Bei Nachforschungen im Web und den Recherchen zu Themen rund um Vögel, taucht immer wieder der Name Weltvogelpark auf. Irgendwann in 2025 fand ich es ist an der Zeit, mich auf den langen Weg von Südhessen nach Walsrode in der Lüneburger Heide zu machen. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, es wird nicht mein letzter Besuch gewesen sein.
Geschichte
Fritz Geschke ein Kaufmann aus Walsrode hatte ein besonderes Hobby. Er züchtete Wasservögel und Fasane. Er muss wohl sehr erfolgreich mit seinem Hobby gewesen sein, denn es bot die Grundlage um 1962 den Vogelpark in Walsrode zu gründen. Bereits zwei Jahre später übergab er den Park an Tochter und Schwiegersohn, Uschi und Wolf Brehm. Die Beiden hatten große Pläne und setzten diese in den Folgejahren konsequent um. Bis 1970 verdoppelte man die Parkfläche und investierte in neuartige, innovative Anlagen. Hervorzuheben wäre zum Beispiel die begehbare Paradieshalle, in welcher Besucher die exotischen Vögel ohne störendes Gitter beobachten können und die in den folgenden Jahren gebaute Freiflughalle. Anlässlich der Expo 2000 in Hannover wurde in Kooperation mit der Indonesischen Regierung die Regenwaldhalle eingeweiht.
In den Jahren nach 2000 schwächelten die Besucherzahlen und der Park schrammte mehrfach an einer Insolvenz vorbei. Besitzer und Konzepte wechselten, bis 2019 eine spanische Unternehmensgruppe den Park übernahm. Der Investor Parques Reunidos betrieb ursprünglich weltweit 60 Wasser-, Tier- und Freizeitparks, davon lagen 30 in Europa. Inzwischen wurden etwa 20 amerikanische Parks an die private Herschend Family Entertainment verkauft.
Im Jahr 2010 wurde der Park in Weltvogelpark Walsrode umbenannt.
Schuhschnabel
Schwerpunkte – Vögel
Auf einer Fläche von 24 ha beherbergt der Park ungefähr 4000 Vögel in ca. 600 Arten. Das sind sehr beeindruckende Zahlen. Zum Vergleich, der Erlebnis Zoo Hannover hat etwa 1470 Tiere in 158 Arten auf fast gleicher Fläche (22 ha). Natürlich haben die großen Säugetiere mehr Platzbedarf als Vögel. Es bedeutet aber auch, dass sich interessierte Besucherinnen und Besucher eher zwei Tage für ihren Streifzug durch den Park reservieren sollten. Einige der Vögel gibt es nur hier zu sehen oder sind in der Natur extrem selten und vom Aussterben bedroht. Für mich war es ein besonderes Erlebnis einen Schuhschnabel beobachten zu können, den es im deutschsprachigen Raum nur hier gibt.
Von der Vielzahl der Anlagen seien folgende erwähnt:
Freiflughalle: Auf 3.000 qm lassen sich tropische Wasservögel wie Roten Sichlern, Rosalöfflern, verschiedenen Entenarten, als auch Riesenwaldrallen oder Wehrvögeln beobachten. Am Strand mit Wellenanlage finden sich Inkaseeschwalben, Ibisse sowie Stelzenläufer. Vogelerlebniswelt „Toowoomba“: In der australischen Vogelerlebniswelt empfangen freifliegende Regenbogenlori-Schwärme die Besucher. Regenwaldhalle: Die Regenwaldhalle ist ein unter dem Motto „Welt Forum Wald“ registriertes Projekt der EXPO 2000. Neben Originalbauwerken wie einem Toraja-Haus aus den Bergen Sulawesis und einer balinesischen Tempelmauer aus Lavagestein gehören über 50 verschiedene Vogelarten in einem begehbaren, tropisch bepflanzten Freiflug sowie in Volieren. Kranichanlage: Der Weltvogelpark Walsrode ist bei der Kranichaufzucht eine der erfolgreichsten Institutionen weltweit und verfügt über eine einzigartige Kranichanlage mit sechs unterschiedlichen Biotopen. Hier und auch im europäischen Teil des Parks werden 8 von 15 weltweit vorkommenden Arten für die Besucher gut sichtbar gehalten und nach Möglichkeit gezüchtet. Papageienhaus und Sittichanlagen
Weitere Anlagen z.B. für: Paradiesvögel, Pinguine, Greifvögel und Uhus
Den Schutz der Harpyie in freier Wildbahn und damit auch den Schutz und die Erholung von Wildbeständen im Iguazú-Nationalpark (Das Beitragsbild oben zeigt einen Harpyie aus den Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas),, die Stiftung Naturschutzpark e.V. Lüneburger Heide hat zur Förderung der Bestände der heimischen Rauch- und Mehlschwalbe ein Artenschutzprojekt ins Leben gerufen, die Katala Foundation, Inc. (KFI) ist eine Naturschutzorganisation, die hauptsächlich im Palawan-Archipel auf den Philippinen tätig ist, ein Projekt für die in ihrem Lebensraum bereits ausgerottete Kangean-Schama, eine Singvogelart, welche nur noch in der Prigen Conservation Breeding Ark (PCBA) auf Java, Indonesien gezüchtet wird, den Verein für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität e.V. Der VLAB setzt sich für die Wiederansiedlung des Habichtskauz ein, außerdem Schutzprogramme für Wiedehopf und Steinschmätzer, Rötelfalke und Humboldt-Pinguin.
Bildung
Es wird ein „aktiver Biologieunterricht im Freien“ für Schulen und Kindergärten angeboten. Meet & Greet mit Pinguinen, Greifvögeln, Eulen oder Papageien für Kinder und Erwachsene. Flugshows im Freien und Indoorshows mit verschiedenen Vogelarten ergänzen das Programm.
Mein Fazit
Der Name sagt es ja schon, es sind nicht nur die zahlreichen Vogelarten die mich begeistert haben, sondern auch die Anlage des Geländes. Eine Parklandschaft mit einer Vielzahl an Rhododendron- und Azaleenbüschen, Rosen in allen Farben und Formen, einem alten Baumbestand, Teichen und Wasserläufen.
Der Artenreichtum, die Formen und Farben der gefiederten Bewohner des Parks ist so beeindruckend, dass man nicht umhinkommt, sich vor Natur und Evolution zu verneigen. Ich bin auch dankbar, dass es Orte wie Zoos, Tierparks und Vogelparks gibt, wo wir zumindest eine Ahnung bekommen, was unsere Welt für Schätze beherbergt und was wir verlieren könnten.
SekretärSchopfkarakaraRiesenseeadler
Thema Bewertungen im Internet
Sicherlich ist dies kein Thema, das nur den Weltvogelpark betrifft. Mir sind aber Bewertungen aufgefallen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte. Beispielsweise sind auf Parkscout die ersten Beurteilungen mit einem Stern sehr negativ. Die Bewertungen wurden jeweils kurz hintereinander abgegeben und allen wurde ein 100% „hilfreich“ attestiert. Ein Schelm der Böses dabei denkt. Es ist mir auch nicht ganz klar, wie solche Spezialisten beurteilen, dass ein Vogel „total abgestumpft“ oder „apathisch“ ist. Auch ein schöner Satz „Hospitalisiert starren sie vor sich hin“.
Ein weiteres Thema das zu negativen Bewertungen führt, sind Hunde da diese im Park verboten sind. Ich stelle mir gerade mal vor, dass sorglose Frauchen und Herrchen mit ihren hochgezüchteten Nervenbündeln in einer Freiflughalle erscheinen…
Ich würde allen raten sich bei Problemen direkt an die Betreiber zu wenden, so könnte man sich bei Bewertungen auf das Wesentliche konzentrieren. An alle Tierrechtler und solche die sich dafür halten sei gesagt, Desinformation und Polemik sind zwar modern, tragen aber nicht zu gegenseitigem Verständnis bei – wohl eher zum Gegenteil.
Genau genommen blickt die Alpensteinbockgeiß nicht von ihrem Felsen nach Stuttgart, sondern nach Bad Cannstatt, dem größten Stadtbezirk Stuttgarts. Und dieser Ort ist nicht nur für seinen „Cannstatter Wasen“ bekannt, sondern auch für 19 Mineralquellen, deren Entdeckung mit der Geschichte der Wilhelma eng verbunden sind.
Geschichte und wichtige Personen
Seit 1816 ist Wilhelm I König von Württemberg. Seine Gattin Katharina von Württemberg (1788–1819) entschließt sich, eine Sommerresidenz für ihre Familie in Bad Cannstatt auf dem Rosenstein bauen zu lassen. Sie verstirbt früh, mit 30 Jahren, aber Wilhelm I erfüllt ihren Wunsch und so beginnen die Bauarbeiten im Jahr 1824. Im zum Schloss gehörenden Park findet man 1829 während der Bauarbeiten Mineralquellen. Auf Wilhelms Wunsch erweitert der Architekt Karl Ludwig von Zanth die Schlossanlage um ein Badhaus (später Wohnhaus), einen Garten und weitere Gebäude. Die auf Wunsch von Wilhelm im „maurischen Stil“ konzipierte Anlage wird von ihm „Wilhelma“ getauft. Mit der Errichtung des „Wintergartens“ wird die Wilhelma 1853 nach den Plänen Zanth’s fertiggestellt. Zanth stirbt 1857. 1864 vervollständigt der Architekt Wilhelm Bäumer mit der „Damaszenerhalle“ die historische Wilhelma. Die Monarchie endet 1919 und sowohl Schloss und Park Rosenstein als auch die Wilhelma gehen in Staatsbesitz über. Die Wilhelma ist bis dato ein botanischer Schaugarten.
Außer der Damaszenerhalle wird die Wilhelma am 19. und 20. Oktober 1944 bei einem Luftangriff völlig zerstört, aber bereits 1949 wieder eröffnet. Der Naturwissenschaftler und Architekt Albert Schöchle, der seit 1933 Direktor des Gartens ist, initiiert zunächst Tierschauen und beginnt 1953 mit dem Bau der ersten dauerhaften Tiergehege. Die Wilhelma wird bis zu seinem Dienstende 1970 erweitert und ist damit zum zoologisch-botanischer Garten geworden.
Schwerpunkte
Wie in den modernen Zoos üblich, hat sich auch die Tierhaltung in der Wilhelma von der Sammelleidenschaft früherer Zoodirektoren dahingehend gewandelt, dass Themenbereiche z.B. nach Kontinenten oder Regionen geschaffen werden. Das hat den Vorteil, dass den Tieren mehr Raum zur Verfügung steht. So ist einer der Schwerpunkte in der Tierhaltung Südamerika (mit einer Freianlage und dem Amazonienhaus) oder die 2022 fertiggestellte Terra Australis.
Im botanischen Bereich ist ein Schwerpunkt kaum auszumachen, zu groß ist die Vielfalt der Pflanzen. Als Beispiele seien genannt: die historische Gewächshauszeile mit Ananasgewächsen, Orchideen und Insektivoren, das Maurische Landhaus mit Baumfarnen oder der kleine Mammutbaum-Wald der im Todesjahr Wilhelms (1864) gepflanzt wurde.
Artenschutz und Zucht
In der Wilhelma leben etwa 11.000 Tiere in 1200 Arten*. Zu den besonderen Zuchterfolgen in den letzten Jahren gehören die Geparden-Fünflinge (2022), ein Schabrackentapir (2022), Serval Zwillinge (2023), Hirscheber (2024), Riesentukane und Ende 2024 Zwillinge bei den Koalas. Aus meiner Sicht auch etwas Besonderes, die seit 1989 erfolgreiche Nachzucht von Okapis mit bisher 14 Jungtieren (davon 2022 gleich zwei).
Für den aktuellen Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin und sein Team hat Artenschutz oberste Priorität. So hat der Zoo alleine 2024 etwa 1 Million Euro in verschiedene Projekte auf allen Kontinenten investiert. Von den 40 Projekten, die teilweise über viele Jahre unterstützt werden, seien folgende genannt:
Wiederaufforstungen in Lebensräumen des Orang-Utans in Indonesien, Schaffung und Überwachung von Brutplätzen für Hornvögel in Thailand, Schutz von Berggorillas und Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo, Unterstützung der ecuadorianischen Organisation Jocotoco beim Kauf und der Renaturierung von Land, Kurzfristige Rettung und Wiederauswilderung von Jungtieren der Unechten Karettschildkröte über einen Nothilfe-Fond in Südafrika.
Ein Ziel von Zoos sollte es sein, Tiere die im Zoo geboren wurden, wieder in ihre angestammten Lebensräume auszuwildern sofern dies möglich ist. Voraussetzungen sind u.a. Machbarkeit, der Schutz der Tiere vor Ort und ausreichende Nahrungsvorkommen. So konnten Steinböcke, Gänsegeier, Moorenten und Seeadler erfolgreich ihren Weg von der Wilhelma in die Wildbahn antreten.
Da auch Pflanzen vom Aussterben bedroht sind, engagiert sich die Wilhelma ebenfalls auf diesem Sektor. So gibt es einen internationalen Samenaustausch zu dem die Wilhelma mit der Verteilung von Samen an 130 botanische Einrichtungen beiträgt. Für eine Ex-situ** Sammlung der „Glänzenden Seerose“ übernahm die Wilhelma die Verantwortung. Sollte diese Pflanze aufgrund des Klimawandels oder durch menschliches Zutun in der Natur aussterben, können Samen aus der Wilhelma diese Art retten.
*Diese Zahlen erscheinen mir etwas zu hoch, leider werden von der Wilhelma keine jährlichen Bestandszahlen veröffentlicht. Oder habe ich etwas übersehen? Laut A.Sheridans Zoohandbuch waren es am 31.12.2018 (ohne Amphibien, Insekten und Fische) 2243 Tiere in 391 Arten. **ex situ: außerhalb des natürlichen Lebensraums, also im botanischen Garten oder im Zoo.
Glänzende Seerose (Nymphaea candida)
Bildung
Zwei Diplom-Biologinnen leiten die Wilhelma Schule. Ein breites Angebot für Kinder und Schüler aller Altersklassen vermittelt Wissen zu zoologischen, botanischen und ökologischen Themen. Für Lehrerinnen und Lehrer werden umfangreiche Weiterbildungskurse in Sachen Botanik und Zoologie angeboten.
FuchsweberKoalaGoodfellow-Baumkänguru
Mein Fazit
Aus der Länge dieses Beitrages kann man schon ableiten, dass dies einer der Zoos ist, die mir besonders am Herzen liegen. Der historische Kern mit Gebäuden, die mit der Gartenanlage ein phantastisches Arrangement bilden. Vielfältige botanische Besonderheiten, die ergänzt durch unzählige Vogelvolieren und eine Großvoliere, immer zum Verweilen und Beobachten animieren sowie die Artenvielfalt und weitläufige moderne Anlage rücken die Wilhelma in meiner persönlichen Beliebtheitsskala ganz nach oben.
Zukunft
Nach der Eröffnung der „Terra Australis“ folgt nun die Erweiterung der Anlage, um weiteren Tieren von Down Under ein angemessenes Zuhause zu bieten. So wird momentan an der Freianlage für Nacktnasenwombats gebaut, es folgen Anlagen für Graue Riesenkängurus, Bennett-Kängurus und (hoffentlich) für den Tasmanischen Teufel. In diesem Jahr fertiggestellt wird die komplett neue und sehr große Anlage für Amur-Tiger. Die Spannung steigt! Ein Herzensprojekt von Dr. Köplin und eine zukünftige Anforderung an Zoos die Elefanten halten, wird mit der neuen Elefantenwelt umgesetzt. Die Planungen sehen vor, auf einer Fläche von zwei Hektar Platz für bis zu 15 Elefanten zu schaffen. Mein Herzenswunsch: Afrikanische Elefanten. Möge die Übung gelingen!
Für uns Besserwisser:
Fission-Fusion-Anlage – Ist eine Trenn- und Verbindungsanlage in der (Herden-)Tiere in ihren natürlichen Sozialstrukturen leben. Für Elefanten bedeutet dies, eine Herde aus Muttertieren mit Nachwuchs, ein Teil für einen Zuchtbullen sowie einen Teil für eine Gruppe noch nicht geschlechtsreifer Junggesellen.
Erlebnis-Zoo Für mich und viele andere Menschen ist ein Besuch im Zoo immer ein Erlebnis. Als ich mich entschloss den Zoo in Hannover zu besuchen, habe ich mich also gefragt, was es wohl mit einem „Erlebnis Zoo“ auf sich hat. Bei einem Blick auf den Zoo-Plan wird vieles klar, wie es jedoch dazu kam? Hier zunächst die Geschichte und der Mensch hinter dem Konzept:Erlebnis-Zoo
Geschichte und wichtige Personen
Auf private Initiative des Parlamentariers Hermann Schläger und der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover, wurde 1865 ein Zoo in Hannover eröffnet. Es müssen schwierige Zeiten gewesen sein, denn das Königreich Hannover war 1866 Verbündeter Österreichs im sogenannten Deutschen Krieg gegen Preußen. Die von den Gründern angestrebte naturkundliche Bildungseinrichtung konnte über die Jahre nicht immer verwirklicht werden. Bei knappen Kassen musste man sich darauf konzentrieren, das Hannoveraner Publikum für den Zoo zu begeistern und das gelang am besten mit allerlei Veranstaltungen wie Freilichtkino, Theateraufführungen oder Gartenfeste. Wie alle anderen Zoos in Deutschland waren die beiden Kriege ein besonderer Einschnitt. Aufgrund knapper Kassen musste der Zoo kurzzeitig 1922 sogar geschlossen werden.
Ab 1931 wurde der Zoo an Hermann Ruhe verpachtet, der Inhaber einer Tierhandelsfirma war. Das Engagement der Familie Ruhe währte immerhin 40 Jahre. In dieser Zeit wurde der Zoo in einen für damalige Verhältnisse modernen Freiflächenzoo umgebaut und der Tierbestand erheblich erweitert (Schwerpunkt Antilopen).
Anfang der 1990 Jahre geriet der Zoo wieder in eine finanzielle Schieflage und musste umstrukturiert werden. Neuer Geschäftsführer wurde ab 1994 der Jurist und Lokalpolitiker Klaus-Michael Machens. Und da sein Name schon das Wort „Machen“ enthielt hat er das auch getan.
Konzept
Nach einer Methodik die sich „Design Thinking“* nennt, entwickelten Machens und seine Experten ein neues Zoo-Konzept: keine klassischen Gittergehege, sondern Freianlagen, die durch Gräben oder Glas Tiere und Besucher trennen. Themenbereiche fassen die Tierarten eines Kontinents zusammen und sind der natürlichen Umgebung der Tiere nachempfunden. Viele Beobachtungspunkte die besondere Einblicke in die Gehege bieten und ein Wasserlauf, auf dem Boote mit Besuchern in unmittelbarer Nähe zu den Tieren vorbeifahren. Schließlich Besucherbereiche die im Essensangebot und Stil dem jeweiligen Themenbereich angepasst wurden. Das Konzept wurde von vielen Fachleuten als Disneyverschnitt belächelt oder kritisiert. In der Zwischenzeit gibt der finanzielle Erfolg Machens recht und die Besucherzahlen sind über die Jahre in die Höhe geschnellt.
Themenbereiche und Tiere
Im Jahr 2022 ergab die Bestandsaufnahme 1759 Tiere in 170 Arten.
Sambesi – ist einer afrikanischen Savannenlandschaft nachempfunden, Boote fahren auf einem künstlich angelegten Fluss nahe an den Gehegen vorbei. AFI Mountain – beherbergt die Primaten, die auch im Afi Mountain Wildlife Sanctuary im Südosten Nigerias beheimatet sind, Flachlandgorillas, Schimpansen, Drills und Brazzameerkatzen. Yukon Bay -zeigt die Kanadische Tierwelt u.a. mit Eisbären, Timberwölfen, Waschbären und Bisons. Natürlich fehlen auch Pinguine und Robben nicht. Dschungelpalast – Der „Dschungelpalast“ ist dem Palast des indischen Maharadschas Bakhat nachempfunden, der nach dessen Tod langsam wieder vom Dschungel und Tieren in Besitz genommen wurde. Die größte Anlage ist für die Elefanten reserviert, aber auch Sibirische Tiger, China-Leoparden und Hulman-Affen findet man dort. Outback – die Welt des australischen Outbacks mit Emus, Wombats, Bennett-Kängurus und verschiedenen Sitticharten. Meyers Hof – ist eine Anlage wie ein bäuerliches Gehöft. Sie besteht aus alten Wohn-, Wirtschafts- und Stallgebäuden in einer ländlichen Umgebung mit Wiesen und Weiden. Hier sind seltene Nutztiere untergebracht, schwarzbunte Niederungsrinder, Harzer Rotvieh oder Exmoor-Ponys und verschiedene Hühner-, Puten- und Gänserassen. Weitere Gehege außerhalb der Themenbereiche und ein Tropenhaus runden das Angebot ab.
Ergänzung Dezember 2025: Drill mit wenigen Tagen altem Jungtier im Afi Mountain, Nubische Giraffen im Sambesi und Timberwölfe in Yukon-Bay
Artenschutz und EEP
Der Zoo unterstützt eine ganze Reihe von Artenschutzprogrammen AP = (Artenschutzpartner) in verschiedenen Ländern: Spitzmaulnashörner in Kenia AP: SAVE THE RHINO Mendesantilopen (Addax und Strausse in der Sahara und dem angrenzenden Sahel AP: SAHARA CONSERVATION Lemuren in Madagaskar AP: STIFTUNG ARTENSCHUTZ & CHANCES FOR NATURE Asiatische Elefanten in Myanmar AP: CHANCES FOR NATURE Gibbons in Vietnam AP: STIFTUNG ARTENSCHUTZ Drills in Kamerun und Nigeria AP: RETTET DEN DRILL E.V
Weitere Projekte kümmern sich um einheimische Tiere wie Wildbienen oder Igel. Außerdem werden folgende Europäischen Erhaltungszucht-Programme (EEPs) vom Zoo Hannover koordiniert: Addax, Nordafrikanischer Strauß, Drills, Pferdeantilope, Zwergrüsseldikdik und Hulman-Langur
Bildung
Die Zooschule bietet außerschulischen Unterricht für Schüler und Lehrende an. Angeboten werden Unterrichtsstunden oder Workshops für verschiedene Klassenstufen. Das seit 2023 fertiggestellte Zoologicum beherbergt außer verschieden Tierarten (Riesenschildkröten, Faultiere, Insekten, Gürteltiere, Fuchsmangusten und Falklandkarakaras) auch die Zooschule und eine Arena.
Mein Fazit
Wenn man das „Erlebnis“ weglässt, besucht man einen Zoo, der ganz offensichtlich auf der Höhe der modernen Tierhaltung ist. Die teilweise riesigen Freigehege haben mich sehr beeindruckt. Für Hobbyfotografen gibt es eine Menge Spots, sodass man mit der üblichen Geduld viele tolle Bilder mit nach Hause bringen kann. Es gibt natürlich auch kritische Stimmen, die befürchten, dass zugunsten der Erlebniswelt die Haltung seltener oder interessanter Tiere zurücksteht. Beurteilt man den „Erlebnis-Zoo“ kann man festhalten, dass für die Besucher jeden Alters eine Menge, wohl auch über das Übliche hinausgehend, getan wurde und wird. Ich hatte auch den Eindruck noch nie so vielen Klassen oder Jugendgruppen begegnet zu sein wie in Hannover.
Zukunft
Seit 2015 gibt es einen Masterplan 2025+ der Investitionen von etwa 71 Mio. Euro vorsah. Einige der Projekte wurden bereits umgesetzt bzw. sind in Arbeit.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war die damalige Bockenheimer Chaussee (heute Bockenheimer Landstraße) eine wichtige Verkehrsader. Damals allerdings noch am Stadtrand gelegen. Während der südliche Teil schon dicht bebaut war, breiteten sich nördlich der Straße ausgedehnte Gartengrundstücke mit verstreut liegenden Villen und Palais aus. Dahinter begann das Umland. Eines der größten Grundstücke war der Leer’sche Garten. Das 15 Morgen (3,75 ha) große Areal war im Besitz des Städelschen Instituts, das eigentlich eine Kunstgalerie dort eröffnen wollte. Die Pläne konnten nicht verwirklicht werden und so lag der Garten brach.
Eine Gruppe Frankfurter Honorationen tat sich zusammen, um in Frankfurt einen Zoo zu gründen. Der Leer’sche Garten konnte für insgesamt 15 Jahre gepachtet werden. Die Initiatoren gründeten im März 1858 eine Aktiengesellschaft, die den Zoo betreiben sollte – die Frankfurter Zoologische Gesellschaft. Ihr Credo lautete: „Die Bürger sollen die Erholung in der freien Natur mit dem Studium derselben verbinden.“ Bereits am 08. August 1858 konnte der Zoo unter Auflagen der Stadt (keine fleischfressenden Raubtiere) eröffnet werden. (Das Gelände grenzte damals an die Unterlindau, wo sich auch ein Eingang befand. In unmittelbarer Nähe lag das Palais mit Garten der Bankiersfamilie Rothschild, von dem nur der heutige Rothschild-Park übriggeblieben ist.)
Der überlieferte Tierbestand Ende des Jahres war 589 Tiere in 151 Arten. Zwei Jahre nach der Eröffnung zogen dann allerdings auch Leoparden, Löwen und Wölfe ein. Der Zoo wurde zum Besuchermagnet und aus dem Jahr 1863 sind 100.000 Besucher (ohne Dauerkarten) überliefert. Bei einer Einwohnerzahl von gerade mal 80.000 war das ein respektables Ergebnis. Da es absehbar war, dass der Zoo bald aus allen Nähten platzen und die Pacht auslaufen würde, suchte man mit Hochdruck an einem alternativen Standort.
Dieser wurde schließlich in der sogenannten Pfingstweide im Osten Frankfurts gefunden. Im März 1874 begann der Umzug mit 1200 Tieren quer durch die Stadt. Die offizielle Eröffnung fand am 29. März statt und am 09. April zog als letztes Tier ein Yak an den heutigen Standort im Ostend ein. Das im Dezember 1876 fertiggestellte Gesellschaftshaus ist bis heute eines der markantesten Gebäude Frankfurts.
Dem Zeitgeist entsprechend, der nach exotischen Tieren und fremden Völkern verlangte, vergrößerte sich die Tierschau stetig und sogenannte Völkerschauen ergänzten das Angebot. Ein erster großer Einschnitt war der Beginn des ersten Weltkrieges 1914. Da Futter für die Tiere knapp wurde, verhungerten fast zwei Drittel oder starben an Infektionskrankheiten. Mit dem Verlust von Einnahmen und Spenden ging die Zoogesellschaft als Trägerin des Zoos 1915 bankrott und die Stadt Frankfurt übernahm die Verwaltung. Ab dem Jahr 1920 ging es mit dem Zoo wieder steil aufwärts. Der erste Gorilla kommt per Zeppelin in Friedrichshafen an und wird nach Frankfurt gebracht. Die Besucherzahl steigt in diesen Jahren auf unglaubliche 3 Mio. pro Jahr. Die Entwicklung wird durch den Beginn des 2. Weltkrieges jäh beendet. Tierpfleger werden zum Kriegsdienst eingezogen. Es herrscht wieder Futtermangel, Spender und Unterstützer ziehen sich zurück. Am 18. März 1944 treffen 27 Fliegerbomben das Gelände und zerstören Gebäude und Anlagen. Viele Tiere u.a. Löwen irren durch die Stadt und müssen, um die Bevölkerung nicht zu gefährden, erschossen werden.
Im Frühjahr 1945 kommt der junge Tierarzt Dr. Bernhard Grzimek nach Frankfurt als persönlicher Referent des amtierenden Bürgermeisters W. Hollbach und wird am 01. Mai neuer Zoodirektor. Einer alten Planung zufolge sollte der Zoo an den Stadtrand verlegt werden. Grzimek widersetzt sich diesen Plänen. Er schaffte es in kürzester Zeit Geld zu sammeln und damit den Wiederaufbau in Gang zu bekommen. Bereits am 01. Juli wurde die Wiedereröffnung gefeiert. Da die Anzahl der Tiere bis dahin kriegsbedingt überschaubar war, sorgten Schausteller, ein Zirkus, Theatervorführungen und ein Kino dafür, dass die Frankfurter in den Zoo strömten. Um weitere Gelder zu sammeln und diese zu verwalten, wurde im Februar 1950 die „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens e.V.“ gegründet. Und genau 100 Jahre nachdem die erste Zoologische Gesellschaft Frankfurt gegründet worden war, wurde die Gesellschaft der Förderer 1958 in die neue Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) überführt. Über deren heutige Aufgaben erfahrt Ihr mehr im Kapitel Artenschutz.
Das war sehr viel Geschichte, aber Frankfurt war nach Berlin die zweite deutsche Stadt, die einen Zoo gründete. Also Ehre wem Ehre gebührt.
Wichtige Personen
Der Name Grzimek ist in Frankfurt allgegenwärtig, wenn es um den Zoo geht. Aber andere haben auch wichtige und gute Arbeit geleistet. So zum Beispiel Grzimeks langjähriger Stellvertreter der Zoologe Richard Faust, der 1974 zum Direktor berufen wurde und nach dem Tod Grzimeks 1987 auch das Präsidentenamt der ZGF übernahm.
Christian R. Schmidt, Schweizer Zoologe und Verhaltensforscher war Mitbegründer des Europäischen Erhaltungszucht Programms (EEP) und von 1994 bis 2008 Direktor.
Manfred Niekisch ist Biologe und ein Experte für Naturschutz. Als solcher ist er Kooperationsprofessor für Internationalen Naturschutz am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Direktor des Zoos war er von 2008 bis zu seiner Pensionierung 2017.
Schwerpunkte – Tiere
Ende 2022 wurde ein Tierbestand von 5326 Individuen in 467 Arten gezählt. Säugetiere waren dabei mit 1733 Einzeltieren in 91 Arten, Vögel mit 354 Individuen in 69 Arten vertreten. Das artenreichste Revier ist natürlich das Exotarium. Hier leben Reptilien, Amphibien, Fische und Wirbellose. Ansonsten lässt sich eigentlich kein Schwerpunkt bei bestimmten Tierarten ausmachen. Da der Zoo nicht erweiterbar ist, wurde die Anzahl der Arten und Individuen über die Jahre kontinuierlich reduziert. Hervorheben muss man auf jeden Fall das Menschenaffenhaus, das Grzimek-Haus für nachtaktive Tiere, das weltweit zu den größten Einrichtungen dieser Art gehört und das bereits erwähnte zweistöckige Exotarium.
Artenschutz und Zucht
Dem Leitspruch des Zoos folgend „Tiere erleben – Natur bewahren“, engagiert sich der Zoo für verschiedene Zuchtprogramme und Artenschutzprojekte. Die Zuchtbücher für Gorilla, Rostkatze (ISB), für Nashornleguan (ESB) und Schlanklori, Socorrotaube, Gelbrückenducker (Ex-situ Projekte EEP) werden hier koordiniert.
Spenden und Naturschutz-Euro (€ 1,00 als freiwilliger Teil des Eintrittspreises) fließen in diverse Artenschutzprojekte des Zoos. Z.B. die „Bienenbotschaft“ in Hessen, Komodo Survival Program (Wael Wuul Nature Reserve), Goldgelbes Löwenäffchen (Lion Tamarins of Brazil Fund), Grévy-Zebra (Marwell Wildlife – Grevy’s Zebra Trust) oder Okapi (Okapi Conservation Project).
Auch hier will ich kurz in die Geschichte zurückgehen. Wie bereits geschrieben, war 1958 das Gründungsjahr der neuen Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Zu dieser Zeit verwaltete die Fördergesellschaft Spenden und Zuwendungen an den Zoo. Prof. Grzimek reiste ab Anfang der 50er Jahre nach Afrika. Eigentlich um den Tierbestand des Zoos zu erweitern. Bei seinen Reisen festigte sich allerdings die Erkenntnis, dass das Ausstellen von Tieren nicht die Priorität eines Zoologischen Gartens sein sollte, sondern die Erhaltung der Artenvielfalt und der Schutz des natürlichen Lebensraums. Das führte mit den Jahren zu einer Neuausrichtung der ZGF. Nach dem Tod von Michael Grzimek wurde zunächst ein Gedächtnis-Fond eingerichtet. Mit seinen vielfältigen Aktivitäten u.a. der Sendung „Ein Platz für Tiere“ legte sein Vater den Grundstock dieser Stiftung. Diese wurde dann 2001 von Richard Faust in die Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“ überführt. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V. (ZGF) verwaltet diese Mittel und ist als Naturschutzorganisation heute für 30 Projekte in 18 Länder verantwortlich, wobei der Fokus auf Ostafrika gerichtet ist.
Bildung
Der Zoo hat folgende Bildungsziele definiert:
Interesse für die Bedürfnisse von Tieren zu wecken. Der Vermenschlichung von Tieren bewusst zu begegnen. Uns Menschen als Teil der Natur zu begreifen.
Diese werden bei Führungen und Workshops an Besucher jeden Alters vermittelt. Besonders interessant finde ich den Zoo-Jugendclub:
„Die Jugendclub-Kinder werden für ein (Schul-)Jahr in die faszinierende Welt der Tiere eintauchen. Als selbständige Forscherinnen und Forscher können sie bei den Expeditionen in den Zoo eigenen Fragen zu den Tieren nachgehen und deren Geheimnisse aufdecken. Auch wie ein moderner Zoo funktioniert und welche Aufgaben er hat, werden wir uns genau ansehen. Zudem werden wir uns mit größeren Zusammenhängen beschäftigen, zum Beispiel, warum viele Tierarten bedroht sind und wie die Zoos bei ihrem Erhalt helfen können. Wir überlegen gemeinsam, was jeder Einzelne von uns tun kann, damit nicht noch mehr Arten auf unserer Erde ausgerottet werden.“
Homepage Zoo Frankfurt
Eine weitere innovative Idee sind die Podcasts zu Themen rund um den Naturschutz „Hinter dem Zoo geht’s weiter“.
Zukunft
2019 wurde eine Konzeptstudie Zookunft 2030+ über die Zukunft des Zoos erarbeitet. Mit einigen Projekten hat man bereits begonnen: Umbau des Löwengeheges, die Mangrovenanlage im Exotarium und die Renovierung des Grzimek-Hauses die demnächst beginnt. Dazu sagt die zuständige Dezernentin der Stadt Frankfurt:
„Bei der nun vorgelegten Konzeptstudie ZOOKUNFT2030+ geht es nicht nur darum, einzelne Gehege neu zu bauen oder die Besucherwege neu zu gestalten, es geht um viel mehr: eine ganzheitliche Vorstellung davon, was ein moderner Zoo leisten kann, warum er für uns alle in unserer bedrohten Welt so wichtig ist und wie die elf Hektar inmitten des Frankfurter Ostends optimal genutzt werden können.“
Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig
Man kann nur hoffen, dass die Pläne zeitnah umgesetzt werden können und, dass das „+“ hinter der 2030 nicht bedeutet, dass die Ziele erst in einer unbestimmten Zukunft erreicht werden. Möge die Übung gelingen.*
*Nachtrag: Kaum habe ich meinen Beitrag veröffentlicht, erscheint ein Artikel in der FR zum Thema mit folgender Überschrift: „Ein Berliner Architekturbüro arbeitet am Masterplan für den Tierpark – 2024 soll er vorliegen und vieles im Zoo von Grund auf verändern.“ (Frankfurter Rundschau vom 11.05.2023)
Mein Fazit und etwas Persönliches
Bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag habe ich mir natürlich auch die unvermeidlichen Kommentare von Besuchern des Zoos angesehen. Überraschenderweise gab es auf einer Plattform fast ausschließlich positive, auf einer anderen teilweise vernichtende Kommentare. Als ich dann am Ende eines heißen Sommers mit Familie und Freunden den Zoo besuchte, das Gleiche. Ich war schockiert. „Einige uralte Tierhäuser, keine Tiere in den Freianlagen, alles trocken und ungepflegt.“ Wie wir uns doch von unserem ersten Eindruck beeinflussen lassen.
Die Ansprüche die Zoos heute erfüllen müssen sind gewaltig. Tiere in vielfältigen Arten zeigen. Moderne Gehege und Freianlagen bauen. Den Arten- und Naturschutz in den Vordergrund rücken und die Vermittlung vielfältiger Informationen an Besucher jeden Alters. Dabei kommt es zu einem Spagat zwischen der Präsentation von Publikumslieblingen wie Giraffe, Erdmännchen und Co. und weniger spektakulären aber gefährdeten oder in Freiheit ausgerotteten Arten. Zusätzlich hat Frankfurt auch ein Platzproblem.
Ich war in den 60er Jahren das erste Mal in Frankfurt und auch im Zoo, damals noch mit Eisbären, Elefanten und Leoparden. Danach habe ich die Schulferien fast immer in Frankfurt verbracht und bin 1972 dorthin umgezogen. Tante und Onkel bei denen ich wohnte, hatten immer viele Gäste und ich hatte die Aufgabe, ihnen Frankfurt zu zeigen. Zoo und Palmengarten hatten (meine) oberste Priorität. Die Kontaktaufnahme über meinen Onkel mit Prof. Grzimek festigte in mir den Wunsch einen Beruf zu ergreifen „der mit Tieren zu tun hat“. Daraus wurde jedoch nichts und ich habe einen Beruf ergriffen „der viel mit Menschen zu tun hatte.“ Das Leben ist manchmal seltsam. Tiere und Zoos traten einige Jahre in den Hintergrund, mein Beruf nahm mich in Anspruch, ebenso wie meine kleine Familie. Heute bin ich zurück zu Tieren und in Zoos. Und obwohl mich meine Frau manchmal mit einem Blick ansieht, der zu sagen scheint: „er ist verrückt“ sieht sie sich doch geduldig meine Bilderausbeute an und korrigiert meine Beiträge.
Ich werde also weiter durch Zoos spazieren mit einem kritischen Blick und hoffentlich brauchbaren Bildern. Und der Frankfurter Zoo – wird immer meine alte Liebe bleiben.
Und vielleicht tauchen diese weniger spektakulären Tiere demnächst im Blog auf:
Magistrat gibt grünes Licht für Zoo-Umbau Anfang Februar hat der Magistrat die bauliche und inhaltliche Zukunftsentwicklung des Zoos auf der Basis des vorliegenden Masterplans beschlossen. Vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung wurde damit der entscheidende Schritt getan, um in die erste von drei Realisierungsphasen einzusteigen. Dabei handelt es sich um die etwa 2,4 ha große Serengeti-Anlage, eine Landschaft für Tiere der afrikanischen Savanne. Ihre Fertigstellung ist für 2033 geplant. In Phase zwei folgt die Lomami-Anlage. Dieser Teilbereich stellt den tropischen afrikanischen Regenwald dar. Den Abschluss der Maßnahme bildet die Manú-Anlage mit Arten aus Südamerika im Nord-Osten des Zooareals. Hat der Zeitplan Bestand, könnte der Umbau 2039 abgeschlossen sein.
Nachdem die Ornithologische Gesellschaft Basel im Jahr 1873 einen Aufruf an die Einwohner Basels lancierte, um sich für die Gründung eines Zoos zu engagieren, fand bereits am 03. Juli 1874 dessen Eröffnung statt. Der Zoo wird seit dieser Zeit als eine nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft geführt. In den ersten Jahren galt der Zoo eher als Naherholungsgebiet für die Städter, mit vielen in der Schweiz und im Alpenraum heimischen Tieren. Allerdings verursachte dieses Konzept dem Zoo finanzielle Schwierigkeiten, zumal die Alpentiere sehr parasitenanfällig waren und nicht lange im Zoo überlebten.
Dem Zeitgeist entsprechend, der nach Exotik verlangte, bot man zwischen 1880 und 1899 verschiedene Völker- und Tierschauen an (siehe auch Beitrag Hagenbeck), die die finanzielle Lage etwas entspannten. Mit einem Legat* von Johannes Beck konnte der Zoo sich 1901 sanieren. Viele Gönnerinnen und Gönner folgten und folgen dem Beispiel des Basler Tierfreundes bis heute.
In den folgenden Jahren konnte der Zoo kontinuierlich erweitert und modernisiert werden. Zu verdanken ist diese Entwicklung auch den vorausschauenden Zoodirektoren wie z.B. Heini Hediger oder Ernst Lang.
Name
Der Schweizer Publizist Urs Meier hat geschrieben:
„Die Deutschschweizer sind Diminutiv-Weltmeister (Substantiv Verkleinerung). Wer von einem anderen Sprachgebiet her in die alemannische Schweiz kommt, wundert sich über deren Hang zur sprachlichen Verkleinerung. Es ist zu vermuten, dass die Weltmeister des Diminutivs in der Deutschschweiz hausen.“
Urs Meier – Journal21.ch
Das ist ja durchaus sehr sympathisch und so ist es nur folgerichtig, dass der Zoo von den Baslerinnen und Baslern den Namen „Zolli“ bekam.
Schwerpunkt – Tiere
Tierbestand zum 31.12.2021: Insgesamt 8625 Tiere in 533 Arten nennt der Zoo sein Eigen. Dazu gehören 602 Säugetiere in 56 Arten, 602 Vögel in 67 Arten, 205 Reptilien in 31 Arten. Der Rest verteilt sich auf Amphibien, Fische und Wirbellose.
Primaten-Initiative 2022
Die Tierschutzorganisation “Scientence Politics“ hatte 2017 eine Volksinitiative „Grundrechte für Primaten“ lanciert. Ziel der Abstimmung sollte es sein, den im Kanton Basel gehaltenen Primaten eingeschränkte Grundrechte zu gewähren. Konkret haben die Unterstützer der Initiative gefordert, dass Primaten das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit zugesprochen werden müsse. Das hätte für die Zukunft wahrscheinlich weitreichende, negative Auswirkungen für die Haltung und den Schutz von Menschenaffen gehabt. Am 07.02.2022 hat sich die Basler Bevölkerung in dieser einmaligen Abstimmung eindeutig gegen die Initiative ausgesprochen. Zur großen Erleichterung des Zolli, der die Primaten durch das strenge Tierschutzgesetz ausreichend geschützt sieht.
Meine Meinung: Es ist sind nicht nur Tierrechte und Tierschutzgesetzte die wir hier im Auge haben müssen. Um das Wohl der Tiere sorgen sich engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – egal in welcher Position – mit Herzblut und Verstand an 365 Tagen im Jahr. Das finde ich ist einer der wichtigste Aspekt in der Tierhaltung.
Artenschutz und Zucht
International führt der Basler Zoo die Zuchtbücher für Panzernashorn, Zwergflusspferd und den Somali-Wildesel. Auf europäischer Ebene die Zuchtbücher für den Kleinen Kudu, das Totenkopfäffchen und den Türkisnaschvogel.
Am 13. Mai 2022 gab es mit Tarun bereits das 36. mal Nachwuchs bei den indischen Panzernashörnern. Die weltweit erste Geburt eines Panzernashornbullen (Rudra) in einem Zoo konnte bereits 1956 in Basel gefeiert werden. Aber egal ob Strahlenschildkröte aus Madagaskar oder Westlicher Flachlandgorilla, der Zolli kann viele wichtige Zuchterfolge vorweisen.
Die Artenschutzprojekte des Zoos
Wie viele Zoologische Gärten sammelt der Zoo über einen Aufschlag zu den Eintrittskarten einen sogenannten Naturschutzfranken. Seit 2016 sind so CHF 1,3 Mio. zusammengekommen, die in wechselnde Projekte fließen. Das waren 2022 die folgenden in-situ Projekte:
Afrikanische Elefanten im Amboseli Nationalpark von Kenia über die „Big Life foundation“,
Der «Predator Compensation Fund» der «Big Life Foundation (BLF)» setzt sich im Amboseli-Tsavo Ökosystem in Kenia für den Schutz der Löwen ein,
Korallen und Schwämme auf Sansibar über Marinecultures.org
«Aires Marines Protégées» (AMP) sind Meeresschutzgebiete des Mittelmeers. Diese bilden effiziente Instrumente zum Schutz der biologischen Vielfalt über den «Fonds Fiduciaire pour les AMP de Méditerranée»,
Reisfinken in Indonesien,
Panzernashörner in Indien,
Okapis in der Demokratischen Republik Kongo,
des weiteren Orang-Utans in Malaysia, Schneeleoparden in Zentralasien, Rubinkehltangaren in Brasilien, Somali-Wildesel in Eritrea, Springaffen in Peru, Zwergflusspferde in Sierra Leone und Visayas-Pustelschweine auf den Philippinen.
Darüber hinaus engagiert sich der Zolli in über 40 internationalen Erhaltungs- und Zuchtprogrammen für bedrohte Tierarten
Bildung
Ein umfangreiches Programm mit Führungen, Workshops und Projektwochen richtet sich an Schulklassen. Es besteht ein Weiterbildungsprogramm für Lehrkräfte und es wird umfangreiches Lehrmaterial zur Verfügung gestellt.
Mein Fazit
Für mich Bahnfahrer liegt der Zolli sehr praktisch, etwa 10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof SBB. Das Gelände umfasst 11 ha (zum Vergleich Frankfurt 12 und Zürich 28). Flache Strecken wechseln sich ab mit leichten Anstiegen. Die gärtnerische Planung ist sehr gut gelungen mit viel Grün um und zwischen den Gehegen. Die Gehege sind sehr gut – meist von verschiedenen Punkten – einsehbar. Herausragend die Anlagen der Elefanten, Panzernashörner und das Affenhaus. Seit 2019 wird das historische Vogelhaus renoviert und erweitert. Freiflugvolieren werden den Besuchern einen Blick ohne Netze oder Glas auf die „Juwelen der Lüfte“ gewähren. Die Eröffnung ist fürs erste Halbjahr 2023 geplant. Ein weiteres spannendes Highlight auf das ich mich freue.
Ich mag diesen Zoo!
Zukunft
Der Zolli ist ein innenstädtischer Zoo, eine Erweiterung ist also äußerst schwierig. Die Stadt umschließt das Gelände fast vollständig. Mit dem Bau eines Parkhauses könnte die Fläche des Parkplatzes vor dem Haupteingang als Erweiterung (etwa 6000 qm) gewonnen werden. Die Umsetzung soll ab 2024 beginnen. Eine langfristige Testplanung beschäftigt sich mit einer weiteren Fläche im Süden an den Zoo anschließend (etwa 15.000 qm). Wie alle Zoos mit begrenzter Fläche hat auch der Zolli das Problem, dass neue artgerecht gestaltete Gehege entsprechend größer als in der Vergangenheit sein sollen. Dies auch im Hinblick auf die Vergesellschaftung mehrerer Tierarten auf einer Fläche. Insofern gehen Umbauten immer zulasten der Nachbargehege, die dann in den meisten Fällen für die ursprüngliche Tierhaltung entfallen.
*unter Legat versteht man einerseits einen Gesandten oder Befehlshaber im römischen Reich bzw. auch im Mittelalter. Hier ist aber ein Vermächtnis (aus dem Erbrecht) gemeint.
Wahrscheinlich war der Fischhändler und Stammvater der Hagenbecks Gottfried Claes Carl Hagenbeck kein Visionär, sondern eher ausgefuchster Geschäftsmann als er 1848 begann in Hamburg Tiere auszustellen und mit ihnen zu handeln. Auf alle Fälle war die Zurschaustellung der ersten Seehunde auf dem Spielbudenplatz ein solcher Zufallserfolg, dass er die Zukunft der Familie nachhaltig prägen sollte. Mit nur 21 Jahren übernimmt Carl Hagenbeck 1866 das Geschäft und baut daraus das damals größte Tierhandelsunternehmen der Welt. Und Carl hat außer seinem Geschäftssinn auch Visionen. Ein erster „Thierpark“ in Hamburg entsteht 1874 und 1907 wird in Stellingen der Tierpark Hagenbeck eröffnet. In den Jahren nach 1874 entwickelt Carl Hagenbeck die sogenannten Völkerschauen*, gründet einen Zirkus, präsentiert eine „zahme Dressur“ mit Löwen (Dressur durch Belohnung statt Strafe) und meldet ein Patent für gitterlose Tierpark-Freianlagen an.
Mit all seinen Ideen traf Carl Hagenbeck beim Publikum ins Schwarze. Er schuf ein Familienimperium, das über die Grenzen von Hamburg und Deutschland bekannt wurde. Seine revolutionären Ideen in der Tierhaltung wurden weltweit von Zoos übernommen.
Schwerpunkte – Tiere
Der Tierpark präsentiert 1850 Tiere (in 210 Arten) und 14.300 Tiere (in 300 Arten) im Tropenaquarium. Die herausragenden Anlagen sind die Elefantenanlage, das Tropenaquarium und das Eismeer (am Ort des bereits 1907 von Carl Hagenbeck eingeweihten Nordland-Panoramas). Nachdem Antje das Walross im Jahr 2003 verstarb, kamen mit der Eröffnung des Eismeeres wieder Walrosse nach Hamburg. Es sind die einzigen die in Deutschland gezeigt werden. Beeindruckend finde ich auch das Orang-Utan Haus, dessen Glaskuppel sich öffnen lässt und freie Blicke auf die Tiere bietet. Eselspinguine, Aldabra-Riesenschildkröten, Saruskraniche, Onager, Kamtschatka Bären oder Himalaja-Thare, die Liste der interessanten Tiere ist lang und wird durch das Tropenaquarium noch verlängert.
Artenschutz und Zucht
Besonders erfolgreich war man in der Vergangenheit mit der Nachzucht der Asiatischen Elefanten und Walrosse. Außerdem gab es Nachwuchs bei den Kaiserschnurrbart-Tamarinen, Mandrills, Sumatra Orang-Utans, Südamerikanischen Seebären und -Riesenottern, Nordchinesischen Leoparden, Sibirischen Tigern und den Eisbären. Ein besonderer Erfolg war Hagenbeck bei der ersten Nachzucht der Folohy- oder Bambus-Buntfröschchen (in Madagaskar beheimatet) 2021 beschieden. Diese werden im deutschsprachigen Raum nur in Hamburg und Zürich gezeigt.
Die Artenschutzprojekte des Zoos:
Der Tierpark und das Tropenaquarium beteiligen sich an einer Vielzahl Europäischer Erhaltungszuchtprogramme. (EEP)
Die Zuchtbücher für Onager und die Nordchinesischen Leoparden werden von Hagenbeck koordiniert.
Um dem großen Mangel an natürlichen Nistplätzen entgegen zu wirken wurden auf dem Gelände 350 Nistkästen für Vögel installiert. Diese wurden durch Fledermausnistkästen ergänzt.
Im Park wurden Feuchtbiotobe für Amphibien angelegt.
Es wurde ein Wildbienenprojekt ins Leben gerufen.
Bildung
Die Ll-Zooschule bietet ein Bildungsprogramm für Kinder, Schulklassen und Erwachsene.
Mein Fazit
Der Tierpark beeindruckte mich nicht nur durch seine Größe und den Bestand an Tieren in vielen unterschiedlichen Arten, es ist auch die moderne Präsentation (das Panoramakonzept) und die besondere Atmosphäre. Die Gehege bzw. Freianlagen sind weitestgehend den Bedürfnissen seiner Bewohner angepasst, bieten dem Besucher aber auch viele gute Perspektiven z.B. durch riesige Glasscheiben oder Einsicht in Gehege von mehreren Standpunkten. Eingebettet ist dies alles in eine Gartenanlage mit altem Baumbestand, kleinen exotischen Bauten und Weihern, die jedem botanischen Garten zur Ehre gereichen würde.
Wo viel Licht ist, gibts auch Schatten. Das trifft leider auch auf Hagenbeck zu. Seit Jahren tobt ein unappetitlicher Streit im Familienclan der Hagenbecks, mit häufigen Wechseln in der Führung, die der Weiterentwicklung des Tierparks häufig entgegenstand. Der nun eingesetzte Geschäftsführer – der nicht aus der Familie stammt – versucht mit Brachialgewalt und veraltetem Führungsstil den Tierpark nach Corona und Investitionsstopp wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Möge die Übung gelingen. Der Imageverlust dürfte jedoch immens sein.**
*Völkerschauen – Hierzu empfehle ich einen Beitrag des NDR der in Youtube abrufbar ist: Menschen ausgestellt im Zoo – Das dunkle Kapitel Völkerschauen | Panorama 3 | NDR. Auch bei diesem Thema würde es dem Image der Hagenbecks guttun sich zu äußern.
** Artikel zum Thema findet Ihr in der Onlineausgabe vom Hamburger Abendblatt
Nachtrag vom 18.07.
Ich möchte vorausschicken, dass die folgenden Zeilen, die meine Meinung widerspiegeln, nicht alleine an das Unternehmen Hagenbeck gerichtet sind. Sie sind allgemeingültig, die Probleme branchenübergreifend.
In meiner langjährigen Tätigkeit als Reiseverkehrskaufmann galt immer der alte Spruch „nichts ist so beständig wie der Wandel“. Liebgewordene Routinen, Arbeitsabläufe, die man in- und auswendig kannte und beherrschte, waren von heute auf morgen nicht mehr gültig, ja sogar Privilegien wurden eingeschränkt oder abgeschafft. Das Schlimme daran war meistens nicht die Neuerung an sich oder der Verzicht, sondern die mangelnde Kommunikation der Entscheider und Vorgesetzten und somit das fehlende Verständnis für Entscheidungen bei den Betroffenen.
Aus meiner Sicht sind heute Zeitmanagement, Kontrolle von Prozessen, Beurteilung von Kolleginnen und Kollegen unumgänglich. Und natürlich müssen Daten erfasst werden um Vergleiche anstellen zu können.
Etwas darf aber auf keinen Fall geschehen, dass man sich nämlich fragt: „Ist das noch der Beruf der für mich einmal Berufung war?“ Beispiele gefällig? Fremde Länder und Kulturen kennenzulernen war schon immer mein Wunsch und diesen hat mir die Reisebranche erfüllt – bis in den letzten Jahren plötzlich über zu hohe Kosten, Einschränkungen bei Privilegien oder bei der Weiterbildung gesprochen wurde und gleichzeitig der Erfolgsdruck immens stieg. Und ja, da habe ich mir diese Frage stellen müssen und sie mit nein beantwortet.
Wenn ich mir Gespräche und Interviews mit Tierpflegerinnen und Tierpflegern anhöre, dann wird eines klar: die Motivation diesen Beruf zu ergreifen ist der direkte Kontakt und ein enges Verhältnis zu den betreuten Tieren. Es wäre ein großer Fehler, wenn das Zoomanagement diesen Aspekt – aus welchen Gründen auch immer – einschränkt oder gar ausblendet. Solange Beruf und Berufung eins sind, lässt sich auch die eine oder andere bittere Pille schlucken.
Nachtrag vom 28.08.2023
Nachdem monatelange Verhandlungen um die Einführung eines Tarifvertrages gescheitert sind, haben sich die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem unbefristeten Streik entschlossen. Trotz Notfallplan ruft das Management Veterinäramt und Gerichte an. Man mache sich Sorgen um das Wohl der exotischen, wertvollen Tiere. Meine Meinung: Der Tierpark Chef D. Albrecht will mit allen Mitteln einen Tarifvertrag verhindern und so Verhandlungen mit einer Gewerkschaft zu vermeiden.
Der A(lbrecht)lte Mann will sein Unternehmen weiter nach Gutsherrenart führen. Das ist unzeitgemäß und eines Tierparks wie Hagenbeck nicht würdig.
Der ‚Kronberger Tiergarten‘ wurde bereits 1955 gegründet. Der Enkel des legendären Adam Opel, Georg von Opel (sein Vater Carl wurde 1918 in den erblichen Adelsstand erhoben) gründete im Jahre 1956 den Trägerverein für das ‚Georg-von-Opel Freigehege für Tierforschung‘. Das gab dem Tiergarten die erforderliche finanzielle Absicherung für die weitere Entwicklung. Der Trägerverein ging 2007 in der ‚von Opel Hessische Zoostiftung‘ auf.
Schwerpunkte – Tiere
Der Zoo präsentiert etwa 233 Arten mit insgesamt ca. 1600 Tieren. Der Schwerpunkt liegt bei Huftieren und Großsäugern. Bereits 1955 kamen die ersten Afrikanischen Elefanten Conti, Vauka und Opeline in den Zoo. Giraffen, Zebras, Knus, Elche oder der Mesopotamische Damhirsch folgten in den Jahren darauf. Der Tierbestand wurde konsequent erweitert. Aus meiner Sicht erwähnenswert sind noch Geparden, Rote Pandas, Luchse oder die Brillenpinguine. Gerade fertiggestellt wurde eine Madagaskar-Voliere für Kattas und Rote Varis und in der Planung ist eine Anlage für asiatische Panzernashörner.
Artenschutz und Zucht
Mit den ersten Afrikanischen Elefanten gelang 1965 und 1968 die Nachzucht. Das ist insofern bemerkenswert, als bis zu diesem Zeitpunkt die Zucht weltweit nur in einem einzigen Zoo gelang.
Noch faszinierender ist die Geschichte des Mesopotamischen Damhirsches. Dieser galt bereits als ausgestorben. Die ursprüngliche Heimat waren die Länder des Nahen Ostens. Als Mitte der 50er Jahre jedoch in Israel Abwurfstangen gefunden wurden, schickte Georg von Opel eine Expedition unter Leitung von Werner Trense. Dieser fand tatsächlich die Tiere und brachte drei davon 1958 nach Kronberg. Der Großteil der in Zoos gehalten Tiere stammt heute von den Kronberger Hirschen ab. Ebenso wurden bereits einige Exemplare in Israel ausgewildert, um den dortigen Bestand zu sichern.
Die Artenschutzprojekte des Opel-Zoos:
Für den Mesopotamischen Damhirsch und den Hirscheber führt der Opel-Zoo das Zuchtbuch im Rahmen des EEPs (Europäisches Erhaltungsprogramm),
Auffangstation für Europäische Wildkatzen,
Auswilderung der Sumpfschildkröte,
Beteiligung an 26 internationalen Erhaltungszuchtprogrammen für Reptilien, Vögel und Säugetiere und koordiniert selbst zwei solcher Programme, s.o.
-Unterstützung TAWI-Conservancy Programm in Kenia um den dortigen Elefanten Korridore für ihre Wanderungen zu schaffen.
2021/22 werden insgesamt 52 Feldhamster im Taunus ausgewildert,
zukünftige nimmt der Zoo am Auswilderungsprogramm für den europäischen Ziesel teil.
Bildung
Die Zoopädagogik (Zooschule) hat sich sowohl Bewusstseinsbildung für den Artenschutz als auch Wissensvermittlung auf die Fahnen geschrieben.
Mein Fazit
Um es vorweg zu nehmen, natürlich können nicht alle Besucher einer Einrichtung immer einer Meinung sein. Überall gibt es Plus- und Minuspunkte, die jeder von uns anders gewichtet. Das ist auch gut so.
Allerdings sollte man beim Bewerten – nicht wie es heute üblich – seinen Frust über die eigene unzureichende Planung, die äußeren Umstände oder schlicht die eigene schlechte Laune in die Bewertung einfließen lassen.
Ich will in diesem Fall ausnahmsweise einmal Stellung zu einigen Bewertungen nehmen, die im Web zu lesen sind. Ja der Eintrittspreis ist hoch, aber ich denke, man kann den Preis nicht immer an der Anzahl der Tiere festmachen die man gesehen hat und schon gar nicht, ob ich in der Provinz bin oder einer Großstadt. Der Opel-Zoo erhält meines Wissens keine staatlichen Zuschüsse und muss für seine Einnahmen selbst sorgen. Den Zoo im Winter zu schließen oder die Preise in dieser Zeit zu senken ist, auch keine gute Idee, denn die Tiere werden auch im Winter nicht weniger fressen und die Angestellten sollen auch die ihnen zustehende Entlohnung bekommen.
Tatsächlich ist es manchmal schwierig, die Tiere zu finden. Das hängt wohl an der Witterung und hin und wieder an der Tageszeit. Hier ist Geduld gefordert und es lohnt oft, eine zweite Runde zu drehen. Ein Problem übrigens, das man in allen Zoos hat, zumal wenn die Häuser wegen Corona geschlossen waren.
Ich denke der überwiegende Teil der Bewertungen ist sehr positiv und dem kann ich mich nur anschließen. Der Zoo ist in eine sehr schöne Landschaft eingebettet, einige Wege führen durch den Wald und es gibt eine große Artenvielfalt. Wenn ich etwas zu bemängeln hätte, ist es das Füttern der Tiere (ausgenommen Streichelzoo) durch Besucher. Ach ja und ich mag Hunde – aber nicht im Zoo. Hunde und Zootiere haben schon genug Stress. *
*Zu beiden Punkten muss ich nach einer Führung durch den Zoo einen Nachtrag machen, es gibt ja immer mindestens zwei Sichtweisen und hier die Erklärung des Zoos: Um ihren „Fütterungszwang“ zu befriedigen können Besucher die Tiere ausschließlich mit im Zoo gekauften Pellets (gepresstes Heu) oder Mohrrüben füttern. Das verhindert, dass die Besucher Unverträgliches von Zuhause mitbringen. Den größten Anteil bekommen üblicherweise die Tiere des Streichelzoos gleich zu Anfang des Geländes. Der Zoo hat festgestellt, dass es bis auf wenige Ausnahmen wenig Problem mit mitgebrachten Hunden gibt Hunde und Zootiere bleiben entspannt und die Hundehalter werden so von einem Besuch nicht abgehalten. Etwa 13.000 Hunde kommen jedes Jahr in den Zoo. Argumente die man nachvollziehen kann.
Im Jahre 1934 wurde der Tiergarten Heidelberg eröffnet. Basis war eine Stiftung, die der Chemiker und spätere Geschäftsführer der BASF Prof. Carl Bosch auf Initiative von Prof. Otto Fehringer (Ornithologe) ins Leben rief. Das Gelände in Heidelberg-Neuenheim war ursprünglich als Friedhof der Stadt Heidelberg geplant, konnte aber aufgrund eines zu hohen Grundwasserspiegels nach dem ersten Weltkrieg nicht weiter genutzt werden. Schon in den Jahren nach der Gründung litt der Zoo unter Geldmangel besonders nach dem Tod des Förderers Carl Bosch im Jahr 1940, der zweite Weltkrieg viele Pläne auf Eis legte und 1945 ein Bombenangriff den Tiergarten in Schutt und Asche legte. In den 50er Jahren begannen dann langsam die Aufbauarbeiten, die durch Direktor Dieter Poley ab 1972 vorangetrieben wurden. In der Folgezeit wurden viele Anlagen erneuert oder neu gebaut. Seit 1998 leitet Direktor Klaus Wünnemann erfolgreich die Geschicke des Zoos.
Schwerpunkte – Tiere
Der Zoo präsentiert etwa 155 Arten mit einem hohen Anteil an Vögeln. Besonders erwähnenswert finde ich: Berberlöwen, Sumatra-Tiger, Syrische Braunbären, Mitchell-Lori, Riesen-Seeadler, Flachlandgorillas und Schimpansen. Wohl einmalig in Deutschland ist die Anlage der Asiatischen Elefanten, wo ausschließlich Jungbullen in einem natürlichen sozialen Verband leben. Das Verhalten der Tiere untereinander zu beobachten ist unglaublich spannend und interessant.
Artenschutz und Zucht
Besonders erfolgreich waren die Heidelberger mit der Nachzucht der in freier Natur (Bali) ausgestorbenen Mitchell-Lories, einer Papageienart, im Jahr 2020; in jüngster Zeit Nachzuchten bei den Syrischen Braunbären, Sumatra-Tigern und den Ägyptischen Landschildkröten jeweils 2021.
Die Artenschutzprojekte des Zoo Heidelberg
Artenschutzzentrum Feldhamster (regional)
WAPCA (Westafrika)
Yaqu Pacha (Südamerika)
AEECL (Madagaskar)
SCP (Madagaskar)
ETH (Sri Lanka)
Save Magiao (Südostasien)
Bildung
Das Bildungsprogramm für Kinder und Erwachsene wird von der Zoo-Akademie vermittelt. Hier geht es um die Themen Tiere & Natur, Ausstellung, Labor und Technik. Führungen, Workshops, Experimente und Laborarbeit bieten einen breiten Fächer an Bildungsangeboten für jedes Alter und jedes Interessengebiet, das in Verbindung mit der Zooarbeit, der Tierhaltung, dem Artenschutz oder zum Thema Nachhaltigkeit steht.
Mein Fazit
Ich mag den Heidelberger Zoo sehr. Einerseits natürlich wegen der durchaus spektakulären Tiere, andererseits aber auch wegen der besonderen Gartenlandschaft mit vielen Bäumen und Grün. Ich würde mir noch mehr verglaste Käfige bzw. Volieren wünschen. (Als Hobbyfotograf hat man es in Zoos nicht immer einfach). Besonders die Mitchell-Lories und die Tigerbabys abzulichten war ein schwieriges Unterfangen. Mit der riesigen Savannenlandschaft die in den nächsten Jahren entstehen soll, wird der Zoo noch attraktiver und bekommt mit Giraffen ein weiteres absolutes Highlight dazu. Eine neue sehr großzügige Außenanlage erhalten die Flachlandgorillas. Dies versetzt den Zoo zukünftig in die Lage am Erhaltungszuchtprogramm für diese bedrohte Tierart teilzunehmen.
Meine Erinnerungen an die ersten Zoobesuche reichen zurück in die 1960er Jahre und im Vergleich zu damals gab es in den vergangenen Jahren eine sehr positive Entwicklung. Was sich meiner Meinung nach nicht geändert hat seit dem Tiere, in welcher Form auch immer, ausgestellt werden, ist unsere Faszination für exotische Tiere. Auch die Gründe warum Tiere präsentiert werden haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert – zum Wohl der Tiere.
Zooähnliche Tierhaltung ist bereits aus Ägypten, China oder aus Mexiko bekannt. Funde belegen, dass ca. 3500 v. Chr. in Hierakonpolis, dem damaligen politischen und religiösen Zentrum Oberägyptens, Tiere gehalten wurden. Kaiser Wu-Wang, der Ahnherr der Zhou-Dynastie, lies um 1150 v. Chr. den Garten der Intelligenz anlegen, in dem zahlreiche Tiere aber auch Pflanzen aus weit entfernten Regionen gezeigt wurden. Bei der Eroberung Mexikos staunten die Spanier nicht schlecht, als sie eine Anlage vorfanden, die den späteren Menagerien in Europa ähnelte und in der Aztekenherrscher Moctezuma II in Wasserbehältern, Vogelhäusern und Käfigen eine Vielzahl exotischer Tiere hielt. Man kann wohl davon ausgehen, dass die damaligen Herrscher die Tiere – zumindest die Säugetiere – nicht nur als Schauobjekte, sondern auch zur Jagd oder als Opfergabe hielten.
Eine besonders unrühmliche Art der Tierhaltung wurde im römischen Reich praktiziert. Mit Tierhetzen, Gladiatorenkämpfen oder Wagenrennen in Arenen versuchte das herrschende Patriarchat Einfluss auf das niedere Volk zu bekommen, um so in der Hierarchie weiter aufzusteigen oder die eigene Position zu festigen. Der Verbrauch an exotischen Tieren aus Afrika, dem Nahen Osten und Indien war enorm und führte zur Dezimierung vieler Tierarten in den von Rom beherrschten Gebieten. Die erste Tier Hatz durch Marcus Fulvius Nobilior fand 188 v. Chr. statt. Die letzte bekannte Tierhatz in Rom wurde vom Ostgotenkönig Theoderich dem Großen 523 n.Chr. durchgeführt. Mit Beginn der Völkerwanderung verlor diese Art der Volkbelustigung zunächst ihre Bedeutung.
Damit allerdings nicht genug. Zu Beginn der Neuzeit (Wechsel vom 14. zum 15. Jahrhundert) wurde es en vogue, in den Herrscherhäusern wieder Kampfarenen einzurichten. Mit der Kolonialisierung war der Nachschub an exotischen Tieren gesichert und der Vernichtungsfeldzug nahm seinen Lauf. Hinzu kam, dass die neuen Herren in Indien, Afrika oder Südamerika ihre Jagdleidenschaften entdeckten. Am Beispiel der Löwen kann man die Ergebnisse leicht nachvollziehen. Bis ins Jahr 146 n.Chr. gab es praktisch keine Löwen mehr in Mittel- und Südeuropa. Mit der Eroberung von Nordafrika durch Rom ereilte die Löwenpopulation dort das gleiche Schicksal. Durch die aufkommende Jagdleidenschaft der Kolonialisten, wie bereits erwähnt, schrumpften die Bestände ab dem 15. Jhd. In Nord- und Südafrika. Den asiatischen Löwen ging es nicht besser. Ursprünglich waren sie von der Osttürkei über den Nahen Osten, Zentralasien bis nach Indien weit verbreitet. Die Bilanz menschlicher Dummheit und Geltungssucht: Der letzte Kap-Löwe wurde Mitte des 19. Jhds., die letzten freilebenden Löwen in Marokko und Algerien Anfang des 20 Jhds. erschossen. Die letzten indischen Löwen leben heute im Bundesstaat Gujarat. Zwischen 1800 und 1942 wurden die Löwen auf der Arabischen Halbinsel, in der Türkei, Syrien, Iran, Irak, Pakistan, Afghanistan und Zentralasien ausgerottet.
Aber zurück zur Tierhaltung. Mit Beginn des Zeitalters der Aufklärung um 1700 verschwanden die Tierkampfarenen und die europäischen Herrscher ließen Menagerien bauen in denen Vögel und exotische Tiere gezeigt wurden. Integriert waren die Menagerien üblicherweise in große Gartenanlagen zu denen allerdings nur der Adel und Würdenträger Zutritt hatten. Eine der bedeutendsten Anlagen dieser Art wurde vom Ludwig XIV dem Sonnenkönig in Versailles gebaut. Die nahe gelegene Arena von Vincennes wurde um 1700 geschlossen und die verbliebenen Tiere nach Versailles gebracht.
Ein großer Schritt von der Menagerie zum Zoologischen Garten vollzog sich im Rahmen der französischen Revolution. Das private Präsentieren von Tieren wurde verboten. Der bereits im Jahre 1626 von König Ludwig XIII angelegte „Jardin des Plantes“ wurde um 1790 zum ersten Zoologischen Garten in Europa. Tiere aus Wandermenagerien, sonstiger privater Haltung und nicht zuletzt nach Auflösung der Menagerie von Versailles 1793 wurden im „Jardin des Plantes“ untergebracht. Tiere wurden nun nicht mehr zur Repräsentation durch den Adel gehalten. Die Öffentlichkeit bekam Zutritt und die Wissenschaft interessierte sich nun nicht nur für das Aussehen exotischer Tiere, sondern begann mit Untersuchungen und Beobachtungen zum Verhalten und zur artgerechten Haltung. Weitere wichtige Themen aus dieser Zeit waren u.a.: Evolution und Systematik im Tierreich. Die Zoologie schlug hier ein wichtiges Kapitel auf.
Als ältester Zoo der Welt gilt allerdings die Menagerie von Schönbrunn. Zunächst diente diese nach Eröffnung 1752 nur dem wissenschaftlichen Interesse von Kaiser Franz I. Zutritt hatten seine Familie und Höflinge. Aber bereits 1779 wurde die Anlage der Öffentlichkeit – bei freiem Eintritt – zugänglich gemacht.
Eine wahre Welle von Zoogründungen setzte im 19. Jhd. ein. Zunächst in London 1828 (dieser nannte sich zum ersten Mal „Zoologischer Garten“), in den folgenden Jahrzehnten überall in England. Deutschland folgte mit Berlin 1844 und Frankfurt 1858. Im Unterschied zu den Menagerien oder fürstlichen Tierparks verfolgten die neu eröffneten Zoos einen Bildungsanspruch. Sie wollten wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Tierhaltung ziehen und diese an die Bevölkerung vermitteln. Allerdings sollten sie auch der Erholung der Bevölkerung dienen und so wurden viele Zoos mit Restaurants, Spielplätzen, Pavillons etc. ausgestattet, sodass durchaus der Unterhaltungswert in den Vordergrund trat.
Mitte des 19. Jhd. tritt ein Mann auf den Plan, der die Zoolandschaft im wahrsten Sinne des Wortes entscheidend veränderte und prägte – Carl Hagenbeck (geb. 1844). Der Vater von Carl Hagenbeck war eigentlich Hamburger Fischhändler. Durch einige Seehunde die er als Beifang von einem Kutter (lebend) erhielt, kam er auf die Idee, mit Tieren zu handeln. Vor dem Hintergrund, dass die vielen neuen europäischen Zoos einen schier unglaublichen Bedarf an Tieren hatten, war es wohl nicht die schlechteste Idee. Er baute eine sogenannte Handelsmenagerie, in der Tiere zum Weiterverkauf untergebracht waren, die aber öffentlich Zutritt gewährte. Diese wurde nach einem Umzug von seinem Sohn Carl vergrößert. Carl nannte es nun nicht mehr Handelsmenagerie, sondern Tierpark. Es war eine parkähnliche Anlage mit Käfigen, Freigehegen und wohl auch einer Bühne, denn Hagenbeck bot seinen Besuchern auch eine „Völkerschau“. Die Fremden präsentierten hier in Gruppen Volkstänze, Jagdszenen und andere folkloristische Darbietungen ihrer Kultur. Im Jahre 1897 kaufte Carl Hagenbeck ein Grundstück in Hamburg-Stellingen, auf dem 1907 der Tierpark Hagenbeck eröffnet wurde.
Hagenbeck verwirklichte nun sein Konzept der gitterlosen Präsentation der Tiere, außerdem veränderte er die Landschaftsarchitektur dahingehend, dass die Tiere in einer Ihrem Herkunftsland nachempfundenen Freigehege leben konnten. Wassergräben bildeten nun die Grenze zwischen Tier und Besucher. Seiner Vorstellung nach muss die Tierhaltung artgerecht sein: Rudeltiere sollen in Rudeln leben oder revierbildende Tiere erhalten größere Freianlagen. Er hat zusammen mit dem Hamburger Zoologen Alexander Sokolowky viele revolutionäre Ideen entwickelt und umgesetzt. Er hat mit Phantasie und Liebe zu den Tieren die Zoohaltung von Tieren bis heute maßgeblich beeinflusst.
Trotzdem stellt sich natürlich die Frage, ob ein Tier in Gefangenschaft überhaupt „artgerecht“ gehalten werden kann. Aber das Für und Wider möchte ich in einem weiteren Artikel beleuchten.
Bei meiner Recherche zum Artikel war mir außer dem Internet Ulrich Wirths Studienarbeit „Die Kulturgeschichte der zoologischen Gärten“ erschienen im Grin Verlag eine große Hilfe