Schuhschnabel

Während ich schon das eine oder andere Mal über seltsame Namen von Tierarten philosophiert habe – wie z.B. die Suppenschildkröte – passt der Name hier ohne Wenn und Aber. Ebenso der arabische Name der im Sudan verwendet wird „Abu Markub“ was so viel wie „Vater des Schuhs“ oder auch „Urbild des Schuhs“ bedeutet.

Der Schuhschnabel in seinem eigentlichen Lebensraum:

Seeufer und Sümpfe, dicht bewachsen mit Papyrus, Lotos und Schilf bieten die besten Voraussetzungen für ein Schuhschnabelleben. Zu finden in Zentralafrika Uganda, Sambia (Bangweulusümpfe) und vor allem im „Sudd“ des Südsudan. Der Nil und seine Nebenflüsse haben hier das weltweit größte Sumpf- und Überschwemmungsgebiet geschaffen. Das bietet den Vögeln einen idealen Lebensraum mit Rückzugmöglichkeiten und ausreichender Nahrung.

Schuhschnäbel sind an diese Umgebung perfekt angepasst. Sie sind etwa 1,20 – 1,40m groß, haben ungewöhnlich lange Zehen mit denen sie über weichen Grund und Wasserpflanzen laufen ohne einzusinken. Der riesige, breite und lange Schnabel verfügt über einen Haken an der Spitze, damit auch glitschige Fische nicht mehr entkommen können. Die Ränder sind sehr scharf und zum Zerteilen der Beute geeignet. Beutetiere sind hauptsächlich Fische aber auch Amphibien und Reptilien.

Die Vögel sind äußerst effektive Jäger. Sie können stundenlang im seichten Wasser oder an Land stillstehen und plötzlich mit unglaublicher Geschwindigkeit den Kopf nach vorne schnellen, um ihren Fang zu fassen. Üblicherweise „schreiten“ die Vögel durch ihr Revier. Diese Bewegung erinnert an Kraniche. Sie fliegen nur sehr ungern und meistens wenn Gefahr droht.

Sie führen ein Einzelgänger Dasein und finden nur während der Brutzeit zusammen. Der Beste Zeitpunkt hierfür ist nach der Regenzeit, wenn die Pegel sinken und der Untergrund trockener wird. Die Nester werden im Röhricht in Ufernähe oder auf schwimmenden Inseln gebaut. Beide Eltern übernehmen die Brutpflege. Um die Eier vor Überhitzung zu schützen, schaffen sie Wasser im Schnabel heran, womit sie das Gelege kühlen.

Ihre verborgene Lebensweise hat wohl dazu beigetragen, dass sie erst 1840 vom deutschen Forschungsreisenden Ferdinand Werne (er gilt als Entdecker des Nildeltas) aufgespürt wurden. Araber und Bantu kannten den Schuhschnabel natürlich schon viel früher, was durch alte Reliefs und Skulpturen belegt ist. Schließlich kamen die ersten Bälge nach London und John Gould war es, der die Vögel 1851 in die Systematik eingliederte. Er nannte sie Balaeniceps rex, was so viel wie „Walkopfkönig“ heißt. Heute wird an das rex noch ein Gould zu Ehren des englischen Ornithologen angehängt.

Die Entdeckung durch die Europäer hatte – man kann es sich denken – schlimme Folgen. Viele Hundert Schuhschnäbel wurden geschossen, um in den Ausstellungen der Museen zu landen oder bei Sammlern in aller Welt. Hauptumschlagplatz für Bälge und lebende Vögel war Khartum im Sudan.

Schuhschnäbel in Menschenobhut:

Dieser Teil des Beitrags ist (leider) kurz. Zitat Zootierlexikon:

„Aufgrund seiner Schnabelform ist der Schuhschnabel sicher eine der bekanntesten Vogelarten. Zumindest theoretisch. In Zoos ist er nämlich äußerst selten zu sehen, weil die Beschaffung von Vögeln aus der Wildbahn schwierig ist und eine nachhaltige Zucht nicht existiert.“

Wie bereits beschrieben setzte nach ihrer Entdeckung ein wahrer Run von Sammlern und Zoos aus aller Welt auf diese Tiere (tot oder lebendig) ein. 1945 hatte der Berliner Zoo bereits einen Schuhschnabel. 1960 kam der erste Schuhschnabel in den Tierpark Berlin. 1975 bekam die Wilhelma einen weiblichen Schuhschnabel (Mausi) die 1990 in den Frankfurter Zoo umzog und dort am 30.03.2012 verstarb.

Für die Zoos war die Pflege dieser Tiere eine echte Herausforderung. Es gab kaum Erfahrungen im Umgang mit den Vögeln. Schwierigkeiten machten zunächst die Ernährung, medizinische Versorgung aber auch Anlage und Größe der Gehege sowie unser mitteleuropäisches Klima.

Heute wird im deutschsprachigen Raum nur noch ein letzter Vogel im Weltvogelpark Walsrode gehalten. Außerdem in Europa im belgischen Zoo Pairi Daiza (hier gelang auch die Zucht), in den Zoos von Prag und Exmoor GB.

Das weitaus größte Problem besteht jedoch in der Zucht dieser einzigartigen Vögel. Einerseits müssen passende Partner gefunden werden, da Schuhschnäbel äußerst wählerisch in der Partnerwahl sind (das gilt übrigens auch für die Beziehung zu Pfleger bzw. Pflegerin). Andererseits sind alle Vögel die in Zoos kamen nicht in der Wildbahn gefangen worden, sondern wurden von Menschenhand aufgezogen. Das führt zu einer Fehlprägung auf Menschen, die darin endet, dass Schuhschnäbel sich sozusagen gegenseitig ignorieren.

Vom Zoo Frankfurt erhielt ich auf meine Anfrage hierzu folgende Information:

„Die Expertenkommission des europäischen Zooverbandes hat diese Situation zum Anlass genommen, keine Empfehlung für ein Erhaltungszuchtprogramm auszusprechen, zumindest solange die Populationen in Afrika nicht akut bedroht sind. Sinnvoll wäre ein solches Programm sowieso nur dann, wenn sich eine größere Anzahl an Zoos u/o Vogelparks einem solchen Programm verschrieben, und die Fehlerquelle der Vergangenheit (s.o.) vermieden werden könnte. Da am Ende jede Population ohne Zuwachs natürlich nach und nach verschwindet, sind wir heute auf dem Stand, den Sie beklagen.“

Der momentan als gefährdete eingeschätzte Bestand in freier Wildbahn liegt bei 5000 – 8000 Tieren. Bedenkt man die politische Situation im zentralen Afrika insbesondere im Südsudan, Klimaveränderungen und die Bedrohung der Lebensräume, könnte diese akute Gefährdung in den nächsten Jahren jedoch eintreten. Ich hoffe man kann dann noch rechtzeitig reagieren.

Für uns Besserwisser:
Sudd – Das aus dem Victoriasee abfließende Wasser versorgt über den Nil den Sudd mit Wasser, hinzu kommen enorme Regenmengen. Der Nil verteilt das Wasser in verschiedene Flussarme über eine Fläche, die während der Trockenzeit etwa 30.000 km² (Hessen 21.500) und in der Regenzeit bis 130.000 km² (Griechenland 132.000) umfasst. Der geplante Jonglei-Kanal sollte die Wassermassen nach Norden (Nord-Sudan u. Ägypten) abführen um dort für die Landwirtschaft nutzbar zu sein. 1974 wurden die Arbeiten begonnen und 1984 aufgrund des sudanesischen Bürgerkrieges eingestellt. Gegner des Projekts hatten vergeblich auf die schwerwiegenden Einflüsse auf die Umwelt und die zu befürchteten Klimaveränderungen durch die Trockenlegung der Sümpfe hingewiesen.

Bangweulusümpfe – im nördlichen Sambia gelegen bieten ähnliche Voraussetzungen wie der Sudd. Sie sind allerdings kleiner haben aber ein reiches Vorkommen an Vögeln und Großwild. Das Kasanga – Schutzgebiet grenzt an die Sümpfe.

In der Systematik der Vögel sind Reiher, Pelikane und Hammerkopf die nächsten Verwandten der Schuhschnäbel:

Alle Bilder des Schuhschnabels entstanden im Weltvogelpark Walsrode im August 2025.

Montserrat-Trupial

Wenn ich mich für ein Tier entschieden habe, über das ich schreiben will, treffe ich zunächst einmal eine Bildauswahl (oder es folgen weitere Besuche in Zoos, um diese zu ergänzen). Der nächste Schritt ist natürlich die Recherche. Oft lenkt das Sammeln von Informationen mein Interesse dann aber auch auf die Geschichte und Geographie einer Region, die politische Situation eines Landes oder die oft heikle Mensch/Tier Beziehung.
Nun schreibe ich über den Montserrat-Trupial, einen kleinen etwa amselgroßen Vogel, der uns – wenn die Männchen nicht so ein wunderschönes Federkleid hätten – im Zoo wahrscheinlich gar nicht auffallen würde. Aber die Heimat dieses kleinen Vogels spielt nicht nur eine wichtige Rolle in der Existenz der Tiere, sondern bestimmt auch das Schicksal der dort lebenden Menschen. Also Grund genug etwas näher hinzuschauen.
Die Insel Montserrat liegt in der Karibik und gehört zu den Kleinen Antillen. Sie ist nur 16 km lang und 11 km breit. Ihre Fläche beträgt 102 qkm. Der Montserrat-Trupial kommt ausschließlich hier vor.

Geschichte der Insel Montserrat

Etwa 400 v.Chr. wanderte, wahrscheinlich vom südamerikanischen Festland, das Volk der Arawak ein. Sie galten als sehr friedliebend und wurden von den kriegerischen Kariben etwa im 15. Jhd. n.Chr. unterworfen. Die beiden Völker lebten nebeneinander, wobei die Kultur der Arawak erhalten blieb. Die ersten Europäer waren die Spanier unter Christoph Kolumbus, der im November 1493 auf seiner zweiten Reise die Insel entdeckte und für Spanien in Besitz nahm. Sie wurde jedoch nie von Spanien besiedelt und so wurde 1632 die erste Siedlung durch die Briten gegründet. Noch heute gehört Montserrat als Teil der „British West Indies“ zu den Britischen Überseegebieten. Für den Anbau von Tabak, Zuckerrohr und Baumwolle wurden aus Westafrika Sklaven beschafft, deren Nachkommen etwa 90% der Bevölkerung stellen. Der Rest der Einwohner verteilt sich auf sogenannte Hispaniolas und Europäer, meist irischer Abstammung (durch die Religionskriege im Mutterland Vertriebene). Unnötig zu sagen, dass Arawaks und Kariben das Zusammentreffen mit den neuen Bewohnern aus Westafrika und Europa nicht überlebten.

Die Insel heute

Im Jahr 1960 wurden etwa 13500 Einwohner gezählt. 1998 nur noch 2900, 2005 wieder 9400 und 2011 etwa 5000. Warum diese Schwankungen? Hier die Erklärung:
Am 09. Sep 89 bildete sich bei Kap Verde vor der Westafrikanischen Küste ein Sturm, der bei seinem Eintreffen in der Karibik zu einem Hurrikan der Kategorie 5 wurde und somit zu einer bis dato größten Naturkatastrophe in der Karibischen See. Zunächst erreichte er am 17. Sep. die Jungferninseln und am 18. Sep. die kleinen Antillen bzw. Montserrat. Von den damals dort lebenden Menschen verloren 90% ihre Wohnungen oder Häuser, fast die komplette Infrastruktur wurde zerstört. Ebenfalls ausgelöscht wurde die lokale Fledermauspopulation, für die Montserrat bekannt war.
Montserrat ist eine Insel vulkanischen Ursprungs und so leben Mensch und Tier immer in der Gefahr, dass das Erdinnere sich zurückmeldet. Nachdem der Vulkan Soufrière bereits 2 Jahre rumorte und Aschewolken ausspie, war es im Dezember 1995 so weit. 42 Mio. Kubikmeter Gestein flogen in die Luft und verwüsteten die südliche Region mit der Hauptstadt Plymouth. Bis ins Jahr 2010 blieb der Vulkan aktiv. Der Südliche Teil der Insel ist heute Sperrgebiet. Natürlich forderten diese Naturkatastrophen zahlreiche Opfer unter der Bevölkerung. Dies erklärt die schwankenden Einwohnerzahlen, da viele der Bewohner die Insel in Richtung Mutterland oder Nachbarinseln verließen, um weiteren Naturkatastrophen zu entgehen.
Leider können sich die einheimischen Tiere nicht evakuieren. Und so fielen große Bestände an Vögeln, Reptilien und Amphibien dieser zerstörerischen Gewalt zum Opfer. Vernichtung von Lebensraum und Verlust der Nahrungsgrundlagen brachten auch den Montserrat-Trupial, zu dem ich nun endlich zurückkehren will, an den Rand des Aussterbens.

Wie schon eingangs erwähnt, weisen die Vögel einen sogenannten Sexualdichromatismus auf. Männchen und Weibchen unterscheiden sich also in der Färbung ihres Gefieders. Der Hahn ist überwiegend schwarz und gelb, die Henne gelblich/grün und dunkel/olivfarben gefärbt. Wer nun denkt, das sei eine ungerechte Benachteiligung der weiblichen Vögel, liegt falsch, denn in der Natur macht ein Sexualdichromatismus durchaus Sinn. Das Männchen muss mit seiner intensiven Färbung Weibchen für sich gewinnen und die Weibchen sollen bei der Nestpflege und der Aufzucht des Nachwuchses möglichst unauffällig für Fressfeinde sein.

Bevorzugter Lebensraum sind feuchte Wälder in Höhenlagen bis zu 900 m mit dichtem Bewuchs an großblättrigen Helikonen (Falsche Paradiesvogelblumen). Die Vögel befestigen ihre Nester aus Schlingpflanzen an den Blättern der Helikonen, alternativ wenn sie zum Beispiel am Rande einer besiedelten Fläche leben, auch an Bananenblättern. Die Brutzeit dauert, abhängig von der Regenzeit, etwa von März bis August. Die zwei bis drei Jungvögel pro Gelege werden von beiden Eltern versorgt. Hauptnahrung sind Insekten die sie in Bodennähe erbeuten. In den Zoos werden aber auch Früchte und Nektar gefüttert.

Montserrat-Trupiale gelten als sehr territorial. Ihre Jungvögel vertreiben sie nach etwa einem Monat. Sie dulden keine weiteren Artgenossen in ihrem Territorium, wogegen ein Zusammenleben mit anderen Vögeln keine Probleme bereitet. Einige Zoos machen sich dies zunutze, indem sie die Vögel in Freiflughallen (wie z.B. im Zoo Basel) mit anderen Arten vergesellschaften. In 15 Zoos können die Trupiale bewundert werden, etwa die Hälfte davon im deutschsprachigen Raum.

Für uns Besserwisser:  Montserrat ist Katalanisch und bedeutet „gesägter Berg“. Kolumbus verlieh der Insel ihren Namen nach der Benediktinerabtei und dem gleichnamigen Gebirge in der Nähe von Barcelona.
Sexualdimorphismus – beschreibt Unterschiede im Erscheinungsbild von männlichen und weiblichen Individuen einer Tierart. Sexualdichromatismus hingegen Unterschiede ausschließlich in der Färbung der Geschlechter.

Alle Bilder wurden in den Faust-Vogelhallen des Frankfurter Zoos aufgenommen.

Falklandkarakara

Wer schon einmal einen Gerfalken oder das schnellste Tier auf unserem Planeten den Wanderfalken, im Flug oder im Sturzflug beim Beutefang beobachten konnte, wird sich über eine eher ungewöhnliche Fortbewegungsart des Falklandkarakaras sicherlich wundern. Aber der Reihe nach.

Die Vögel gehören in der Systematik zwar zur Familie der Falkenartigen, sie werden aber in einen eigenen Tribus (eine Stufe zwischen Unterfamilie und Gattung) als Geierfalken eingeordnet. Ich interpretiere das für mich mal so: „Sie sind etwas Besonderes.“ Der Name erschließt sich auch nicht sofort, warum „Geierfalken“. Man kann durchaus Gemeinsamkeiten finden: Einen großen, sehr kräftigen Schnabel, für einen Falken ungewöhnlich lange Beine, sie fressen auch Aas und sie bewegen sich häufig zu Fuß oder hüpfend über den Boden, obwohl sie gute Flieger sind.

Karakaras bevorzugen als Lebensraum Savannen, Steppen aber auch Hochgebirge, Küsten und Agrarflächen. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Süden der USA über Mittelamerika bis Patagonien und den Falklandinseln. Nach ihrer Herkunft und Aussehen werden 5 Gattungen mit mehreren Arten gezählt. Diese sind:

  • Gelbkehlkarakara – Baumbewohner. Sie leben in den Tropenwäldern im nördlichen Südamerika und im Amazonasgebiet.
  • Rotkehlkarakara – Verbreitungsgebiet wie oben. Rotkehlkarakaras sind Nahrungsspezialisten. Sie attackieren Wespennester reisen Löcher hinein um Larven und Eier herauszuholen.
  • Die Carancho – Schopf- und Karibikkarakara diese beiden Arten finden wir im Süden der USA, der Karibik, im Westen Südamerikas bis Patagonien aber nicht im Amazonasgebiet. Eine weitere Art der Guadelupe-Karakara lebte auf der Mexiko vorgelagerten gleichnamigen Insel. Er wurde 1875 erstmals beschrieben und war bereits 1900 durch Verfolgung ausgerottet. „Ziegenmörder“
  • Chimango – mit Chimangokarakara und Gelbkopfkarakara. Sie leben in den Pampas und auf Weideflächen von Panama und Südamerika.
  • Bergkarakara – Streifen-, Berg-, Weißkehl- und Falklandkarakara leben in den Anden und auf den Falklandinseln.

Thema dieses Beitrages ist der Falklandkarakara, der nur auf der gleichnamigen Inselgruppe sowie auf den Feuerland vorgelagerten Inseln lebt. Von den dortigen Einwohnern erhielt er den Spitznamen Johnny Rook.

Als zu Anfang des Jahres 1833 die „HMS Beagle“ mit ihrem berühmten Passagier Charles Darwin an einem Archipel festmachte, das den Namen Falkland trug, war dieser wenig begeistert. Er beschrieb die Moorlandschaft, die er sah, als „desolate and wretched“ also trostlos und erbärmlich. Die dort lebenden Vögel mit schwarzem Gefieder und dem gelb gefärbten Oberschnabel weckten allerdings sein Interesse. Allerdings auch deshalb, weil sich die Mannschaft der Beagle über das diebische Verhalten der Vögel beschwerte und, da sie auch die Takelage überaus interessant fanden, musste eine zusätzliche Wache aufgestellt werden. Darwin registrierte zwar die aufmerksame Wachsamkeit, ihre Neugier und ihr Auftreten in Gruppen (was von anderen Raubvögeln nicht bekannt ist) und erwähnte sie auch ausführlich in seinem Reisebericht, aber weitergehende Studien führte er nicht aus, er hatte ja auch andere Ziele im Sinn.

Aber egal, ob man die Aufzeichnungen von Charles Darwin liest, einen Falkner befragt oder die Vögel selbst beobachtet, es wird schnell klar, dass sie nicht viel gemein haben, weder mit den eigentlichen Falken noch mit anderen Greifvögeln. Es sind Nahrungsopportunisten, das bedeutet, sie versuchen immer an das Futter zu kommen, das sie am schnellsten und einfachsten bekommen können. Deshalb fressen sie auch Aas, Insekten, Fisch, Eier und anderes mehr. Und sie sind erfindungsreich und intelligent. Man hat beobachtet, dass sie auf der Suche nach Futter Steine umdrehen und auch Stöckchen benutzen. Zum Vergnügen der Zuschauer erzählte ein Falkner aus der Zoofalknerei Neunkirchen, dass die Mülleimer auf dem Gelände „karakarsicher“ sind und man die Taschen doch bitte geschlossen halten solle.
Heute geht man davon aus, dass Papageien und die Gruppe der Falkenartigen gemeinsame Vorfahren hatten, die auf der zu dieser Zeit noch bewaldeten Antarktis lebten und sich über Landbrücken nach Norden verteilten und unterschiedlich entwickelten. Warum die so intelligente Spezies der Falklandkarakaras aber ausgerechnet in einem so abgelegenen, winzigen Gebiet heimisch wurden, hatten weder Darwin noch andere Wissenschaftler bisher klären können.

Falklandkarakaras trifft man in freier Wildbahn oft in Gruppen an, z.B. wenn sie gemeinsam jagen oder während der Brutzeit. Die Nester befinden sich häufig an Felsvorsprüngen oder auf dem Boden geschützt durch Grasbüschel und ausgepolstert mit Gras und Wolle. In der Regel werden ein bis drei Eier ausgebrütet und die Jungvögel werden von beiden Eltern – die im Übrigen monogam leben – versorgt. Ein besonderes Verhalten zeigen die Weibchen mit dem sogenannten „brood-reduction“. Der schwächste Nestling wird aus dem Nest geworfen um das Überleben der anderen zu sichern. Obwohl sie so sozial scheinen, werden sie in der Verteidigung ihrer Nester oder der Nahrung auch zu Artgenossen ausgesprochen aggressiv.

Johnny Rook’s sind in einigen deutschen Zoos zu sehen, u.a. in Frankfurt, der Wilhelma, Hannover oder Heidelberg. Besonders schön finde ich es, ihnen bei einer Flugshow ohne lästiges Gitter zu begegnen und sie dort zu beobachten, wie zum Beispiel in der Zoofalknerei in Neunkirchen.

Die folgenden Bilder entstanden in der Falknerei des Neunkirchner Zoos. Wachsamkeit aber auch Neugier bei „Johnny“: Was ist das für ein Ding, das sich der Typ vors Gesicht hält und das dauernd klickt?

Für uns Besserwisser: Der Name „Caracara“ stammt aus der Sprache der Ureinwohner Südamerikas, den Guarani. Er bedeutet so viel wie „Jäger“.

Socorrotaube / Paloma de Socorro

Es sind wunderschöne Tiere. Aber wie so oft mit einem traurigen Schicksal, das – man ahnt es schon – eng mit Menschen verknüpft ist.

Die Tauben sind mittelgroß, etwa 25 – 35 cm. Das Federkleid ist überwiegend rötlich bis zimtbraun, nur die Oberseite ist erdbraun. Der Schnabel ist an der Spitze dunkel. Insgesamt ist sie etwas größer als ihre nahen Verwandten, hat einen längeren Schnabel und längere Beine. Warum das so ist, dazu gleich mehr. Sie ernähren sich von Früchten, Samen und Beeren. Täuber und Täubin leben monogam, kümmern sich gemeinsam um die Brut. Meist werden 2 Eier vom späten Nachmittag bis zum Morgen vom Weibchen und den Rest des Tages vom Männchen bebrütet. Die Brutzeit beträgt 10-15 Tage, die Jungvögel bleiben 14-20 Tage im Nest bevor sie von den Eltern vertrieben werden. Ihr Lebensraum sind (waren) Wälder und steiniges Buschland auf einer Höhe von 500-600 max. 950m. Ihr Leben spielt sich überwiegend am Boden ab, dort wird auch gebrütet und dies ist der Grund für die körperlichen Anpassungen durch die Evolution.

Ihr Vorkommen war auf eine einzige Insel im Pazifik beschränkt. Socorro* – 700 km östlich von Mexiko und 400 km südlich der Baja California. Die Insel ist Teil eines kleinen Archipels mit dem Namen Revillagigedo. Sie ist 16,5 km lang an der breitesten Stelle misst sie etwa 15,5 km. Socorro erhebt sich 4000m vom Meeresgrund, ist vulkanischen Ursprungs und die Spitze ragt 1050m über den Meeresspiegel hinaus. Damit erklärt sich die Färbung der Tauben, die so auf dem dunklen Lavaboden von Raubvögeln schlecht auszumachen sind. Die Vögel werden als äußerst aggressiv ihren Artgenossen gegenüber beschrieben. Täuber vertreiben sogar fremde Weibchen mit Nachdruck. Diese Abgrenzung macht Sinn, wenn man endemisch (ausschließlich in einem Gebiet) lebt. Ihre nächste und engste Verwandte ist die Carolina- oder Trauertaube, die in Nord- und Mittelamerika weit verbreitet ist und keine Mühe hat Socorro zu erreichen.

*Socorro – spanisch für Unterstützung, Hilfe. Ursprüngliche Bedeutung: Verehrung der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe. Er bezieht sich auf eine der Aufgaben, die die Christen der Jungfrau Maria zuschreiben, denen zu helfen, die in Not sind, ihnen beizustehen.

Was wir über Socorrotauben heute wissen stammt überwiegend von privaten Züchtern und Zoos (außer, dass sie offensichtlich gut schmeckten). 1972 wurde das letzte Exemplar vor Ort gesichtet. Sie gelten ab da als in freier Natur ausgestorben.  Da meiner Meinung nach das Schicksal der Socorrotaube exemplarisch für den Umgang des Menschen mit Ökosystemen steht, beschäftige ich mich im Folgenden mit der Geschichte und dem Schicksal der Insel. Dann werfe ich einen Blick in die Zukunft und die Wiederansiedlung der Tiere in ihrer ursprünglichen Heimat. Zum Abschluss meines Beitrages noch einige Bemerkungen zu „invasiven Arten“.

Im Dezember 1533 entdeckte Hernando de Grijalva eine Insel, die auf keiner Karte verzeichnet war. Nachdem er angelandet war, nahm er das winzige Eiland im Namen seines spanischen Königs in Besitz und nannte sie „Santo Tomas“. Angeblich steuerte Sir Francis Drake die Insel 1579 an und hielt sich einige Zeit dort auf. Der spanische Kapitän und Abenteurer namens Martin Yanez de Armida betrat sie 1608 um dort Gold zu suchen. Da ihn seine Frau begleitete, gab er der Insel kurzerhand deren Vornamen „Socorro“. Bis sich 1793 der Seefahrer James Colnett daranmachte Karten anzufertigen und Proben von Flora und Fauna zu nehmen waren alle vier Inseln des Archipels entdeckt. Zu Ehren und aus Dankbarkeit benannte er das Archipel nach dem mexikanischen Grafen Revillagigedo. Viele Expeditionen folgten bis 1865 der Ornithologe und Maler Andrew Jackson Grayson mit seinem Sohn Ned die Insel besuchten. Angeblich entdeckte sein Sohn Ned auf seinen Streifzügen die Socorrotaube. Sein Vater zeichnete und beschrieb sie zum ersten Mal. Ihm und seinem Sohn zu Ehren erhielt die Taube 1871 den lateinischen Namen Zenaida graysoni (Zenaide Laetitia Julia Bonaparte, war die Ehefrau von Charles L. Bonaparte einem französischen Naturforscher).

Im gleichen Jahr erhielt eine Gruppe von Australiern und Kanadiern die Erlaubnis sich auf der Insel anzusiedeln sowie 100 Schafe und 25 Stück Vieh mitzunehmen. Die Rinder überlebten allerdings nicht lange.

Viele Expeditionen folgten in denen die Inseln des Archipels genau vermessen und Flora und Fauna intensiv studiert wurden. Aber erst nach 1905 lieferten die Expeditionen der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften und die in den Jahren 1932 und 1939 organisierten Expeditionen der Allan-Hancock-Stiftung wirklich gute Ergebnisse. Trotz der Bedeutung des Archipels in politischer, wirtschaftlicher und biologischer Hinsicht war das Wissen über die Ökologie der Inseln bis dahin sehr überschaubar. Im Januar 1957 richtete die mexikanische Regierung zur Sicherung ihrer Souveränität außerhalb ihrer 200 Meilenzone einen Marinestützpunkt auf Socorro ein. Die Soldaten durften, um ihnen den Aufenthalt attraktiver zu machen, ihre Familien und Haustiere mitbringen. Das war dann das endgültige Aus für das ökologische Gleichgewicht.

Schafe, Schweine und Kaninchen sowie eingeführte Pflanzen haben die ursprüngliche Vegetation so drastisch verändert, dass Erosionsprozesse in den Böden beschleunigt wurden. Ein Übriges taten schwere Wetterereignisse, denn seit 1958 haben mehr als 77 Wirbelstürme und 8 tropische Stürme den Archipel heimgesucht. Die Socorrotaube hatte mit dem Auftauchen von Katzen plötzlich einen Fressfeind am Boden, mit dem sie nicht umgehen konnte. Die Evolution hatte Strategien entwickelt, um Gefahren aus der Luft zu begegnen. Auch die Soldaten freuten sich über Vögel die nicht wegflogen, wenn man in ihre Nähe kam und sich sogar neugierig ihren Jägern näherten. Leichte Beute für den Kochtopf. Leibwächter des damaligen Gouverneurs von Colima (mexikanischer Bundesstaat zu dem das Archipel gehört) haben laut Überlieferung 1972 die letzte Taube „zu Tode geprügelt“. (dokumentiert im Buch „Colima y las Islas de Revillagigedo“ von Manuel V. Murguía).

Bei all diesem Unglück gibt es allerdings auch Hoffnung. In den Jahren zwischen 1925 und 1957 wurden von verschiedenen Expeditionen Tiere nach USA gebracht, um sie dort zu züchten. Einige der Tiere gelangten auf Initiative des Anthropologen Edward Gifford nach England.

Ab 1987 wurde von Luis Baptista, einem Ornithologen, die Idee geboren, die Tiere in ihre Heimat zurückzubringen. Er und der mexikanische Biologe Juan E. Martinez wurden die treibenden Kräfte für das Wiederansiedlungsprojekt. Die Arbeit der beiden war die Grundlage und der Anstoß, dass die mexikanische Regierung das Revillagigedo-Archipel 1994 zum Biosphärenreservat erklärte. Weitere Untersuchungen von Baptista machten jedoch klar, dass die invasiven Tier- und Pflanzenarten von der Insel verschwinden mussten, wenn das Projekt erfolgreich sein sollte.

1987 kam ein erstes Taubenpaar in den Frankfurter Zoo, weitere Exemplare folgten 1990 und im gleichen Jahr schlüpfte die erste „Frankfurter“ Socorrotaube. Bis heute waren es über 40 Tiere, die in Frankfurt geschlüpft sind und die an andere europäische Zoos verteilt werden konnten. So war es auch kein Wunder, dass der Biologe und Kurator des Frankfurter Zoos Dr. Stefan Stadler zusammen mit dem Kölner Zoo ein Zuchtprogramm startete, das 1995 in das Europäische Programm für gefährdete Arten (EEP) übernommen wurde. In diesen Jahren koordinierte Luis Baptista die Zusammenarbeit zwischen Zoos und Forschern, die daran interessiert waren, die Tauben in ihrer Heimat wieder auszuwildern. Nach dem Tod von Baptista im Jahr 2000 wurde die Rückführungsprojekt von seiner Kollegin Dr. Helen Horbilt weiter fortgesetzt.

Die in Deutschland und USA lebenden Tauben mussten zunächst genetisch untersucht werden, da zu befürchten war, dass die Nachzuchten mit der ursprünglichen Form durch Kreuzung (z.B. mit der Carolinataube in USA) nichts mehr zu tun hatte. Es stellte sich heraus, dass die in Deutschland gezüchteten Tiere am engsten mit der ursprünglichen Form der Socorrotaube verwandt waren.

Mit Unterstützung des mexikanischen Marineministeriums wurde eine Aufzuchtstation auf Socorro errichtet, die im November 2004 fertiggestellt wurde. Da die Tiere nicht einfach in die Freiheit entlassen werden können, müssten zunächst alle invasiven Arten eliminiert werden. Die ursprüngliche Vegetation, die die Nahrungsgrundlage der Tauben ist, muss neu angepflanzt werden. Mit anderen Worten der natürliche Lebensraum muss wieder weitestgehend hergestellt werden – eine Herkulesaufgabe! Finanziell unterstützt wird das Auswilderungsprogramm auf Socorro nicht nur aus Europa, sondern auch vom “Mohamed bin Zayed Species Conservation Fund“**.

Durch die in den folgenden Jahren aufgetretene Vogelgrippe konnten jedoch keine europäischen Socorrotauben nach Mexiko überführt werden. Das geschah jedoch dann endlich 2013 über den Umweg USA. In der Zwischenzeit beteiligt sich der mexikanische Safaripark „Africam Safari“ in Puebla, der die Tauben zunächst aufnimmt und z.B. eng mit dem Frankfurter Zoo kooperiert. Bis 2018 waren es 30 Tauben, die nun in Puebla auf ihre Auswilderung warten.

Im Oktober 2017 erklärte der mexikanische Präsident den Archipel zum Nationalpark und das Projekt Socorrotaube wurde in das „Aktionsprogramm für Artenschutz in Mexiko“ aufgenommen. Eine weise, wenn auch sehr späte Entscheidung.

**Muhammad bin Zayid bin Sultan Al Nahyan ist Herrscher von Abu Dhabi und seit 2022 Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate.

Und nun zum Schluss noch einige Zeilen und Erklärungen zu Begriffen wie „invasive Arten“, „Neobiota“, „gebietsfremde und indigene Arten“ am Beispiel Deutschland.

  • Indigene Arten – oder einheimische Arten haben sich aus eigener Kraft in einem Gebiet angesiedelt oder sind hier entstanden. Es gelten alle Arten als indigen, die sich seit der letzten Eiszeit hier etabliert haben.
  • Gebietsfremde – hierzu zählen Arten die bereits vor 1492 durch menschliches Zutun hier eingebracht wurden. Viele dieser Gebietsfremden haben sich jedoch ohne den Einfluss des Menschen etabliert.
  • Neobiota – ähnlich den gebietsfremden sind aber nach der Entdeckung Amerikas 1492 zu uns gekommen. Üblicherweise war die Ansiedlung Absicht z.B. bei Zier- oder Nutzpflanzen oder den Waschbären, der als Jagdwild angesiedelt wurde.  
  • Invasive Arten – sind Tiere oder Pflanzen die sich in einem Lebensraum außerhalb ihres ursprünglichen ansiedeln. Sogenannte Ausbreitungsbarrieren werden durch menschliche Hilfe überwunden (Transportmittel). Invasiv sind Arten dann, wenn sie unerwünschte Auswirkungen auf indigene Arten oder Biotope haben, die Artenvielfalt gefährden oder negative wirtschaftliche Auswirkungen haben. In Deutschland zählt man etwa 168 invasive Arten.

Im Fall der zerstörten Artenvielfalt und Lebensräume auf Socorro habe ich geschrieben, dass die invasiven Arten – Pflanze oder Tier – eliminiert werden müssen. Das schreibt sich natürlich einfacher, als es dann vor Ort umzusetzen ist. Schafe kann man von der Insel wegbringen, Pflanzen roden und heimische Arten neu anpflanzen. Aber beim Thema Katzen oder Kaninchen wird es schwierig, aus nachvollziehbaren Gründen. Aber sollen die immensen Summen die bisher investiert wurden und all die Arbeit die in die Wiederansiedlung gesteckt wurden wirklich umsonst gewesen sein?

für uns Besserwisser

Geschlechtsdimorphismus: bezeichnet die Unterschiede von weiblichen und männlichen Lebewesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vögeln sind  sich Täuber und Täubin der Socorrotaube sehr ähnlich.

Bedrohung von Vögeln durch Katzen: „Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass in den USA jedes Jahr zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel von Hauskatzen getötet werden. Für Deutschland gibt es grobe Schätzungen, die von 200 Millionen getöteten Vögeln pro Jahr ausgehen.“ Zitat Nabu

Rosapelikan

 

Es sind riesige Vögel, beeindruckend und vielleicht etwas einschüchternd, wenn sie vor einem stehen, die Flügel aufspannen, den Schnabel geöffnet, sodass man in ihren Kehlsack schauen kann. Die Flügelspannweite liegt zwischen 240 und 360 cm. Ein Männchen bringt es auf eine Länge von etwa 150 cm, davon entfallen 30-40 cm auf den Schnabel.

Aber es sind Vögel, die sich schnell an Menschen gewöhnen und ihnen auch folgen. Weltweit werden die Tiere in über 220 Zoos gehalten, dazu noch viele Tiere in Landschaftsgärten und Parks. Meine Aufnahmen sind überwiegend im Luisenpark Mannheim entstanden.

Rosapelikane gehören wie Krauskopf-, Nashorn- und Brillenpelikanen zu den großen Pelikanen, die in dichten Kolonien leben und am Boden brüten; wohingegen Rötel- und Graupelikane die kleinere Pelikanart vertreten, welche in lockeren Verbänden leben und auf Bäumen brüten. Braunpelikane und Chile-Pelikane unterscheiden sich sehr stark von den vorgenannten, sie sind sogenannte Stoßtaucher und leben am Meer.

Das erklärt die große Anzahl von Rosapelikanen in menschlicher Obhut. Sie sind verhältnismäßig einfach zu halten, wenn sie ausreichend Wasserfläche und beheizte Winterquartiere (ebenfalls mit Wasserfläche) haben. Bei freilebenden Vögeln in Europa liegt die Brutsaison etwa im April und Mai. Im Zoo durch die besseren Bedingungen etwas früher. Auffällig sind die Höcker am Schnabelansatz und ein Federschopf am Hinterkopf der sich zur Fortpflanzungszeit bei Männchen und Weibchen bildet, die Federn werden leicht rosa. Damit sich Paare finden, färben sich zusätzlich bei den Männchen die nackte Haut um die Augen gelb-rosa und bei den Weibchen orange. In Deutschland gelang übrigens die Erstzucht eines Rosapelikans im Zoo Berlin 1971 und die erste Handaufzucht war 2006 im Zoo Heidelberg erfolgreich. Die Eier wurden künstlich ausgebrütet und die Jungen in einer Wärmebox aufgezogen. Leider reagieren Pelikane sehr empfindlich auf Störungen während der Brut und verlassen dann häufig das Gelege.

Wenn an sich flugfähige Vögel nicht in Volieren gehalten werden sollen, müssen sie flugunfähig gemacht werden, indem ihre Schwungfedern beschnitten, die Flügelspitze amputiert wird (was seit 2006 verboten ist) oder durch Federfollikelextirpation (die chirurgische Entfernung der Federpapillen). Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema findet Ihr bei Interesse auf der Seite der Bundestierärztekammer.de*.

Pelikane leben auf allen Kontinenten. Den Rosapelikan findet man in Europa allerdings nur noch im Donaudelta, Südrussland, Bulgarien, der Ukraine und an der Grenze zwischen Griechenland und Albanien im Naturschutzgebiet Prespasee. Grundsätzlich stehen die Pelikane nicht auf der Roten Liste, ihre Bestände weltweit sinken jedoch.

*Artikel Flugunfähigmachen von Vögeln in zoologischen Einrichtungen. Vogelhaltung im Spannungsfeld zwischen Tierschutzgesetz und Verhaltensbiologie von Katrin Baumgartner

Riesenseeadler

Es sind beeindruckende Raubvögel, die einem aus ihrer großen Voliere mit scharfen Augen beobachten. Und ich glaube es war die Dame des Hauses, die sich wohl durch meine Kamera gestört fühlte und das deutlich zum Ausdruck brachte.

Riesenseeadler oder Steller-Seeadler* sind im Osten Russlands an der Küste der Beringsee, den nördlichen Küsten von Kamtschatka, auf den nördlichen Kurilen, am Ochotskischen Meer, am Amur, auf den Schantar-Inseln und auf Sachalin zuhause. Die einstigen Brutpopulationen von Südkorea gelten als erloschen. Laut Roter Liste von 2021 leben noch etwa 3600-3800 Tiere in ihrer natürlichen Umgebung. In Gebieten, in denen die Gewässer das ganze Jahr eisfrei bleiben, sind Riesenseeadler Standvögel, die übrigen Populationen sind Zugvögel. Tiere aus den weiter nördlich gelegenen Brutgebieten ziehen ab Oktober in südliche Gebiete und überwintern in Kamtschatka, auf den südlichen Kurilen, in Süd-Sachalin, an den südlichen Küsten des Ochotskischen Meeres und gelegentlich auch in Korea, aber vor allem auf der nördlichsten Insel Japans – Hokkaido.

Das Pärchen im Heidelberger Zoo wurde 2006 an der holländischen Grenze von Tierschmugglern beschlagnahmt und dem Zoo in Heidelberg zur Pflege übergeben.

*Benannt nach Georg Wilhelm Steller (1709-1746) der mit Vitus Bering die zweite Kamtschatka-Expedition unternahm. Steller war Arzt, Ethnologe und Naturforscher.