System im Tierreich II

Als Carl von Linné sein „Systema naturae“ austüftelte, hatte er natürlich nicht die Untersuchungsmöglichkeiten die uns heute zur Verfügung stehen. Außerdem kamen durch die Vielzahl der Forschungsreisen und Ausgrabungen in den folgenden Jahrhunderten immer mehr Erkenntnisse hinzu, die in der Systematik verarbeitet werden mussten.

Als Beispiel für eine aktuelle Klassifizierung betrachten wir die Ordnung der Primaten. Welches sind die Merkmale eines Säugetieres das dieser Ordnung zugerechnet werden soll.

  • Augen nach vorne gerichtet
  • gering ausgeprägter Geruchsinn
  • vergrößertes Gehirn
  • elterliche Fürsorge
  • verlängerte Jugendphase
  • Bildung sozialer Gruppen
  • spezielles Gebiss (gleiche Zahnformel)
  • Vorderextremitäten sind Greif- und Tastorgane, Daumenbildung

Somit gehören alle Säugetiere, die diese Merkmale besitzen, zur Ordnung der Primaten. Weichen die Merkmale ab, werden sie einer anderen Ordnung zugewiesen.

Entgegen der Denkweise des Mittelalters ordnete Linné den Menschen bereits 1735 ins Tierreich ein. In der 10. Auflage die 1758 erschien erhielt der Mensch seinen bis heutigen gültigen lateinischen Namen Homo (Mensch) sapiens (weiße, klug) und bekam seinen Platz in der Ordnung der Primaten. Allerdings ordnete Linné die Lebewesen nach ihrer Morphologie (Lehre von der Struktur und Form der Organismen) und erst Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie (Die Entstehung der Arten 1859) öffnete die Sicht für ein phylogenetisches System (die Systematik auf Basis der Evolution).

Weitere Erkenntnisse und Forschungen führten schließlich zur Erkenntnis, dass die nächsten Verwandten des Menschen die Schimpansen sind. Dass es im Gegensatz zu Schimpansen und Gorillas beim Homo sapiens keine Unterarten gibt, sprich keine Rassen, ist eine weitere wichtige und aktuelle Erkenntnis. In der Biologie werden die Kriterien für eine Unterart wie folgt definiert:

  1. geographisch begrenzte, klar differenzierte Populationen
  2. über längere Zeit getrennte Stammeslinien

Die Ergebnisse der evolutionsbiologischen und molekulargenetischen Forschung zeigen, dass die beiden genannten Kriterien auf menschliche Populationen nicht zutreffen.

Die Einordnung ins System des Tierreichs und unsere doch nahe Verwandtschaft mit Menschenaffen werfen auch in ethischer Hinsicht viele Fragen auf. Wie definiert sich unser Verhältnis zu Tieren? Sind wir wie in der Vergangenheit gelehrt wurde „die Krone“ der Evolution, gibt es Verpflichtungen gegenüber den Tieren und was ist mit den Rechten von Tieren?

In einem weiteren Artikel möchte ich auf diese Fragen eingehen. Da die Recherche aber Zeit benötigt, werde ich meinen Spaziergang durch die Zoos zunächst einmal weiter fortsetzen.

*Homininae – umfasst Gorillas, Schimpansen und Menschen einschließlich aller ihrer Vorfahren bis zu deren Trennung von der Entwicklungslinie der Orang-Utans

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