Tierkinder

In diesem Jahr bin ich Opa geworden und auf meine Enkelin passen all‘ die Adjektive wie goldig (auf hessisch goldisch), süß, zum knuddeln, entzückend und was begeisterten Großeltern noch so einfallen mag. Genau diese Worte hört man natürlich auch in Zoos und Tiergärten. Tierkinder verzaubern uns ebenso wie Menschenkinder. Ein Grund mehr in meinen Bildern nach Tierkindern zu stöbern und siehe da, es gibt einige davon. Viel Spaß und Freude beim Betrachten meiner Bilderauswahl – ausnahmsweise fast ohne Text.

Bitte klickt jeweils das erste Bild an, die Galerie öffnet sich und ihr seht die Bilder großformatig. Meine Fotos entstanden in verschiedenen Jahren in folgenden Zoos: Elefant: Opel Zoo, Flusspferd Zolli Basel, Nashorn Augsburg


Ist Mutterliebe ein rein menschliches Gefühl? Eher nicht, denn wissenschaftlich gesehen, wird vor der Geburt (um die Wehen einzuleiten) und nach der Geburt (z.B. durch das Stillen oder Kuscheln) das Hormon Oxytocin im Gehirn produziert und ausgeschüttet. Es fördert zusammen mit anderen Stoffen das, was wir Mutterliebe oder mütterliche Fürsorge nennen und das geschieht gleichermaßen bei Tier und Mensch. Paradebeispiele für mütterliche Fürsorge, die wir in Zoos erleben können, sind Elefanten und Orang-Utans. Ein arabisches Sprichwort sagt: „Weil Gott nicht überall sein kann, schuf er die Mütter.“

Schimpanse: Zolli Basel, Leipzig, Gorilla: Nürnberg u. Frankfurt, Orang-Utan: Neunkirchen u. Hagenbeck, Bonobo: Frankfurt


Koala: Wilhelma, Duisburg, Schwäne: Überlingen/Bodensee, Rotes Riesenkänguru: Heidelberg  Moko/Bergmeerschweinchen: Wilhelma, Moorenten: Heidelberg Stockente: Bodensee Nandu: Wilhelma


Somali-Wildesel: Zolli Basel, Vikunja: Wilhelma, Kirk-Dikdik: Frankfurt, Alpensteinbock: Wilhelma, Bongo: Frankfurt, Schabrackentapir: Wilhelma


Trampeltier: Heidelberg, Rothschild-Giraffe: Leipzig


Weitere Fotos von Tierkindern findet ihr in den folgenden Beiträgen:

Löwen, Amur-Tiger, Sumatra-Tiger, Schneeleopard, Erdmännchen, Gepard, Eisbär, Grevy-Zebra, Okapi, Panzernashorn und Dschelada.

Art – Artenschutz

Bevor ich mich diesem Thema widme, wäre eigentlich zu klären, was man unter „Art“ versteht. Aufmerksame Leserinnen und Leser werden natürlich jetzt antworten: „das wurde doch im Beitrag Systematik der Tiere erklärt“. Die allgemeingültige Erklärung lautet also: Wenn sich Tiere in ihren wesentlichen Merkmalen gleichen und wenn sie als Männchen und Weibchen miteinander wieder gleiche, fruchtbare Nachkommen hervorbringen, so gehören sie zu einer Art.

Carl von Linné ging davon aus, dass die Arten bereits schon immer existierten. Charles Darwin hat uns dann gelehrt, dass sich Tiere durch Evolution und Arten durch Selektion weiterentwickeln. Es gibt heute einige wissenschaftliche Konzepte um Tiere in Arten einzuteilen. Einige sind wie kaum anders zu erwarten bei den Fachleuten umstritten: das merkmalbezogene Artkonzept, das cladistische Artkonzept oder das Biospezies-Konzept. Charles Darwin hat einmal gesagt:

Keine Definition der Art hat bisher alle befriedigt, obwohl jeder Naturwissenschaftler zu wissen glaubt, was er meint, wenn er von einer Art spricht.

Und nicht genug mit den Naturwissenschaftlern auch Philosophen und Tierethiker wie Christine Korsgaard leisten ihren Beitrag zum Thema. Korsgaard fragt in ihrem Buch „Tiere wie wir“: Menschen betrachten das Aussterben jeder Art als tragisches Ereignis – Warum? Einige Arten sind für das Ökosystem wichtiger als andere, also wo ist das Problem, wenn die eine oder andere Art ausstirbt? Wir Menschen betrachten den Wert eines Tieres für uns, jedoch nicht den Wert des Tieres für es selbst. (Beispiel: wir bedauern das Aussterben von Tigern – gegen das Aussterben der Stechmücken hätten wir jedoch nichts einzuwenden).

Für Biologen ist die Artenvielfalt etwas Gutes und unerlässlich für ein funktionierendes Ökosystem. Daraus folgt, dass das Aussterben einer Art von Bedeutung ist, wenn es die Artenvielfalt und damit die Gesundheit und damit auch das Wohl seiner Bewohner gefährdet. Diese Aussage, der biologische Artbegriff (Fortpflanzungsgemeinschaft) als auch der morphologische Artbegriff (gemeinsame Artmerkmale) bilden die Grundlage meiner eigenen Überzeugung. Ich habe sie im ersten Abschnitt allgemeingültige Erklärung der Art genannt.

Doch nun zum Artenschutz. Dieser ist ein Teilbereich des Naturschutzes. In allen meinen Beiträgen über Tiere spreche ich auch die Zerstörung des Lebensraums an. Abholzung von Wäldern für die Landwirtschaft, Erschließung von Flächen für Siedlungen und Infrastruktur aber auch Trockenlegung von Mooren, Überdüngung und Lichtverschmutzung. Und das passiert beileibe nicht nur in Brasilien oder Afrika, sondern auch bei uns in Europa und den anderen Industriestaaten.


Wenn man über Artenschutz liest, tauchen zwei wichtige Begriffe auf, die ich im Folgenden erkläre:
In-situ-Erhaltung von Ökosystemen und Biotopen bedeutet: die Erhaltung oder Wiederansiedlung von Arten in ihrem natürlichen Lebensraum, beispielsweise durch das Ausweisen von Schutzgebieten.
Im Naturschutz sind Ex-situ-Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt solche, die außerhalb des eigentlichen Lebensraums einer Art stattfinden, beispielsweise in Botanischen und Zoologischen Gärten oder in Genbanken. Eine wichtige Rolle bei Durchführung beider Maßnahmen spielt das 1985 gegründete EEP, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm. Das Programm wird vom Verband Europäischer Zoos (EAZA) verantwortet. Ursprünglich sollte das Programm durch den Austausch von Zuchttieren die genetische Diversität der Zootiere sichern, da es immer schwieriger wurde Wildfänge zu bekommen. In den folgenden Jahren verlagerte sich das Hauptaugenmerk jedoch immer mehr hin zum Artenschutz

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System im Tierreich I

In meinen Berichten ist oft die Rede von …gehört zur Familie, der Art…  oder …ist eine Unterart von… Es wird also Zeit für eine Erklärung. Wenn wir ordnungsliebende Menschen sind, dann nutzen wir Systeme auf dem PC, bei der Arbeit oder Zuhause um etwas wiederzufinden, zu vergleichen, Zusammenhänge zu erkennen oder zum Meinungsaustausch mit anderen. So auch Biologen, die ein Klassifizierungsschema – die Taxonomie – nutzen, um das komplette Tier- und Pflanzenreich jeweils in eine hierarchische Ordnung zu bringen.

Wenn sich Tiere in ihren wesentlichen Merkmalen gleichen und wenn sie als Männchen und Weibchen miteinander wieder gleiche, fruchtbare Nachkommen hervorbringen, so gehören sie zu einer Art. Wenn sie daneben in unerheblichen Merkmalen, wie Färbung oder Größe, voneinander abweichen, dann kann man von Unterarten, Varietäten oder Rassen sprechen. Arten, die sich nur geringfügig unterscheiden, fasst man zu einer Gattung zusammen. Werden die Unterschiede größer, werden weitere Gattungen aufgestellt. Diese lassen sich dann wieder nach dem Grad der Ähnlichkeit zu Familien vereinigen. Auf der nächsthöheren Stufe stehen die Ordnungen, die aus einander ähnelnden Familien zusammengesetzt sind. Desweiteren werden zusammengehörige Ordnungen zu Klassen und Klassen zu Stämmen vereint, und alle Tierstämme bilden das Reich der Tiere.

Wichtige Voraussetzung ist ein einheitliches Namensgebungsverfahren – die Nomenklatur – das für die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern weltweit gültig ist. Die Grundstruktur dieses heute noch gültigen Systems entwickelte Carl von Linné (1707-78). Der schwedische Forscher hat die binäre (doppelte) lateinische Nomenklatur eingeführt, die als Grundlage für sein „Systema naturae“ gilt.

Erklärung für die binäre Nomenklatur am Beispiel für den lateinischen Namen des Östlichen Kleinen Pandas: Es funktioniert wie unsere Vor- und Familiennamen und orientiert sich an Gattung und Art. Der lateinische Name ist also Ailurus fulgens styani und setzt sich aus der Gattung und der Art zusammen und, da es zwei Arten gibt, wurde der Nachname seines Entdeckers des Naturforschers Frederick William Styan hinzugefügt.

Um das System wirklich aussagekräftig zu machen, ist es erforderlich auch die ausgestorbenen Vertreter aller Tierarten zu erfassen. Siehe Anmerkung zu Ailuridae. So lassen sich nach molekularbiologischen und morphologischen Untersuchungen Verwandtschaften oder Abspaltungen von einer bestimmten Linie erkennen. Wer sich wundert, dass Walrosse und Robben in einer gemeinsamen Familie mit Hundeartigen sind, dem sei gesagt, dass es gemeinsame Merkmale gibt, die diese Einordnung rechtfertigen. Neuste Untersuchungen lassen vermuten, dass Bären und Robben einen gemeinsamen Vorfahren gehabt haben.

Oftmals vertreten Wissenschaftler unterschiedliche Ansichten was die Zuordnungen zu einzelnen Rängen betrifft und dies bringt natürlich eine gewisse Bewegung in das System. Oder die Forschungsergebnisse sind schlicht nicht eindeutig und die Diskussion darüber machen Anpassungen der Systematik erforderlich.

In einem folgenden Bericht werde ich auf die Systematik bei Homo sapiens eingehen.

*Die Chorda ist ein vorläufiges Achsenskelett, das durch die Wirbelsäule bei Wirbeltieren im Laufe der Entwicklung des Embryos ersetzt wird.

**Ailuridae – Die Familie umfasst die Kleinen Pandas und ihre bereits ausgestorbenen Verwanden. Eine genaue Darstellung erfolgt normalerweise im Tribus und Subtribus.

System im Tierreich II

Als Carl von Linné sein „Systema naturae“ austüftelte, hatte er natürlich nicht die Untersuchungsmöglichkeiten die uns heute zur Verfügung stehen. Außerdem kamen durch die Vielzahl der Forschungsreisen und Ausgrabungen in den folgenden Jahrhunderten immer mehr Erkenntnisse hinzu, die in der Systematik verarbeitet werden mussten.

Als Beispiel für eine aktuelle Klassifizierung betrachten wir die Ordnung der Primaten. Welches sind die Merkmale eines Säugetieres das dieser Ordnung zugerechnet werden soll.

  • Augen nach vorne gerichtet
  • gering ausgeprägter Geruchsinn
  • vergrößertes Gehirn
  • elterliche Fürsorge
  • verlängerte Jugendphase
  • Bildung sozialer Gruppen
  • spezielles Gebiss (gleiche Zahnformel)
  • Vorderextremitäten sind Greif- und Tastorgane, Daumenbildung

Somit gehören alle Säugetiere, die diese Merkmale besitzen, zur Ordnung der Primaten. Weichen die Merkmale ab, werden sie einer anderen Ordnung zugewiesen.

Entgegen der Denkweise des Mittelalters ordnete Linné den Menschen bereits 1735 ins Tierreich ein. In der 10. Auflage die 1758 erschien erhielt der Mensch seinen bis heutigen gültigen lateinischen Namen Homo (Mensch) sapiens (weiße, klug) und bekam seinen Platz in der Ordnung der Primaten. Allerdings ordnete Linné die Lebewesen nach ihrer Morphologie (Lehre von der Struktur und Form der Organismen) und erst Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie (Die Entstehung der Arten 1859) öffnete die Sicht für ein phylogenetisches System (die Systematik auf Basis der Evolution).

Weitere Erkenntnisse und Forschungen führten schließlich zur Erkenntnis, dass die nächsten Verwandten des Menschen die Schimpansen sind. Dass es im Gegensatz zu Schimpansen und Gorillas beim Homo sapiens keine Unterarten gibt, sprich keine Rassen, ist eine weitere wichtige und aktuelle Erkenntnis. In der Biologie werden die Kriterien für eine Unterart wie folgt definiert:

  1. geographisch begrenzte, klar differenzierte Populationen
  2. über längere Zeit getrennte Stammeslinien

Die Ergebnisse der evolutionsbiologischen und molekulargenetischen Forschung zeigen, dass die beiden genannten Kriterien auf menschliche Populationen nicht zutreffen.

Die Einordnung ins System des Tierreichs und unsere doch nahe Verwandtschaft mit Menschenaffen werfen auch in ethischer Hinsicht viele Fragen auf. Wie definiert sich unser Verhältnis zu Tieren? Sind wir wie in der Vergangenheit gelehrt wurde „die Krone“ der Evolution, gibt es Verpflichtungen gegenüber den Tieren und was ist mit den Rechten von Tieren?

In einem weiteren Artikel möchte ich auf diese Fragen eingehen. Da die Recherche aber Zeit benötigt, werde ich meinen Spaziergang durch die Zoos zunächst einmal weiter fortsetzen.

*Homininae – umfasst Gorillas, Schimpansen und Menschen einschließlich aller ihrer Vorfahren bis zu deren Trennung von der Entwicklungslinie der Orang-Utans