Kamele I

Systematik / Altweltkamele

Wir Menschen neigen ja dazu Tieren spezielle menschliche Eigenschaften anzudichten und im Falle des Kamels, uns sogar untereinander mit Kamel zu beschimpfen. Schande über uns! Selbst Alfred Brehm, der es eigentlich besser wissen musste, hatte sie als stumpfsinnig, störrisch, dumm gleichgültig und feige beschrieben. Aber vielleicht war das Verhalten der Tiere eine Reaktion auf die schlechte Behandlung durch Treiber und Reiter? In arabischen und asiatischen Ländern steht das Kamel für Ausdauer, Zähigkeit und Schnelligkeit. Nicht die schlechtesten Eigenschaften. Auch das Lama hat seinen Ruf weg, wenn wir Menschen so bezeichnen (wobei mir hier ein h fehlen würde 😊). Die südamerikanischen Bauern werden die Bedächtigkeit und Trittsicherheit und Ausdauer der Tiere jedoch schätzen. Aber dazu später mehr.

Werfen wir zunächst einmal einen Blick in die zoologische Systematik. Kamele gehören der Ordnung „Paarhufer“ an. Charakteristisch für diese Ordnung ist die Anzahl der Zehen, eben 2 oder 4. Im Gegensatz zu Pferden oder Esel, die als „Unpaarhufer“ auf einer ungeraden Anzahl Zehen laufen. Ausschließlich Kamele werden in einer Unterordnung „Schwielensohler“ eingeordnet, da bei ihnen die Zehen auf einem elastischen Polster aus Bindegewebe ruhen, das eine breite Sohlenfläche bildet. Die folgende Gruppe ist Familie mit dem Oberbegriff „Kamele“. Es werden „Altweltkamele“ und „Neuweltkamele“ unterschieden. Das Tableau endet bei den Altweltkamelen mit drei Arten – Dromedar / Trampeltier/ Wildkamel und bei den Neuweltkamelen in vier Arten mit Guanako/Lama und Vikunja/Alpaka. Trampeltiere werden auch Baktrische Kamele genannt.

Wie so oft gibt es über diese Tiere so viel zu erzählen und Wissenswertes, dass ich daraus zwei Beiträge machen musste. Wir beginnen mit dem

Altweltkamel

Während beim Dromedar keine Wildform mehr existiert, (man geht davon aus, dass diese zum Beginn unserer Zeitrechnung ausgestorben war) gibt es noch eine kleine Anzahl von zweihöckrigen Wildkamelen. Etwa 1000 Exemplare leben verteilt in Schutzgebieten in China und im großen Gobi Schutzgebiet A in der Mongolei. Und wer meinen Beitrag über die Przewalski-Pferde gelesen hat, dem wird dieses Gebiet etwas sagen, denn es ist auch Auswilderungsgebiet für eben diese Pferde, die aus verschieden Zoos in Europa und USA dorthin gebracht werden. Auch der Name des russischen Forschers Nikolai Prschewalski begegnet uns nun wieder, war er doch der erste, der die Wildkamele im Gebiet von Lop Nor* beschrieben und einige Felle nach St. Petersburg gebracht hat. Das folgende Bild, das ich aus Wiki Commons entnommen habe, zeigt eine Herde Wildkamele in der Mongolei. Wildkamele sind gut von der domestizierten Form zu unterscheiden. Sie haben kleine spitze Höcker und einen flachen Schädel und sind etwas kleiner als die Hauskamele. Ihr Haarkleid ist sandfarben und so perfekt ihrem Lebensraum angepasst.

Benutzer:Doron (GFDL <http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html&gt; or org/licenses/by-sa/3.0/CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.&gt;), via Wikimedia Commons
Baktrische Kamele an den Sanddünen von Khongoryn Els, Nationalpark Gobi Gurvansaikhan, Provinz Ömnögovi, Mongolei.


Die Stammesgeschichte der Schwielensohler beginnt vor etwa 40 – 50 Mio. Jahren im mittleren Eozän mit einem etwa hasengroßen Tier in Nordamerika das Poebrodon genannt wird. In den nachfolgenden Epochen des Miozän und Pliozän bildeten sich etwa 20 verschiedene Gattungen daraus, deren Vorkommen sich ausschließlich auf den amerikanischen Kontinent zwischen Honduras und Kanada (Ellesmere Island) beschränkte. Die ersten Vertreter hatten noch keine Höcker. Es entstanden verschiedene Formen von Kamelen, die sich vor etwa 16,3 Mio. Jahren in die Stämme der Groß- und Kleinkamele trennten. Im späten Miozän vor etwa 7,5 – 6,5 Mio. Jahren wanderten Großkamele über die Bering-Landbrücke in Richtung Eurasien. Darunter auch Megacamelus mit einer Höhe von etwa 3,75 m und einem geschätzten Gewicht von bis zu 3000 kg waren sie wahre Giganten. Paracamelus gelten als direkte Vorfahren der heutigen Kamele. Ihre Fossilien und die ihrer Verwandten Arten wurden überwiegend in Asien, auf der arabischen Halbinsel aber auch in Europa gefunden. Forschende der Veterinärmedizinischen Universität Wien stellten durch Gensequenzierung fest, dass sich die Wildkamele vor etwa 700.000 Jahren von den Trampeltieren getrennt hatten und so eine neue Art entstanden war.

Mit dem Auftreten des Menschen in Nordamerika vor 11400 – 10000 Jahren verschwanden 17 Gattungen der dort lebenden eiszeitlichen Megafauna. Hauptsächlich Tiere die über 45 kg wogen, u.a. alle Mastodons und Mammuts, Säbelzahnkatzen, Riesenfaultiere und alle Kamele. Das nährte Überlegungen einer „Overkill-Hypothese“ durch menschliche Einflüsse. Allerdings werden auch Klimaveränderungen für das Aussterben in so kurzer Zeit mitverantwortlich gemacht.

Dromedare und Trampeltiere eroberten also von Osten kommend ihre neuen Lebensräume. Verwunderlich allerdings, dass beide Arten in eigentlich sehr lebensfeindlichen Gegenden unserer Erde Heimat fanden. Vielleicht war die Bedrohung durch Fressfeinde dort nicht so groß. Auf alle Fälle konnten Sie ihre Überlebensstrategien hier perfekt entwickeln. Dromedare leben in einem Wüstengürtel, der von Mauretanien bis Indien reicht. Sie bevorzugen also trockenes, heißes Klima. Trampeltiere hingegen finden wir in Zentralasien, der Mongolei und in China. Sie leben im Grasland, in Halbwüsten und winterkalten Wüsten mit extremen Temperaturschwankungen. Die Verbreitung überlappt in Kasachstan. Dass Altweltkamele heute in vielen Gegenden der Welt vorkommen hat natürlich mit menschlichem Einfluss zu tun. So verschiffte Carl Hagenbeck ab 1905 etwa 2000 Dromedare von Ostafrika nach Namibia zur Unterstützung der dortigen deutschen „Schutztruppen“. Die Tiere hatten jedoch zum Glück auf den Genozid an den Herero und Nama keinen Einfluss. Ihre Nachkommen leben aber noch heute dort. 1840 kam das erste Dromedar nach Australien. Die Engländer wollten mit ihrer Hilfe das trockene Hinterland erkunden und es waren Kamelkarawanen, die das Material für den Bau von Straßen und Eisenbahnstrecken transportierten. Da man aber in Australien (wie übrigens auch in Namibia) keinerlei Erfahrungen mit den Tieren hatte, holte man auch Kamelführer aus Indien und Afghanistan**. Mit dem Bau von Eisenbahn und anderen motorisierten Fortbewegungsmitteln wurden die Kamele überflüssig und freigelassen. Sie vermehrten sich mangels natürlicher Feinde prächtig. Bis es den Farmern zu viel wurde und man sie zum Abschuss freigab. Heutige Schätzungen gehen von etwa 400.000 Tieren aus. Weltweit soll es etwa 40 Mio. Dromedare und 1 Mio. Trampeltiere geben. Wildkamele hingegen gehören zu den gefährdetsten Säugetieren auf unserem Planeten und selbst strenge Schutzmaßnahmen werden ihr Verschwinden vielleicht nicht mehr aufhalten.

Dromedare mit Jungtier im Zoo Landau


Wie schaffen es Kamele bei solch widrigen Verhältnisse zu überleben und ihre Dienste auch noch für den Menschen nutzbar zu machen? Kamele verfügen über einen ausgeklügelten Wasserhaushalt im Körper, der es ihnen erlaubt sehr sparsam mit dem kostbaren Gut umzugehen. Zunächst einmal bleibt ihr Blut auch bei hoher Verdunstung dünnflüssig. Bei uns Menschen wird das Blut bei großer Hitze und der damit verbundenen Verdunstung immer dicker, läuft nicht mehr durch die Blutbahnen es kommt zum Hitzschlag. Die menschliche Körpertemperatur ist auf 36° C festgelegt. Übersteigen die Temperaturen diesen Wert, fangen wir an zu schwitzen um diese Temperatur zu halten. Bei Trampeltieren und Dromedaren kann die Körpertemperatur jedoch um bis zu 6° schwanken, mit dem Resultat, dass sie erst viel später anfangen zu schwitzen. Die Höcker sind Fettspeicher und da Fett Wärme schlecht leitet schützen sie den Körper vor Überhitzung durch übermäßige Sonneneinstrahlung. Wildkamel sind sogar in der Lage salzhaltige Pflanzen zu fressen und aus Salztümpeln zu trinken.
Ein weiteres Phänomen ist die Aufnahme von Wasser. Wir Menschen gleichen den Verlust an Wasser nur aus, in dem wir über mehrere Stunden verteilt trinken und evtl. sogar essen müssen. Kamele haben ovale rote Blutkörperchen (unsere sind rund). Sie versetzen die Tiere in die Lage in etwa 10 Minuten 135 l Wasser zu trinken.

*Lop Nor (Lop Nur) – bezeichnet einerseits eine Wüste andererseits einen heute ausgetrockneten See.  Die Sand- (im Westen) und Salzwüste (im Osten) liegt im östlichen Teil des Tarimbeckens im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Der Lop Nor See liegt an der tiefsten Stelle des Tarimbeckens und war einer der  größten Binnen-Salzseen der Erde. Über das gesamte Gebiet finden wir in Wikipedia folgenden Eintrag:

Geschichte & Wandel

  • Die Austrocknung: Ursprünglich war Lop Nor (uighurisch für „großer See“) das tiefste Becken der Region. Durch den Bau von Staudämmen und die Nutzung des Zuflusses (Tarim-Fluss) für die Landwirtschaft trocknete der See 1972 vollständig aus.
  • Archäologie: Am Ufer des Sees lag einst die legendäre antike Oasenstadt Loulan. Sie war ein Knotenpunkt der Seidenstraße und blühte, bis der See vor über 1.500 Jahren das erste Mal schrumpfte.

Das chinesische Kernwaffentestgelände

  • Die Region um Lop Nor ist eines der historisch wichtigsten Atomtestgebiete der Welt.
  • Zwischen 1964 und 1996 wurden dort insgesamt 45 ober- und unterirdische Atomtests (darunter die ersten Wasserstoffbomben des Landes) durchgeführt.
  • Seit dem Stopp der Testprogramme 1996 ist das Gebiet als militärisches Sperrgebiet deklariert.

Wirtschaft & Naturschutz

  • Rohstoffabbau: In der kargen Salzwüste betreibt China heute massiven industriellen Bergbau. Die Region ist eine der weltweit größten Quellen für Kalisalz.
  • Naturreservat: Seit 1999 existiert in dem Gebiet das Lop Nor Wild Camel National Nature Reserve. Es wurde eingerichtet, um die extrem seltenen und vom Aussterben bedrohten Wildkamele zu schützen, die in dieser unwirtlichen Landschaft überleben.

**Ghan – The Afghan Express wird der Zug genannt, der heute von Darwin nach Adelaide verkehrt. Der Name ist eine Erinnerung an die Kamelführer aus Afghanistan aber auch British-Indien, die man alle „Afghans“ nannte.

Für uns Besserwisser: Baktrisches Kamel – Baktrien ist der historische Name eines Gebietes, das im Norden des heutigen Afghanistans und im Süden der zentralasiatischen Staaten lag. Es wird auch Tor zur Seidenstraße genannt Der schwedische Naturforscher und Begründer der modernen zoologischen Taxonomie Carl von Linné vergab 1758 den wissenschaftlichen Namen „Camelus bactrianus“ für die (domestizierten)  Trampeltiere, deren Herkunft er in Baktrien verortete. Nikolai M. Prschewalski nannte die von ihm entdeckten Wildkamele „Camelus ferus“.

Trampeltiere in den Zoos von Köln, Opel-Zoo Kronberg, in der Wilhelma, Heidelberg und Frankfurt. Beitragsbild Zoo Krefeld

Außer der Internet-Recherche zu beiden Beiträgen waren mir folgende Bücher eine große Hilfe:

Grzimeks Tierleben, Säugetiere 4
Auf dem Rücken der Kamele, Weltmuseum Wien
Auf den Spuren der letzten wilden Kamele, John Hare

Kamel II

Neuweltkamele / Domestikation und Bedeutung der Kamele für die Menschen.

In dieser Fortsetzung zum Beitrag „Kamele“ geht es nun um die höckerlosen Kleinkamele der Neuen Welt. Außerdem betrachte ich die  Bedeutung für die Menschen die Kamele domestiziert und nach ihren Wünschen gezüchtet haben bzw. das immer noch tun.

Falls ich euch mit der Systematik der Neuweltkamele etwas verwirrt habe, hier noch einmal zur Klarstellung: Es gibt zwei Wildformen und zwei daraus domestizierte Arten. Die wildlebenden Stammformen sind Vikunjas und Guanakos, die daraus hervorgegangenen Hausformen sind Alpakas und Lamas. Ihre höckerlosen Vorgänger eroberten von Mittel- und Nordamerika über den Isthmus von Panama den Westen und Süden des südamerikanischen Kontinents.

Guanakos im Opel-Zoo und Zoo Leipzig


Das Verbreitungsgebiet der Guanakos sind die Anden von Peru, Bolivien und Chile bis etwa 4000 m Höhe sowie Patagonien. Ihr Lebensraum ist das Grasland, die Steppen und Halbwüsten sowie Hochebenen wie das Altiplano. Hier finden sie ihre Nahrung, die aus Gräsern, Kräutern und Moosen besteht. An Hitze und Kälte sind sie genau wie Vikunjas bestens angepasst. Vikunjas sind echte Gebirgstiere, die sich in Höhen von 3500 bis zu 5000 m besonders wohlfühlen. Man findet sie deshalb in den sogenannten Hochanden von Ecuador, Bolivien, Peru Argentinien und Chile. Alpakas werden in Peru (4 Mio.) und Bolivien (450.000) gehalten, Lamas in Bolivien (2 Mio.) und Peru (750.000). Die unterschiedlichen Bestände sind auf Ansprüche der Tiere an ihren Lebensraum zurückzuführen. Das bolivianische andine Hochplateau ist trocken und somit für Lamas besser geeignet.

Vikunjas im Zoo Frankfurt, Wilhelma und Hellabrunn


Die vier Arten lassen sich recht gut unterscheiden. Guanakos und Lamas sind die größeren der vier Arten mit langen Beinen und einem eher kleinen Kopf auf einem langen Hals. Vikunjas sind kleiner und zierlicher, haben aber auch einen langen Hals. Angepasst an die extremen Temperaturen in ihrem Lebensraum ist ihr Fell wollig, weich und sehr fein.  Alpakas sind unwesentlich kleiner als Lamas mit einem ähnlichen Körperbau. Da sie zur Wollerzeugung gezüchtet wurden, tragen sie ein dichtes Haarkleid, das sie sehr kompakt wirken lässt. Wie bei den Großkamelen haben auch die wilden Vertreter der Kleinkamele einheitliche Fellfarben. Während die Oberseite zimtfarben, rotbraun (Vikunja) oder hellbraun (Guanako) ist, sind die Tiere auf der Unterseite weiß gefärbt. Bei Lamas und Alpakas finden sich verschiedene Farbschläge bzw. auch gefleckte Tiere.

Lamas und Alpakas spuken. Normalerweise trifft dies Artgenossen, um z.B. die Rangfolge zu klären oder weibliche Tiere spuken um aufdringliche Männchen von einer Paarung abzuhalten. Da es sich dabei um Magensäfte handelt und sie sehr treffsicher sind, sollte man darauf achten, die Tiere niemals zu provozieren. Bei angelegten Ohren und aufgestelltem Schwanz ist Vorsicht geboten.

Domestizierte Kameliden

Hunde, Pferde, Kamele und unsere übrigen Haustiere – was wäre die Menschheit ohne sie? Haustiere haben unseren Vorfahren ermöglicht ein sesshaftes Leben zu führen, effektiv zu jagen, den Boden zu bestellen, Waren und Menschen über weite Strecken zu transportieren aber auch Tod und Vernichtung über andere Völker zu bringen. Groß- und Kleinkamele haben hierbei meiner Meinung nach einen besonderen Status unter den Haustieren. Mit ihren Fähigkeiten haben sie es Menschen erst ermöglicht in unwirtlichen Gegenden dieser Welt zu (über-) leben.

Von wem die Annährung ausgegangen ist weiß man nicht genau. Haben die Tiere die Nähe des Menschen gesucht oder umgekehrt. Der erste Schritt einer Domestikation ist immer, die Angst vor seinem Gegenüber zu verlieren. Es folgt der lange Prozess einer wechselseitigen Annährung, die letztendlich zur Zahmheit der Tiere führt. Veränderungen in Gestalt und Anatomie sowie bei Stoffwechsel, Wachstum und Fortpflanzung gehen mit dem Übergang vom Wildtier zum Haustier einher. *

Für die Menschen bedeutete es zunächst, Verantwortung und Sorge für ihre neuen Hausgenossen zu übernehmen. Durch Zucht und Selektion konnte im Verlauf der Zeit der Nutzen gesteigert werden, was die Haustiere immer wertvoller für ihre Besitzer machte.

Die Domestikation der Dromedare begann vor etwa 3000 – 4000 Jahren an der Südküste der Arabischen Halbinsel, die der Trampeltiere (Baktrische Kamele – siehe Kamele I) vielleicht in der historischen Region Baktrien (im Nordosten des Iran) vor 5000 – 6000 Jahren. Bei den Kleinkamelen in Südamerika untermauern archäologische Ausgrabungen einem Zeitraum vor 6000 – 7000 Jahren.

Eine besondere Gefahr birgt allerdings die Hybridisierung, also das Einkreuzen von Wildtieren bei Haustieren, um die Robustheit oder Ausdauer der Haustiere zu steigern. Insbesondere sind dadurch die Wildbestände von Przewalski-Pferden und Kamelen gefährdet. Sie teilen sich den Lebensraum mit ihren domestizierten Verwandten und durch das Einkreuzen geht der Genpool der Wildform verloren, was letztendlich zum Aussterben der wildlebenden Pferde und Kamele führen würde. 

Lamas im Zolli Basel


Die Bedeutung für die Menschen

Ursprünglich nutzten die Kamelhirtenvölker ihre Tiere in unterschiedlicher Weise entsprechend ihrer Kultur und der Traditionen. Arabische Beduinen verwerteten praktisch alles was ein Kamel liefern konnte, Milch, Fleisch, Wolle, Leder oder Dung. Außerdem leisteten die Dromedare wertvolle Dienste beim Transport von Waren oder als Reittiere. Andere Ethnien, wie die Somalier am Horn von Afrika, nutzen ihre Tiere fast ausschließlich als Milchlieferanten. Bei den Raika, einer Hindu-Kaste in Rajasthan, war es undenkbar, ein Kamel zu schlachten oder die Milch zu verkaufen. Lamas dienten ihren Besitzern als Transporttier und Fleischquelle, während Alpakas zur Wollproduktion gehalten wurden und werden. Bei allen Hirtenvölkern waren die Tiere nicht nur hochgeschätzt, sondern hatten fast den Status eines Familienmitglieds, ein Zeichen der Abhängigkeit von den Haustieren.

Heute treten Traditionen und Kultur in den Hintergrund, Optimierung ist das Zauberwort. Es wird gekreuzt was das Zeug hält, um Woll-, Fleisch- und Milcherträge zu steigern. So sind in Ostafrika große Molkereien und Schlachtereien entstanden, um die steigende Nachfrage zu befriedigen. Größter Kamelmilchproduzent ist jedoch Kasachstan, dessen Trockenmilch in China reißenden Absatz findet. Da in den arabischen Ländern die Dromedare als Transportmittel zunehmend an Bedeutung verloren haben, werden die Tiere für den Rennsport gezüchtet und trainiert. Dafür ist in den Ölstaaten eine regelrechte Industrie entstanden.

In Südamerika geraten die Halter von Alpakas und Lamas zunehmend unter Druck, da es immer schwieriger wird, die Vorgaben aus USA oder Europa an die Haltung, Ernährung und Qualität der Wolle zu erfüllen. In der Folge bleibt für die Hirtenfamilien immer weniger Ertrag, da sie auf die internationalen Marktpreise keinen Einfluss haben.

Nachdem man in Australien jahrelang die wild lebenden Dromedare abgeschossen hat, werden sie in der Zwischenzeit „geerntet“, um Fleisch und Milch zu gewinnen. In Europa und USA werden Alpakas und Lamas vielfach als Therapietiere eingesetzt, eine Art der Nutzung welche den natürlichen Sanftmut der Tiere nutzt.

Alpakas im Tierpark Schwarzach, Zoo Frankfurt und Karlsruhe


Für uns Besserwisser: „domestizierte Kameliden“ diese Bezeichnung umfasst Dromedare, Trampeltiere, Alpakas und Lamas, also nicht deren wilde Verwandte, Wildkamele, Vikunjas und Guanakos.

*Domestikationssyndrom – So werden Veränderungen im Verhalten und im Aussehen bei Tieren genannt, die in menschlicher Abhängigkeit leben. Das betrifft z.B. Zahmheit gegenüber Menschen, Fellfarben, Größe und ein kleineres Gehirn.
Während ich dies schreibe kommt mir ein Gedanke. Sind wir Menschen nicht auch domestiziert und sind wir nicht auch auf dem Weg zu einer Abhängigkeit z.B. von Social Media und KI … Es ist nur so ein Gedanke liebe Leserinnen und Leser.