Bongo

Schon einmal von Bongos gehört? Aber klar, die kleinen Trommeln, die die kubanische Musik begleiten. Und die Antilope? Welche Antilope?

So oder so ähnlich ginge es vielleicht vielen, wenn sie auf Bongos angesprochen würden. Ein guter Grund diese wunderschöne afrikanische Antilope hier vorzustellen.

Der italienische Afrikaforscher Attilio Gatti war der erste Europäer, dem es gelang, auf einer seiner zahlreichen Expeditionen ein Jungtier zu fangen. Gatti zog es mit der Milchflasche groß und studierte sein Verhalten. Er reiste ab 1922 insgesamt 13 mal nach Afrika. Seine Erlebnisse schildert er in vielen Büchern u.a. „TOM-TOM* der Urwald ruft“, das eine Welt beschreibt, die heute nicht mehr existiert. Wer die Bongos entdeckt hat ist mir nicht bekannt, allerdings beschrieb der irische Naturforscher William Ogilby 1837 erstmals die Art.

Bongos leben in kalten Regenwäldern mit dichtem Unterholz, bevorzugt Bambusdickichte. Ihr Verbreitungsgebiet ist dreigeteilt. Die Populationen verteilen sich auf Westafrika (Sierra Leone bis Benin), Zentralafrika (Osten Kamerun bis Südsudan und DR Kongo) und Ostafrika (ursprünglich Uganda und Kenia). Man unterscheidet daher zwei Unterarten, den Westlichen- und Östlichen Bongo, der auch Bergbongo genannt wird. Während die westliche Art im Tiefland zu finden ist, bevorzugt die östliche Unterart bewaldete Gebiete bis in 3500 m Höhe. (Aberdare-Berge, Mount Kenya, Mau Forest und Eburu Forest).

Wie alle scheuen Waldbewohner gelten auch Bongos als geheimnisvoll und so ranken sich zahlreiche Geschichten um sie. Die Pygmäen im Kongo glaubten an merkwürdige Eigenschaften und erzählten von Zauberkräften der Bongos. Sie sollen sich mit den Hörnern in die Bäume hängen können und sich dann unvermutet auf die darunter pirschenden Jäger fallen lassen oder sie würden giftige Pflanzen fressen um ihr Fleisch ungenießbar zu machen und sie könnten, wenn sie verfolgt würden, komplett im Wasser untertauchen und dort lange ausharren.

Bongos gehören in der Systematik** der Biologie einem Taxon (einer Einheit) an, deren Zugehörigkeit von gemeinsamen Kriterien bestimmt wird – in unserem Fall die Hörner. Das Taxon nennt sich Stirnwaffenträger und die untergeordnete Familie Hornträger. Über die nähere Verwandtschaft war sich die Wissenschaft – wie so oft – lange Zeit nicht einig. Kudu, Nyala, und Sitatunga waren zunächst die erste Wahl, da ihre Hörner alle gedreht sind und sie äußerliche Ähnlichkeiten aufweisen. Allerdings tragen bei den Bongos Männchen und Weibchen Hörner, da dies bei Elenantilopen auch so ist, bilden sie nun eine gemeinsame Gattung. Am Ende des Beitrags findet ihr die Bilder verschiedener Antilopenarten.

*Lautmalerei für Buschtrommeln **Siehe meine Beiträge System im Tierreich I + II
Um die jeweilige Bildergalerie großformatig zu sehen, bitte auf das erste Bild klicken und blättern

Auffällige Kennzeichen sind nicht nur die langen, spiralförmigen Hörner, sondern auch 9-16 weiße Rumpfquerstreifen. Zusammen mit der rotbraunen Fellfarbe ist das die perfekte Tarnung im Busch. Gerade bei den großen Antilopenarten mit ihren durchaus gefährlich aussehenden Hörnern könnte man vermuten, dass diese Tiere besonders angriffslustig und wehrhaft gegen ihre Fressfeinde sind. Die meisten Antilopen sind jedoch Fluchttiere und auch bei Bongos werden die Hörner eher bei Auseinandersetzungen mit Artgenossen eingesetzt. Allerdings wurde auch beobachtet, dass Bongos mit Hilfe der Hörner Büsche aus der Erde hebeln oder sich auf die Hinterbeine stellen können, um mit Hilfe der Hörner an Blätter oder Früchte zu gelangen. Vielleicht ist die Geschichte der Pygmäen ja doch nicht nur eine Fabel?

Bongobullen sind Einzelgänger, die Kühe leben in kleinen Gruppen mit ihrem Nachwuchs zusammen. Sie sind in der Dämmerung und in der Nacht am aktivsten. Bongokühe bringen nach durchschnittlich 285 Tagen ein einzelnes Kalb zur Welt. Zur Geburt sondern sie sich von ihrer Gruppe ab. Die Jungtiere sind Ablieger, sie kauern sich ins Unterholz und die Mutter kommt nur zum säugen. Da die Kleinen noch keinen Eigengeruch haben, wird so verhindert, dass Fressfeine die Mutter wittern und auf das Kalb stossen. In der Wildnis werden die Tiere etwa 15 Jahre alt, in Zoos 3-6 Jahre älter.

Während die Westlichen Bongos von der IUCN als gefährdet eingestuft werden, haben die Bergbongos den Status „von der Ausrottung bedroht“. Man schätzt den Bestand der Unterart in Kenia auf nur noch 80 – 100 Tiere und in Uganda ist die Art ausgestorben. Somit leben in den Zoos weltweit mehr Tiere als in ihrem angestammten Lebensraum.

Bereits in den 70er Jahren war es für die kenianische Regierung klar, dass der zurückgehende Bestand (damals etwa 500) schon in naher Zukunft ausgelöscht sein würde. Man verschickte also 36 Bergbongos in die USA verteilt auf Zoos und spezialisierte Wildtierhaltungen, mit der Aufgabe eine Reservepopulation aufzubauen.

Im Februar 2025 war es dann soweit, 17 Bongos reisten von Florida in ihre ursprüngliche Heimat Kenia. Es war wohl ein gigantischer Kraftakt aller beteiligten Akteure u.a. der Schweizer Erlenmeyer-Stiftung in Verbindung mit dem Zoo Zürich und deren Partnern vor Ort der Lewa Wildlife Conservancy. Nun ist es klar, dass man Tiere aus Menschenobhut nicht einfach in die Wildnis entlassen kann. Sie müssen lernen was sie fressen können und wahrnehmen, wenn Gefahr durch Fressfeinde wie Leoparden droht. Außerdem müssen sie Immunität gegen Krankheiten entwickeln, die es in Europa nicht gibt. Die lange Reise endete deshalb in einer Wiederansiedlungsstation in Meru County am Mount Kenia. Hier wird die Zucht der Bergbongos fortgesetzt und die folgenden Generationen werden dann an ein Leben in der Wildnis gewöhnt und ausgewildert.

Aber auch in Europa war man nicht untätig. Beispiel der Frankfurter Zoo: Seit 1970 leben hier Bergbongos, die erste Geburt in Europa wurde 1973 gefeiert. Seitdem kamen bis heute 29 Kälber zur Welt. Ein weiterer wichtiger Schritt in Sachen Wiederansiedlung erfolgte nun 2026. Der Europäische Zooverband (EAZA) verfügt über 172 Bergbongos, die in 46 europäischen Einrichtungen leben. Zur Auffrischung des Genpools wurden 5 Bullen aus europäischen Zoos ausgewählt, darunter der Frankfurter Bulle Fitz und nach Kenia verschickt, um dort in das bestehende Zuchtprogramm integriert zu werden.

Bei der Recherche zu diesem Beitrag wurde mir wieder einmal vor Augen geführt welch ein Aufwand erforderlich ist, um menschliche Fehler und Ignoranz wieder gut zu machen. Und ob es die Tierrechtler nun hören mögen oder nicht, ohne unsere Zoos und die mit ihnen verbundenen Akteure wären solche Projekte nicht möglich.


Für uns Besserwisser: Antilope – ist ein sogenanntes Papierkorbtaxon, also ein Begriff der in der biologischen Taxonomie nicht verwendet wird. Der aber in der tiergärtnerischen Praxis und umgangssprachlich eine Gruppe von Tieren bezeichnet, die einige Gemeinsamkeiten aufweisen (wenn man von der Größe einmal absieht).
In der Regel versteht man unter Antilopen alle wildlebenden Hornträger, die nicht zu den Ziegenartigen oder den Rindern gehören. Antilopen sind demnach die Duckeru. Klippspringer, die Kuhantilopen, die Pferdeböcke, die Ried- und Wasserböcke, die Impalas und die Gazellenartigen. Hier einige Bilder:

Ducker und Klippspringer

Kuhantilopen

Pferdeböcke

Wasserböcke

Impala (Schwarzfersenantilope)

Gazellenartige

Hinterlasse einen Kommentar