Tierpark Hagenbeck

Geschichte und wichtige Personen

Wahrscheinlich war der Fischhändler und Stammvater der Hagenbecks Gottfried Claes Carl Hagenbeck kein Visionär, sondern eher ausgefuchster Geschäftsmann als er 1848 begann in Hamburg Tiere auszustellen und mit ihnen zu handeln. Auf alle Fälle war die Zurschaustellung der ersten Seehunde auf dem Spielbudenplatz ein solcher Zufallserfolg, dass er die Zukunft der Familie nachhaltig prägen sollte. Mit nur 21 Jahren übernimmt Carl Hagenbeck 1866 das Geschäft und baut daraus das damals größte Tierhandelsunternehmen der Welt. Und Carl hat außer seinem Geschäftssinn auch Visionen. Ein erster „Thierpark“ in Hamburg entsteht 1874 und 1907 wird in Stellingen der Tierpark Hagenbeck eröffnet. In den Jahren nach 1874 entwickelt Carl Hagenbeck die sogenannten Völkerschauen*, gründet einen Zirkus, präsentiert eine „zahme Dressur“ mit Löwen (Dressur durch Belohnung statt Strafe) und meldet ein Patent für gitterlose Tierpark-Freianlagen an.

Mit all seinen Ideen traf Carl Hagenbeck beim Publikum ins Schwarze. Er schuf ein Familienimperium, das über die Grenzen von Hamburg und Deutschland bekannt wurde. Seine revolutionären Ideen in der Tierhaltung wurden weltweit von Zoos übernommen.

  • Schwerpunkte – Tiere

Der Tierpark präsentiert 1850 Tiere (in 210 Arten) und 14.300 Tiere (in 300 Arten) im Tropenaquarium. Die herausragenden Anlagen sind die Elefantenanlage, das Tropenaquarium und das Eismeer (am Ort des bereits 1907 von Carl Hagenbeck eingeweihten Nordland-Panoramas). Nachdem Antje das Walross im Jahr 2003 verstarb, kamen mit der Eröffnung des Eismeeres wieder Walrosse nach Hamburg. Es sind die einzigen die in Deutschland gezeigt werden. Beeindruckend finde ich auch das Orang-Utan Haus, dessen Glaskuppel sich öffnen lässt und freie Blicke auf die Tiere bietet. Eselspinguine, Aldabra-Riesenschildkröten, Saruskraniche, Onager, Kamtschatka Bären oder Himalaja-Thare, die Liste der interessanten Tiere ist lang und wird durch das Tropenaquarium noch verlängert.

  • Artenschutz und Zucht

Besonders erfolgreich war man in der Vergangenheit mit der Nachzucht der Asiatischen Elefanten und Walrosse. Außerdem gab es Nachwuchs bei den Kaiserschnurrbart-Tamarinen, Mandrills, Sumatra Orang-Utans, Südamerikanischen Seebären und -Riesenottern, Nordchinesischen Leoparden, Sibirischen Tigern und den Eisbären. Ein besonderer Erfolg war Hagenbeck bei der ersten Nachzucht der Folohy- oder Bambus-Buntfröschchen (in Madagaskar beheimatet) 2021 beschieden. Diese werden im deutschsprachigen Raum nur in Hamburg und Zürich gezeigt.

Die Artenschutzprojekte des Zoos:

  • Der Tierpark und das Tropenaquarium beteiligen sich an einer Vielzahl Europäischer Erhaltungszuchtprogramme. (EEP)
  • Die Zuchtbücher für Onager und die Nordchinesischen Leoparden werden von Hagenbeck koordiniert.
  • Um dem großen Mangel an natürlichen Nistplätzen entgegen zu wirken wurden auf dem Gelände 350 Nistkästen für Vögel installiert. Diese wurden durch Fledermausnistkästen ergänzt.
  • Im Park wurden Feuchtbiotobe für Amphibien angelegt.
  • Es wurde ein Wildbienenprojekt ins Leben gerufen.
  • Bildung

Die Ll-Zooschule bietet ein Bildungsprogramm für Kinder, Schulklassen und Erwachsene.

  • Mein Fazit

Der Tierpark beeindruckte mich nicht nur durch seine Größe und den Bestand an Tieren in vielen unterschiedlichen Arten, es ist auch die moderne Präsentation (das Panoramakonzept) und die besondere Atmosphäre. Die Gehege bzw. Freianlagen sind weitestgehend den Bedürfnissen seiner Bewohner angepasst, bieten dem Besucher aber auch viele gute Perspektiven z.B. durch riesige Glasscheiben oder Einsicht in Gehege von mehreren Standpunkten. Eingebettet ist dies alles in eine Gartenanlage mit altem Baumbestand, kleinen exotischen Bauten und Weihern, die jedem botanischen Garten zur Ehre gereichen würde.

Wo viel Licht ist, gibts auch Schatten. Das trifft leider auch auf Hagenbeck zu. Seit Jahren tobt ein unappetitlicher Streit im Familienclan der Hagenbecks, mit häufigen Wechseln in der Führung, die der Weiterentwicklung des Tierparks häufig entgegenstand. Der nun eingesetzte Geschäftsführer – der nicht aus der Familie stammt – versucht mit Brachialgewalt und veraltetem Führungsstil den Tierpark nach Corona und Investitionsstopp wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Möge die Übung gelingen. Der Imageverlust dürfte jedoch immens sein.**

*Völkerschauen – Hierzu empfehle ich einen Beitrag des NDR der in Youtube abrufbar ist: Menschen ausgestellt im Zoo – Das dunkle Kapitel Völkerschauen | Panorama 3 | NDR. Auch bei diesem Thema würde es dem Image der Hagenbecks guttun sich zu äußern.

** Artikel zum Thema findet Ihr in der Onlineausgabe vom Hamburger Abendblatt

Nachtrag vom 18.07.

Ich möchte vorausschicken, dass die folgenden Zeilen, die meine Meinung widerspiegeln, nicht alleine an das Unternehmen Hagenbeck gerichtet sind. Sie sind allgemeingültig, die Probleme branchenübergreifend.

In meiner langjährigen Tätigkeit als Reiseverkehrskaufmann galt immer der alte Spruch „nichts ist so beständig wie der Wandel“. Liebgewordene Routinen, Arbeitsabläufe, die man in- und auswendig kannte und beherrschte, waren von heute auf morgen nicht mehr gültig, ja sogar Privilegien wurden eingeschränkt oder abgeschafft. Das Schlimme daran war meistens nicht die Neuerung an sich oder der Verzicht, sondern die mangelnde Kommunikation der Entscheider und Vorgesetzten und somit das fehlende Verständnis für Entscheidungen bei den Betroffenen.

Aus meiner Sicht sind heute Zeitmanagement, Kontrolle von Prozessen, Beurteilung von Kolleginnen und Kollegen unumgänglich. Und natürlich müssen Daten erfasst werden um Vergleiche anstellen zu können.

Etwas darf aber auf keinen Fall geschehen, dass man sich nämlich fragt: „Ist das noch der Beruf der für mich einmal Berufung war?“ Beispiele gefällig? Fremde Länder und Kulturen kennenzulernen war schon immer mein Wunsch und diesen hat mir die Reisebranche erfüllt – bis in den letzten Jahren plötzlich über zu hohe Kosten, Einschränkungen bei Privilegien und bei der Weiterbildung gesprochen wurde. Und ja, da habe ich mir diese Frage stellen müssen und sie mit nein beantwortet.

Wenn ich mir Gespräche und Interviews mit Tierpflegerinnen und Tierpflegern anhöre, dann wird eines klar: die Motivation diesen Beruf zu ergreifen ist der direkte Kontakt und ein enges Verhältnis zu den betreuten Tieren. Es wäre ein großer Fehler, wenn das Zoomanagement diesen Aspekt – aus welchen Gründen auch immer – einschränkt oder gar ausblendet. Solange Beruf und Berufung eins sind, lässt sich auch die eine oder andere bittere Pille schlucken.

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