Fennek (Wüstenfuchs)

Wir Menschen können uns bekanntermaßen (fast) allen Lebensräumen anpassen. Wir haben die Mittel, die Möglichkeiten und ob wir vier Monate in der Dunkelheit in Spitzbergen, wie Inuit bei bitterer Kälte in Grönland oder die San in der Hitze der Kalahari leben, wir passen uns an. Es gibt aber Tiere die stellen „die Krone der Schöpfung“ weit in den Schatten. Dazu gehören auch die Wüstenfüchse oder Fenneks. Warum? Lest weiter.

Wie der deutsche Name dieser Tiere schon sagt, leben Fenneks in einer Zone, die sich über den nördlichen Teil der Sahara erstreckt. Genau liegt das Verbreitungsgebiet zwischen Marokko (dort fast bis zur Atlantikküste) und südlich des Atlasgebirges über die Nachbarstaaten (dort fast bis zur Mittelmeerküste) bis nach Ägypten zum Nil und die Nubische Wüste. Nach Süden wird es von der Sahelzone begrenzt.

Die sogenannte Allensche Regel besagt, dass Körperanhänge (also z.B. Ohren, Beine, Schwanz) in kälteren Regionen kürzer sind als bei Tieren die in warmen oder heißen Regionen leben. Fenneks mit ihren langen Beinen und riesigen Ohren sind ein sehr gutes Beispiel für die perfekte Anpassung an Klima und Lebensraum. Mit etwa 35 – 40 cm Körperlänge und einem Gewicht von 1,5 kg gehören sie zu den kleinsten Vertretern der Fuchsfamilie. Ihre Ohren messen etwa 15 – 19 cm in der Länge. Fenneks können damit sehr tiefe Töne wahrnehmen und somit Bewegungen tief im Sand lokalisieren. Sie dienen nicht nur zum Aufspüren der Nahrung, sondern auch zum Temperaturausgleich, da sie nicht schwitzen können. Das dichte, weiche und lange Fell vermutet man nicht unbedingt bei einem Tier, das in der Wüste lebt. Fenneks sind jedoch dämmerungs- und nachtaktiv und sind so bestens gegen die nächtliche Kälte geschützt.

Unerlässlich für das Leben der Fenneks ist Sand, in den sie ihren Unterschlupf bauen. Die Bauten bestehen aus flach verlaufenden Gängen, die von der Oberfläche schräg in die Tiefe reichen und in einem tieferliegenden Kessel enden. Dieser wird mit Blättern, Fell oder anderen Materialien ausgelegt. In lockerem Untergrund sind diese Bauten recht klein. In Dünen mit etwas festerem Untergrund können sie aber enorme Ausdehnung erreichen und oft werden mehrere Bauten untereinander verbunden.  Es sind unglaublich agile und flinke Tiere, die hoch und weit springen können und sich blitzschnell im Sand eingraben, sodass man das Gefühl hat, sie würden einfach verschwinden.

Die Wüstenfüchse leben in Familienverbänden mit enger sozialer Bindung. Es sind dies die Eltern und etwa 2 – 5 Jungtiere. Männchen verteidigen ihre Familie vehement gegen Eindringlinge und Fressfeinde. Auch die Nahrungsversorgung der Mutter nach der Geburt wird vom Männchen übernommen.

Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Kerbtieren wie Heuschrecken aber auch Mäusen, Eidechsen oder kleinen Vögeln und Pflanzen. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken sie überwiegend mit der Nahrung. Wenn sie die Möglichkeit dazu haben, trinken sie auch Wasser.

Der Bestand gilt nicht als gefährdet (Erhebung von 2015), allerdings gibt es keine exakten Untersuchungen wie viele Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum noch leben. Die Ausfuhr der Tiere ist zwar geregelt und genehmigungspflichtig, allerdings wurden in den Jahren 1977 – 2017 4109 Ausfuhren genehmigt und etwa 3500 als Nachzuchten deklarierte Tiere exportiert. (Die Zahlen stammen aus dem Zootier-Lexikon). Man könnte also schon vermuten, dass dieser Handel (vom illegalen nicht zu reden) den Druck auf die Bestände zusätzlich erheblich verstärkt, den sie durch Klimaveränderungen und den Verlust von Lebensraum sowieso schon haben.

Laut Zootierliste gibt es weltweit etwa 250 Haltungen in Zoos und Parks. Das wären geschätzte 500 – 800 Tiere. Und der Rest? Die Beantwortung dieser Frage und meine Meinung dazu lest ihr im Beitrag nach der Galerie.

Es sind unbestritten sehr putzige Tiere und es macht viel Spaß sie zu beobachten. Allerdings haben sie, wie oben erwähnt, tagsüber lange Ruhephasen was man in meiner Bildergalerie unschwer erkennen kann. 🙂

Für uns Besserwisser:
Die Allensche Regel oder ökogeografische Proportionsregel ist eine Klimaregel – Die Regel gilt für gleichwarme Tiere. Das bedeutet für Vögel und Säugetiere die eine gleichbleibende Körpertemperatur haben, egal wie kalt oder warm es draußen ist.
Sahelzone – Die Sahelzone in Afrika ist die in Ost-West-Richtung langgestreckte semiaride Übergangszone zwischen der Wüste Sahara im Norden und der Trockensavanne im Süden. Bis auf einen kleinen Teil in Ostafrika liegt der Sahel in der Großlandschaft Sudan.

Exoten gehören nicht in private Hände.

Sucht man Informationen zu exotischen Tieren im Internet, fällt auf, dass Fragen nach dem Kauf oder der Haltung solcher Tiere in den Suchmaschinen auftauchen z.B.:
Kann man einen Fennek als Haustier halten?
Was kostet ein Fennek (-Tier)?

Ich gehe davon aus, dass eine Suchmaschine sich Fragen merkt, die sehr häufig gestellt werden. Und ja, Fenneks sind süß, goldig, witzig… Sie riechen aber auch stark nach Fuchs, sind nachtaktiv, vertragen sich nicht immer mit Artgenossen und die Zucht ist sehr schwierig. Trotzdem wurden in 20 Jahren fast 8000 Tiere gehandelt. Der größte Teil landet wohl in amerikanischen Privathaushalten.

Aber bei meinem Statement oben geht es ja nicht nur um Fenneks. Besonders dramatisch ist meiner Meinung nach der Handel mit exotischen Vögeln und Amphibien, da er aufgrund der oft kurzen Lebensdauer immer wieder Nachschub verlangt.

Nun gibt es natürlich auch Argumente für private Haltungen von Exoten. Klar ist, dass es viele Tierhalter gibt, die auf ihrem Gebiet absolute Spezialisten sind und über großes Fachwissen verfügen. Ihnen gelingt auch die Zucht ihrer Tiere und sie tragen so zur Erhaltung der Art bei. Tiere aus Nachzuchten können meist ohne Probleme gehandelt werden, andere Halter und selbst Zoos können ihre Bestände aus diesen Nachzuchten ergänzen. Dies vermindert den Druck auf die freilebenden Populationen.

Vielleicht lehne ich mich sehr weit aus dem Fenster, aber für alle anderen gilt: Exotische Tiere gehören nicht in private Hände. Man tut weder sich selbst noch den Tieren einen Gefallen, denn die Haltung ist oft sehr schwierig und die Bedürfnisse der Tiere können nicht erfüllt werden. Mit Lebewesen zu experimentieren, ob es vielleicht doch klappt, ist definitiv der falsche Weg. Dies gilt auch für Spontankäufe zu Festtagen und nicht nur für Exoten, sondern auch für Hunde und Katzen.

Montserrat-Trupial

Wenn ich mich für ein Tier entschieden habe, über das ich schreiben will, treffe ich zunächst einmal eine Bildauswahl (oder es folgen weitere Besuche in Zoos, um diese zu ergänzen). Der nächste Schritt ist natürlich die Recherche. Oft lenkt das Sammeln von Informationen mein Interesse dann aber auch auf die Geschichte und Geographie einer Region, die politische Situation eines Landes oder die oft heikle Mensch/Tier Beziehung.
Nun schreibe ich über den Montserrat-Trupial, einen kleinen etwa amselgroßen Vogel, der uns – wenn die Männchen nicht so ein wunderschönes Federkleid hätten – im Zoo wahrscheinlich gar nicht auffallen würde. Aber die Heimat dieses kleinen Vogels spielt nicht nur eine wichtige Rolle in der Existenz der Tiere, sondern bestimmt auch das Schicksal der dort lebenden Menschen. Also Grund genug etwas näher hinzuschauen.
Die Insel Montserrat liegt in der Karibik und gehört zu den Kleinen Antillen. Sie ist nur 16 km lang und 11 km breit. Ihre Fläche beträgt 102 qkm. Der Montserrat-Trupial kommt ausschließlich hier vor.

Geschichte der Insel Montserrat

Etwa 400 v.Chr. wanderte, wahrscheinlich vom südamerikanischen Festland, das Volk der Arawak ein. Sie galten als sehr friedliebend und wurden von den kriegerischen Kariben etwa im 15. Jhd. n.Chr. unterworfen. Die beiden Völker lebten nebeneinander, wobei die Kultur der Arawak erhalten blieb. Die ersten Europäer waren die Spanier unter Christoph Kolumbus, der im November 1493 auf seiner zweiten Reise die Insel entdeckte und für Spanien in Besitz nahm. Sie wurde jedoch nie von Spanien besiedelt und so wurde 1632 die erste Siedlung durch die Briten gegründet. Noch heute gehört Montserrat als Teil der „British West Indies“ zu den Britischen Überseegebieten. Für den Anbau von Tabak, Zuckerrohr und Baumwolle wurden aus Westafrika Sklaven beschafft, deren Nachkommen etwa 90% der Bevölkerung stellen. Der Rest der Einwohner verteilt sich auf sogenannte Hispaniolas und Europäer, meist irischer Abstammung (durch die Religionskriege im Mutterland Vertriebene). Unnötig zu sagen, dass Arawaks und Kariben das Zusammentreffen mit den neuen Bewohnern aus Westafrika und Europa nicht überlebten.

Die Insel heute

Im Jahr 1960 wurden etwa 13500 Einwohner gezählt. 1998 nur noch 2900, 2005 wieder 9400 und 2011 etwa 5000. Warum diese Schwankungen? Hier die Erklärung:
Am 09. Sep 89 bildete sich bei Kap Verde vor der Westafrikanischen Küste ein Sturm, der bei seinem Eintreffen in der Karibik zu einem Hurrikan der Kategorie 5 wurde und somit zu einer bis dato größten Naturkatastrophe in der Karibischen See. Zunächst erreichte er am 17. Sep. die Jungferninseln und am 18. Sep. die kleinen Antillen bzw. Montserrat. Von den damals dort lebenden Menschen verloren 90% ihre Wohnungen oder Häuser, fast die komplette Infrastruktur wurde zerstört. Ebenfalls ausgelöscht wurde die lokale Fledermauspopulation, für die Montserrat bekannt war.
Montserrat ist eine Insel vulkanischen Ursprungs und so leben Mensch und Tier immer in der Gefahr, dass das Erdinnere sich zurückmeldet. Nachdem der Vulkan Soufrière bereits 2 Jahre rumorte und Aschewolken ausspie, war es im Dezember 1995 so weit. 42 Mio. Kubikmeter Gestein flogen in die Luft und verwüsteten die südliche Region mit der Hauptstadt Plymouth. Bis ins Jahr 2010 blieb der Vulkan aktiv. Der Südliche Teil der Insel ist heute Sperrgebiet. Natürlich forderten diese Naturkatastrophen zahlreiche Opfer unter der Bevölkerung. Dies erklärt die schwankenden Einwohnerzahlen, da viele der Bewohner die Insel in Richtung Mutterland oder Nachbarinseln verließen, um weiteren Naturkatastrophen zu entgehen.
Leider können sich die einheimischen Tiere nicht evakuieren. Und so fielen große Bestände an Vögeln, Reptilien und Amphibien dieser zerstörerischen Gewalt zum Opfer. Vernichtung von Lebensraum und Verlust der Nahrungsgrundlagen brachten auch den Montserrat-Trupial, zu dem ich nun endlich zurückkehren will, an den Rand des Aussterbens.

Wie schon eingangs erwähnt, weisen die Vögel einen sogenannten Sexualdichromatismus auf. Männchen und Weibchen unterscheiden sich also in der Färbung ihres Gefieders. Der Hahn ist überwiegend schwarz und gelb, die Henne gelblich/grün und dunkel/olivfarben gefärbt. Wer nun denkt, das sei eine ungerechte Benachteiligung der weiblichen Vögel, liegt falsch, denn in der Natur macht ein Sexualdichromatismus durchaus Sinn. Das Männchen muss mit seiner intensiven Färbung Weibchen für sich gewinnen und die Weibchen sollen bei der Nestpflege und der Aufzucht des Nachwuchses möglichst unauffällig für Fressfeinde sein.

Bevorzugter Lebensraum sind feuchte Wälder in Höhenlagen bis zu 900 m mit dichtem Bewuchs an großblättrigen Helikonen (Falsche Paradiesvogelblumen). Die Vögel befestigen ihre Nester aus Schlingpflanzen an den Blättern der Helikonen, alternativ wenn sie zum Beispiel am Rande einer besiedelten Fläche leben, auch an Bananenblättern. Die Brutzeit dauert, abhängig von der Regenzeit, etwa von März bis August. Die zwei bis drei Jungvögel pro Gelege werden von beiden Eltern versorgt. Hauptnahrung sind Insekten die sie in Bodennähe erbeuten. In den Zoos werden aber auch Früchte und Nektar gefüttert.

Montserrat-Trupiale gelten als sehr territorial. Ihre Jungvögel vertreiben sie nach etwa einem Monat. Sie dulden keine weiteren Artgenossen in ihrem Territorium, wogegen ein Zusammenleben mit anderen Vögeln keine Probleme bereitet. Einige Zoos machen sich dies zunutze, indem sie die Vögel in Freiflughallen (wie z.B. im Zoo Basel) mit anderen Arten vergesellschaften. In 15 Zoos können die Trupiale bewundert werden, etwa die Hälfte davon im deutschsprachigen Raum.

Für uns Besserwisser:  Montserrat ist Katalanisch und bedeutet „gesägter Berg“. Kolumbus verlieh der Insel ihren Namen nach der Benediktinerabtei und dem gleichnamigen Gebirge in der Nähe von Barcelona.
Sexualdimorphismus – beschreibt Unterschiede im Erscheinungsbild von männlichen und weiblichen Individuen einer Tierart. Sexualdichromatismus hingegen Unterschiede ausschließlich in der Färbung der Geschlechter.

Alle Bilder wurden in den Faust-Vogelhallen des Frankfurter Zoos aufgenommen.

Okapi

Wie oft habe ich eigentlich schon geschrieben „… ist ein faszinierendes Tier…“? Wahrscheinlich schon sehr häufig und bei genauerer Betrachtung trifft dies wohl auf alle Tiere zu über die ich bisher geschrieben habe – wenn man sich mit ihnen näher auseinandersetzt. So ist es auch mit dem Okapi das manchmal Waldgiraffe genannt wird. Ein scheues, empfindsames und geheimnisvolles Tier mit riesigen Ohren, großen Augen und einer ungewöhnlichen Fellzeichnung.

Wenn ich von einem geheimnisvollen Tier spreche, dann deshalb, weil es das letzte Großsäugetier war, das von Weißen in Afrika entdeckt wurde. Im Jahre 1887 erzählten Pygmäen dem Afrikaforscher Henry Stanley* von einem Tier, das ähnlich aussehen sollte wie die von Stanley mitgeführten Pferde. Der Zoologe und Generalkonsul des neuen Protektorats Uganda Henry Johnston las Stanleys Bericht einige Jahre später und wollte das Geheimnis um das Tier lüften, da er es für unmöglich hielt, dass Savannentiere – wie Pferde es nun einmal sind – im dichten Urwald leben sollten. Pygmäen die schon immer zur Versorgung mit Fleisch Jagd auf diese Tiere gemacht hatten und es Okhapi nannten, fertigten aus dem Fell u.a. Gürtel. Stanleys Bericht wurde also von verschiedenen Seiten bestätigt. Johnston konnte Fellreste bekommen und schickte diese nach London zur Kgl. Zoologischen Gesellschaft, um sie dort untersuchen zu lassen. Die Londoner Wissenschaftler schlossen eine Verwandtschaft mit Zebras oder Pferden aus und benannten im Dez. 1900 die neue Tierart vorläufig „Equus? johnstoni“, also „Pferd? des Johnston“. Johnston gelang es jedoch bereits ein halbes Jahr später, ein vollständiges Fell und zwei Schädel zu erwerben. Die Wissenschaftler erkannten die verblüffende Ähnlichkeit mit der ausgestorbenen Kurzhalsgiraffe, die vor über 10 Mio. Jahren auch in Europa gelebt hatte. Sie benannten die neue Tierart nach seinem Entdecker „Okapia johnstoni“.

Von da ab setzte eine wahre Okapi-Hysterie bei Jägern, Museen und der internationalen Presse ein. Zoos bemühten sich an lebende Exemplare zu kommen. Da der Kongo unter belgischer Kolonialverwaltung stand, gingen die ersten Tiere in den Zoo von Antwerpen. Zur traurigen Wahrheit gehört aber, dass die Fang- und Transportmethoden nicht geeignet waren, Okapis gesund nach Europa zu bringen. Die Tiere wurden zunächst in Fallgruben gefangen, in einem Kraal an Menschen gewöhnt und von dort aus meist hunderte Kilometer an den Fluss Kongo gebracht. Sie wurden auf Flussdampfer umgeladen, um eine mehrwöchige Reise in die Hauptstadt Léopoldville (heute Kinshasa) anzutreten. Erneut wurden die Tiere umgeladen, um per Eisenbahn zum Hafen von Matadi oder Boma transportiert zu werden. Dort begann oft nach langem Warten der letzte Teil der Reise mit dem Schiff nach Europa (18 Tage) oder Amerika. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Antwerpener Zoos, Frau Dr. Agathe Gijzen, schreibt in ihrem Buch von 1959 „Das Okapi“, dass in den ersten 40 Jahren, in denen lebende Okapis in Zoos verschickt wurden 30 Bullen und 19 Kühe Afrika verließen und 19 davon den Transport oder das erste Jahr am Bestimmungsort nicht überlebten. Erst als die Tiere per Flugzeug transportiert werden konnten, besseres Futter gegeben wurde und die hygienische und medizinische Versorgung sich wesentlich verbesserten, hatten Okapis eine realistische Überlebenschance. Das Weibchen „Tele“ kam 1928 nach Antwerpen und lebte dort 15 Jahre, ebenso der Bulle „Congo“, der im Zoo von New York ebenfalls 15 Jahre alt wurde. Nachdem die Eingewöhnung der Okapis gelungen war, konnte mit der Zucht begonnen werden. Das erste Okapi in Deutschland war der Bulle „Costy-Epulu“, der 1954 durch den Zoo Frankfurt importiert wurde, diesem folgte 1958 das Weibchen „Safari“. 1960 ging aus dieser Verbindung das erste in Deutschland geborene Kalb „Kiwu“, ein echter Frankfurter, hervor. 

Ein Blick auf das Verbreitungsgebiet der Okapis zeigt, warum die Zucht in Zoos heute so wichtig ja unverzichtbar ist. Ursprünglich lebten die Tiere in den Ubangi-Wäldern von Äquatorialafrika, Uganda und im Kongo. Die heutigen Vorkommen beschränken sich jedoch ausschließlich auf Schutzgebiete in der DR Kongo mit der größten Anzahl im Ituri-Wald. Somit erleiden sie momentan das gleiche Schicksal wie die Berggorillas (siehe meinen Beitrag): anhaltende Wilderei, ein begrenztes Verbreitungsgebiet und ein immer kleiner werdender Lebensraum.


Die Familie der Giraffenartigen umfasst nur zwei Arten: Savannengiraffen und Waldgiraffen.  Die Verwandtschaft ist unverkennbar, der Kopf, der bei Okapis leicht abfallende Rücken, Passgang, eine lange Zunge zum Abstreifen der Blätter von Zweigen. Bei den Bullen zieren außerdem zwei mit Fell überzogene Scheitelhörner den Kopf. Die Zeichnung des Fells ist einem Leben im Wald angepasst. Das rötlich-braune fast schwarze Fell mit den markanten Streifen am Hinterteil und den dunkel/weiß gezeichneten Beinen lässt die Tiere in der typischen Vegetation des Regenwaldes fast verschwinden. Die Haut scheidet ein Hautfett aus, das das Fell eines gesunden Okapis wunderschön samten glänzen lässt.

Den Kopf trägt das Okapi immer leicht nach vorne gestreckt. Nur wenn es aufmerksam wittert oder lauscht sind die Ohren gerade aufgerichtet und der Kopf wird angehoben. Okapis können wie Giraffen ihren Kopf nicht ganz nach unten senken. Zum Trinken spreizt es daher wie die Verwandtschaft in der Savanne die Vorderbeine auseinander. Mit ihrer langen Zunge erreichen sie praktisch alle Körperteile und, da es sehr reinliche Tiere sind, kann man sie oft beobachten, wie sie mit der Zunge über die Augen fahren oder ihr Fell von Schmutz befreien. Dies ist übrigens einer der Gründe warum die Haltung der Tiere in den Anfangsjahren oft scheiterte. Durch das Lecken wurde nicht nur Schmutz entfernt, sondern die Eier von Fadenwürmern und anderen Schmarotzern aufgenommen. Auch die Ernährung stellten Zoos vor Herausforderungen. Okapis sind sogenannte Konzentrat-Selektierer. Das bedeutet, dass sie sehr gezielt leicht verdauliche Pflanzenteile zum Fressen wählen z.B. Blätter. Auch hier wurde in der Anfangszeit bei Transport und Eingewöhnung sehr viel falsch gemacht.

Wilhelma 07/24

Im Gegensatz zu Giraffen sind Okapis Einzelgänger, die nur zur Paarung zusammenkommen. Das Muttertier bekommt jeweils nur ein Kalb. Die Kälber sind „Ablieger“, d.h. sie bleiben die ersten Wochen an einem Platz versteckt, die Mutter sucht den Nachwuchs nur zum Säugen auf. Zum Schutz haben die Kälber noch keinen Eigengeruch. Sind also für Fressfeinde schwer auszumachen. Es wird vermutet, dass die Muttertiere zu ihren Kälbern keine besonders enge Bindung haben.

Da Okapis in ihrer natürlichen Umgebung schwer zu beobachten sind, stammen die Erfahrungen und das Wissen über diese Tierart hauptsächlich aus den Auffangstationen und Zoos. So auch die Tatsache, dass sie zwar einen sehr friedlichen Eindruck machen, wenn sie verängstigt sind oder sich bedroht fühlen, zu heftigen Wutausbrüchen neigen und sehr wehrhaft sind.

… Okapis nur durch den Menschen bedroht, aber vielleicht auch nur dank ihm vor der völligen Ausrottung bewahrt.
Dr. Agathe Gijzen „Das Okapi“ 1959

*Henry M. Stanley – war ein Journalist und Afrikaforscher. Zunächst wurde er bekannt durch seine Suche nach dem verschollenen Missionar David Livingston. Später kolonialisierte er im Auftrag des belgischen Königs Leopold II den Kongo, indem er für ihn Land erwarb. Die Verträge sicherten Leopold nicht nur den Besitz des Landes, sondern auch die Arbeitskraft seiner Bewohner. Allerdings wussten die Stammesfürsten nicht was sie unterschrieben, da die Verträge in einer fremden Sprache abgefasst waren und die wenigsten wohl lesen oder schreiben konnten. Leopold II wurde so (Privat-)Besitzer des Kongo über 2,5 Mio. qm Land und dessen Einwohner. Obwohl Stanley viele Jahre in Afrika verbrachte, gestand er, „den Kontinent von ganzem Herzen zu verabscheuen“.

Alle Bilder dieser Galerie wurden im Zoo Frankfurt aufgenommen

Für uns Besserwisser:

Der Begriff Fresstyp bezieht sich auf die Einteilung von Wildtieren anhand ihrer Ernährungsweise und den bevorzugten Nahrungsressourcen:
Wildtiere, die sich bevorzugt von energie- und nährstoffreichen Pflanzenteilen wie Knospen, Trieben, Blättern und Früchten ernähren, werden als Konzentrat-Selektierer bezeichnet. Sie sind in der Lage, rasch große Mengen solcher Nahrungsressourcen aufzunehmen, um ihren Energie- und Nährstoffbedarf zu befriedigen. Selektives Fressverhalten = wählerische Auswahl. Z.B. Rehwild, Kudu, Giraffen, Okapis.

Intermediär-Typen stellen die Zwischengruppe zwischen Konzentrat-Selektierern und Raufutter-Vertilgern dar. Sie sind nicht so wählerisch wie Konzentrat-Selektierer und können ein breiteres Spektrum an Nahrungsquellen aufnehmen und verdauen. Z.B. Hirsche, Moschusochsen

Raufutter-Konsumenten sind bekannt für ihr weniger wählerisches Fressverhalten, haben jedoch trotzdem gewisse Präferenzen. Sie können große Mengen faserreicher Nahrung aufnehmen, die von anderen Fresstypen oft vermieden wird. Aufgrund ihrer effizienten Verdauung sind sie in der Lage, auch in Lebensräumen mit nährstoffärmeren Nahrungsangeboten zu überleben. Z.B. Bisons, Bantengs

Wilhelma Juli 25

Rotschulter-Rüsselhündchen

Dieser Name ist zumindest in Teilen verwirrend, wenn man sich das Tierchen ansieht. Mit einem Hund hat es nämlich gar nichts zu tun und ob die verlängerte Nase als Rüssel bezeichnet werden kann sei dahingestellt. Allerdings muss man dem Entdecker der Rüsselhündchen zugutehalten, dass man damals Tiere meist nach ihrem Erscheinungsbild bzw. körperlichen Merkmalen einordnete. Aufgrund ihrer großen, nach hinten gebogenen Eckzähnen (Hund) und der beweglichen, verlängerten Nase (Rüssel) erhielten die Tiere vom deutschen Zoologen und Naturforscher Wilhelm Peters ihren Namen. Peters hatte die Tiere während einer Expedition 1843 in Mosambik entdeckt. Heute kann man mit Hilfe von molekulargenetischen Untersuchungen neue Erkenntnisse gewinnen, allerdings werden einmal vergebene Namen nicht revidiert.

In der Systematik der höheren Säugetiere, zu denen die Rüsselhündchen gehören, gibt es jedoch interessante Verwandtschaftsverhältnisse:
In der Gruppe der Afrotheria werden sechs Ordnungen zusammengefasst. Gemeinsam ist ihnen ein Genom das sie als stammesgeschichtliche Vertreter der afrikanischen Tierwelt ausweist. Mit dem Auseinanderbrechen des südlichen Großkontinents Gondwana in der Kreidezeit entwickelte sich Afrotheria und brachte ganz unterschiedlich aussehende Vertreter hervor. Z.B. die Röhrenzähner (Erdferkel), Schliefer (Klippschliefer), Seekühe oder den Afrikanischen Elefanten und letztendlich auch die Rüsselspringer (mit den Rüsselhündchen und den Elefantenspitzmäusen). Rüsselspringer werden auch wissenschaftlich/ englisch Sengis genannt. Rüsselhündchen sind deren größte Vertreter.

Die folgenden Bilder wurden im Zoo Frankfurt aufgenommen:

Es werden folgende fünf Arten Rüsselhündchen unterschieden:

Rotschulter-Rüsselhündchen im südöstlichen Kenia und nordöstlichen Tansania sowie den vorgelagerten Inseln Sansibar und Mafia.
Goldenes Rüsselhündchen in der Küstenregion des südöstlichen Kenia
Geflecktes Rüsselhündchen vom Osten der D.R. Kongo über Malawi und Tansania bis nach Mosambik
Dunkles Rüsselhündchen nördliche D. R. Kongo und Uganda
Graugesichtiges Rüsselhündchen in den Udzungwa-Bergen im zentralen Tansania

Zum letzteren sei erwähnt, dass es erst im Jahr 2008 vom Verhaltensökologen Galen Rathbun und F. Rovero bei einer Expedition entdeckt wurde. Da aber in den Zoos überwiegend das Rotschulter – Rüsselhündchen gezeigt wird, soll dieser Beitrag dieser Art gewidmet sein.

Die Färbung: Der Kopf, die vorderen Rumpfpartien sowie der Bauch sind orange oder rotbraun. Der hintere Teil des Körpers ist schwarz. Das Fell insgesamt kurz.

Nahrung: Auffällig ist nicht nur die Schnauze, die rüsselartig verlängert und nach allen Richtungen bewegt werden kann, sondern auch die lange Zunge. Rüsselhündchen durchwühlen den laubbedeckten Boden auf der Suche nach Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Sie verlassen sich dabei auf eine olfaktorische Wahrnehmung.

Ihr bevorzugter Lebensraum sind laubabwerfende Küstenwälder bzw. die Wälder der Eastern Arc Mountains, einer Gebirgskette in Kenia und Tansania. Es ist also ein sehr eng begrenztes Gebiet, das aber mit seinen immergrünen Bäumen und dem laubbedeckten Boden ideale Voraussetzungen bietet. Die Gehege in den Zoos, wie beispielsweise in Frankfurt oder Basel, sind entsprechend angelegt und mit einer dicken Schicht Laub bedeckt, sodass man die Tiere beobachten kann, wie sie mit ihrer Schnauze den Boden durchpflügen und wühlen auf der Suche nach ihrer Lieblingsspeise.

Im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten sind Rüsselhündchen tagaktiv. Wie alle Sengis haben sie einen gut entwickelten Seh-, Hör- und Geruchssinn und sie sind unglaublich flink (für Fotografen eine schöne Herausforderung). Das ist natürlich bei Tieren ihrer „Größe“ erforderlich, da es eine Vielzahl von Fressfeinden gibt.

Männchen und Weibchen bilden eine sogenannte Fortpflanzungsgemeinschaft. D.h. sie leben zwar monogam kommen aber nur zur Fortpflanzung zusammen. Ihre Territorien überlappen sich oder sind deckungsgleich und sie verteidigen sie gemeinsam und zwar geschlechtsspezifisch, also Weibchen gegen Weibchen und Männchen gegen Männchen. Das Junge wird in einem vorher angelegten Nest (eine Mulde ausgelegt mit Blättern) geboren, dort bleibt es etwa 2 Wochen. Wahrscheinlich um es vor Entdeckung vor Fressfeinden zu schützen, besucht die Mutter ihr Jungtier nur zum Säugen. Nach etwa 20 Wochen verlässt es das Territorium der Eltern und sucht sich ein eigenes.

In Gefangenschaft werden Rüsselhündchen bis zu 11 Jahre alt. In der Natur 3 – 4 Jahre. Laut Galen Rathbun (1990+ 2000) ist der Status aller Rüsselhündchen besorgniserregend, da sie in eingeschränkten oder fragmentierten Waldlebensräumen vorkommen, die stark durch Abholzungspraktiken und Rodungen für die landwirtschaftliche und städtische Entwicklung beeinträchtigt werden. In manchen Gegenden kann auch die Nahrungssuche ein Problem darstellen.

Für uns Besserwisser: Die olfaktorische Wahrnehmung oder Riechwahrnehmung, auch Geruchssinn oder olfaktorischer Sinn (von lateinisch olfacere – riechen) genannt, ist die Wahrnehmung von Gerüchen.
Kreidezeit – vor 145 Mio. Jahren bis vor 66 Mio. Jahren.

Alle Bilder der obigen Galerie entstanden im Zolli Basel im März 24. Die beiden folgenden Bilder zeigen links einen Kurzohr-Rüsselspringer und rechts eine Rotbraune-Elefantenspitzmaus die nächsten Verwandten der Rüsselspringer aufgenommen im Zoo Frankfurt im April 24

Gorillas

Warum sollte ich eigentlich über Gorillas schreiben und nicht lieber über Quolls oder Schuhschnäbel? Die kennt kaum jemand und es gibt das eine oder andere Spannende über sie zu berichten. Menschenaffen genießen ja schon eine hohe mediale Aufmerksamkeit und es gibt tolle Blogs und Infos über Gorillas im Internet. Also warum?
Es sind die zahlreichen Begegnungen in Zoos, die mich immer wieder tief beeindrucken und der letzte Anstoß waren der Film über Dian Fossey und ihr Buch „Gorillas im Nebel“. Ich werde mich jedoch auf einige Aspekte im Leben der Gorillas beschränken müssen, hier zunächst etwas Geschichte und Geographie. In Teil 2 lasse ich Coco zu Wort kommen. Wer sich weiter informieren will, dem empfehle ich die am Ende meines Beitrags genannten Webseiten.

Menschen und Gorillas, das war schon immer ein toxisches Verhältnis* und so verwundert es nicht, dass ihr Weg von ihrer Entdeckung bis in die europäischen und amerikanischen Zoos geprägt waren von Tierleid, Grausamkeit, Unverständnis und mangelndem Sachverstand.

* Eine toxische Beziehung besteht aus einem dominanten, fordernden und einem eher zurückhaltendem, schwachen Part. Die Bedürfnisse des dominanten Parts stehen absolut im Fokus.

Gorillas und Wir – Teil 1

„Drei Tage lang segelten wir von dort an feurigen Sturzbächen entlang und gelangten dann an eine Bucht, die ‚Horn des Südwinds‘ (Nótū Kéras) hieß. Im Winkel lag eine Insel, die der ersten glich und ebenfalls einen See aufwies. Und in diesem See lag eine weitere Insel, voll von wilden Menschen. Es waren überwiegend Weiber, die am ganzen Körper dicht behaart waren; die Dolmetscher nannten sie goríllai. Wir verfolgten sie, konnten aber keine Männer fangen; sie entwischten alle, weil sie ausgezeichnete Kletterer waren und sich mit Felsbrocken zur Wehr setzten; Weiber aber fingen wir drei ein; sie bissen und kratzten und wollten denen, die sie führten, nicht folgen. Daher töteten wir sie, zogen ihnen die Haut ab und brachten die Bälge nach Karthago mit.“

So beschrieb Hanno ein karthagischer Seefahrer um 470 v.Chr. sein Zusammentreffen mit Wesen, die die Dolmetscher Gorillai nannten. Dokumentiert ist diese Reise im „periplus“ einem Reisebericht über eine Entdeckungsreise von Karthago bis in den Golf von Guinea.

Im Jahr 1847 wurden die Tiere zum erstmals wissenschaftlich anhand von Schädel- und Knochenfunden durch T.S. Savage und J. Wyman beschrieben. Es handelte sich dabei um Westliche Flachland Gorillas. In Anlehnung an Hannos Reisebericht erhielten sie den Gattungsnamen Gorilla. In den folgenden Jahren wurden weitere Tiere untersucht und in die Systematik eingeordnet.

Der frz. Afrikaforscher Paul Belloni Du Chaillu war wohl der erste Weiße, der 1855 in Gabun auf lebende Gorillas stieß. Seine und folgende Berichte beschrieben den Gorilla als gefährliches Monster und wurden so Inspiration und Vorlage für Filme wie King Kong. Dass dem nicht so war, wurde erst durch die Studien von Jill Donisthorpe, Schaller und Fossey mehr als 100 Jahre später bekannt. Sie zeichneten das Bild eines sozialen und friedlichen Tieres, des sanften Riesens.

Auf einer Expedition im Jahr 1902, schoss der deutsche Hauptmann Friedrich R. von Beringe im Gebiet der Virunga Vulkane in Ruanda zwei Tiere, die der deutsche Zoologe Paul Matschke untersuchte, als Unterart „Berggorilla“ neu einordnete und ihnen den wissenschaftlichen Namen (zu Ehren ihres Entdeckers) Gorilla beringei beringei nannte. Aus heutiger Sicht eine zweifelhafte Ehre, aber zu dieser Zeit war das Motto: erst schießen dann untersuchen.

Zwei junge Frauen, die Schottin Rosalie Osborn und Jill Donisthorpe eine Südafrikanische Journalistin, reisten 1954 in die Virunga Berge, um für 9 Monate das Leben der Gorillas zu studieren und schlussendlich mit dem Mythos des gefährlichen Monsters aufzuräumen.

Die ersten Langzeit-Feldstudien wurden von George Schaller ab 1959 durchgeführt. Schaller ist amerikanischer Zoologe und Naturforscher. Er studierte die Berggorillas im Gebiet der Virunga Vulkane im Kongo (heute Demokratische Republik Kongo). Seine Beobachtungen und Erkenntnisse waren die ersten, die die Wissenschaft über freilebende Gorillas erhielt. Sie waren auch die Basis auf der Dian Fossey ihre Langzeitstudien aufbauen konnte.

Dian Fossey begann ihre Studien 1969 zunächst in Kabara/Kongo und wechselte von dort nach ihrer Ausweisung in das benachbarte Gebiet der ruandischen Virunga-Vulkane. Sie gründete dort das Forschungs-Camp Karisoke in dem sie bis zu ihrer Ermordung 1985 lebte und forschte.

Das Verbreitungsgebiet der Gorillas gab den Wissenschaftlern lange Zeit einige Rätsel auf. Im Westen Afrikas umfasst es Gabun (mit der höchsten Anzahl an Tieren), Teile von Kamerun (Süden), Kongo und evtl. die angolanische Enklave Cabinda. Hier lebt die Unterart Westlicher Flachlandgorilla. Die Heimat der Östlichen Flachlandgorillas umfasst Teile der DR Kongo und Uganda und die der Berggorillas liegt im Grenzgebiet zwischen Uganda, Ruanda und der DR Kongo in den Virunga-Vulkanen. Das bedeutet, dass zwischen den östlichen und westlichen Populationen etwa 1000 km liegen, in denen es keine Gorillas gibt. Colin P. Groves** vermutete, dass das Verbreitungsgebiet ursprünglich entlang des nördlichen Kongobeckens reichte. Aber nach Ende der Kaltzeit (im Pleistozän) erwärmte sich die Erde mit Beginn des Holozäns vor etwa 11700 Jahren. Das hatte zur Folge, dass in Afrika zwischen den Gebirgen in Osten und Westen ausgedehnte Savannen entstanden. Mit dieser Klimaänderung starben die dort lebenden Gorillas aus, da Savannen für sie als Lebensraum ungeeignet sind. So entwickelten sich die Unterarten getrennt voneinander.

Heute gehören die Berggorillas zu der am besten erforschten Unterart. Geschuldet dürfte dies der Vorarbeit von Schaller und Fossey sein, die die Gruppen an menschliche Anwesenheit gewöhnen konnten und natürlich den Gorillas, die dies akzeptierten. Im Gegensatz zu ihren westlichen Verwandten. die Menschen gegenüber äußerst misstrauisch waren.

Der erste nach Deutschland (Berlin) verbrachte Gorilla war im März 1928 der 2-jährige „Bobby“. Er wog bei seiner Ankunft 15 kg. Durch falsche Ernährung und ein Mangel an Beschäftigung wog er an seinem Todestag am 01. Aug. 1935 unglaubliche 262 kg (normal wären ca. 180 kg gewesen). Durch die falsche Haltung der Tiere gab es natürlich auch keine Nachzuchterfolge. Zudem wurden in den späteren Jahren die Forschungsergebnisse von Dian Fossey beharrlich ignoriert. Erst der Basler Zoologe Jörg Hess, der Dian Fossey auf deren Einladung besuchte, leitete die Wende zu einer modernen Gorillahaltung in Europa ein.

**Colin P. Groves – war ein brit.-australischer Wissenschaftler, u.a. Anthropologe und Primatologe. Seine Doktorarbeit setzte den Standard für die Gorilla-Systematik.

Für uns Besserwisser:
Republik Kongo (seit 1991), Hauptstadt Brazzaville, ehemals frz. Kolonie, grenzt im Osten an den atlantischen Ozean.
Demokratische Republik Kongo (seit 1997) Hauptstadt Kinshasa, ehemals belg. Kolonie. Wird als „gescheiterter“ Staat bezeichnet. Grenzt im Norden an die Zentralafrikanische Republik, im Osten an Uganda, Ruanda und die Republik Kongo im Westen.
Cabinda ist eine Enklave von Angola und liegt eigentlich auf dem Gebiet der DR Kongo. Es wird durch einen schmalen Streifen vom Mutterland getrennt. 80% des angolanischen Finanzhaushalt wird durch die Erdölförderung in Cabinda erlöst. Außerdem Kakao, Kaffee und neu: Gold.

Bilder der oberen Galerie alle Wilhelma Stuttgart 01/24 Bilder der unteren Galerie alle Zoo Duisburg 10/21

https://www.berggorilla.org/ und https://www.gorillas-abisz.de/

Gorillas – Coco & Pucker

Teil 2

„Ich heiße Coco. Mir geht es nicht so gut. Und vielleicht werde ich bald sterben, wie meine gute Freundin Pucker vor einigen Tagen. Aber vorher will ich euch noch aus meinem Leben erzählen. Fragt nicht warum ich die Sprache von euch Menschen verstehe. Ihr Menschen glaubt ja auch alles zu verstehen, alles zu wissen. Und ich bin ein Gorilla…

Vor vielen Jahren als ich noch ganz klein war, lebte ich im Wald, den ihr Menschen Virunga nennt, zusammen mit meiner Familie. Wir waren elf, meine Mama, mein Papa der Silberrücken, Tanten, Onkel und ein Junge, der war etwas älter als ich. Er durfte sich schon abends ein eigenes Nest bauen um darin zu schlafen. Ich lag bei meiner Mama im Nest, denn mit dem Nestbau, das ist nicht einfach, die Zweige und Blätter bleiben einfach nicht dort wo sie sollen. Wenn es hell wurde, haben die Erwachsenen gegessen, Farne, Disteln, Blätter und anderes Grünzeug. Das war langweilig und dann habe ich mit dem Jungen gespielt. Wir sind die Bäume hochgeklettert, auf dem Boden gerollt, haben uns versteckt und manchmal habe ich mich hingestellt und auf meine Brust getrommelt, wie mein Papa. Da hat er aber nur gelacht und sich auf dem Boden gekugelt.

Mein Papa hat immer die besten Futterplätze gefunden, hat gesagt wann wir wandern müssen und wann wir ausruhen sollen. Er hat uns beschützt, wenn andere Gorillamänner gekommen sind, um unsere Frauen zu stehlen. Er konnte sehr zornig werden, aber ich durfte auf ihm herumtollen und ihn ein bisschen ärgern. Manchmal hat er mich dann angekuckt, dann bin ich schnell zu meiner Mama gelaufen.

Oft haben wir andere Tiere getroffen. Auf dem Sattel zwischen den Bergen waren Elefanten und Büffel, da musste man sehr vorsichtig sein. Im Wald kamen manchmal kleine Ducker -Antilopen, wenn wir gerade Rast machten, die haben wir dann erschreckt. In unserer Nähe sind oft Schimpansen vorbeigezogen. Die waren aber immer oben in den Bäumen und sehr laut und schnell. Papa hat sie ignoriert. Ich fand sie spannend, denn sie sahen fast aus wie wir.

Eines Tages kamen Wesen die ich noch nie gesehen hatte. Sie liefen auf zwei Beinen. Ihre Haut war schwarz, sie hatten keine Haare wie wir und sie machten laute Geräusche fast wie die Schimpansen. Mein Papa war sehr wütend und wollte, dass sie uns in Frieden lassen, er drohte ihnen. Aber sie hatten Stöcke die knallten und plötzlich lagen alle auf dem Boden, meine Mama, mein Papa, alle außer mir. Sie hielten mich fest und banden mich an einen Stock. So trugen sie mich aus meinem Wald. Es dauerte sehr lange und dann sperrten sie mich in einen Käfig. Das was sie mir zu essen gaben, konnte ich nicht essen.

Viele, viele Tage vergingen und ich dachte ich sterbe, als plötzlich der Käfig geöffnet wurde. Vor dem Käfig stand eine Frau, sie war weiß und hatte helle Haare aber nur auf dem Kopf. Sie schimpfte laut mit einem anderen. Ich hatte Angst was nun wieder passieren würde und habe ihn in die Hand gebissen. Später wurde ich zurück in den Wald getragen zu dieser Frau. Alle riefen sie Dian. Sie hat mich gefüttert und auf den Arm genommen – wie meine Mama. Aber ich war sehr traurig und habe oft geweint, bis eines Tages noch ein Gorillamädchen kam. Dian nannte sie Pucker und mich Coco. Auch Pucker war sehr krank und hatte furchtbare Angst. Dian hat sie wie mich gesundgepflegt und wir gingen dann oft zum Spielen und Toben in den Wald. Dann kamen wieder Menschen die uns geholt und in Kisten gesteckt haben. Dian hat geschrien und geweint, aber es hat nichts genutzt – wir gingen auf eine sehr lange Reise.

Viele Tage später sind wir dann angekommen. Die Kisten wurden geöffnet und wir waren in einem riesigen Käfig. Da waren keine Bäume oder Sträucher kein Gras und keine Blätter – nichts. Aber Pucker war da und wir haben uns aneinandergeklammert und geweint. Einige Tage später kamen viele Menschen vor unseren Käfig. Sie hatten komische Sachen vor den Augen, die klickten und Blitze machten. Ein Mann sprach zu ihnen, dass wir beide in Köln die ersten Berggorillas in Europa wären und der Kölner Zoo sehr stolz auf uns wäre. Wir wären ein Geschenk der ruandischen Regierung an Köln.

Ich glaube, das war eine Lüge. Als Dian mich befreit hatte, schimpfte sie mit dem Mann, weil er einen Land Rover und viel Geld bekommen sollte, wenn er zwei junge Gorillas nach Köln schicken würde. Ich weiß was ein Land Rover ist, denn Dian hatte auch einen, sie nannte ihn Lily, aber was Geld ist weiß ich nicht. Es muss etwas Böses sein, denn es ist der Grund warum wir hier sind.

Nun sind viele Jahre vergangen und meine liebe Freundin Pucker ist gestorben und gestern war ein Mensch bei mir, den sie Doktor nannten der hat nur den Kopf geschüttelt und alle wurden traurig. Aber nun kennt ihr ja meine Geschichte.“


Liebe Leserinnen und Leser, die Geschichte die ich Coco hier erzählen lasse, beruht auf einem Kapitel aus Dian Fossey’s Buch „Gorillas im Nebel“ und einigen wenigen Informationen aus dem Netz. Einzig die Pressekonferenz vor Coco‘s und Pucker‘s Gehege entspringt meiner Fantasie. Allerdings nicht der Inhalt. Die beiden Gorillamädchen kamen im Mai 1969 in den Kölner Zoo. Pucker starb am 01. April 1978 und Coco am 01. Juni 1978. Um der beiden im Gebiet des Mt. Karisimbi in Ruanda habhaft zu werden, mussten zwei Gruppen mit insgesamt 18 Familienmitglieder sterben. Die ruandische Naturschutzbehörde(!) hatte ausgerechnet einen der berüchtigtsten Wilderer beauftragt, zwei junge Gorillas für den Kölner Zoo zu „besorgen“.

Bob Campbell photograph of Dian Fossey with orphaned gorillas Coco and Pucker, Rwanda 1969

Photos of Dian Fossey courtesy of Bob Campbell Papers/George A. Smathers Libraries/Univ. of Florida.

Erlebnis-Zoo Hannover

Erlebnis-Zoo Für mich und viele andere Menschen ist ein Besuch im Zoo immer ein Erlebnis. Als ich mich entschloss den Zoo in Hannover zu besuchen, habe ich mich also gefragt, was es wohl mit einem „Erlebnis Zoo“ auf sich hat. Bei einem Blick auf den Zoo-Plan wird vieles klar, wie es jedoch dazu kam? Hier zunächst die Geschichte und der Mensch hinter dem Konzept:Erlebnis-Zoo

  • Geschichte und wichtige Personen

Auf private Initiative des Parlamentariers Hermann Schläger und der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover, wurde 1865 ein Zoo in Hannover eröffnet. Es müssen schwierige Zeiten gewesen sein, denn das Königreich Hannover war 1866 Verbündeter Österreichs im sogenannten Deutschen Krieg gegen Preußen. Die von den Gründern angestrebte naturkundliche Bildungseinrichtung konnte über die Jahre nicht immer verwirklicht werden. Bei knappen Kassen musste man sich darauf konzentrieren, das Hannoveraner Publikum für den Zoo zu begeistern und das gelang am besten mit allerlei Veranstaltungen wie Freilichtkino, Theateraufführungen oder Gartenfeste. Wie alle anderen Zoos in Deutschland waren die beiden Kriege ein besonderer Einschnitt. Aufgrund knapper Kassen musste der Zoo kurzzeitig 1922 sogar geschlossen werden.

Ab 1931 wurde der Zoo an Hermann Ruhe verpachtet, der Inhaber einer Tierhandelsfirma war. Das Engagement der Familie Ruhe währte immerhin 40 Jahre. In dieser Zeit wurde der Zoo in einen für damalige Verhältnisse modernen Freiflächenzoo umgebaut und der Tierbestand erheblich erweitert (Schwerpunkt Antilopen).

Anfang der 1990 Jahre geriet der Zoo wieder in eine finanzielle Schieflage und musste umstrukturiert werden. Neuer Geschäftsführer wurde ab 1994 der Jurist und Lokalpolitiker Klaus-Michael Machens. Und da sein Name schon das Wort „Machen“ enthielt hat er das auch getan.

  • Konzept

Nach einer Methodik die sich „Design Thinking“* nennt, entwickelten Machens und seine Experten ein neues Zoo-Konzept: keine klassischen Gittergehege, sondern Freianlagen, die durch Gräben oder Glas Tiere und Besucher trennen. Themenbereiche fassen die Tierarten eines Kontinents zusammen und sind der natürlichen Umgebung der Tiere nachempfunden. Viele Beobachtungspunkte die besondere Einblicke in die Gehege bieten und ein Wasserlauf, auf dem Boote mit Besuchern in unmittelbarer Nähe zu den Tieren vorbeifahren. Schließlich Besucherbereiche die im Essensangebot und Stil dem jeweiligen Themenbereich angepasst wurden. Das Konzept wurde von vielen Fachleuten als Disneyverschnitt belächelt oder kritisiert. In der Zwischenzeit gibt der finanzielle Erfolg Machens recht und die Besucherzahlen sind über die Jahre in die Höhe geschnellt.

  • Themenbereiche und Tiere

Im Jahr 2022 ergab die Bestandsaufnahme 1759 Tiere in 170 Arten.

Sambesi   – ist einer afrikanischen Savannenlandschaft nachempfunden, Boote fahren auf einem künstlich angelegten Fluss nahe an den Gehegen vorbei.
AFI Mountain – beherbergt die Primaten, die auch im Afi Mountain Wildlife Sanctuary im Südosten Nigerias beheimatet sind, Flachlandgorillas, Schimpansen, Drills und Brazzameerkatzen.
Yukon Bay -zeigt die Kanadische Tierwelt u.a. mit Eisbären, Timberwölfen, Waschbären und Bisons. Natürlich fehlen auch Pinguine und Robben nicht.
Dschungelpalast – Der „Dschungelpalast“ ist dem Palast des indischen Maharadschas Bakhat nachempfunden, der nach dessen Tod langsam wieder vom Dschungel und Tieren in Besitz genommen wurde. Die größte Anlage ist für die Elefanten reserviert, aber auch Sibirische Tiger, China-Leoparden und Hulman-Affen findet man dort.
Outback – die Welt des australischen Outbacks mit Emus, Wombats, Bennett-Kängurus und verschiedenen Sitticharten.
Meyers Hof – ist eine Anlage wie ein bäuerliches Gehöft. Sie besteht aus alten Wohn-, Wirtschafts- und Stallgebäuden in einer ländlichen Umgebung mit Wiesen und Weiden. Hier sind seltene Nutztiere untergebracht, schwarzbunte Niederungsrinder, Harzer Rotvieh oder Exmoor-Ponys und verschiedene Hühner-, Puten- und Gänserassen.
Weitere Gehege außerhalb der Themenbereiche und ein Tropenhaus runden das Angebot ab.

Ergänzung Dezember 2025: Drill mit wenigen Tagen altem Jungtier im Afi Mountain, Nubische Giraffen im Sambesi und Timberwölfe in Yukon-Bay


  • Artenschutz und EEP

Der Zoo unterstützt eine ganze Reihe von Artenschutzprogrammen AP = (Artenschutzpartner) in verschiedenen Ländern:
Spitzmaulnashörner in Kenia AP: SAVE THE RHINO
Mendesantilopen (Addax und Strausse in der Sahara und dem angrenzenden Sahel AP: SAHARA CONSERVATION
Lemuren in Madagaskar AP: STIFTUNG ARTENSCHUTZ & CHANCES FOR NATURE
Asiatische Elefanten in Myanmar AP: CHANCES FOR NATURE
Gibbons in Vietnam AP: STIFTUNG ARTENSCHUTZ
Drills in Kamerun und Nigeria AP: RETTET DEN DRILL E.V

Weitere Projekte kümmern sich um einheimische Tiere wie Wildbienen oder Igel. Außerdem werden folgende Europäischen Erhaltungszucht-Programme (EEPs) vom Zoo Hannover koordiniert: Addax, Nordafrikanischer Strauß, Drills, Pferdeantilope, Zwergrüsseldikdik und Hulman-Langur

  • Bildung

Die Zooschule bietet außerschulischen Unterricht für Schüler und Lehrende an. Angeboten werden Unterrichtsstunden oder Workshops für verschiedene Klassenstufen. Das seit 2023 fertiggestellte Zoologicum beherbergt außer verschieden Tierarten (Riesenschildkröten, Faultiere, Insekten, Gürteltiere, Fuchsmangusten und Falklandkarakaras) auch die Zooschule und eine Arena.

  • Mein Fazit

Wenn man das „Erlebnis“ weglässt, besucht man einen Zoo, der ganz offensichtlich auf der Höhe der modernen Tierhaltung ist. Die teilweise riesigen Freigehege haben mich sehr beeindruckt. Für Hobbyfotografen gibt es eine Menge Spots, sodass man mit der üblichen Geduld viele tolle Bilder mit nach Hause bringen kann. Es gibt natürlich auch kritische Stimmen, die befürchten, dass zugunsten der Erlebniswelt die Haltung seltener oder interessanter Tiere zurücksteht. Beurteilt man den „Erlebnis-Zoo“ kann man festhalten, dass für die Besucher jeden Alters eine Menge, wohl auch über das Übliche hinausgehend, getan wurde und wird. Ich hatte auch den Eindruck noch nie so vielen Klassen oder Jugendgruppen begegnet zu sein wie in Hannover.

  • Zukunft

Seit 2015 gibt es einen Masterplan 2025+ der Investitionen von etwa 71 Mio. Euro vorsah. Einige der Projekte wurden bereits umgesetzt bzw. sind in Arbeit.

Meeresschildkröten I

Meeresschildkröten werden nicht in Zoos gehalten, einige wenige wie die Grüne Meeresschildkröte findet man allerdings auch in Deutschland in großen Aquarien. Trotzdem möchte ich Euch diese faszinierenden Tiere vorstellen. Inspiration für diesen Beitrag war ein Vortrag der Meeresbiologin Dr. Christine Figgener, bitte lest auch unter Natur+Wir – die 5.Runde Teil 1.

Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) Leatherback Sea Turtle

In der Systematik der Tiere bilden die Lederschildkröten eine eigene Gattung mit dem lat. Namen Demochelys. Sie gehören somit eigentlich nicht zu den Meeresschildkröten (Chelonia) obwohl wir sie so bezeichnen. Grund dafür ist eine getrennt evolutionäre Entwicklung. Lederschildkröten haben keinen festen Panzer. Ihr Rücken ist mit mosaikartigem Knorpel bedeckt und mit einer lederartigen Haut überzogen und somit eher weich. Sie erreichen beeindruckende Maße von 1,30 – 1,75 m Länge und ein Gewicht von durchschnittlich 300-600 kg. Ein riesiges Exemplar wurde an einem Strand in Wales gefunden. Der Panzer (Carapax) maß stolze 2,56m und sie wog 916 kg.
Lederschildkröten sind Nahrungsspezialisten die ausschließlich von Quallen leben. Ihre Nahrungsgebiete sind die nördlichen Gewässer im Atlantik und Pazifik. Diese verlassen sie zur Paarung. Männchen und Weibchen treffen sich alle 2-3 Jahre an den Küsten der Tropen und Subtropen, paaren sich dort und die Weibchen legen die Eier an den Sandstränden ab. Dabei graben sie 5-7 Gelege mit jeweils 80-120 Eiern. Es sind weltweit etwa 64 Niststrände bekannt. Nach etwa 60 Tagen schlüpfen die jungen Schildkröten fast zeitgleich und beginnen ihre gefährliche Reise ins offene Meer. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit 15-25 Jahren. Um zu verdeutlichen, welche unglaublichen Leistung sie vollbringen, muss man sich folgendes Beispiel vor Augen führen. Ein Teil der Tiere der westpazifischen Population schwimmt von den Niststränden in Indonesien über den gesamten Pazifik fast 11.300 km weit zu ihren Nahrungsgründen vor der US-Westküste. Sie benötigen dafür bis zu einem Jahr und bleiben dort etwa fünf Jahre. Dann schwimmen sie wieder zurück. Diese langen Rundreisen unternehmen sie mehrfach in ihrem Leben. Außerdem sind Lederschildkröten in der Lage bis zu 1300 m tief zu tauchen.

Lederschildkröte – Rabon David, U.S. Fish and Wildlife Service

Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata/bissa) Hawksbill Sea Turtle

Mit 75-90 cm und einem Gewicht von 45-75 kg wären sie eine eher unauffällige Spezies. Ihr Problem ist allerdings, dass sie einen Panzer tragen der zu hübsch ist. Der Panzer besteht aus überlappenden Hornplatten die ein wunderschöne Zeichnung haben. Diese sind als Schildpatt bekannt und haben dazu geführt, dass Echte Karettschildkröten jahrhundertelang gejagt wurden. Ihr englischer Name Hawksbill (Habichtschnabel) leitet sich von ihrem gebogenen Schnabel ab, der an einen Greifvogelschnabel erinnert. Mit diesem „Schnabel“ kann die Schildkröte ihre Hauptnahrung Schwämme und weiche Korallen von den Riffen kratzen. Aufgrund der Nahrungsspezialisierung ist sie auf Korallenriffe angewiesen. Wahrscheinlich ist dies der Grund warum sie weniger wandert als andere Meeresschildkröten.
Es gibt zwei Unterarten. Die Pazifische Karettschildkröte lebt überwiegend nördlich von Madagaskar, im Malaiischen Archipel und vor der Nordostküste Australiens, während die atlantischen Vertreter in der Karibik ihr Zuhause haben. Die Paarungs- und Nistzeit der karibischen Population ist von Juni bis November. Weibchen legen im Durchschnitt drei bis vier Nester mit 100 bis 200 Eiern an. Die Jungtiere schlüpfen nach 55 bis 65 Tagen. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit etwa 25 – 30 Jahren.

by Caroline S. Rogers, available through NOAA

Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas/japonica) Green Sea Turtle

Die einen sind zu hübsch die anderen zu wohlschmeckend. Die Grüne Meeresschildkröten wurde von Seefahrern deshalb Suppenschildkröten genannt. Sie wurden als lebender Proviant auf Schiffe genommen, wo sie letztendlich in den Suppenkochtöpfen der Schiffsköche landeten. Sie hatte das Pech, dass man sie überall in den tropischen und subtropischen Gewässern und im Mittelmeer antraf. Das perfekte Nahrungsergänzungsmittel. Daher steht sie auf der Roten Liste der IUCN leider unter stark gefährdet. Ihr eigentlicher Name wird von einem Körperfett abgeleitet, das Knorpel und Körper (nicht den Panzer) grünlich färbt.
Mit einer Größe von 80-120 cm und einem Gewicht von 120-220 kg sind sie die größten Meeresschildkröten (Chelonia). Die Jungtiere ernähren sich von fleischlicher Kost, wie kleine Krebse, Würmer, Muscheln etc., während die erwachsenen Tiere Seegras abweiden. Grüne Meeresschildkröten paaren sich sowohl in den Nahrungsgründen als auch entlang von Wanderpfaden und vor den Niststränden. Sie können etwa alle 2 Wochen ein neues Nest graben und das über mehrere Monate, bevor sie wieder zu ihren Nahrungsgründen zurückkehren. Die Nistsaison variiert je nach Lebensraum. Um zu den Niststränden zu kommen, legen einige eine Strecke von mehr als 2500 km zurück. Auch sie werden erst mit 25-45 Jahren geschlechtsreif.

Chelonia mydas is going for the air.jpg – Brocken Inaglory

Oliv-Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea) Olive Ridley Sea Turtle

Der deutsche Name klingt nicht besonders freundlich, wer möchte schon Bastard sein. Der Name ist jedoch darauf zurückzuführen, dass man sie früher für Hybride der Grünen Meeresschildkröte und der Unechten Karettschildkröte hielt. Oliv deshalb, weil ihr herzförmiger Panzer eine olivgrüne Farbe hat. Mit einer Körperlänge von 70 cm und einem Gewicht bis 50 kg gehören sie zu den Kleinen ihrer Art. Sie legen große Entfernungen zurück. Mit Hilfe von Satellitenempfängern konnte man dokumentieren, dass sie von den Niststränden in Costa Rica bis in die tiefen Gewässer des Pazifiks schwimmen.. Ihr Verbreitungsgebiet sind die tropischen Regionen des Pazifischen, Indischen und Atlantischen Ozeans.
Sie gehören eigentlich zu den häufig vorkommenden Meeresschildkröten. Allerdings werden sie als Fleischlieferanten immer noch stark bejagt und ihre Nester (von Menschen) geplündert. Das hat wahrscheinlich auch mit ihrem Nistverhalten zu tun. Oliv-Bastardschildkröten zeigen, ähnlich wie ihre Verwandten, die Atlantischen Bastardschildkröten, das wohl außergewöhnlichste Nistverhalten unter den Meeresschildkröten. Während andere Arten einzeln und unkoordiniert an die Strände kommen, versammeln sich Bastardschildkröten zu mehreren Tausend, um dann gemeinsam zu nisten. Sie nisten in fast 60 Ländern, jedes Jahr, ein- bis dreimal pro Saison. In Mittelamerika wird diese synchronisierte Massenanlandung „Arribada“ (spanisch Ankunft) genannt. Es ist nicht bekannt, was dieses Verhalten auslöst und wie die Tiere es schaffen, pünktlich an ihrem Niststrand einzutreffen.

wiki commons Bernard Gagnon

Karibische Bastardschildkröte (Lepidochelys kempii) Kemp’s Ridley Sea Turtle

Sie sind enge Verwandte der Oliv-Bastardschildkröte, jedoch liegt ihr hauptsächliches Verbreitungsgebiet in der Karibischen See, genauer im Golf von Mexiko. Jungtiere begeben sich jedoch auf eine Reise entlang der amerikanischen Ostküste, wo sie dann auch in Nova Scotia anzutreffen sind. Einzelne Tiere haben es auch schon bis an die Küsten von Frankreich, Irland, Portugal, Madeira, den Azoren und Großbritannien geschafft, weshalb man sie auch Atlantische Bastardschildkröte nennt. Im Gegensatz zu den Jungtieren halten sich männliche Atlantische Bastardschildkröten in vielen verschiedenen Gebieten im Golf von Mexiko auf. Einige Männchen wandern jährlich zwischen Futter- und Brutgebieten hin und her. Andere wiederum wandern überhaupt nicht und paaren sich mit Weibchen, die sie an ihren Futterplätzen oder in der Nähe von Niststränden antreffen. Weibchen wandern von den Nistgebieten in die von der Halbinsel Yucatán über Südflorida bis zum nördlich-zentralen Golf von Mexiko reichenden Futtergebiete.  
Sie gehören zu den seltensten Meeresschildkröten und waren in den 1980er Jahren kurz vor dem Aussterben. Das konnte jedoch gerade noch verhindert werden. Wie ihre pazifischen Verwandten sind sie Allesfresser.
Weibchen legen durchschnittlich 2 bis 3 Gelege pro Saison. Dabei kehren sie alle 1 bis 3 Jahre von April bis Juli zum Nisten an den Strand zurück, an dem sie einst das Licht der Welt erblickten. Auch bei ihnen gibt es einen Arribada. Allerdings graben sie ihre Nester während des Tages. Ein Gelege kann bis zu 100 Eier umfassen. Die Schlüpflinge graben sich nach ca.50-60 Tagen aus dem Sand.

Kemp Ridley’s sea turtle (6808132393)U. S. Fish and Wildlife Service

Wallriffschildkröte (Natator depressus) Flatback Sea Turtle

Von allen Meeresschildkröten haben Wallriffschildkröten das kleinste Verbreitungsgebiet. Sie leben in den nördlichen Gewässern des australischen Kontinentalschelfs bis zur Küste von Papua-Neuguinea. Sie nisten nur an wenigen Stränden, die ausschließlich in Nordaustralien liegen. Während die anderen Meeresschildkröten einen großen Teil ihres Lebens im offenen Ozean verbringen, bleiben Wallriffschildkröten in Gewässern, die selten tiefer als 200 m sind.
Sie werden etwa 1 m groß, 70-90 kg schwer und sind leicht an ihrem abgeflachten Rückenpanzer zu erkennen. Daher rührt auch der englische Name „Flatback Sea Turtle“. Ihre Hauptnahrung besteht aus wirbellosen Tieren wie Quallen, Seegurken und anderen.
In der Nistsaison legen Weibchen zwei bis drei Nester an. Mit 50-55 Eiern sind dies zwar die wenigsten aller Meeresschildkröten, dafür sind sie sehr groß und halten eine Temperatur bis 36,5° Celsius aus. Der Schlupf beginnt nach 48-66 Tagen.
Die Tiere sind zwar geschützt, dürfen aber von den Aborigines im Rahmen ihrer traditionellen Jagd genutzt werden.

iStock-489437626 Casuarina Beach, Darwin

Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) Loggerhead Sea Turtle

Über manche Namen kann man nur Staunen. Genau so einfallslos wie Suppenschildkröte (s.o.) ist der Name Unechte Karettschildkröte, der nur darauf hinweist, dass man sie früher mit der Echten Karettschildkröte verwechselt hat. Der englische Name Loggerhead könnte nun Schafskopf oder Dummkopf bedeuten, was den Tieren nicht gerecht wäre. Es gibt jedoch eine Übersetzung die vielleicht passt: So wurde der Poller (ein aufrechter Pfosten) im Heck alter Walfangboote zum Darumlegen einer sonst zu schnell auslaufenden Harpunenleine genannt. Es könnte also ein Hinweis auf den ungewöhnlich großen Kopf mit kräftigen Kiefern hindeuten.
Die Unechte Karettschildkröte kann man in allen Ozeanen und im Mittelmeer finden. Die Populationen im Nordpazifik und Mittelmeer gelten als gesichert, andere jedoch als gefährdet.
Sie können eine Länge von 110 cm und ein Gewicht bis 200 kg erreichen. Ihre Rippenschilde haben eine charakteristische rostbraune bis gelbbraune Färbung.  Mit den kräftigen Kiefern sind sie in der Lage, ihre Lieblingsspeise Schalentiere wie Muscheln und Schnecken zu knacken.
Unechte Karettschildkröten kommen zur Eiablage einzeln und immer nachts an die Niststrände. Sie bevorzugen relativ schmale, steil abfallende und grob sandige Strände und suchen dabei jeweils Strände des Gebietes auf, wo sie Jahrzehnte zuvor geschlüpft sind. In der Regel nisten die Weibchen alle 2 bis 3 Jahre drei- bis fünfmal pro Saison, wobei ein Nest bis zu 100 Eier enthält. Die Jungen schlüpfen nach etwa 2 Monaten. Dann durchlaufen sie eine Reihe von Entwicklungsstadien bis ins Erwachsenenalter. Dabei nutzen sie unterschiedliche Lebensräume. Schlüpflinge und Jungtiere verbringen die ersten 7 bis 15 Jahre ihres Lebens im offenen Ozean. Dann wandern sie in küstennahe Gebiete, wo sie nach Futter suchen und noch einige Jahre weiter heranwachsen. Um es sich vorstellen zu können: Wenn die Jungtiere nach dem Schlüpfen an den Niststränden in Japan und Australien ihre Reise beginnen, schwimmen sie 13.000 km zu ihren Futterplätzen an die Küsten der Baja California, von Mexiko, Peru und Chile. Dort verbringen sie wahrscheinlich bis zu 20 Jahre. Dann geht es zurück an die Strände ihrer Geburt.

Getty Images/iStock-1170803146
Foto von Wexor Tmg auf Unsplash

Meeresschildkröten II

Auf einer Konferenz der IUCN in Neu-Delhi in den 1960er Jahren prägte der Senegalese Baba Dioum folgende schlichte Wahrheit:

«In the end, we will conserve only what we love; we will love only what we understand and we will understand only what we are taught.» Am Ende werden wir nur schützen, was wir lieben, wir lieben nur, was wir verstehen, und wir verstehen nur das, was man uns gelehrt hat.

Baba Dioum Neu-Delhi 1968 International Union for Conservation of Nature (IUCN)

Meeresschildkröten werden nicht in Zoos gehalten, einige wenige wie die Grüne Meeresschildkröte findet man allerdings auch in Deutschland in großen Aquarien. Ich glaube jedoch, das, was Baba Dioum gesagt hat, gilt auch für meinen Blog und so stelle ich Euch diese faszinierenden Tiere vor. Grundlage für diesen Beitrag ist ein Vortrag der Meeresbiologin Dr. Christine Figgener, bitte lest auch unter Natur+Wir – die 5.Runde Teil 1.

Heute leben noch 7 Arten von Meeresschildkröten in unseren Meeren. Zwei davon sind endemisch, das bedeutet sie verbringen ihr Leben in einem überschaubaren Gebiet. Fünf Arten durchstreifen die Weltmeere und kommen nur zur Paarung und Eiablage in ihre ursprünglichen Heimatgewässer bzw. -strände. Alle haben jedoch – außer den äußeren Merkmalen – einige Gemeinsamkeiten: ihre Geschichte, die Abhängigkeit von Temperaturen während eines bestimmten Lebensabschnitts und die Bedrohung durch menschliche Einflüsse.

Geschichte/Evolution – ursprünglich werden es wohl an die vierzig verschiedene Arten von Meeresschildkröten gewesen sein, die sich aus Landschildkröten entwickelt und an ein Leben im Wasser angepasst haben. Die ersten waren die Lederschildkröten, die es seit etwa 110 Mio. Jahren gibt. Sie zeichnet ein weicher, lederartiger Rückenpanzer aus. Der Archelon war ein naher Verwandter, ein riesiges Tier mit bis zu 4 m Länge, das vor etwa 72 Mio. Jahren lebte. Die Fundorte der Fossilien liegen in South Dakota und Arkansas, die damals noch mit Wasser bedeckt waren. Zu bewundern ist ein vollständiges Skelett im Naturhistorischen Museum in Wien. Vor 60 Mio. Jahren entwickelten sich die Meeresschildkröten mit einem festen Hornpanzer. Wenn man bedenkt, dass die Dinosaurier vor 66 Mio. Jahren ausgestorben sind, kann man ermessen welch erfolgreiche Strategie den Meeresschildkröten das Überleben bis heute ermöglicht hat. Bis der Mensch in ihrem Leben auftauchte muss man leider einschränken.

Temperaturabhängige Entwicklung – Meeresschildkröten verlassen das Wasser nur zur Eiablage, wobei sie immer an die Strände ihrer eigenen Geburt zurückkehren. Sollten sie jedoch Bedingungen antreffen die eine Eiablage nicht mehr ermöglichen, können sie in einen Bereich von ca. 100 km ausweichen. Die Geschlechtsdefinition ist temperaturabhängig, mit anderen Worten, je nachdem bei welcher Temperatur die Eier im Sand reifen, schlüpft weiblicher oder männlicher Nachwuchs. Es gibt eine Temperaturspanne die für die Entwicklung der Eier entscheidend ist, sie liegt zwischen 24° und 33° Celsius. Eine Temperatur von 29° ergibt ein Verhältnis von 50/50 beiderlei Geschlechts, alles unter 29° führt zu mehr Männchen, alles darüber zu mehr Weibchen. (eine kleine Eselsbrücke: coole Kerle, heiße Mädchen). Die sogenannte termosensitive Zeit (TGD) beginnt etwa im 2. Drittel der Inkubation.

Und nun ahnen wir schon welches Problem der Klimawandel mit erhöhten Temperaturen mit sich bringt. Durch den Temperaturanstieg werden zu wenige coole Kerle geboren, was nichts anderes bedeutet, dass geschlechtsreife Weibchen keine Partner finden werden. Von Temperaturen über 33° möchte ich jetzt noch nicht einmal reden.

Bedrohungen – Um es vorweg zu nehmen, es geht um von Menschen verursachte Bedrohungen. Meeresschildkröten haben ab einem gewissen Alter bzw. einer bestimmten Größe keine natürlichen Feinde. Die Jungtiere haben sowohl an Land als auch im Wasser unzählige Fressfeinde, sodass man schätzt, dass es von 1000 geschlüpften Jungtieren ein Tier bis zur Geschlechtsreife schafft. Eigentlich könnte man denken eine unglaubliche Verschwendung der Natur. Zur Erinnerung – es gibt sie bereits seit 110 Mio. Jahren! Die Strategie der Evolution muss also funktioniert haben.

Wahrscheinlich schon immer hat der Mensch die Tiere gejagt, zunächst nur zum Verzehr später kam dann die Verwendung des Schildpatts dazu, aus dem allerlei modische Accessoires gefertigt wurden.
Heute stehen alle Meeresschildkröten jedoch auf der IUCN-Liste für bedrohte Tiere und das Washingtoner Artenabkommen verbietet jeglichen Handel mit diesen Tieren, Panzern oder Eiern. Da die Eier jedoch als Delikatesse gelten, gibt es einen schwunghaften, illegalen Handel damit. Untersuchungen in Costa Rica mit GPS präparierten künstlichen Eiern haben ergeben, dass der Großteil der Eier in unmittelbarer Nähe der Strände in den Handel und zum Verzehr gelangt. Die Wilderei bedroht allerdings nicht nur die Bestände der Schildkröten. Sie stellen auch eine große Gefahr für die lokal agierenden Naturschützer dar, denn die Banden sind gut organisiert, bewaffnet und schrecken auch vor Mord nicht zurück.
Lichtverschmutzung durch Gebäude oder Straßenbeleuchtung an den Stränden ist ein Hinderungsgrund für die weiblichen Schildkröten, einen Strandabschnitt zur Eiablage aufzusuchen.

Ein Dauerthema seit einigen Jahren in den Medien und bei internationalen Konferenzen ist die zunehmende Vermüllung der Ozeane mit Plastik. Die Zahlen die man liest oder hört sind so gewaltig, dass man sich fragt: „Wie konnte es soweit kommen?“ Meeresschildkröten nehmen Plastik über die Nahrung auf. Aufgrund ihrer Fressgewohnheiten und ihres Verdauungstraktes können sie Plastik im Körper weder zerkleinern noch ausscheiden und so gelangen z.B. Strohhalme in die Atmungsorgane.

Eine weitere Gefahr, die wir vielleicht nicht so auf dem Schirm haben, sind die im Meer treibenden Schleppnetze. Da diese von Fischereischiffen illegal im Meer entsorgt werden, werden sie meist erst dann entdeckt, wenn sie maximalen Schaden unter den Meeresbewohnern angerichtet haben. Weder Delfine, Haie noch Meeresschildkröten sind in der Lage sich daraus zu befreien. Und dann gibt es noch die Gefährdung durch Mikroplastik und Pestizide, die auch uns Menschen betrifft, was wir aber gerne ignorieren.

Meine Meinung: Es ist uns glaube ich allen klar, dass wir einen gehörigen Anteil an diesem Problem haben. Der größte Anteil der heute hergestellten Plastikprodukte sind Essens- und Umverpackungen und die sogenannte Einmalplastik. Eine gute Nachricht kommt nun von der EU. Im November hat die EU ein weitgehendes Exportverbot für Plastikmüll erlassen. Das bedeutet das künftige Exporte in Entwicklungs- und Schwellenländern verboten werden. Zur gesamten Wahrheit gehört aber auch folgendes Beispiel aus Uganda:

: „Laut der jüngsten Studie, die 2022 von Nema in Auftrag gegeben wurde, werden täglich landesweit 600 Tonnen Plastik produziert. Doch nur 40 Prozent davon werden dann im Müll entsorgt. 60 Prozent landen in Straßengräben. Diese (60 Prozent) machen den größten Teil der Verschmutzung unserer Seen und Flüsse, der Verschlechterung unserer Böden und der Unwirksamkeit der Fruchtbarkeit und Produktivität der Landwirtschaft aus“, so Nema-Direktor Barirega Akankwasah. Nema* hat angekündigt, dass die Regierung ab 2024 die nationalen Getränkehersteller dazu verpflichten will, nur noch Glasflaschen zu verkaufen.“

Wochentaz.de Simone Schlindwein 19.11.23 – Umweltverschmutzung im Globalen Süden: Afrika ertrinkt in Plastik.

*Die Nationale Umweltmanagementbehörde (NEMA) ist eine halbautonome Einrichtung, die im Mai 1995 als wichtigste Behörde in Uganda gegründet wurde.

Laut diesem Artikel gelten z.B. Ruanda und Kenia mit ihren Bemühungen Plastik zu vermeiden als Vorzeigeländer. Die ebenfalls im November stattfindende UN Umweltkonferenz konnte in der dritten Sitzung zu diesem Thema keine Beschlüsse fassen:

„Die dritte Verhandlungsrunde für ein weltweit verbindliches Abkommen zur Eindämmung von Plastikmüll ist nach Angaben von Teilnehmern ohne nennenswerte Fortschritte zu Ende gegangen. Die Vertreter der rund 170 UN-Mitgliedsstaaten hätten in den siebentägigen Gesprächen „auf der Stelle getreten“, teilte WWF Deutschland mit. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen verhinderten der Iran, Saudi-Arabien, Russland und eine kleine Anzahl an weiteren Erdölförderstaaten Fortschritte bei den Verhandlungen durch eine Vielzahl neuer Vorschläge.“

Zeit-Online vom 20.11.23 – Gespräche zur weltweiten Vermeidung von Plastikmüll enden ergebnislos.

Ich möchte mir auch nicht vorstellen, was passiert, wenn Orkane, Taifune etc. ganze Landstriche am Meer verwüsten wie in jüngster Zeit in Acapulco, New Orleans, Indonesien… Es werden wohl nicht nur organische Stoffe ins Meer gelangen.

Es ist illusorisch anzunehmen, dass die Welt komplett auf Plastik verzichtet, aber Möglichkeiten der Einschränkung gibt es und diese müssen von jedem Einzelnen genutzt werden. Große Konzerne müssen endlich in die Pflicht genommen werden und es muss sichergestellt werden, dass das Müllmanagement weltweit verbessert wird.

Das wunderschöne Beitragsbild ganz oben stammt von: Wexor Tmg auf Unsplash

Falklandkarakara

Wer schon einmal einen Gerfalken oder das schnellste Tier auf unserem Planeten den Wanderfalken, im Flug oder im Sturzflug beim Beutefang beobachten konnte, wird sich über eine eher ungewöhnliche Fortbewegungsart des Falklandkarakaras sicherlich wundern. Aber der Reihe nach.

Die Vögel gehören in der Systematik zwar zur Familie der Falkenartigen, sie werden aber in einen eigenen Tribus (eine Stufe zwischen Unterfamilie und Gattung) als Geierfalken eingeordnet. Ich interpretiere das für mich mal so: „Sie sind etwas Besonderes.“ Der Name erschließt sich auch nicht sofort, warum „Geierfalken“. Man kann durchaus Gemeinsamkeiten finden: Einen großen, sehr kräftigen Schnabel, für einen Falken ungewöhnlich lange Beine, sie fressen auch Aas und sie bewegen sich häufig zu Fuß oder hüpfend über den Boden, obwohl sie gute Flieger sind.

Karakaras bevorzugen als Lebensraum Savannen, Steppen aber auch Hochgebirge, Küsten und Agrarflächen. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Süden der USA über Mittelamerika bis Patagonien und den Falklandinseln. Nach ihrer Herkunft und Aussehen werden 5 Gattungen mit mehreren Arten gezählt. Diese sind:

  • Gelbkehlkarakara – Baumbewohner. Sie leben in den Tropenwäldern im nördlichen Südamerika und im Amazonasgebiet.
  • Rotkehlkarakara – Verbreitungsgebiet wie oben. Rotkehlkarakaras sind Nahrungsspezialisten. Sie attackieren Wespennester reisen Löcher hinein um Larven und Eier herauszuholen.
  • Die Carancho – Schopf- und Karibikkarakara diese beiden Arten finden wir im Süden der USA, der Karibik, im Westen Südamerikas bis Patagonien aber nicht im Amazonasgebiet. Eine weitere Art der Guadelupe-Karakara lebte auf der Mexiko vorgelagerten gleichnamigen Insel. Er wurde 1875 erstmals beschrieben und war bereits 1900 durch Verfolgung ausgerottet. „Ziegenmörder“
  • Chimango – mit Chimangokarakara und Gelbkopfkarakara. Sie leben in den Pampas und auf Weideflächen von Panama und Südamerika.
  • Bergkarakara – Streifen-, Berg-, Weißkehl- und Falklandkarakara leben in den Anden und auf den Falklandinseln.

Thema dieses Beitrages ist der Falklandkarakara, der nur auf der gleichnamigen Inselgruppe sowie auf den Feuerland vorgelagerten Inseln lebt. Von den dortigen Einwohnern erhielt er den Spitznamen Johnny Rook.

Als zu Anfang des Jahres 1833 die „HMS Beagle“ mit ihrem berühmten Passagier Charles Darwin an einem Archipel festmachte, das den Namen Falkland trug, war dieser wenig begeistert. Er beschrieb die Moorlandschaft, die er sah, als „desolate and wretched“ also trostlos und erbärmlich. Die dort lebenden Vögel mit schwarzem Gefieder und dem gelb gefärbten Oberschnabel weckten allerdings sein Interesse. Allerdings auch deshalb, weil sich die Mannschaft der Beagle über das diebische Verhalten der Vögel beschwerte und, da sie auch die Takelage überaus interessant fanden, musste eine zusätzliche Wache aufgestellt werden. Darwin registrierte zwar die aufmerksame Wachsamkeit, ihre Neugier und ihr Auftreten in Gruppen (was von anderen Raubvögeln nicht bekannt ist) und erwähnte sie auch ausführlich in seinem Reisebericht, aber weitergehende Studien führte er nicht aus, er hatte ja auch andere Ziele im Sinn.

Aber egal, ob man die Aufzeichnungen von Charles Darwin liest, einen Falkner befragt oder die Vögel selbst beobachtet, es wird schnell klar, dass sie nicht viel gemein haben, weder mit den eigentlichen Falken noch mit anderen Greifvögeln. Es sind Nahrungsopportunisten, das bedeutet, sie versuchen immer an das Futter zu kommen, das sie am schnellsten und einfachsten bekommen können. Deshalb fressen sie auch Aas, Insekten, Fisch, Eier und anderes mehr. Und sie sind erfindungsreich und intelligent. Man hat beobachtet, dass sie auf der Suche nach Futter Steine umdrehen und auch Stöckchen benutzen. Zum Vergnügen der Zuschauer erzählte ein Falkner aus der Zoofalknerei Neunkirchen, dass die Mülleimer auf dem Gelände „karakarsicher“ sind und man die Taschen doch bitte geschlossen halten solle.
Heute geht man davon aus, dass Papageien und die Gruppe der Falkenartigen gemeinsame Vorfahren hatten, die auf der zu dieser Zeit noch bewaldeten Antarktis lebten und sich über Landbrücken nach Norden verteilten und unterschiedlich entwickelten. Warum die so intelligente Spezies der Falklandkarakaras aber ausgerechnet in einem so abgelegenen, winzigen Gebiet heimisch wurden, hatten weder Darwin noch andere Wissenschaftler bisher klären können.

Falklandkarakaras trifft man in freier Wildbahn oft in Gruppen an, z.B. wenn sie gemeinsam jagen oder während der Brutzeit. Die Nester befinden sich häufig an Felsvorsprüngen oder auf dem Boden geschützt durch Grasbüschel und ausgepolstert mit Gras und Wolle. In der Regel werden ein bis drei Eier ausgebrütet und die Jungvögel werden von beiden Eltern – die im Übrigen monogam leben – versorgt. Ein besonderes Verhalten zeigen die Weibchen mit dem sogenannten „brood-reduction“. Der schwächste Nestling wird aus dem Nest geworfen um das Überleben der anderen zu sichern. Obwohl sie so sozial scheinen, werden sie in der Verteidigung ihrer Nester oder der Nahrung auch zu Artgenossen ausgesprochen aggressiv.

Johnny Rook’s sind in einigen deutschen Zoos zu sehen, u.a. in Frankfurt, der Wilhelma, Hannover oder Heidelberg. Besonders schön finde ich es, ihnen bei einer Flugshow ohne lästiges Gitter zu begegnen und sie dort zu beobachten, wie zum Beispiel in der Zoofalknerei in Neunkirchen.

Die folgenden Bilder entstanden in der Falknerei des Neunkirchner Zoos. Wachsamkeit aber auch Neugier bei „Johnny“: Was ist das für ein Ding, das sich der Typ vors Gesicht hält und das dauernd klickt?

Für uns Besserwisser: Der Name „Caracara“ stammt aus der Sprache der Ureinwohner Südamerikas, den Guarani. Er bedeutet so viel wie „Jäger“.