand der Art, und Sicherung der Überlebenschancen für weitere Spezies. So wird das ökologische System im Gleichgewicht gehalten und nicht durch Überweidung oder Verschwendung von Wasserressourcen gefährdet. Wir Menschen heißen solch einen Plan gut… solange es Tiere und Pflanzen, aber nicht uns betrifft. Wir möchten doch alle ein hohes Alter erreichen und viele Kinder haben. Die hochentwickelte Medizin hilft uns dabei. Im globalen Süden macht man sich zwar wahrscheinlich weniger Gedanken um das zu erreichende Alter, aber bei einem Geburtenniveau beispielsweise in Afrika von durchschnittlich 4,6 Kindern pro Frau und Bevölkerungszahlen von 1,4 Mrd. in Indien und China, ist das ökologische Gleichgewicht weltweit schon lange gefährdet. Und das nicht nur in Afrika und Asien, denn wir in den sogenannten Industrieländern verbrauchen ungeheure Ressourcen. Spätestens 2080 wird unsere Erde von 10,4 Milliarden menschlichen Bewohnern bevölkert. Eine Katastrophe. Nicht nur die Grévy-Zebras werden bis dahin von der Erde verschwunden sein. *

Quagga im Senckenberg Museum Frankfurt

Doch nun zurück zu den Grévys. Obwohl Schriftsteller die Hippotigris (Tigerpferde) bereits in der griechisch-römischen Antike erwähnten und auf Bildern aus späterer Zeit Grévy-Zebras zu erkennen sind, wurden die Tiere erst 1882 genauer beschrieben und wissenschaftlich eingeordnet. Menelik II seinerzeit König von Shewa und später Negus (König der Könige) von Abessinien (heute Äthiopien) schickte ein Zebra an den französischen Staatspräsidenten Jules Grévy als Geschenk. Der Zoologe Emile Oustalet erkannte die Besonderheiten dieses Tieres, beschrieb es, ordnete es als eigene Art ein und gab ihm den Namen Grévy-Zebra.

Grévys unterscheiden sich nicht nur äußerlich von Steppen- und Bergzebras. In Grzimeks Tierleben werden sie als eine „urtümliche Form mit abweichendem Verhalten“ beschrieben. Im Gegensatz zu ihren Verwandten bilden sie keine festen Herden. Wissenschaftliche Untersuchungen die 2006 veröffentlicht wurden haben gezeigt, dass sich zwar feste Cliquen von Stuten, Jungtieren und Junggesellen bilden, diese Verbände sich jedoch jederzeit wieder trennen können. Begründet wird dies mit dem ökologischen Druck dem die Verbände ausgesetzt sind (Nahrungsangebot, Raubtiere). Wobei es erwiesen ist, dass Stuten sich bevorzugt in Cliquen zusammenfinden in der die weiblichen Tiere den gleichen Fortpflanzungsstatus (z.B. unbefruchtet, trächtig) haben.  Sie durchwandern große Gebiete auf der Suche nach Nahrung und Wasser und wählen Territorien von denjenigen dominanten Hengsten, die das beste Nahrungsangebot bieten. Während es in umherwandernden Verbänden keine Dominanzhierarchie gibt, beherrschen dominante Hengste territorial ein Revier, das zwischen 2 und 12 qkm groß sein kann. Normalerweise leben sie in diesen Territorien während der Regenzeit bzw. solange ausreichend Wasser vorhanden ist. Sie tolerieren jedoch die in ihr Revier einwandernden Junggesellen und schließen sich diesen oft für kurze Zeit an, solange keine brünstigen Stuten in ihrem Revier sind. Denn dann verteidigen dominante Hengste „ihre“ Stuten vehement. Auch zu den Mitgliedern der eigenen Truppe sind die Hengste sehr häufig äußerst rabiat. Durch ihr Verhalten ähneln Grévys tatsächlich eher Wildeseln oder den bereits beschriebenen Onagern und Kulanen als Pferden oder den beiden anderen Zebra Unterarten. Das wird auch bei ihren Lautäußerungen deutlich. Alarmrufe klingen wie lautes Brummen, wenn sie Angst oder Schmerzen haben, oder kämpfen pfeifen bzw. quicken sie. Ein Schnauben ist meistens eine Warnung und um ihre Dominanz zu zeigen, iahen sie (wie ein Esel), bei der Paarung ist eine Art Bellen zu hören.

Zebrastuten bringen ihre Jungen nach 390-410 Tagen zur Welt. Für die Geburt entfernen Sie sich von der Gruppe und kehren erst nach etwa 2 Tagen zurück.  Die Mütter verhalten sich zu den anderen Stuten in dieser Zeit sehr aggressiv. Das kann man mit dem Verhalten der Fohlen erklären. Diese folgen sobald sie auf den Beinen sind, allem was sich bewegt und größer ist als sie selbst. Sie müssen daher zuerst auf die Mutter geprägt werden. Das geschieht über die individuelle Fellzeichnung an den Beinen bzw. Steiß. Nach einer Woche wissen die Fohlen wer ihre Mutter ist und folgen ausschließlich ihr. 

Vom eigenwilligen Verhalten der Grévys (Hengst oder Stute ist dabei egal) können Tierpflegerinnen und -pfleger ein Lied singen. Regina Bakely beschreibt in einem Artikel** wie Sie den Grévy-Hengst Moyo dazu gebracht hat auf ein Target zu reagieren und wie Sie es geschafft hat, sein Vertrauen zu gewinnen. Und trotz aller Verbundenheit mit dem Tier, konnte sie sein Gehege nicht betreten.

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet leben Grévys heute nur noch in Äthiopien (ca. 130) und in Kenia (ca. 2400). Die Bestände leiden unter dem Nahrungswettbewerb und der Konkurrenz um Wasserquellen in einem Lebensraum der eher trocken ist und wo Regen oft lange Zeit ausbleibt. Und es sind weniger andere Wildtiere als vielmehr Nutztierherden in großer Zahl, die ihr Überleben bedrohen. Die Bestände gelten nicht als gesichert. Umso wichtiger ist die Aufgabe der Zoos und Nationalparks die Art zu erhalten. Grévy-Zebras sind ein wundervolles Geschenk der Natur. Etwas wird der Natur allerdings nicht bewusst gewesen sein, als sie die Tiere mit Streifen versah, dass nämlich Designer, Künstler und Fotografen das Muster von Zebrastreifen verwenden, um unsere Welt etwas schöner zu machen. Und Grévys gehören für mich überhaupt zu den Schönsten.

*Das ist mein Standpunkt – wenn ihr gleicher oder anderer Meinung seid, dann hinterlasst doch einen Kommentar. Wie sind eure Gedanken zu diesem Thema.

** im Web zu finden: nationalzoo.si.edu/animals/news/how-do-you-train-zebra

Für uns Besserwisser:

Zebrastreifen ist nur der umgangssprachliche Begriff für einen Fußgängerüberweg. Dessen Ursprung findet man in der deutschen Geschichte in den 1950ern in München. Damals wurde er von den Beamten als „Dickstrichkette“ bezeichnet. Diese wurde in die StVO. aufgenommen, weil die Anzahl an Autos stark anstieg und somit eine größere Gefahr für Fußgänger entstand, die es einzudämmen galt.

Erst durch eine Aktion in Hamburg am 24. April 1954 bekam der Fußgängerüberweg den Namen „Zebrastreifen“. Damals hatte die Polizei zusammen mit einer Zeitung die Aktion „Zebra“ ins Leben gerufen, damit die Autofahrer an einem Zebrastreifen auch wirklich anhalten. Wer am Zebrastreifen angehalten hat, der bekam eine Plakette, auf der ein Zebra abgebildet war. Die Abkürzung „Zebra“ stand für „Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers“. Seitdem nannten bald alle Deutschen den Fußgängerüberweg „Zebrastreifen“.)

Und noch etwas zum Üben für den nächsten Zoobesuch:

…und noch ein wichtiger Unterschied zwischen Bergzebras und Steppenzebras: die Bergzebras haben wie die Grévys einen weißen Bauch. Bei den Steppenzebras laufen die Streifen am Bauch zusammen.

Wölfe

und das Phänomen der „Trophischen Kaskade“

Der Europäische Wolf ist momentan in aller Munde und nicht nur in den Medien präsent, sondern leibhaftig zurück in den Wäldern einiger Bundesländer.

Bekanntermaßen wandern (Jung-)Wölfe auf der Suche nach Revieren weite Strecken. Was die Tiere allerdings veranlasst ausgerechnet in ein dicht besiedeltes, durch Verkehrswege und landwirtschaftliche Nutzung zersiedeltes Land wie Deutschland zurückzukehren? Die Antwort auf diese Frage ist wohl noch ungeklärt.

Obwohl – vorsichtig ausgedrückt – nicht alle erfreut sind, den Wolf in ihrer Nähe zu haben, muss man sich natürlich fragen wer war zuerst da, Wolf oder Viehzüchter? Doch es gibt eine Menge guter Gründe sich über die Anwesenheit zu freuen. Ein guter Grund ist aus ökologischer Sicht ein Phänomen, das „Trophische Kaskade“ genannt wird. Ich will hier auf die übliche Beschreibung von Europäischen Wölfen verzichten, denn wie eingangs angemerkt, gibt es aktuell genug in den Medien über diese Tiere zu erfahren.

Widmen wir uns also zunächst der Trophischen Kaskade und im zweiten Teil des Beitrages um ein Unterarten des Wolfes, nämlich dem Polar- und Tundrawolf und einem Wolf der keiner ist – den Mähnenwolf.

Die Frage „Wer frisst wen?“ können wir am besten beantworten, indem wir uns Nahrungsketten betrachten. Sie stellen in linearer Form die Nahrungsbeziehungen von Lebewesen untereinander dar. Also z.B. Pflanzen, Pflanzenfresser und Raubtiere. Da es aber Pflanzenfresser gibt die auch tierische Nahrung nicht verschmähen oder Raubtiere die von größeren Raubtieren gefressen werden, kann diese Nahrungskette aus vielen Gliedern bestehen*. Nun stellen wir uns dieses System nicht linear vor, sondern als Pyramide und betrachten die ganze Sache aus Sicht des Wolfes (als sogenannter Spitzenprädator), dann kommen wir in diesem Fall auf drei Ebenen (oder Trophieebenen). Oben der Spitzenprädator Wolf – seine Beute die Pflanzenfresser und unten die Pflanzen als Erzeuger von Biomasse.

Die Veränderungen in dieser Pyramide, die von oben nach unten durch den Wegfall von Spitzenprädatoren ausgelöst werden, nennt man Trophische Kaskade. Nicht alle Ökologen unterstützen diese Theorie. Aber das Beispiel der Wölfe im Yellowstone Nationalpark/Wyoming zeigt, dass sie nicht ganz von der Hand zu weisen ist:

Im Jahr 1872 wurde der Nationalpark gegründet. Durch die anfangs erlaubte Jagd und Wilderei waren bereits 1920 die Wölfe aus dem Park verschwunden. In den folgenden Jahren wurde die Zunahme der Elch- und Wapiti-Hirsch Populationen beobachtet. Die Folge war Bodenerosion durch den Verlust der Vegetation besonders an Bächen und in Feuchtgebieten. Zum Beispiel fehlten speziell Zitterpappeln. Das wiederum wirkte sich auf den Lebensraum der hier beheimateten Biber aus, die nicht mehr genug Holz fanden, um ihre Staudämme zu bauen und so der Schutz der Nester und die Nahrungsbevorratung nicht mehr gewährleistet war. Die Anzahl der Biber ging dramatisch zurück.

Die Wiederansiedlung von Wölfen erfolgte dann 1995 mit der Folge, dass sich das Ökosystem langsam erholte. Die Reduzierung der Pflanzenfresser durch die Wölfe war allerdings nur ein Grund für diesen Erfolg. Prädatoren halten alleine durch ihre Anwesenheit und die Gefahr die von ihnen ausgeht die Herden der Pflanzenfresser in Bewegung, sodass diese gezwungen sind häufig Standortwechsel vorzunehmen. So wird Kahlfraß verhindert und die Pflanzen bekommen Zeit zur Regeneration.

Trophische Kaskaden gibt es natürlich nicht nur an Land, sondern auch in Seen oder im Meer. So hat man z.B. an einer flachen Felsküste in Nova Scotia alle Hummer entnommen. Ergebnis des Eingriffs war die unkontrollierte Vermehrung der Seegurken, was zum Verschwinden der ausgedehnten Seetangwälder führte – der Lieblingsnahrung von Seegurken.

Trophische Kaskaden können sehr komplex sein und es kann auch mehr als drei Ebenen geben, maximal jedoch fünf. Und muss man es erwähnen? Ja! – Auslöser der meisten Trophischen Kaskaden ist der Mensch, der oft und falsch in Ökosysteme eingreift. Die Erkenntnisse über dieses Phänomen bieten uns allerdings auch die Chance der Korrektur. Eine solche Korrektur ist die Wiederansiedlung von Wölfen in Deutschland.

*Komplexere Beziehungen die in der Nahrungskette nicht dargestellt werden können, werden in Nahrungsnetzen verdeutlicht.

Die folgenden Bilder des Europäischen Grauwolfs wurden aufgenommen: im Tierpark Worms, Alte Fasanerie Klein-Auheim, Tier- und Pflanzenpark „Fasanerie“ Wiesbaden und Tiergarten Weilburg.

Die folgenden Bilder der Timberwölfe sind im Mai 2023 im Erlebnis-Zoo Hannover entstanden. Timberwölfe sind die nordamerikanischen Verwandten unserer einheimischen Grauwölfe.

Polarwolf + Tundrawolf

Wölfe bevölkerten die gesamte nördliche Halbkugel. Die Einteilung in Untergruppen fällt schwer, da es viele Gemeinsamkeiten gibt und sich benachbarte Populationen durchaus vermischt haben könnten. Nach ihrem Verbreitungsgebiet kann man zwischen den Eurasischen Wölfen und den auf dem nordamerikanischen Kontinent verbreitenten Wölfen unterscheiden. Den Polarwolf oder Arktischer Wolf (Canis lupus arctos) finden wir in der kanadischen Arktis und Grönland. Zu den amerikanischen Tundra Wölfen zählen der Barron-Ground Wolf oder Alaska-Tundrawolf und der Hudson Bay Wolf. Der Tundrawolf (oder Turukhanwolf (Canis lupus albus) lebt im nördlichen Eurasien von Finnland bis Kamtschatka. Alle diese Unterarten haben eine sehr helle bis weiße Fellfarbe. Für mich gehören sie zu den beeindruckendsten Wölfen. Daher widme ich ihnen diesen Beitrag.

Das Verbreitungsgebiet dieser weißen Wölfe ist sehr lebensfeindlich insofern mussten sich die Tiere im Laufe der Evolution an Kälte und begrenzte Nahrungsressourcen anpassen. Im Unterschied zu den Grauen Wölfen in den südlichen Verbreitungsgebieten ist ihr Fell dichter und länger, sie sind kräftiger und die Sozialstrukturen sind noch enger.

Die Größe eines Rudels wird vom Nahrungsangebot bestimmt. Es können 5 aber auch 25 Tiere pro Rudel sein. In der kargen Landschaft in der sie leben, fressen sie sozusagen alles was sich bewegt, vom kleinen Lemming, Schneehasen bis zu Karibus oder Moschusochsen. Je größer die Beute umso mehr Rudelmitglieder sind erforderlich, um gemeinschaftlich diese zu erlegen.

Welpen kommen im März und April zu Welt. Normalerweise sorgt nur das Alphapaar für Nachwuchs. Die Welpen werden vom ganzen Rudel großgezogen. Eigentlich müsste man sagen „umsorgt“ und bewacht, wenn die Alphahündin zur Jagt unterwegs ist. Alle Rudelmitglieder erhalten einen Anteil an der Beute, auch wenn sie zum Schutz der Jungen bei der Wurfhöhle bleiben mussten oder sie sich beim Jagen getrennt hatten. Der Umgang untereinander ist überwiegend sehr freundlich. Allerdings verteidigen die Alphatiere ihre Position auch gnadenlos und schützen ihr Rudel konsequent. In einer Dokumentation des ARD* ist zu sehen, dass ein Muttertier versehentlich eine Wurfhöhle im Revier eines fremden Rudels bezogen hatte. Sie wurde entdeckt und trotz aller Ablenkungsmanöver, die Wurfhöhle aufgespürt und die Welpen alle getötet. Es sind sehr verstörende Bilder aber das eigene Überleben hat in der kargen lebensfeindlichen Landschaft oberste Priorität. Allerdings haben diese Lebensbedingungen sie auch weitestgehend vor dem Zugriff der Menschen bewahrt, sieht man von den Inuit ab, die Polarwölfe wegen ihres Fells jagen. Der Bestand an Polar- und Tundrawölfen ist weitestgehend stabil.

*sehr empfehlenswert: „Polarwölfe – Überleben in Kanadas Arktis“ in 3 Teilen zu finden in der ARD-Mediathek.

Für uns Besserwisser: Wölfe heulen den Mond an. – Nein, das ist ein Märchen und ja natürlich heulen Wölfe auch bei Vollmond, denn da ist es heller und besser zum Jagen, was sie so dem Rudel mitteilen – aber sie heulen ihn nicht an. Das Wolfsheulen dient der Verständigung unter Rudelmitgliedern, zur Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht oder zur Abgrenzung ihres Reviers gegen Eindringlinge, seien es andere Wölfe oder Menschen. Im Alter von 4 Monaten lernen Welpen bereits das Heulen und somit die spezifischen Töne, die für ihr eigenes Rudel typisch und unverwechselbar sind.

Die folgenden Bilder der Hudson-Bay Wölfe wurden aufgenommen im Oktober 2021 im Zoo Duisburg

Die Bilder der Polar Wölfe wurden aufgenommen im Januar 2021 im Wildpark „Alte Fasanerie“ Klein-Auheim bei Hanau

Mähnenwolf

Ein Wolf der keiner ist.

Auch wenn sein Aussehen an einen hochbeinigen Fuchs erinnert, ist er mit den südamerikanischen Vertretern dieser Art wie zum Beispiel den Kampfüchsen* oder Waldhunden nur sehr entfernt verwandt. Dies gilt auch für eine Verwandtschaft mit Wölfen,trotz des irreführenden Namens. Charakteristisch ist jedoch die dunkel gefärbte Mähne im Nacken-/Schulterbereich. Dieser Teil des Namens ist also korrekt. Bereits bei seiner Einwanderung aus dem nördlichen Teil Amerikas hatten sich die Entwicklungslinien getrennt und so wird er heute als eine eigene Art (Chrysocyon brachyurus) unter den Wildhunden klassifiziert. Mit dem Ende des Pleistozäns vor ca. 12.000 Jahren ist er auch der letzte Überlebende der südamerikanischen Großtierfauna.

Ursprünglich waren Mähnenwölfe in den offenen südamerikanischen Graslandschaften** und deren Überschwemmungswäldern zuhause. Bejagung und Lebensraumzerstörung haben dazu geführt, dass sie nur noch in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Peru und einige wenige in Uruguay überleben konnten.

Im Gegensatz zu ihrer entfernten Verwandtschaft bilden sie keine Rudel. Sie jagen, auch wenn sich Männchen und Weibchen in einem gemeinsamen Territorium für längere Zeit zusammentun, immer einzeln. Auf dem Speiseplan stehen kleine Nager und anderes Kleingetier aber auch vegetarische Kost. Im Zoo kann man beobachten, dass gemeinsam gehaltene Tiere für das Fressen verschiedene Plätze in ihren Gehegen aufsuchen und „eifersüchtig“ darauf achten, dass die Fresskonkurrenz gehörigen Abstand hält. Trotz ihrer langen Beine sind Mähnenwolfe keine Jäger, die ihre Beute hetzen, sondern sie pirschen sich an. Dabei sind in der Graslandschaft lange Beine und große Ohren sehr von Vorteil.

Mähnenwölfe bewegen sich im Passgang, sie setzen also fast gleichzeitig den Hinter- und Vorderlauf einer Seite auf den Boden. Trotz dieser schlendernden Bewegung sind sie sehr schnell unterwegs. Je schneller sie werden umso mehr wird der Kopf nach vorne gestreckt und die Schnauze immer tiefer gesenkt. Mit schnellen steilen Sprüngen überwinden sie Hindernisse oder überraschen damit ihre Beute von oben.

Obwohl Einzelgänger ziehen Wölfin und Wolf den Nachwuchs gemeinsam auf. Dies wurde allerdings hauptsächlich in Zoos beobachtet. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird in Leipzig geführt. Die erste erfolgreiche Aufzucht von Welpen durch das Muttertier gelang 1967 in Frankfurt. In 15 Zoos im deutschsprachigen Raum kann man die Tiere bewundern und riechen. (sie verströmen einen intensiven Geruch).

*Achtung richtig lesen – von spanisch Campos oder dem indigen Quechua Pampa = baumlose Ebene

**südamerikanische Graslandschaften:

Pampa – ist eine weitgehend flache, gehölzlose Graslandschaft im südöstlichen Südamerika, die sich in einem großen Bogen um den Río de la Plata erstreckt und einen bedeutenden Teil Argentiniens, ganz Uruguay und einen kleinen Teil von Südost-Brasilien einnimmt. Im engeren (ökologischen) Sinne ist es ein steppenähnliches, subtropisches Grasland.

Chaco – Der Gran Chaco bedeckt eine riesige Fläche von Bolivien bis in die argentinische Provinz Santa Fé und vom Andenrand bis an die Flüsse Paraguay und Paraná.

Cerrado – Der Cerrado liegt etwa 300-600 m.ü.M. mit Tafelbergen, die bis zu 1’600 m hoch sind. Das Klima ist tropisch-halbfeucht. Die Mittlere Jahrestemperatur liegt bei 20 bis 27°C. Die locker stehenden, zumeist immergrünen Bäume werden überwiegend 3-5 m hoch. Die Grasnarbe verschwindet während der von Mai bis September dauernden Trockenzeit. Der Cerrado bedeckt 21% der Landfläche Brasiliens.

Llanos und Chapparales – Als Chapparales werden die offenen Baumsavannen Kolumbiens und Venezuelas bezeichnet, deren Vegetation jener des Cerrado ähnelt. Sie liegen eingestreut in die Llanos, die während der Regenzeit regelmäßig überschwemmten Grassavannen des Orinoko-Gebiets.

Für uns Besserwisser:

In Südamerika hat der Mähnenwolf folgende Namen:

  • aguará guazú in Paraguay
  • aguara guasu“ in der Tupi-Guarani Sprache (großer Fuchs)
  • borochi in Bolivien.
  • lobo de crin in Peru
  • lobo de los esteros (Wolf der Sümpfe)
  • lobo colorado (Rotwolf)
  • lobo guará in Brasilien (Mähnenwolf)

Falklandwolf – Noch ein Wolf der keiner war, sondern ein Fuchs. Beheimatet auf den Falklandinseln wurde er noch von Charles Darwin beschrieben. Der letzte seiner Art wurde 1876 erlegt.

Die Bilder entstanden 2022 im Zoo Nürnberg und in der Wilhelma Stuttgart

Die folgenden Bilder entstanden 03/2023 im Zoo Augsburg