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Meeresschildkröten II

Auf einer Konferenz der IUCN in Neu-Delhi in den 1960er Jahren prägte der Senegalese Baba Dioum folgende schlichte Wahrheit:

«In the end, we will conserve only what we love; we will love only what we understand and we will understand only what we are taught.» Am Ende werden wir nur schützen, was wir lieben, wir lieben nur, was wir verstehen, und wir verstehen nur das, was man uns gelehrt hat.

Baba Dioum Neu-Delhi 1968 International Union for Conservation of Nature (IUCN)

Meeresschildkröten werden nicht in Zoos gehalten, einige wenige wie die Grüne Meeresschildkröte findet man allerdings auch in Deutschland in großen Aquarien. Ich glaube jedoch, das, was Baba Dioum gesagt hat, gilt auch für meinen Blog und so stelle ich Euch diese faszinierenden Tiere vor. Grundlage für diesen Beitrag ist ein Vortrag der Meeresbiologin Dr. Christine Figgener, bitte lest auch unter Natur+Wir – die 5.Runde Teil 1.

Heute leben noch 7 Arten von Meeresschildkröten in unseren Meeren. Zwei davon sind endemisch, das bedeutet sie verbringen ihr Leben in einem überschaubaren Gebiet. Fünf Arten durchstreifen die Weltmeere und kommen nur zur Paarung und Eiablage in ihre ursprünglichen Heimatgewässer bzw. -strände. Alle haben jedoch – außer den äußeren Merkmalen – einige Gemeinsamkeiten: ihre Geschichte, die Abhängigkeit von Temperaturen während eines bestimmten Lebensabschnitts und die Bedrohung durch menschliche Einflüsse.

Geschichte/Evolution – ursprünglich werden es wohl an die vierzig verschiedene Arten von Meeresschildkröten gewesen sein, die sich aus Landschildkröten entwickelt und an ein Leben im Wasser angepasst haben. Die ersten waren die Lederschildkröten, die es seit etwa 110 Mio. Jahren gibt. Sie zeichnet ein weicher, lederartiger Rückenpanzer aus. Der Archelon war ein naher Verwandter, ein riesiges Tier mit bis zu 4 m Länge, das vor etwa 72 Mio. Jahren lebte. Die Fundorte der Fossilien liegen in South Dakota und Arkansas, die damals noch mit Wasser bedeckt waren. Zu bewundern ist ein vollständiges Skelett im Naturhistorischen Museum in Wien. Vor 60 Mio. Jahren entwickelten sich die Meeresschildkröten mit einem festen Hornpanzer. Wenn man bedenkt, dass die Dinosaurier vor 66 Mio. Jahren ausgestorben sind, kann man ermessen welch erfolgreiche Strategie den Meeresschildkröten das Überleben bis heute ermöglicht hat. Bis der Mensch in ihrem Leben auftauchte muss man leider einschränken.

Temperaturabhängige Entwicklung – Meeresschildkröten verlassen das Wasser nur zur Eiablage, wobei sie immer an die Strände ihrer eigenen Geburt zurückkehren. Sollten sie jedoch Bedingungen antreffen die eine Eiablage nicht mehr ermöglichen, können sie in einen Bereich von ca. 100 km ausweichen. Die Geschlechtsdefinition ist temperaturabhängig, mit anderen Worten, je nachdem bei welcher Temperatur die Eier im Sand reifen, schlüpft weiblicher oder männlicher Nachwuchs. Es gibt eine Temperaturspanne die für die Entwicklung der Eier entscheidend ist, sie liegt zwischen 24° und 33° Celsius. Eine Temperatur von 29° ergibt ein Verhältnis von 50/50 beiderlei Geschlechts, alles unter 29° führt zu mehr Männchen, alles darüber zu mehr Weibchen. (eine kleine Eselsbrücke: coole Kerle, heiße Mädchen). Die sogenannte termosensitive Zeit (TGD) beginnt etwa im 2. Drittel der Inkubation.

Und nun ahnen wir schon welches Problem der Klimawandel mit erhöhten Temperaturen mit sich bringt. Durch den Temperaturanstieg werden zu wenige coole Kerle geboren, was nichts anderes bedeutet, dass geschlechtsreife Weibchen keine Partner finden werden. Von Temperaturen über 33° möchte ich jetzt noch nicht einmal reden.

Bedrohungen – Um es vorweg zu nehmen, es geht um von Menschen verursachte Bedrohungen. Meeresschildkröten haben ab einem gewissen Alter bzw. einer bestimmten Größe keine natürlichen Feinde. Die Jungtiere haben sowohl an Land als auch im Wasser unzählige Fressfeinde, sodass man schätzt, dass es von 1000 geschlüpften Jungtieren ein Tier bis zur Geschlechtsreife schafft. Eigentlich könnte man denken eine unglaubliche Verschwendung der Natur. Zur Erinnerung – es gibt sie bereits seit 110 Mio. Jahren! Die Strategie der Evolution muss also funktioniert haben.

Wahrscheinlich schon immer hat der Mensch die Tiere gejagt, zunächst nur zum Verzehr später kam dann die Verwendung des Schildpatts dazu, aus dem allerlei modische Accessoires gefertigt wurden.
Heute stehen alle Meeresschildkröten jedoch auf der IUCN-Liste für bedrohte Tiere und das Washingtoner Artenabkommen verbietet jeglichen Handel mit diesen Tieren, Panzern oder Eiern. Da die Eier jedoch als Delikatesse gelten, gibt es einen schwunghaften, illegalen Handel damit. Untersuchungen in Costa Rica mit GPS präparierten künstlichen Eiern haben ergeben, dass der Großteil der Eier in unmittelbarer Nähe der Strände in den Handel und zum Verzehr gelangt. Die Wilderei bedroht allerdings nicht nur die Bestände der Schildkröten. Sie stellen auch eine große Gefahr für die lokal agierenden Naturschützer dar, denn die Banden sind gut organisiert, bewaffnet und schrecken auch vor Mord nicht zurück.
Lichtverschmutzung durch Gebäude oder Straßenbeleuchtung an den Stränden ist ein Hinderungsgrund für die weiblichen Schildkröten, einen Strandabschnitt zur Eiablage aufzusuchen.

Ein Dauerthema seit einigen Jahren in den Medien und bei internationalen Konferenzen ist die zunehmende Vermüllung der Ozeane mit Plastik. Die Zahlen die man liest oder hört sind so gewaltig, dass man sich fragt: „Wie konnte es soweit kommen?“ Meeresschildkröten nehmen Plastik über die Nahrung auf. Aufgrund ihrer Fressgewohnheiten und ihres Verdauungstraktes können sie Plastik im Körper weder zerkleinern noch ausscheiden und so gelangen z.B. Strohhalme in die Atmungsorgane.

Eine weitere Gefahr, die wir vielleicht nicht so auf dem Schirm haben, sind die im Meer treibenden Schleppnetze. Da diese von Fischereischiffen illegal im Meer entsorgt werden, werden sie meist erst dann entdeckt, wenn sie maximalen Schaden unter den Meeresbewohnern angerichtet haben. Weder Delfine, Haie noch Meeresschildkröten sind in der Lage sich daraus zu befreien. Und dann gibt es noch die Gefährdung durch Mikroplastik und Pestizide, die auch uns Menschen betrifft, was wir aber gerne ignorieren.

Meine Meinung: Es ist uns glaube ich allen klar, dass wir einen gehörigen Anteil an diesem Problem haben. Der größte Anteil der heute hergestellten Plastikprodukte sind Essens- und Umverpackungen und die sogenannte Einmalplastik. Eine gute Nachricht kommt nun von der EU. Im November hat die EU ein weitgehendes Exportverbot für Plastikmüll erlassen. Das bedeutet das künftige Exporte in Entwicklungs- und Schwellenländern verboten werden. Zur gesamten Wahrheit gehört aber auch folgendes Beispiel aus Uganda:

: „Laut der jüngsten Studie, die 2022 von Nema in Auftrag gegeben wurde, werden täglich landesweit 600 Tonnen Plastik produziert. Doch nur 40 Prozent davon werden dann im Müll entsorgt. 60 Prozent landen in Straßengräben. Diese (60 Prozent) machen den größten Teil der Verschmutzung unserer Seen und Flüsse, der Verschlechterung unserer Böden und der Unwirksamkeit der Fruchtbarkeit und Produktivität der Landwirtschaft aus“, so Nema-Direktor Barirega Akankwasah. Nema* hat angekündigt, dass die Regierung ab 2024 die nationalen Getränkehersteller dazu verpflichten will, nur noch Glasflaschen zu verkaufen.“

Wochentaz.de Simone Schlindwein 19.11.23 – Umweltverschmutzung im Globalen Süden: Afrika ertrinkt in Plastik.

*Die Nationale Umweltmanagementbehörde (NEMA) ist eine halbautonome Einrichtung, die im Mai 1995 als wichtigste Behörde in Uganda gegründet wurde.

Laut diesem Artikel gelten z.B. Ruanda und Kenia mit ihren Bemühungen Plastik zu vermeiden als Vorzeigeländer. Die ebenfalls im November stattfindende UN Umweltkonferenz konnte in der dritten Sitzung zu diesem Thema keine Beschlüsse fassen:

„Die dritte Verhandlungsrunde für ein weltweit verbindliches Abkommen zur Eindämmung von Plastikmüll ist nach Angaben von Teilnehmern ohne nennenswerte Fortschritte zu Ende gegangen. Die Vertreter der rund 170 UN-Mitgliedsstaaten hätten in den siebentägigen Gesprächen „auf der Stelle getreten“, teilte WWF Deutschland mit. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen verhinderten der Iran, Saudi-Arabien, Russland und eine kleine Anzahl an weiteren Erdölförderstaaten Fortschritte bei den Verhandlungen durch eine Vielzahl neuer Vorschläge.“

Zeit-Online vom 20.11.23 – Gespräche zur weltweiten Vermeidung von Plastikmüll enden ergebnislos.

Ich möchte mir auch nicht vorstellen, was passiert, wenn Orkane, Taifune etc. ganze Landstriche am Meer verwüsten wie in jüngster Zeit in Acapulco, New Orleans, Indonesien… Es werden wohl nicht nur organische Stoffe ins Meer gelangen.

Es ist illusorisch anzunehmen, dass die Welt komplett auf Plastik verzichtet, aber Möglichkeiten der Einschränkung gibt es und diese müssen von jedem Einzelnen genutzt werden. Große Konzerne müssen endlich in die Pflicht genommen werden und es muss sichergestellt werden, dass das Müllmanagement weltweit verbessert wird.

Das wunderschöne Beitragsbild ganz oben stammt von: Wexor Tmg auf Unsplash

Falklandkarakara

Wer schon einmal einen Gerfalken oder das schnellste Tier auf unserem Planeten den Wanderfalken, im Flug oder im Sturzflug beim Beutefang beobachten konnte, wird sich über eine eher ungewöhnliche Fortbewegungsart des Falklandkarakaras sicherlich wundern. Aber der Reihe nach.

Die Vögel gehören in der Systematik zwar zur Familie der Falkenartigen, sie werden aber in einen eigenen Tribus (eine Stufe zwischen Unterfamilie und Gattung) als Geierfalken eingeordnet. Ich interpretiere das für mich mal so: „Sie sind etwas Besonderes.“ Der Name erschließt sich auch nicht sofort, warum „Geierfalken“. Man kann durchaus Gemeinsamkeiten finden: Einen großen, sehr kräftigen Schnabel, für einen Falken ungewöhnlich lange Beine, sie fressen auch Aas und sie bewegen sich häufig zu Fuß oder hüpfend über den Boden, obwohl sie gute Flieger sind.

Karakaras bevorzugen als Lebensraum Savannen, Steppen aber auch Hochgebirge, Küsten und Agrarflächen. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Süden der USA über Mittelamerika bis Patagonien und den Falklandinseln. Nach ihrer Herkunft und Aussehen werden 5 Gattungen mit mehreren Arten gezählt. Diese sind:

  • Gelbkehlkarakara – Baumbewohner. Sie leben in den Tropenwäldern im nördlichen Südamerika und im Amazonasgebiet.
  • Rotkehlkarakara – Verbreitungsgebiet wie oben. Rotkehlkarakaras sind Nahrungsspezialisten. Sie attackieren Wespennester reisen Löcher hinein um Larven und Eier herauszuholen.
  • Die Carancho – Schopf- und Karibikkarakara diese beiden Arten finden wir im Süden der USA, der Karibik, im Westen Südamerikas bis Patagonien aber nicht im Amazonasgebiet. Eine weitere Art der Guadelupe-Karakara lebte auf der Mexiko vorgelagerten gleichnamigen Insel. Er wurde 1875 erstmals beschrieben und war bereits 1900 durch Verfolgung ausgerottet. „Ziegenmörder“
  • Chimango – mit Chimangokarakara und Gelbkopfkarakara. Sie leben in den Pampas und auf Weideflächen von Panama und Südamerika.
  • Bergkarakara – Streifen-, Berg-, Weißkehl- und Falklandkarakara leben in den Anden und auf den Falklandinseln.

Thema dieses Beitrages ist der Falklandkarakara, der nur auf der gleichnamigen Inselgruppe sowie auf den Feuerland vorgelagerten Inseln lebt. Von den dortigen Einwohnern erhielt er den Spitznamen Johnny Rook.

Als zu Anfang des Jahres 1833 die „HMS Beagle“ mit ihrem berühmten Passagier Charles Darwin an einem Archipel festmachte, das den Namen Falkland trug, war dieser wenig begeistert. Er beschrieb die Moorlandschaft, die er sah, als „desolate and wretched“ also trostlos und erbärmlich. Die dort lebenden Vögel mit schwarzem Gefieder und dem gelb gefärbten Oberschnabel weckten allerdings sein Interesse. Allerdings auch deshalb, weil sich die Mannschaft der Beagle über das diebische Verhalten der Vögel beschwerte und, da sie auch die Takelage überaus interessant fanden, musste eine zusätzliche Wache aufgestellt werden. Darwin registrierte zwar die aufmerksame Wachsamkeit, ihre Neugier und ihr Auftreten in Gruppen (was von anderen Raubvögeln nicht bekannt ist) und erwähnte sie auch ausführlich in seinem Reisebericht, aber weitergehende Studien führte er nicht aus, er hatte ja auch andere Ziele im Sinn.

Aber egal, ob man die Aufzeichnungen von Charles Darwin liest, einen Falkner befragt oder die Vögel selbst beobachtet, es wird schnell klar, dass sie nicht viel gemein haben, weder mit den eigentlichen Falken noch mit anderen Greifvögeln. Es sind Nahrungsopportunisten, das bedeutet, sie versuchen immer an das Futter zu kommen, das sie am schnellsten und einfachsten bekommen können. Deshalb fressen sie auch Aas, Insekten, Fisch, Eier und anderes mehr. Und sie sind erfindungsreich und intelligent. Man hat beobachtet, dass sie auf der Suche nach Futter Steine umdrehen und auch Stöckchen benutzen. Zum Vergnügen der Zuschauer erzählte ein Falkner aus der Zoofalknerei Neunkirchen, dass die Mülleimer auf dem Gelände „karakarsicher“ sind und man die Taschen doch bitte geschlossen halten solle.
Heute geht man davon aus, dass Papageien und die Gruppe der Falkenartigen gemeinsame Vorfahren hatten, die auf der zu dieser Zeit noch bewaldeten Antarktis lebten und sich über Landbrücken nach Norden verteilten und unterschiedlich entwickelten. Warum die so intelligente Spezies der Falklandkarakaras aber ausgerechnet in einem so abgelegenen, winzigen Gebiet heimisch wurden, hatten weder Darwin noch andere Wissenschaftler bisher klären können.

Falklandkarakaras trifft man in freier Wildbahn oft in Gruppen an, z.B. wenn sie gemeinsam jagen oder während der Brutzeit. Die Nester befinden sich häufig an Felsvorsprüngen oder auf dem Boden geschützt durch Grasbüschel und ausgepolstert mit Gras und Wolle. In der Regel werden ein bis drei Eier ausgebrütet und die Jungvögel werden von beiden Eltern – die im Übrigen monogam leben – versorgt. Ein besonderes Verhalten zeigen die Weibchen mit dem sogenannten „brood-reduction“. Der schwächste Nestling wird aus dem Nest geworfen um das Überleben der anderen zu sichern. Obwohl sie so sozial scheinen, werden sie in der Verteidigung ihrer Nester oder der Nahrung auch zu Artgenossen ausgesprochen aggressiv.

Johnny Rook’s sind in einigen deutschen Zoos zu sehen, u.a. in Frankfurt, der Wilhelma, Hannover oder Heidelberg. Besonders schön finde ich es, ihnen bei einer Flugshow ohne lästiges Gitter zu begegnen und sie dort zu beobachten, wie zum Beispiel in der Zoofalknerei in Neunkirchen.

Die folgenden Bilder entstanden in der Falknerei des Neunkirchner Zoos. Wachsamkeit aber auch Neugier bei „Johnny“: Was ist das für ein Ding, das sich der Typ vors Gesicht hält und das dauernd klickt?

Für uns Besserwisser: Der Name „Caracara“ stammt aus der Sprache der Ureinwohner Südamerikas, den Guarani. Er bedeutet so viel wie „Jäger“.

(Indisches) Panzernashorn

Sie scheinen Relikte aus uralter Zeit zu sein, noch dazu mit martialischem Aussehen. Hautfalten welche die Oberfläche in Platten einteilen, wie eine Panzerung wirken und Beulen, die an Nieten auf einem Schiffsrumpf erinnern. Und doch sind Panzernashörner (meist) sanfte Riesen, die eine eher gemächliche Gangart bevorzugen und im Zoo bei Pflegerinnen und Pflegern beliebt sind, da sich zu ihnen ein sehr vertrauensvolles, enges Verhältnis aufbauen lässt.

Ihr englischer Name „One-Horned Rhinoceros“ deutet auf einen wichtigen Unterschied zu ihren afrikanischen Verwandten hin. Asiatische Nashörner haben nur ein Horn, während die afrikanischen Vertreter deren zwei tragen. Sie sind mit einer Schulterhöhe von 170 – 190 cm und einem Gewicht von 2,2 – 2,7 t nach Elefanten und Breitmaulnashorn die größten Landsäugetiere. Die Maße gelten für Bullen, Kühe sind etwa ein Viertel leichter und kleiner. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet war der gesamte nördliche Indische Subkontinent, also von der Grenze zu Pakistan über die Flussebenen des Ganges und Brahmaputra, Bangladesch, den Süden von Nepal und Bhutan bis zur Grenze nach Burma.  Heute findet man sie nur noch in Schutzgebieten im nordöstlichen Indien (Assam, Westbengalen und Uttar Pradesh) und in den fruchtbaren Ebenen von Nepal. Die folgende Karte zeigt die indischen Schutzgebiete in Assam.

Die meisten Tiere leben in Kaziranga (2400*) und dem Chitwan-Nationalpark (645*) in Nepal. Im Nationalpark Manas, der sowohl auf indischem als auch bhutanischem Gebiet liegt, waren die Tiere praktisch ausgerottet. Durch Wiederansiedlung versucht man die Population zu retten.

Ihr favorisierter Lebensraum sind Feucht- bzw. Sumpfgebiete entlang der Flüsse sowie offene Graslandschaften aber auch lichte Wälder. Hier finden sie durch das bis zu 5 m hohe sogenannte Elefantengras (Familie der Süßgräser) Schutz und Nahrung. Regelrechte Tunnelpfade durchs hohe Gras verbinden die Schlaf-, Futter-, Ruhe- und Badeplätze miteinander. Einen Großteil des Tages verbringen sie mit äsen, aber während der heißesten Zeit des Tages legen sie sich gerne ins Wasser und sie sind sehr gute Schwimmer. Suhlen im Sumpf ist wichtig und gehört wie bei den Elefanten zur Körperpflege.

Die Reviere sind eher klein. Solange genügend Nahrung vorhanden ist sind die Tiere ortstreu. Oftmals überlappen sich die Territorien z.B. durch Überschwemmungen. Obwohl es keine Herdentiere sind, schätzen sie die Anwesenheit von Artgenossen. Das Aufeinandertreffen der Tiere verläuft in der Regel friedlich. Einzig Schlaf- und Weideplätze werden verteidigt. Die dominanten Bullen leben meist alleine, tolerieren aber die Anwesenheit von Weibchen. Junge und alte Bullen sowie Mütter mit ihren Kälbern leben oftmals in Gruppen zusammen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten in Afrika markieren Panzernashörner ihr Gebiet mit Urin und einem Sekret aus Duftdrüsen, die sich an den Füssen befindet. Mehrere Tiere benutzen aber den gleichen Ablageplatz für Kot, den sie zu Haufen aufschichten, wobei jedes Tier versucht, seinen Dung zuoberst abzulegen. Diese Dunghaufen dienen jedoch der Kommunikation mit Artgenossen und geben z.B. Auskunft über den Fortpflanzungsstatus der Weibchen. Da die Wechsel im hohen Gras kaum zu sehen sind, dienen die Dunghaufen auch der Orientierung. Panzernashörner haben einen sehr feinen Geruchs- und Hörsinn, dafür sehen sie sehr schlecht.

Wenn ich bei der Beschreibung im ersten Abschnitt von „meist“ sanften Riesen spreche, dann gibt es natürlich Einschränkungen. Bei Kämpfen unter Bullen um Kühe, Müttern mit Kälbern denen Artgenossen – auch weibliche – zu nahe kommen oder bei der Verteidigung von Schlaf- oder Äsungsplätzen geht es äußerst ruppig zu. Sie kämpfen nicht mit dem Horn wie man vermuten könnte, sondern beißen sich und bringen sich so heftige Wunden bei. Gegner und Angreifer werden auch über längere Strecken verfolgt. Auch vor dem Deckakt geht es zur Sache. Der Bulle treibt und bedrängt das Weibchen bis zur Erschöpfung, wird dann vom Weibchen „umgarnt“ bis es nach Stunden zum Deckakt kommt, der etwa eine Stunde dauert.

Kommunikation unter Artgenossen findet aber nicht nur über Duftmarken statt. Panzernashörner verfügen über mindestens 10 unterschiedliche Lautäußerungen.

„Die Nashornmutter lockt ihr Junges durch Blöken. Wenn die Nashörner drohen schnauben sie, indem Luft durch das geschlossene Maul geblasen wird. Wollen sie ihre in der Nähe befindlichen Artgenossen auf eine Gefahr aufmerksam machen, so grunzen sie kurz und abgehackt wie ein Gnu. Diese Laute stoßen sie auch auf der Flucht aus. Wird eine Nashornkuh in der Brunstzeit von einem Bullen getrieben, so gibt das Weibchen ein hohes, wieherndes Fiepen von sich, während der Bulle einen langen Grunzlaut hören lässt, den er auch ausstößt, wenn er einen Rivalen verfolgt. Der Verfolgte lässt in diesem Falle ein langes Fiepen hören, das immer in gleicher Tonlage bleibt. Außerdem gibt es noch einen schnurrenden Laut als Kontaktlaut den die Tiere hören lassen, wenn sie in eine Schlammsuhle oder ein Wasserloch hinein wollen in dem sich schon Artgenossen befinden. Diese antworten mit einem Blubbern indem sie unter Wasser Luft aus Maul oder Nase blasen.“

Ursula und Wolfgang Ullrich (Zoodirektor in Dresden 1950 – 1973) „Im Dschungel der Panzernashörner“ erschienen Neumann Verlag 1962

Panzernashörner und Zoos

Der WWF geht heute von einem Bestand von 2750* Tieren in freier Wildbahn aus. In europäischen Zoos leben etwa 80 Tiere. Bereits 1956 gelang dem Zoo Basel die Erstzucht in menschlicher Obhut. Seitdem werden dort regelmäßig Jungtiere geboren. Das internationale Zuchtbuch wird dort geführt und das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) von Basel koordiniert. Wenn man bedenkt, dass Wolfgang Ullrich und seine Frau Anfang der 1960er Jahre beschlossen nach Assam zu fliegen, um dort einige Monate das Leben dieser Tiere zu studieren, da es bis zu diesem Zeitpunkt darüber kaum oder falsche Informationen gab, ist dieser Zuchterfolg umso höher zu bewerten. Gleichzeitig stimmt es traurig, dass, wie so oft, eine Tierart kurz vor dem Aussterben stand, bevor wir wussten wie sie überhaupt lebt.

Die Haltung von Panzernashörnern stellt hohe Anforderungen an die Zoos. Beispiele:

  • Beschaffenheit des Bodens (die Tiere haben sehr empfindliche Sohlen, da sie im weichen Sumpfgelände leben),
  • Außengehege mit Pool und Schlammsuhle, je nach Anzahl der Tiere teilbar in 3 Bereiche, eigene Futterplätze für jedes Tier,
  • genaue Kenntnisse der Paarungsgewohnheiten – manche Zoos haben die Paarung abgebrochen, da sie befürchteten, dass das Weibchen vom Männchen getötet werden könnte. Das Verhalten der Tiere ändert sich in der Brunst enorm. Bullen bemerken z.B. bis zu eine Woche vorher, dass das Weibchen in die Brunst kommt,
  • und letztendlich ein flexibles Zeitmanagement des Zoos, um beispielsweise Ruhephasen der Tiere nicht durch Training oder Beschäftigung zu stören.

Insgesamt waren die Zoos in den letzten Jahren sehr erfolgreich bei der Haltung und Aufzucht von Panzernashörnern. Ebenso wichtig ist es aber, dass die Zoos durch Artenschutzabgaben ihrer Besucher in die Lage versetzt wurden, lokale Organisationen und deren vielfältige Schutzmaßnahmen zu unterstützen. Vor hundert Jahren waren Panzernashörner fast ausgerottet. Jagd, Wilderei und die Umwandlung von Grasland in Ackerflächen waren dafür verantwortlich. Heute haben sich die Bestände erholt* und man kann optimistisch in die Zukunft blicken, was das Überleben dieser faszinierenden Tierart betrifft.

*Die Zahlen weichen leider erheblich voneinander ab, teils sind es Schätzungen, teils Zählungen die aber nicht immer aktuell sein müssen.

Die folgenden Bilder wurden im Zolli Basel 07/22 aufgenommen. Tarun ist im Mai geboren.

Alle folgenden Bilder wurden im Zolli Basel 10/23 aufgenommen. In der Zwischenzeit war Tican im Sep 22 geboren worden.

Brillenbär / Andenbär / Ucumari

Gehen wir doch einmal einige Jahre in unserer Erdgeschichte zurück. Im späten Miozän bis frühes Pliozän (also vor etwa 7,3 – 4,3 Mio. Jahren) trennten sich die evolutionäre Entwicklung der Bären und es formten sich zwei Unterfamilien. Eine genannt Ursinae, sie umfasst die meisten heute bekannten Großbären also z.B. Kodiak- oder Europäische Braunbären. Die andere ist die der Kurzschnauzenbären (wissenschaftlich: Tremarctinae), deren Verbreitung von Nordamerika bis Patagonien reichte. Vertreter dieser Gattung brachten Riesen hervor. Skelettfunde in Nordamerika und Argentinien lassen vermuten, dass sie ein Gewicht bis zu 2 Tonnen auf die Waage brachten und bei einer Schulterhöhe bis 1,8m aufgerichtet 3,40m maßen. Beide starben vor 11.000 Jahren aus.

Die Kurzschnauzenbären entwickelten sich in zwei Gattungen weiter. Die nordamerikanischen Vertreter (Tremarctos floridanus) starben jedoch vor 8000 Jahren aus. Somit ist der Brillen- oder Andenbär die heute einzig überlebende (rezente) Gattung der Kurzschnauzenbären und ist evolutionär gesehen die jüngste Bärenart. Die ältesten Funde stammen aus der Chaquil-Höhle im Nordosten von Peru und sind ungefähr 6000-7000 Jahre alt.

Den Namen Brillenbär erhielten sie aufgrund ihrer cremefarbigen bis gelblichen Zeichnung um Schnauze, Stirn und Augen. Sie verläuft oft in Streifen und erinnert an eine Brille. Das Muster ist von Tier zu Tier verschieden, ansonsten ist das Fell schwarz. Die beeindruckenden Maße ihrer Ahnen erreichen sie nicht: 90 cm Schulterhöhe und etwa 130 bis 175 kg Gewicht bei den Männchen. Die Weibchen sind deutlich kleiner und leichter.

Der zweite Name deutet auf ihr Verbreitungsgebiet hin. Es umfasst die tropischen Anden und deren vorgelagerte Gebirgszüge in Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Bolivien und Peru. Somit erstreckt sich das Gebiet über eine Länge von ca. 4600 km während es jedoch nur zwischen 200 und 650 km breit ist. Die jeweiligen Lebensräume in den Verbreitungsgebieten sind sehr unterschiedlich. Obwohl die meisten Sichtungen in einer Höhe von 1000m verzeichnet wurden, liegt der bevorzugte Lebensraum in einer Höhe von 1900m bis 2400m überwiegend in den dortigen tropischen und subtropischen Wäldern. Die Tiere sind wohl sehr anpassungsfähig aber natürlich abhängig vom Nahrungsangebot. Wie alle Bären sind sie Allesfresser mit einem deutlichen Schwerpunkt bei der Pflanzenkost. Fleisch oder Aas wird jedoch nicht verschmäht. Das erklärt auch die verkürzte Schnauze, da das Gebiss darauf ausgelegt ist, faserige Pflanzen und Früchte zu zerkauen. Um sich ausreichend mit den Früchten von Bromelien (Puya u. Tillandsia), Kakteen aber auch Palmtrieben und den Blütenständen von Orchideen zu versorgen, folgen sie dem Fruchtzyklus ihrer bevorzugten Nahrung und wechseln bei Bedarf zwischen den unterschiedlichen Lebensräumen.

Andenbären sind Einzelgänger und finden nur zur Paarung zusammen. Ihre Reviere überlappen sich häufig. Sie zeigen bei einem Zusammentreffen mit Artgenossen keinerlei Aggression. Paarungen finden während des ganzen Jahres statt. Bärinnen können das Einnisten der Eizelle hinauszögern und so die Tragzeit dem Nahrungsangebot anpassen. Es werden 1 bis 4 Jungtiere geboren, die zwei Jahre von der Mutter betreut werden.

Das erste Mal beschrieben wurde der Andenbär vom Schweizer Naturforscher Johann J. von Tschudi, der 1838 und 1857 die Andenstaaten bereiste und längere Zeit in Peru lebte. Bereits 1947 gelang dem Zoo in Buenos Aires eine erfolgreiche Erstzucht. Die beiden Jungtiere wurden an den Zoo in Basel gegeben. Laut dem internationalen Zuchtbuch gab es Ende 2017 in Zoos und Tierparks 253 Tiere. Allerdings stammten auch das Wissen und die meisten Informationen über das Leben der Andenbären aus diesen Institutionen, während das Leben freilebender Tiere bis Ende der 1970er Jahre wenig erforscht war. Zählungen führten jedoch zur Erkenntnis, dass die Tiere in ihren Verbreitungsgebieten stark gefährdet waren und die Bestände rasant zurückgingen. Die Folge waren die Gründung von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in den Andenstaaten, die sich den Schutz der Bärenpopulationen und den Erhalt der Biodiversität auf die Fahnen schrieben. Es wurden Schutzgebiete eingerichtet von denen es heute 58 gibt. Jagd und Handel wurden verboten. Seit 1987 gibt es das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP).

Leider blieb der Erfolg der beschlossenen Maßnahmen weitestgehend aus. Durch das Zusammentreffen von Mensch und Tier in den Randgebieten der Schutzzonen kommt es immer wieder zu Wilderei und Jagd auf Bären. Der Grund hierfür liegt in erster Linie in der wirtschaftlichen Not der lokalen Bevölkerung. Während Großgrundbesitzer die ertragreichen Flächen in Beschlag genommen haben (in Kolumbien ist es der illegale Drogenanbau), muss die Landbevölkerung auf die Randgebiete ausweichen, wo die Bären leben. Das bedeutet eine Fragmentierung des Lebensraums der Bären mit der Folge, dass die genetische Vielfalt der Tiere stark abgenommen hat.

Nach der Jahrtausendwende überarbeiteten die Naturschutzorganisationen in Südamerika in Zusammenarbeit mit WWF die Schutzmaßnahmen und gaben neue Empfehlungen für das weitere Vorgehen aus:

  • Die Schutzzonen sollten von Regierungsseite vergrößert und besser kontrolliert werden, um Wilderei zu verhindern,
  • es sollten Korridore zwischen den Nationalparks entstehen um den Bären zu ermöglichen dem Nahrungszyklus hinterherzuwandern,
  • Korridore sollten sicherstellen, dass mehr paarungsbereite Tiere zusammenfinden,
  • illegale Rodungen sollten verhindert werden, aber Vereinbarkeit der Bedürfnisse von Landbevölkerung und Andenbären soll ein Ziel sein,
  • Aufklärung der Bevölkerung über den Sinn und Zweck von Biodiversität, da die Region für viele Millionen Menschen wichtig ist als Wasser- und Co2 Speicher.
  • Es bestehen immer noch große Wissenslücken (z. B. über Populationsdynamik, Lebensraumnutzung, Fortpflanzung), diese müssen dringend geschlossen werden.

Einen wichtigen Schritt sah man darin, den Andenbär als sogenannte Schwerpunktart auszuwählen. Schwerpunkttierarten benötigen zum Überleben eine bestimmte Kombination von Lebensräumen, im Allgemeinen in sehr ausgedehnten Landschaften. Sie legen häufig weite Entfernungen zurück, sind gebietsempfindlich, gute Indikatoren für den Erhaltungszustand ihrer Lebensräume und haben spezielle Ernährungs- oder Fortpflanzungsbedürfnisse. Wenn ihr Überleben gesichert ist, wäre auf diese Weise auch das Überleben vieler anderer einheimischer Arten einer Region durch den Schutz großer und gut vernetzter Gebiete gesichert.

Auch Zoos und weitere Naturschutzgruppen haben den Andenbär als Flaggschiff und somit als Symbol für den Artenschutz in den Anden etabliert.

Für uns Besserwisser:
in Südamerika werden die Bären Oso Andino (Andenbär) oder Oso de Anteojos (Brillenbär) genannt. Und in der Quechua Sprache heißen sie Ucumari.

Die Brillenbären in Frankfurt, die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2021 – 2023. Zum vergrößern bitte auf ein Bild klicken.

Socorrotaube / Paloma de Socorro

Es sind wunderschöne Tiere. Aber wie so oft mit einem traurigen Schicksal, das – man ahnt es schon – eng mit Menschen verknüpft ist.

Die Tauben sind mittelgroß, etwa 25 – 35 cm. Das Federkleid ist überwiegend rötlich bis zimtbraun, nur die Oberseite ist erdbraun. Der Schnabel ist an der Spitze dunkel. Insgesamt ist sie etwas größer als ihre nahen Verwandten, hat einen längeren Schnabel und längere Beine. Warum das so ist, dazu gleich mehr. Sie ernähren sich von Früchten, Samen und Beeren. Täuber und Täubin leben monogam, kümmern sich gemeinsam um die Brut. Meist werden 2 Eier vom späten Nachmittag bis zum Morgen vom Weibchen und den Rest des Tages vom Männchen bebrütet. Die Brutzeit beträgt 10-15 Tage, die Jungvögel bleiben 14-20 Tage im Nest bevor sie von den Eltern vertrieben werden. Ihr Lebensraum sind (waren) Wälder und steiniges Buschland auf einer Höhe von 500-600 max. 950m. Ihr Leben spielt sich überwiegend am Boden ab, dort wird auch gebrütet und dies ist der Grund für die körperlichen Anpassungen durch die Evolution.

Ihr Vorkommen war auf eine einzige Insel im Pazifik beschränkt. Socorro* – 700 km östlich von Mexiko und 400 km südlich der Baja California. Die Insel ist Teil eines kleinen Archipels mit dem Namen Revillagigedo. Sie ist 16,5 km lang an der breitesten Stelle misst sie etwa 15,5 km. Socorro erhebt sich 4000m vom Meeresgrund, ist vulkanischen Ursprungs und die Spitze ragt 1050m über den Meeresspiegel hinaus. Damit erklärt sich die Färbung der Tauben, die so auf dem dunklen Lavaboden von Raubvögeln schlecht auszumachen sind. Die Vögel werden als äußerst aggressiv ihren Artgenossen gegenüber beschrieben. Täuber vertreiben sogar fremde Weibchen mit Nachdruck. Diese Abgrenzung macht Sinn, wenn man endemisch (ausschließlich in einem Gebiet) lebt. Ihre nächste und engste Verwandte ist die Carolina- oder Trauertaube, die in Nord- und Mittelamerika weit verbreitet ist und keine Mühe hat Socorro zu erreichen.

*Socorro – spanisch für Unterstützung, Hilfe. Ursprüngliche Bedeutung: Verehrung der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe. Er bezieht sich auf eine der Aufgaben, die die Christen der Jungfrau Maria zuschreiben, denen zu helfen, die in Not sind, ihnen beizustehen.

Was wir über Socorrotauben heute wissen stammt überwiegend von privaten Züchtern und Zoos (außer, dass sie offensichtlich gut schmeckten). 1972 wurde das letzte Exemplar vor Ort gesichtet. Sie gelten ab da als in freier Natur ausgestorben.  Da meiner Meinung nach das Schicksal der Socorrotaube exemplarisch für den Umgang des Menschen mit Ökosystemen steht, beschäftige ich mich im Folgenden mit der Geschichte und dem Schicksal der Insel. Dann werfe ich einen Blick in die Zukunft und die Wiederansiedlung der Tiere in ihrer ursprünglichen Heimat. Zum Abschluss meines Beitrages noch einige Bemerkungen zu „invasiven Arten“.

Im Dezember 1533 entdeckte Hernando de Grijalva eine Insel, die auf keiner Karte verzeichnet war. Nachdem er angelandet war, nahm er das winzige Eiland im Namen seines spanischen Königs in Besitz und nannte sie „Santo Tomas“. Angeblich steuerte Sir Francis Drake die Insel 1579 an und hielt sich einige Zeit dort auf. Der spanische Kapitän und Abenteurer namens Martin Yanez de Armida betrat sie 1608 um dort Gold zu suchen. Da ihn seine Frau begleitete, gab er der Insel kurzerhand deren Vornamen „Socorro“. Bis sich 1793 der Seefahrer James Colnett daranmachte Karten anzufertigen und Proben von Flora und Fauna zu nehmen waren alle vier Inseln des Archipels entdeckt. Zu Ehren und aus Dankbarkeit benannte er das Archipel nach dem mexikanischen Grafen Revillagigedo. Viele Expeditionen folgten bis 1865 der Ornithologe und Maler Andrew Jackson Grayson mit seinem Sohn Ned die Insel besuchten. Angeblich entdeckte sein Sohn Ned auf seinen Streifzügen die Socorrotaube. Sein Vater zeichnete und beschrieb sie zum ersten Mal. Ihm und seinem Sohn zu Ehren erhielt die Taube 1871 den lateinischen Namen Zenaida graysoni (Zenaide Laetitia Julia Bonaparte, war die Ehefrau von Charles L. Bonaparte einem französischen Naturforscher).

Im gleichen Jahr erhielt eine Gruppe von Australiern und Kanadiern die Erlaubnis sich auf der Insel anzusiedeln sowie 100 Schafe und 25 Stück Vieh mitzunehmen. Die Rinder überlebten allerdings nicht lange.

Viele Expeditionen folgten in denen die Inseln des Archipels genau vermessen und Flora und Fauna intensiv studiert wurden. Aber erst nach 1905 lieferten die Expeditionen der Kalifornischen Akademie der Wissenschaften und die in den Jahren 1932 und 1939 organisierten Expeditionen der Allan-Hancock-Stiftung wirklich gute Ergebnisse. Trotz der Bedeutung des Archipels in politischer, wirtschaftlicher und biologischer Hinsicht war das Wissen über die Ökologie der Inseln bis dahin sehr überschaubar. Im Januar 1957 richtete die mexikanische Regierung zur Sicherung ihrer Souveränität außerhalb ihrer 200 Meilenzone einen Marinestützpunkt auf Socorro ein. Die Soldaten durften, um ihnen den Aufenthalt attraktiver zu machen, ihre Familien und Haustiere mitbringen. Das war dann das endgültige Aus für das ökologische Gleichgewicht.

Schafe, Schweine und Kaninchen sowie eingeführte Pflanzen haben die ursprüngliche Vegetation so drastisch verändert, dass Erosionsprozesse in den Böden beschleunigt wurden. Ein Übriges taten schwere Wetterereignisse, denn seit 1958 haben mehr als 77 Wirbelstürme und 8 tropische Stürme den Archipel heimgesucht. Die Socorrotaube hatte mit dem Auftauchen von Katzen plötzlich einen Fressfeind am Boden, mit dem sie nicht umgehen konnte. Die Evolution hatte Strategien entwickelt, um Gefahren aus der Luft zu begegnen. Auch die Soldaten freuten sich über Vögel die nicht wegflogen, wenn man in ihre Nähe kam und sich sogar neugierig ihren Jägern näherten. Leichte Beute für den Kochtopf. Leibwächter des damaligen Gouverneurs von Colima (mexikanischer Bundesstaat zu dem das Archipel gehört) haben laut Überlieferung 1972 die letzte Taube „zu Tode geprügelt“. (dokumentiert im Buch „Colima y las Islas de Revillagigedo“ von Manuel V. Murguía).

Bei all diesem Unglück gibt es allerdings auch Hoffnung. In den Jahren zwischen 1925 und 1957 wurden von verschiedenen Expeditionen Tiere nach USA gebracht, um sie dort zu züchten. Einige der Tiere gelangten auf Initiative des Anthropologen Edward Gifford nach England.

Ab 1987 wurde von Luis Baptista, einem Ornithologen, die Idee geboren, die Tiere in ihre Heimat zurückzubringen. Er und der mexikanische Biologe Juan E. Martinez wurden die treibenden Kräfte für das Wiederansiedlungsprojekt. Die Arbeit der beiden war die Grundlage und der Anstoß, dass die mexikanische Regierung das Revillagigedo-Archipel 1994 zum Biosphärenreservat erklärte. Weitere Untersuchungen von Baptista machten jedoch klar, dass die invasiven Tier- und Pflanzenarten von der Insel verschwinden mussten, wenn das Projekt erfolgreich sein sollte.

1987 kam ein erstes Taubenpaar in den Frankfurter Zoo, weitere Exemplare folgten 1990 und im gleichen Jahr schlüpfte die erste „Frankfurter“ Socorrotaube. Bis heute waren es über 40 Tiere, die in Frankfurt geschlüpft sind und die an andere europäische Zoos verteilt werden konnten. So war es auch kein Wunder, dass der Biologe und Kurator des Frankfurter Zoos Dr. Stefan Stadler zusammen mit dem Kölner Zoo ein Zuchtprogramm startete, das 1995 in das Europäische Programm für gefährdete Arten (EEP) übernommen wurde. In diesen Jahren koordinierte Luis Baptista die Zusammenarbeit zwischen Zoos und Forschern, die daran interessiert waren, die Tauben in ihrer Heimat wieder auszuwildern. Nach dem Tod von Baptista im Jahr 2000 wurde die Rückführungsprojekt von seiner Kollegin Dr. Helen Horbilt weiter fortgesetzt.

Die in Deutschland und USA lebenden Tauben mussten zunächst genetisch untersucht werden, da zu befürchten war, dass die Nachzuchten mit der ursprünglichen Form durch Kreuzung (z.B. mit der Carolinataube in USA) nichts mehr zu tun hatte. Es stellte sich heraus, dass die in Deutschland gezüchteten Tiere am engsten mit der ursprünglichen Form der Socorrotaube verwandt waren.

Mit Unterstützung des mexikanischen Marineministeriums wurde eine Aufzuchtstation auf Socorro errichtet, die im November 2004 fertiggestellt wurde. Da die Tiere nicht einfach in die Freiheit entlassen werden können, müssten zunächst alle invasiven Arten eliminiert werden. Die ursprüngliche Vegetation, die die Nahrungsgrundlage der Tauben ist, muss neu angepflanzt werden. Mit anderen Worten der natürliche Lebensraum muss wieder weitestgehend hergestellt werden – eine Herkulesaufgabe! Finanziell unterstützt wird das Auswilderungsprogramm auf Socorro nicht nur aus Europa, sondern auch vom “Mohamed bin Zayed Species Conservation Fund“**.

Durch die in den folgenden Jahren aufgetretene Vogelgrippe konnten jedoch keine europäischen Socorrotauben nach Mexiko überführt werden. Das geschah jedoch dann endlich 2013 über den Umweg USA. In der Zwischenzeit beteiligt sich der mexikanische Safaripark „Africam Safari“ in Puebla, der die Tauben zunächst aufnimmt und z.B. eng mit dem Frankfurter Zoo kooperiert. Bis 2018 waren es 30 Tauben, die nun in Puebla auf ihre Auswilderung warten.

Im Oktober 2017 erklärte der mexikanische Präsident den Archipel zum Nationalpark und das Projekt Socorrotaube wurde in das „Aktionsprogramm für Artenschutz in Mexiko“ aufgenommen. Eine weise, wenn auch sehr späte Entscheidung.

**Muhammad bin Zayid bin Sultan Al Nahyan ist Herrscher von Abu Dhabi und seit 2022 Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate.

Und nun zum Schluss noch einige Zeilen und Erklärungen zu Begriffen wie „invasive Arten“, „Neobiota“, „gebietsfremde und indigene Arten“ am Beispiel Deutschland.

  • Indigene Arten – oder einheimische Arten haben sich aus eigener Kraft in einem Gebiet angesiedelt oder sind hier entstanden. Es gelten alle Arten als indigen, die sich seit der letzten Eiszeit hier etabliert haben.
  • Gebietsfremde – hierzu zählen Arten die bereits vor 1492 durch menschliches Zutun hier eingebracht wurden. Viele dieser Gebietsfremden haben sich jedoch ohne den Einfluss des Menschen etabliert.
  • Neobiota – ähnlich den gebietsfremden sind aber nach der Entdeckung Amerikas 1492 zu uns gekommen. Üblicherweise war die Ansiedlung Absicht z.B. bei Zier- oder Nutzpflanzen oder den Waschbären, der als Jagdwild angesiedelt wurde.  
  • Invasive Arten – sind Tiere oder Pflanzen die sich in einem Lebensraum außerhalb ihres ursprünglichen ansiedeln. Sogenannte Ausbreitungsbarrieren werden durch menschliche Hilfe überwunden (Transportmittel). Invasiv sind Arten dann, wenn sie unerwünschte Auswirkungen auf indigene Arten oder Biotope haben, die Artenvielfalt gefährden oder negative wirtschaftliche Auswirkungen haben. In Deutschland zählt man etwa 168 invasive Arten.

Im Fall der zerstörten Artenvielfalt und Lebensräume auf Socorro habe ich geschrieben, dass die invasiven Arten – Pflanze oder Tier – eliminiert werden müssen. Das schreibt sich natürlich einfacher, als es dann vor Ort umzusetzen ist. Schafe kann man von der Insel wegbringen, Pflanzen roden und heimische Arten neu anpflanzen. Aber beim Thema Katzen oder Kaninchen wird es schwierig, aus nachvollziehbaren Gründen. Aber sollen die immensen Summen die bisher investiert wurden und all die Arbeit die in die Wiederansiedlung gesteckt wurden wirklich umsonst gewesen sein?

für uns Besserwisser

Geschlechtsdimorphismus: bezeichnet die Unterschiede von weiblichen und männlichen Lebewesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vögeln sind  sich Täuber und Täubin der Socorrotaube sehr ähnlich.

Bedrohung von Vögeln durch Katzen: „Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass in den USA jedes Jahr zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel von Hauskatzen getötet werden. Für Deutschland gibt es grobe Schätzungen, die von 200 Millionen getöteten Vögeln pro Jahr ausgehen.“ Zitat Nabu

Zoo Frankfurt

Leitspruch: Tiere erleben – Natur bewahren

  • Geschichte

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war die damalige Bockenheimer Chaussee (heute Bockenheimer Landstraße) eine wichtige Verkehrsader. Damals allerdings noch am Stadtrand gelegen. Während der südliche Teil schon dicht bebaut war, breiteten sich nördlich der Straße ausgedehnte Gartengrundstücke mit verstreut liegenden Villen und Palais aus. Dahinter begann das Umland. Eines der größten Grundstücke war der Leer’sche Garten. Das 15 Morgen (3,75 ha) große Areal war im Besitz des Städelschen Instituts, das eigentlich eine Kunstgalerie dort eröffnen wollte. Die Pläne konnten nicht verwirklicht werden und so lag der Garten brach.

Eine Gruppe Frankfurter Honorationen tat sich zusammen, um in Frankfurt einen Zoo zu gründen. Der Leer’sche Garten konnte für insgesamt 15 Jahre gepachtet werden. Die Initiatoren gründeten im März 1858 eine Aktiengesellschaft, die den Zoo betreiben sollte – die Frankfurter Zoologische Gesellschaft. Ihr Credo lautete: „Die Bürger sollen die Erholung in der freien Natur mit dem Studium derselben verbinden.“ Bereits am 08. August 1858 konnte der Zoo unter Auflagen der Stadt (keine fleischfressenden Raubtiere) eröffnet werden. (Das Gelände grenzte damals an die Unterlindau, wo sich auch ein Eingang befand. In unmittelbarer Nähe lag das Palais mit Garten der Bankiersfamilie Rothschild, von dem nur der heutige Rothschild-Park übriggeblieben ist.)

Der überlieferte Tierbestand Ende des Jahres war 589 Tiere in 151 Arten. Zwei Jahre nach der Eröffnung zogen dann allerdings auch Leoparden, Löwen und Wölfe ein. Der Zoo wurde zum Besuchermagnet und aus dem Jahr 1863 sind 100.000 Besucher (ohne Dauerkarten) überliefert. Bei einer Einwohnerzahl von gerade mal 80.000 war das ein respektables Ergebnis. Da es absehbar war, dass der Zoo bald aus allen Nähten platzen und die Pacht auslaufen würde, suchte man mit Hochdruck an einem alternativen Standort.

Dieser wurde schließlich in der sogenannten Pfingstweide im Osten Frankfurts gefunden. Im März 1874 begann der Umzug mit 1200 Tieren quer durch die Stadt. Die offizielle Eröffnung fand am 29. März statt und am 09. April zog als letztes Tier ein Yak an den heutigen Standort im Ostend ein. Das im Dezember 1876 fertiggestellte Gesellschaftshaus ist bis heute eines der markantesten Gebäude Frankfurts.

Dem Zeitgeist entsprechend, der nach exotischen Tieren und fremden Völkern verlangte, vergrößerte sich die Tierschau stetig und sogenannte Völkerschauen ergänzten das Angebot. Ein erster großer Einschnitt war der Beginn des ersten Weltkrieges 1914. Da Futter für die Tiere knapp wurde, verhungerten fast zwei Drittel oder starben an Infektionskrankheiten. Mit dem Verlust von Einnahmen und Spenden ging die Zoogesellschaft als Trägerin des Zoos 1915 bankrott und die Stadt Frankfurt übernahm die Verwaltung. Ab dem Jahr 1920 ging es mit dem Zoo wieder steil aufwärts. Der erste Gorilla kommt per Zeppelin in Friedrichshafen an und wird nach Frankfurt gebracht. Die Besucherzahl steigt in diesen Jahren auf unglaubliche 3 Mio. pro Jahr. Die Entwicklung wird durch den Beginn des 2. Weltkrieges jäh beendet. Tierpfleger werden zum Kriegsdienst eingezogen. Es herrscht wieder Futtermangel, Spender und Unterstützer ziehen sich zurück. Am 18. März 1944 treffen 27 Fliegerbomben das Gelände und zerstören Gebäude und Anlagen. Viele Tiere u.a. Löwen irren durch die Stadt und müssen, um die Bevölkerung nicht zu gefährden, erschossen werden.

Im Frühjahr 1945 kommt der junge Tierarzt Dr. Bernhard Grzimek nach Frankfurt als persönlicher Referent des amtierenden Bürgermeisters W. Hollbach und wird am 01. Mai neuer Zoodirektor. Einer alten Planung zufolge sollte der Zoo an den Stadtrand verlegt werden. Grzimek widersetzt sich diesen Plänen. Er schaffte es in kürzester Zeit Geld zu sammeln und damit den Wiederaufbau in Gang zu bekommen. Bereits am 01. Juli wurde die Wiedereröffnung gefeiert. Da die Anzahl der Tiere bis dahin kriegsbedingt überschaubar war, sorgten Schausteller, ein Zirkus, Theatervorführungen und ein Kino dafür, dass die Frankfurter in den Zoo strömten. Um weitere Gelder zu sammeln und diese zu verwalten, wurde im Februar 1950 die „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Zoologischen Gartens e.V.“ gegründet. Und genau 100 Jahre nachdem die erste Zoologische Gesellschaft Frankfurt gegründet worden war, wurde die Gesellschaft der Förderer 1958 in die neue Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) überführt. Über deren heutige Aufgaben erfahrt Ihr mehr im Kapitel Artenschutz.

Das war sehr viel Geschichte, aber Frankfurt war nach Berlin die zweite deutsche Stadt, die einen Zoo gründete. Also Ehre wem Ehre gebührt.

  • Wichtige Personen

Der Name Grzimek ist in Frankfurt allgegenwärtig, wenn es um den Zoo geht. Aber andere haben auch wichtige und gute Arbeit geleistet. So zum Beispiel Grzimeks langjähriger Stellvertreter der Zoologe Richard Faust, der 1974 zum Direktor berufen wurde und nach dem Tod Grzimeks 1987 auch das Präsidentenamt der ZGF übernahm.

Christian R. Schmidt, Schweizer Zoologe und Verhaltensforscher war Mitbegründer des Europäischen Erhaltungszucht Programms (EEP) und von 1994 bis 2008 Direktor.

Manfred Niekisch ist Biologe und ein Experte für Naturschutz. Als solcher ist er Kooperationsprofessor für Internationalen Naturschutz am Institut für Ökologie, Evolution und Diversität an der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Direktor des Zoos war er von 2008 bis zu seiner Pensionierung 2017.

  • Schwerpunkte – Tiere

Ende 2022 wurde ein Tierbestand von 5326 Individuen in 467 Arten gezählt. Säugetiere waren dabei mit 1733 Einzeltieren in 91 Arten, Vögel mit 354 Individuen in 69 Arten vertreten. Das artenreichste Revier ist natürlich das Exotarium. Hier leben Reptilien, Amphibien, Fische und Wirbellose. Ansonsten lässt sich eigentlich kein Schwerpunkt bei bestimmten Tierarten ausmachen. Da der Zoo nicht erweiterbar ist, wurde die Anzahl der Arten und Individuen über die Jahre kontinuierlich reduziert. Hervorheben muss man auf jeden Fall das Menschenaffenhaus, das Grzimek-Haus für nachtaktive Tiere, das weltweit zu den größten Einrichtungen dieser Art gehört und das bereits erwähnte zweistöckige Exotarium.

  • Artenschutz und Zucht

Dem Leitspruch des Zoos folgend „Tiere erleben – Natur bewahren“, engagiert sich der Zoo für verschiedene Zuchtprogramme und Artenschutzprojekte. Die Zuchtbücher für Gorilla, Rostkatze (ISB), für Nashornleguan (ESB) und Schlanklori, Socorrotaube, Gelbrückenducker (Ex-situ Projekte EEP) werden hier koordiniert.

Spenden und Naturschutz-Euro (€ 1,00 als freiwilliger Teil des Eintrittspreises) fließen in diverse Artenschutzprojekte des Zoos. Z.B. die „Bienenbotschaft“ in Hessen, Komodo Survival Program (Wael Wuul Nature Reserve), Goldgelbes Löwenäffchen (Lion Tamarins of Brazil Fund), Grévy-Zebra (Marwell Wildlife – Grevy’s Zebra Trust) oder Okapi (Okapi Conservation Project).

  • ZGF

Auch hier will ich kurz in die Geschichte zurückgehen. Wie bereits geschrieben, war 1958 das Gründungsjahr der neuen Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Zu dieser Zeit verwaltete die Fördergesellschaft Spenden und Zuwendungen an den Zoo. Prof. Grzimek reiste ab Anfang der 50er Jahre nach Afrika. Eigentlich um den Tierbestand des Zoos zu erweitern. Bei seinen Reisen festigte sich allerdings die Erkenntnis, dass das Ausstellen von Tieren nicht die Priorität eines Zoologischen Gartens sein sollte, sondern die Erhaltung der Artenvielfalt und der Schutz des natürlichen Lebensraums. Das führte mit den Jahren zu einer Neuausrichtung der ZGF. Nach dem Tod von Michael Grzimek wurde zunächst ein Gedächtnis-Fond eingerichtet. Mit seinen vielfältigen Aktivitäten u.a. der Sendung „Ein Platz für Tiere“ legte sein Vater den Grundstock dieser Stiftung. Diese wurde dann 2001 von Richard Faust in die Stiftung „Hilfe für die bedrohte Tierwelt“ überführt. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V. (ZGF) verwaltet diese Mittel und ist als Naturschutzorganisation heute für 30 Projekte in 18 Länder verantwortlich, wobei der Fokus auf Ostafrika gerichtet ist.

  • Bildung

Der Zoo hat folgende Bildungsziele definiert:

    Interesse für die Bedürfnisse von Tieren zu wecken.
    Der Vermenschlichung von Tieren bewusst zu begegnen.
    Uns Menschen als Teil der Natur zu begreifen.

Diese werden bei Führungen und Workshops an Besucher jeden Alters vermittelt. Besonders interessant finde ich den Zoo-Jugendclub:

„Die Jugendclub-Kinder werden für ein (Schul-)Jahr in die faszinierende Welt der Tiere eintauchen. Als selbständige Forscherinnen und Forscher können sie bei den Expeditionen in den Zoo eigenen Fragen zu den Tieren nachgehen und deren Geheimnisse aufdecken. Auch wie ein moderner Zoo funktioniert und welche Aufgaben er hat, werden wir uns genau ansehen. Zudem werden wir uns mit größeren Zusammenhängen beschäftigen, zum Beispiel, warum viele Tierarten bedroht sind und wie die Zoos bei ihrem Erhalt helfen können. Wir überlegen gemeinsam, was jeder Einzelne von uns tun kann, damit nicht noch mehr Arten auf unserer Erde ausgerottet werden.“

Homepage Zoo Frankfurt

Eine weitere innovative Idee sind die Podcasts zu Themen rund um den Naturschutz „Hinter dem Zoo geht’s weiter“.

  • Zukunft

2019 wurde eine Konzeptstudie Zookunft 2030+ über die Zukunft des Zoos erarbeitet. Mit einigen Projekten hat man bereits begonnen: Umbau des Löwengeheges, die Mangrovenanlage im Exotarium und die Renovierung des Grzimek-Hauses die demnächst beginnt. Dazu sagt die zuständige Dezernentin der Stadt Frankfurt:

Bei der nun vorgelegten Konzeptstudie ZOOKUNFT2030+ geht es nicht nur darum, einzelne Gehege neu zu bauen oder die Besucherwege neu zu gestalten, es geht um viel mehr: eine ganzheitliche Vorstellung davon, was ein moderner Zoo leisten kann, warum er für uns alle in unserer bedrohten Welt so wichtig ist und wie die elf Hektar inmitten des Frankfurter Ostends optimal genutzt werden können.“

Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig

Man kann nur hoffen, dass die Pläne zeitnah umgesetzt werden können und, dass das „+“ hinter der 2030 nicht bedeutet, dass die Ziele erst in einer unbestimmten Zukunft erreicht werden. Möge die Übung gelingen.*

*Nachtrag: Kaum habe ich meinen Beitrag veröffentlicht, erscheint ein Artikel in der FR zum Thema mit folgender Überschrift: „Ein Berliner Architekturbüro arbeitet am Masterplan für den Tierpark – 2024 soll er vorliegen und vieles im Zoo von Grund auf verändern.“ (Frankfurter Rundschau vom 11.05.2023)

  • Mein Fazit und etwas Persönliches

Bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag habe ich mir natürlich auch die unvermeidlichen Kommentare von Besuchern des Zoos angesehen. Überraschenderweise gab es auf einer Plattform fast ausschließlich positive, auf einer anderen teilweise vernichtende Kommentare. Als ich dann am Ende eines heißen Sommers mit Familie und Freunden den Zoo besuchte, das Gleiche. Ich war schockiert. „Einige uralte Tierhäuser, keine Tiere in den Freianlagen, alles trocken und ungepflegt.“ Wie wir uns doch von unserem ersten Eindruck beeinflussen lassen.

Die Ansprüche die Zoos heute erfüllen müssen sind gewaltig. Tiere in vielfältigen Arten zeigen. Moderne Gehege und Freianlagen bauen. Den Arten- und Naturschutz in den Vordergrund rücken und die Vermittlung vielfältiger Informationen an Besucher jeden Alters. Dabei kommt es zu einem Spagat zwischen der Präsentation von Publikumslieblingen wie Giraffe, Erdmännchen und Co. und weniger spektakulären aber gefährdeten oder in Freiheit ausgerotteten Arten. Zusätzlich hat Frankfurt auch ein Platzproblem.

Ich war in den 60er Jahren das erste Mal in Frankfurt und auch im Zoo, damals noch mit Eisbären, Elefanten und Leoparden. Danach habe ich die Schulferien fast immer in Frankfurt verbracht und bin 1972 dorthin umgezogen. Tante und Onkel bei denen ich wohnte, hatten immer viele Gäste und ich hatte die Aufgabe, ihnen Frankfurt zu zeigen. Zoo und Palmengarten hatten (meine) oberste Priorität. Die Kontaktaufnahme über meinen Onkel mit Prof. Grzimek festigte in mir den Wunsch einen Beruf zu ergreifen „der mit Tieren zu tun hat“. Daraus wurde jedoch nichts und ich habe einen Beruf ergriffen „der viel mit Menschen zu tun hatte.“ Das Leben ist manchmal seltsam. Tiere und Zoos traten einige Jahre in den Hintergrund, mein Beruf nahm mich in Anspruch, ebenso wie meine kleine Familie. Heute bin ich zurück zu Tieren und in Zoos. Und obwohl mich meine Frau manchmal mit einem Blick ansieht, der zu sagen scheint: „er ist verrückt“ sieht sie sich doch geduldig meine Bilderausbeute an und korrigiert meine Beiträge.

Ich werde also weiter durch Zoos spazieren mit einem kritischen Blick und hoffentlich brauchbaren Bildern. Und der Frankfurter Zoo – wird immer meine alte Liebe bleiben.

Und vielleicht tauchen diese weniger spektakulären Tiere demnächst im Blog auf:

Ergänzung vom 27.02.25 Newsletter Zoo Frankfurt:

Magistrat gibt grünes Licht für Zoo-Umbau
Anfang Februar hat der Magistrat die bauliche und inhaltliche Zukunftsentwicklung des Zoos auf der Basis des vorliegenden Masterplans beschlossen. Vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung wurde damit der entscheidende Schritt getan, um in die erste von drei Realisierungsphasen einzusteigen. Dabei handelt es sich um die etwa 2,4 ha große Serengeti-Anlage, eine Landschaft für Tiere der afrikanischen Savanne. Ihre Fertigstellung ist für 2033 geplant. In Phase zwei folgt die Lomami-Anlage. Dieser Teilbereich stellt den tropischen afrikanischen Regenwald dar. Den Abschluss der Maßnahme bildet die Manú-Anlage mit Arten aus Südamerika im Nord-Osten des Zooareals. Hat der Zeitplan Bestand, könnte der Umbau 2039 abgeschlossen sein. 

Grévy-Zebra

Beim Anblick eines Zebras könnte man meinen, Zebra sei Zebra. Aber weit gefehlt. Das Problem ist, dass man im Zoo (und meist auch in freier Wildbahn) nur eine der zahlreichen Unterarten vor sich sieht, die Ähnlichkeit ist groß, die Unterschiede hat man da natürlich nicht vor Augen. Zumindest geht es uns Laien wohl so.

Zebras gehören in eine Untergattung der Gattung Pferde und werden in drei Arten eingeteilt:

Bergzebra mit den Unterarten Hartmann-Bergzebra und Kap-Bergzebra

Grévy-Zebra ohne Unterarten

Steppenzebra mit den Unterarten, Burchell-Zebra (†) gleich mit Zulu- und Damara-Zebra, Chapman-Zebra, Crawshay-Zebra, Böhm- oder Grant-Zebra sowie das Quagga (†), das leider schon ausgestorben ist.

Grévy-Zebras fallen in vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen und deshalb möchte ich diesen Beitrag ausschließlich ihnen widmen.

Zum Äußeren: Grévys (ich spare mir jetzt mal den Rest) sind die größten der wildlebenden Pferdeartigen. Ihre Widerristhöhe beträgt bis zu 1,60m bei einem Gewicht bis 450 kg. Die Unterschiede zu anderen Zebras sind: ein schwarzer Rücken- bzw. Aalstrich, ein weißer Bauch, der Bereich um das Maul ist braun, große tütenförmige Ohren und eine enge Streifung. Während das Grévy etwas 80 Streifen aufweist, haben Bergzebras 45 und Steppenzebras ungefähr nur 30. Da stellt sich natürlich sofort die Frage – wie ist die Grundfarbe von Zebras? – Im Mutterleib sind die Föten zunächst schwarz, die weißen Fellstreifen bilden sich erst kurz vor der Geburt. Wie bei allen Säugetierhaarfarben wird dies durch Melanin produzierende Zellen bestimmt, die Melanozyten. Diese Pigmentzellen befinden sich im Haarfollikel und sorgen dafür, dass die Streifung entsteht. Auf die Frage warum Zebras überhaupt gestreift sind, gibt es mehrere Antworten. Aber die neuesten Untersuchungen haben gezeigt, dass die Facettenaugen der Insekten (Bremsen) durch die Streifen so verwirrt werden, dass sie keinen Landeplatz ausmachen können. Das Gleiche gilt für Tsetsefliegen, die zusätzlich den Hautgeruch von Zebras nicht mögen. Das ist ein sehr schlauer Abwehrmechanismus, da alle Pferdeartige durch die von diesen Insekten übertragene Nagana-Seuche (ähnlich der Schlafkrankheit) sehr gefährdet sind.

Und da drängt sich eine weitere Frage auf. Zebras sind eine wichtige Nahrungsquelle für Raubtiere wie Löwen, Leoparden und Hyänen. Das bedeutet, einerseits werden die Tiere durch ihre Streifen vor Krankheit und Tod geschützt, andererseits von Raubtieren in großer Zahl getötet.

Spinnt also die Natur? Hat die Evolution versagt? Steckt ein Plan dahinter? Ja es gibt diesen Plan: Schutz einerseits und Begrenzung andererseits sorgen für eine ausgewogene Anzahl von Individuen, den Fortbestand der Art, und Sicherung der Überlebenschancen für weitere Spezies. So wird das ökologische System im Gleichgewicht gehalten und nicht durch Überweidung oder Verschwendung von Wasserressourcen gefährdet. Wir Menschen heißen solch einen Plan gut… solange es Tiere und Pflanzen, aber nicht uns betrifft. Wir möchten doch alle ein hohes Alter erreichen und viele Kinder haben. Die hochentwickelte Medizin hilft uns dabei. Im globalen Süden macht man sich zwar wahrscheinlich weniger Gedanken um das zu erreichende Alter, aber bei einem Geburtenniveau beispielsweise in Afrika von durchschnittlich 4,6 Kindern pro Frau und Bevölkerungszahlen von 1,4 Mrd. in Indien und China, ist das ökologische Gleichgewicht weltweit schon lange gefährdet. Und das nicht nur in Afrika und Asien, denn wir in den sogenannten Industrieländern verbrauchen ungeheure Ressourcen. Spätestens 2080 wird unsere Erde von 10,4 Milliarden menschlichen Bewohnern bevölkert. Eine Katastrophe. Nicht nur die Grévy-Zebras werden bis dahin von der Erde verschwunden sein. *

Quagga im Senckenberg Museum Frankfurt

Doch nun zurück zu den Grévys. Obwohl Schriftsteller die Hippotigris (Tigerpferde) bereits in der griechisch-römischen Antike erwähnten und auf Bildern aus späterer Zeit Grévy-Zebras zu erkennen sind, wurden die Tiere erst 1882 genauer beschrieben und wissenschaftlich eingeordnet. Menelik II seinerzeit König von Shewa und später Negus (König der Könige) von Abessinien (heute Äthiopien) schickte ein Zebra an den französischen Staatspräsidenten Jules Grévy als Geschenk. Der Zoologe Emile Oustalet erkannte die Besonderheiten dieses Tieres, beschrieb es, ordnete es als eigene Art ein und gab ihm den Namen Grévy-Zebra.

Grévys unterscheiden sich nicht nur äußerlich von Steppen- und Bergzebras. In Grzimeks Tierleben werden sie als eine „urtümliche Form mit abweichendem Verhalten“ beschrieben. Im Gegensatz zu ihren Verwandten bilden sie keine festen Herden. Wissenschaftliche Untersuchungen die 2006 veröffentlicht wurden haben gezeigt, dass sich zwar feste Cliquen von Stuten, Jungtieren und Junggesellen bilden, diese Verbände sich jedoch jederzeit wieder trennen können. Begründet wird dies mit dem ökologischen Druck dem die Verbände ausgesetzt sind (Nahrungsangebot, Raubtiere). Wobei es erwiesen ist, dass Stuten sich bevorzugt in Cliquen zusammenfinden in der die weiblichen Tiere den gleichen Fortpflanzungsstatus (z.B. unbefruchtet, trächtig) haben.  Sie durchwandern große Gebiete auf der Suche nach Nahrung und Wasser und wählen Territorien von denjenigen dominanten Hengsten, die das beste Nahrungsangebot bieten. Während es in umherwandernden Verbänden keine Dominanzhierarchie gibt, beherrschen dominante Hengste territorial ein Revier, das zwischen 2 und 12 qkm groß sein kann. Normalerweise leben sie in diesen Territorien während der Regenzeit bzw. solange ausreichend Wasser vorhanden ist. Sie tolerieren jedoch die in ihr Revier einwandernden Junggesellen und schließen sich diesen oft für kurze Zeit an, solange keine brünstigen Stuten in ihrem Revier sind. Denn dann verteidigen dominante Hengste „ihre“ Stuten vehement. Auch zu den Mitgliedern der eigenen Truppe sind die Hengste sehr häufig äußerst rabiat. Durch ihr Verhalten ähneln Grévys tatsächlich eher Wildeseln oder den bereits beschriebenen Onagern und Kulanen als Pferden oder den beiden anderen Zebra Unterarten. Das wird auch bei ihren Lautäußerungen deutlich. Alarmrufe klingen wie lautes Brummen, wenn sie Angst oder Schmerzen haben, oder kämpfen pfeifen bzw. quicken sie. Ein Schnauben ist meistens eine Warnung und um ihre Dominanz zu zeigen, iahen sie (wie ein Esel), bei der Paarung ist eine Art Bellen zu hören.

Zebrastuten bringen ihre Jungen nach 390-410 Tagen zur Welt. Für die Geburt entfernen Sie sich von der Gruppe und kehren erst nach etwa 2 Tagen zurück.  Die Mütter verhalten sich zu den anderen Stuten in dieser Zeit sehr aggressiv. Das kann man mit dem Verhalten der Fohlen erklären. Diese folgen sobald sie auf den Beinen sind, allem was sich bewegt und größer ist als sie selbst. Sie müssen daher zuerst auf die Mutter geprägt werden. Das geschieht über die individuelle Fellzeichnung an den Beinen bzw. Steiß. Nach einer Woche wissen die Fohlen wer ihre Mutter ist und folgen ausschließlich ihr. 

Vom eigenwilligen Verhalten der Grévys (Hengst oder Stute ist dabei egal) können Tierpflegerinnen und -pfleger ein Lied singen. Regina Bakely beschreibt in einem Artikel** wie Sie den Grévy-Hengst Moyo dazu gebracht hat auf ein Target zu reagieren und wie Sie es geschafft hat, sein Vertrauen zu gewinnen. Und trotz aller Verbundenheit mit dem Tier, konnte sie sein Gehege nicht betreten.

In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet leben Grévys heute nur noch in Äthiopien (ca. 130) und in Kenia (ca. 2400). Die Bestände leiden unter dem Nahrungswettbewerb und der Konkurrenz um Wasserquellen in einem Lebensraum der eher trocken ist und wo Regen oft lange Zeit ausbleibt. Und es sind weniger andere Wildtiere als vielmehr Nutztierherden in großer Zahl, die ihr Überleben bedrohen. Die Bestände gelten nicht als gesichert. Umso wichtiger ist die Aufgabe der Zoos und Nationalparks die Art zu erhalten. Grévy-Zebras sind ein wundervolles Geschenk der Natur. Etwas wird der Natur allerdings nicht bewusst gewesen sein, als sie die Tiere mit Streifen versah, dass nämlich Designer, Künstler und Fotografen das Muster von Zebrastreifen verwenden, um unsere Welt etwas schöner zu machen. Und Grévys gehören für mich überhaupt zu den Schönsten.

*Das ist mein Standpunkt – wenn ihr gleicher oder anderer Meinung seid, dann hinterlasst doch einen Kommentar. Wie sind eure Gedanken zu diesem Thema.

** im Web zu finden: nationalzoo.si.edu/animals/news/how-do-you-train-zebra

Für uns Besserwisser:

Zebrastreifen ist nur der umgangssprachliche Begriff für einen Fußgängerüberweg. Dessen Ursprung findet man in der deutschen Geschichte in den 1950ern in München. Damals wurde er von den Beamten als „Dickstrichkette“ bezeichnet. Diese wurde in die StVO. aufgenommen, weil die Anzahl an Autos stark anstieg und somit eine größere Gefahr für Fußgänger entstand, die es einzudämmen galt.

Erst durch eine Aktion in Hamburg am 24. April 1954 bekam der Fußgängerüberweg den Namen „Zebrastreifen“. Damals hatte die Polizei zusammen mit einer Zeitung die Aktion „Zebra“ ins Leben gerufen, damit die Autofahrer an einem Zebrastreifen auch wirklich anhalten. Wer am Zebrastreifen angehalten hat, der bekam eine Plakette, auf der ein Zebra abgebildet war. Die Abkürzung „Zebra“ stand für „Zeichen eines besonders rücksichtsvollen Autofahrers“. Seitdem nannten bald alle Deutschen den Fußgängerüberweg „Zebrastreifen“.)

Und noch etwas zum Üben für den nächsten Zoobesuch:

…und noch ein wichtiger Unterschied zwischen Bergzebras und Steppenzebras: die Bergzebras haben wie die Grévys einen weißen Bauch. Bei den Steppenzebras laufen die Streifen am Bauch zusammen.

Wölfe

und das Phänomen der „Trophischen Kaskade“

Der Europäische Wolf ist momentan in aller Munde und nicht nur in den Medien präsent, sondern leibhaftig zurück in den Wäldern einiger Bundesländer.

Bekanntermaßen wandern (Jung-)Wölfe auf der Suche nach Revieren weite Strecken. Was die Tiere allerdings veranlasst ausgerechnet in ein dicht besiedeltes, durch Verkehrswege und landwirtschaftliche Nutzung zersiedeltes Land wie Deutschland zurückzukehren? Die Antwort auf diese Frage ist wohl noch ungeklärt.

Obwohl – vorsichtig ausgedrückt – nicht alle erfreut sind, den Wolf in ihrer Nähe zu haben, muss man sich natürlich fragen wer war zuerst da, Wolf oder Viehzüchter? Doch es gibt eine Menge guter Gründe sich über die Anwesenheit zu freuen. Ein guter Grund ist aus ökologischer Sicht ein Phänomen, das „Trophische Kaskade“ genannt wird. Ich will hier auf die übliche Beschreibung von Europäischen Wölfen verzichten, denn wie eingangs angemerkt, gibt es aktuell genug in den Medien über diese Tiere zu erfahren.

Widmen wir uns also zunächst der Trophischen Kaskade und im zweiten Teil des Beitrages um ein Unterarten des Wolfes, nämlich dem Polar- und Tundrawolf und einem Wolf der keiner ist – den Mähnenwolf.

Die Frage „Wer frisst wen?“ können wir am besten beantworten, indem wir uns Nahrungsketten betrachten. Sie stellen in linearer Form die Nahrungsbeziehungen von Lebewesen untereinander dar. Also z.B. Pflanzen, Pflanzenfresser und Raubtiere. Da es aber Pflanzenfresser gibt die auch tierische Nahrung nicht verschmähen oder Raubtiere die von größeren Raubtieren gefressen werden, kann diese Nahrungskette aus vielen Gliedern bestehen*. Nun stellen wir uns dieses System nicht linear vor, sondern als Pyramide und betrachten die ganze Sache aus Sicht des Wolfes (als sogenannter Spitzenprädator), dann kommen wir in diesem Fall auf drei Ebenen (oder Trophieebenen). Oben der Spitzenprädator Wolf – seine Beute die Pflanzenfresser und unten die Pflanzen als Erzeuger von Biomasse.

Die Veränderungen in dieser Pyramide, die von oben nach unten durch den Wegfall von Spitzenprädatoren ausgelöst werden, nennt man Trophische Kaskade. Nicht alle Ökologen unterstützen diese Theorie. Aber das Beispiel der Wölfe im Yellowstone Nationalpark/Wyoming zeigt, dass sie nicht ganz von der Hand zu weisen ist:

Im Jahr 1872 wurde der Nationalpark gegründet. Durch die anfangs erlaubte Jagd und Wilderei waren bereits 1920 die Wölfe aus dem Park verschwunden. In den folgenden Jahren wurde die Zunahme der Elch- und Wapiti-Hirsch Populationen beobachtet. Die Folge war Bodenerosion durch den Verlust der Vegetation besonders an Bächen und in Feuchtgebieten. Zum Beispiel fehlten speziell Zitterpappeln. Das wiederum wirkte sich auf den Lebensraum der hier beheimateten Biber aus, die nicht mehr genug Holz fanden, um ihre Staudämme zu bauen und so der Schutz der Nester und die Nahrungsbevorratung nicht mehr gewährleistet war. Die Anzahl der Biber ging dramatisch zurück.

Die Wiederansiedlung von Wölfen erfolgte dann 1995 mit der Folge, dass sich das Ökosystem langsam erholte. Die Reduzierung der Pflanzenfresser durch die Wölfe war allerdings nur ein Grund für diesen Erfolg. Prädatoren halten alleine durch ihre Anwesenheit und die Gefahr die von ihnen ausgeht die Herden der Pflanzenfresser in Bewegung, sodass diese gezwungen sind häufig Standortwechsel vorzunehmen. So wird Kahlfraß verhindert und die Pflanzen bekommen Zeit zur Regeneration.

Trophische Kaskaden gibt es natürlich nicht nur an Land, sondern auch in Seen oder im Meer. So hat man z.B. an einer flachen Felsküste in Nova Scotia alle Hummer entnommen. Ergebnis des Eingriffs war die unkontrollierte Vermehrung der Seegurken, was zum Verschwinden der ausgedehnten Seetangwälder führte – der Lieblingsnahrung von Seegurken.

Trophische Kaskaden können sehr komplex sein und es kann auch mehr als drei Ebenen geben, maximal jedoch fünf. Und muss man es erwähnen? Ja! – Auslöser der meisten Trophischen Kaskaden ist der Mensch, der oft und falsch in Ökosysteme eingreift. Die Erkenntnisse über dieses Phänomen bieten uns allerdings auch die Chance der Korrektur. Eine solche Korrektur ist die Wiederansiedlung von Wölfen in Deutschland.

*Komplexere Beziehungen die in der Nahrungskette nicht dargestellt werden können, werden in Nahrungsnetzen verdeutlicht.

Die folgenden Bilder des Europäischen Grauwolfs wurden aufgenommen: im Tierpark Worms, Alte Fasanerie Klein-Auheim, Tier- und Pflanzenpark „Fasanerie“ Wiesbaden und Tiergarten Weilburg.

Die folgenden Bilder der Timberwölfe sind im Mai 2023 im Erlebnis-Zoo Hannover entstanden. Timberwölfe sind die nordamerikanischen Verwandten unserer einheimischen Grauwölfe.

Polarwolf + Tundrawolf

Wölfe bevölkerten die gesamte nördliche Halbkugel. Die Einteilung in Untergruppen fällt schwer, da es viele Gemeinsamkeiten gibt und sich benachbarte Populationen durchaus vermischt haben könnten. Nach ihrem Verbreitungsgebiet kann man zwischen den Eurasischen Wölfen und den auf dem nordamerikanischen Kontinent verbreitenten Wölfen unterscheiden. Den Polarwolf oder Arktischer Wolf (Canis lupus arctos) finden wir in der kanadischen Arktis und Grönland. Zu den amerikanischen Tundra Wölfen zählen der Barron-Ground Wolf oder Alaska-Tundrawolf und der Hudson Bay Wolf. Der Tundrawolf (oder Turukhanwolf (Canis lupus albus) lebt im nördlichen Eurasien von Finnland bis Kamtschatka. Alle diese Unterarten haben eine sehr helle bis weiße Fellfarbe. Für mich gehören sie zu den beeindruckendsten Wölfen. Daher widme ich ihnen diesen Beitrag.

Das Verbreitungsgebiet dieser weißen Wölfe ist sehr lebensfeindlich insofern mussten sich die Tiere im Laufe der Evolution an Kälte und begrenzte Nahrungsressourcen anpassen. Im Unterschied zu den Grauen Wölfen in den südlichen Verbreitungsgebieten ist ihr Fell dichter und länger, sie sind kräftiger und die Sozialstrukturen sind noch enger.

Die Größe eines Rudels wird vom Nahrungsangebot bestimmt. Es können 5 aber auch 25 Tiere pro Rudel sein. In der kargen Landschaft in der sie leben, fressen sie sozusagen alles was sich bewegt, vom kleinen Lemming, Schneehasen bis zu Karibus oder Moschusochsen. Je größer die Beute umso mehr Rudelmitglieder sind erforderlich, um gemeinschaftlich diese zu erlegen.

Welpen kommen im März und April zu Welt. Normalerweise sorgt nur das Alphapaar für Nachwuchs. Die Welpen werden vom ganzen Rudel großgezogen. Eigentlich müsste man sagen „umsorgt“ und bewacht, wenn die Alphahündin zur Jagt unterwegs ist. Alle Rudelmitglieder erhalten einen Anteil an der Beute, auch wenn sie zum Schutz der Jungen bei der Wurfhöhle bleiben mussten oder sie sich beim Jagen getrennt hatten. Der Umgang untereinander ist überwiegend sehr freundlich. Allerdings verteidigen die Alphatiere ihre Position auch gnadenlos und schützen ihr Rudel konsequent. In einer Dokumentation des ARD* ist zu sehen, dass ein Muttertier versehentlich eine Wurfhöhle im Revier eines fremden Rudels bezogen hatte. Sie wurde entdeckt und trotz aller Ablenkungsmanöver, die Wurfhöhle aufgespürt und die Welpen alle getötet. Es sind sehr verstörende Bilder aber das eigene Überleben hat in der kargen lebensfeindlichen Landschaft oberste Priorität. Allerdings haben diese Lebensbedingungen sie auch weitestgehend vor dem Zugriff der Menschen bewahrt, sieht man von den Inuit ab, die Polarwölfe wegen ihres Fells jagen. Der Bestand an Polar- und Tundrawölfen ist weitestgehend stabil.

*sehr empfehlenswert: „Polarwölfe – Überleben in Kanadas Arktis“ in 3 Teilen zu finden in der ARD-Mediathek.

Für uns Besserwisser: Wölfe heulen den Mond an. – Nein, das ist ein Märchen und ja natürlich heulen Wölfe auch bei Vollmond, denn da ist es heller und besser zum Jagen, was sie so dem Rudel mitteilen – aber sie heulen ihn nicht an. Das Wolfsheulen dient der Verständigung unter Rudelmitgliedern, zur Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht oder zur Abgrenzung ihres Reviers gegen Eindringlinge, seien es andere Wölfe oder Menschen. Im Alter von 4 Monaten lernen Welpen bereits das Heulen und somit die spezifischen Töne, die für ihr eigenes Rudel typisch und unverwechselbar sind.

Die folgenden Bilder der Hudson-Bay Wölfe wurden aufgenommen im Oktober 2021 im Zoo Duisburg

Die Bilder der Polar Wölfe wurden aufgenommen im Januar 2021 im Wildpark „Alte Fasanerie“ Klein-Auheim bei Hanau

Mähnenwolf

Ein Wolf der keiner ist.

Auch wenn sein Aussehen an einen hochbeinigen Fuchs erinnert, ist er mit den südamerikanischen Vertretern dieser Art wie zum Beispiel den Kampfüchsen* oder Waldhunden nur sehr entfernt verwandt. Dies gilt auch für eine Verwandtschaft mit Wölfen,trotz des irreführenden Namens. Charakteristisch ist jedoch die dunkel gefärbte Mähne im Nacken-/Schulterbereich. Dieser Teil des Namens ist also korrekt. Bereits bei seiner Einwanderung aus dem nördlichen Teil Amerikas hatten sich die Entwicklungslinien getrennt und so wird er heute als eine eigene Art (Chrysocyon brachyurus) unter den Wildhunden klassifiziert. Mit dem Ende des Pleistozäns vor ca. 12.000 Jahren ist er auch der letzte Überlebende der südamerikanischen Großtierfauna.

Ursprünglich waren Mähnenwölfe in den offenen südamerikanischen Graslandschaften** und deren Überschwemmungswäldern zuhause. Bejagung und Lebensraumzerstörung haben dazu geführt, dass sie nur noch in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Peru und einige wenige in Uruguay überleben konnten.

Im Gegensatz zu ihrer entfernten Verwandtschaft bilden sie keine Rudel. Sie jagen, auch wenn sich Männchen und Weibchen in einem gemeinsamen Territorium für längere Zeit zusammentun, immer einzeln. Auf dem Speiseplan stehen kleine Nager und anderes Kleingetier aber auch vegetarische Kost. Im Zoo kann man beobachten, dass gemeinsam gehaltene Tiere für das Fressen verschiedene Plätze in ihren Gehegen aufsuchen und „eifersüchtig“ darauf achten, dass die Fresskonkurrenz gehörigen Abstand hält. Trotz ihrer langen Beine sind Mähnenwolfe keine Jäger, die ihre Beute hetzen, sondern sie pirschen sich an. Dabei sind in der Graslandschaft lange Beine und große Ohren sehr von Vorteil.

Mähnenwölfe bewegen sich im Passgang, sie setzen also fast gleichzeitig den Hinter- und Vorderlauf einer Seite auf den Boden. Trotz dieser schlendernden Bewegung sind sie sehr schnell unterwegs. Je schneller sie werden umso mehr wird der Kopf nach vorne gestreckt und die Schnauze immer tiefer gesenkt. Mit schnellen steilen Sprüngen überwinden sie Hindernisse oder überraschen damit ihre Beute von oben.

Obwohl Einzelgänger ziehen Wölfin und Wolf den Nachwuchs gemeinsam auf. Dies wurde allerdings hauptsächlich in Zoos beobachtet. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) wird in Leipzig geführt. Die erste erfolgreiche Aufzucht von Welpen durch das Muttertier gelang 1967 in Frankfurt. In 15 Zoos im deutschsprachigen Raum kann man die Tiere bewundern und riechen. (sie verströmen einen intensiven Geruch).

*Achtung richtig lesen – von spanisch Campos oder dem indigen Quechua Pampa = baumlose Ebene

**südamerikanische Graslandschaften:

Pampa – ist eine weitgehend flache, gehölzlose Graslandschaft im südöstlichen Südamerika, die sich in einem großen Bogen um den Río de la Plata erstreckt und einen bedeutenden Teil Argentiniens, ganz Uruguay und einen kleinen Teil von Südost-Brasilien einnimmt. Im engeren (ökologischen) Sinne ist es ein steppenähnliches, subtropisches Grasland.

Chaco – Der Gran Chaco bedeckt eine riesige Fläche von Bolivien bis in die argentinische Provinz Santa Fé und vom Andenrand bis an die Flüsse Paraguay und Paraná.

Cerrado – Der Cerrado liegt etwa 300-600 m.ü.M. mit Tafelbergen, die bis zu 1’600 m hoch sind. Das Klima ist tropisch-halbfeucht. Die Mittlere Jahrestemperatur liegt bei 20 bis 27°C. Die locker stehenden, zumeist immergrünen Bäume werden überwiegend 3-5 m hoch. Die Grasnarbe verschwindet während der von Mai bis September dauernden Trockenzeit. Der Cerrado bedeckt 21% der Landfläche Brasiliens.

Llanos und Chapparales – Als Chapparales werden die offenen Baumsavannen Kolumbiens und Venezuelas bezeichnet, deren Vegetation jener des Cerrado ähnelt. Sie liegen eingestreut in die Llanos, die während der Regenzeit regelmäßig überschwemmten Grassavannen des Orinoko-Gebiets.

Für uns Besserwisser:

In Südamerika hat der Mähnenwolf folgende Namen:

  • aguará guazú in Paraguay
  • aguara guasu“ in der Tupi-Guarani Sprache (großer Fuchs)
  • borochi in Bolivien.
  • lobo de crin in Peru
  • lobo de los esteros (Wolf der Sümpfe)
  • lobo colorado (Rotwolf)
  • lobo guará in Brasilien (Mähnenwolf)

Falklandwolf – Noch ein Wolf der keiner war, sondern ein Fuchs. Beheimatet auf den Falklandinseln wurde er noch von Charles Darwin beschrieben. Der letzte seiner Art wurde 1876 erlegt.

Die Bilder entstanden 2022 im Zoo Nürnberg und in der Wilhelma Stuttgart

Die folgenden Bilder entstanden 03/2023 im Zoo Augsburg

Zoo (Zolli) Basel

  • Geschichte und wichtige Personen

Nachdem die Ornithologische Gesellschaft Basel im Jahr 1873 einen Aufruf an die Einwohner Basels lancierte, um sich für die Gründung eines Zoos zu engagieren, fand bereits am 03. Juli 1874 dessen Eröffnung statt. Der Zoo wird seit dieser Zeit als eine nicht gewinnorientierte Aktiengesellschaft geführt. In den ersten Jahren galt der Zoo eher als Naherholungsgebiet für die Städter, mit vielen in der Schweiz und im Alpenraum heimischen Tieren. Allerdings verursachte dieses Konzept dem Zoo finanzielle Schwierigkeiten, zumal die Alpentiere sehr parasitenanfällig waren und nicht lange im Zoo überlebten.

Dem Zeitgeist entsprechend, der nach Exotik verlangte, bot man zwischen 1880 und 1899 verschiedene Völker- und Tierschauen an (siehe auch Beitrag Hagenbeck), die die finanzielle Lage etwas entspannten. Mit einem Legat* von Johannes Beck konnte der Zoo sich 1901 sanieren. Viele Gönnerinnen und Gönner folgten und folgen dem Beispiel des Basler Tierfreundes bis heute.

In den folgenden Jahren konnte der Zoo kontinuierlich erweitert und modernisiert werden. Zu verdanken ist diese Entwicklung auch den vorausschauenden Zoodirektoren wie z.B. Heini Hediger oder Ernst Lang.

  • Name

Der Schweizer Publizist Urs Meier hat geschrieben:

„Die Deutschschweizer sind Diminutiv-Weltmeister (Substantiv Verkleinerung). Wer von einem anderen Sprachgebiet her in die alemannische Schweiz kommt, wundert sich über deren Hang zur sprachlichen Verkleinerung. Es ist zu vermuten, dass die Weltmeister des Diminutivs in der Deutschschweiz hausen.“

Urs Meier – Journal21.ch

Das ist ja durchaus sehr sympathisch und so ist es nur folgerichtig, dass der Zoo von den Baslerinnen und Baslern den Namen „Zolli“ bekam.

  • Schwerpunkt – Tiere

Tierbestand zum 31.12.2021: Insgesamt 8625 Tiere in 533 Arten nennt der Zoo sein Eigen. Dazu gehören 602 Säugetiere in 56 Arten, 602 Vögel in 67 Arten, 205 Reptilien in 31 Arten. Der Rest verteilt sich auf Amphibien, Fische und Wirbellose.

  • Primaten-Initiative 2022

Die Tierschutzorganisation “Scientence Politics“ hatte 2017 eine Volksinitiative „Grundrechte für Primaten“ lanciert. Ziel der Abstimmung sollte es sein, den im Kanton Basel gehaltenen Primaten eingeschränkte Grundrechte zu gewähren. Konkret haben die Unterstützer der Initiative gefordert, dass Primaten das Recht auf Leben und das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit zugesprochen werden müsse. Das hätte für die Zukunft wahrscheinlich weitreichende, negative Auswirkungen für die Haltung und den Schutz von Menschenaffen gehabt. Am 07.02.2022 hat sich die Basler Bevölkerung in dieser einmaligen Abstimmung eindeutig gegen die Initiative ausgesprochen. Zur großen Erleichterung des Zolli, der die Primaten durch das strenge Tierschutzgesetz ausreichend geschützt sieht.

Meine Meinung: Es ist sind nicht nur Tierrechte und Tierschutzgesetzte die wir hier im Auge haben müssen. Um das Wohl der Tiere sorgen sich engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – egal in welcher Position – mit Herzblut und Verstand an 365 Tagen im Jahr. Das finde ich ist einer der wichtigste Aspekt in der Tierhaltung.

  • Artenschutz und Zucht

International führt der Basler Zoo die Zuchtbücher für Panzernashorn, Zwergflusspferd und den Somali-Wildesel. Auf europäischer Ebene die Zuchtbücher für den Kleinen Kudu, das Totenkopfäffchen und den Türkisnaschvogel.

Am 13. Mai 2022 gab es mit Tarun bereits das 36. mal Nachwuchs bei den indischen Panzernashörnern. Die weltweit erste Geburt eines Panzernashornbullen (Rudra) in einem Zoo konnte bereits 1956 in Basel gefeiert werden. Aber egal ob Strahlenschildkröte aus Madagaskar oder Westlicher Flachlandgorilla, der Zolli kann viele wichtige Zuchterfolge vorweisen.

  • Die Artenschutzprojekte des Zoos

Wie viele Zoologische Gärten sammelt der Zoo über einen Aufschlag zu den Eintrittskarten einen sogenannten Naturschutzfranken. Seit 2016 sind so CHF 1,3 Mio. zusammengekommen, die in wechselnde Projekte fließen. Das waren 2022 die folgenden in-situ Projekte:

  • Afrikanische Elefanten im Amboseli Nationalpark von Kenia über die „Big Life foundation“,
  • Der «Predator Compensation Fund» der «Big Life Foundation (BLF)» setzt sich im Amboseli-Tsavo Ökosystem in Kenia für den Schutz der Löwen ein,
  • Korallen und Schwämme auf Sansibar über Marinecultures.org
  • «Aires Marines Protégées» (AMP) sind Meeresschutzgebiete des Mittelmeers. Diese bilden effiziente Instrumente zum Schutz der biologischen Vielfalt über den «Fonds Fiduciaire pour les AMP de Méditerranée»,
  • Reisfinken in Indonesien,
  • Panzernashörner in Indien,
  • Okapis in der Demokratischen Republik Kongo,
  • des weiteren Orang-Utans in Malaysia, Schneeleoparden in Zentralasien, Rubinkehltangaren in Brasilien, Somali-Wildesel in Eritrea, Springaffen in Peru, Zwergflusspferde in Sierra Leone und Visayas-Pustelschweine auf den Philippinen.
  • Darüber hinaus engagiert sich der Zolli in über 40 internationalen Erhaltungs- und Zuchtprogrammen für bedrohte Tierarten
  • Bildung

Ein umfangreiches Programm mit Führungen, Workshops und Projektwochen richtet sich an Schulklassen. Es besteht ein Weiterbildungsprogramm für Lehrkräfte und es wird umfangreiches Lehrmaterial zur Verfügung gestellt.

  • Mein Fazit

Für mich Bahnfahrer liegt der Zolli sehr praktisch, etwa 10 Minuten zu Fuß vom Bahnhof SBB. Das Gelände umfasst 11 ha (zum Vergleich Frankfurt 12 und Zürich 28). Flache Strecken wechseln sich ab mit leichten Anstiegen. Die gärtnerische Planung ist sehr gut gelungen mit viel Grün um und zwischen den Gehegen. Die Gehege sind sehr gut – meist von verschiedenen Punkten – einsehbar. Herausragend die Anlagen der Elefanten, Panzernashörner und das Affenhaus. Seit 2019 wird das historische Vogelhaus renoviert und erweitert. Freiflugvolieren werden den Besuchern einen Blick ohne Netze oder Glas auf die „Juwelen der Lüfte“ gewähren. Die Eröffnung ist fürs erste Halbjahr 2023 geplant. Ein weiteres spannendes Highlight auf das ich mich freue.

Ich mag diesen Zoo!

  • Zukunft

Der Zolli ist ein innenstädtischer Zoo, eine Erweiterung ist also äußerst schwierig. Die Stadt umschließt das Gelände fast vollständig. Mit dem Bau eines Parkhauses könnte die Fläche des Parkplatzes vor dem Haupteingang als Erweiterung (etwa 6000 qm) gewonnen werden. Die Umsetzung soll ab 2024 beginnen. Eine langfristige Testplanung beschäftigt sich mit einer weiteren Fläche im Süden an den Zoo anschließend (etwa 15.000 qm). Wie alle Zoos mit begrenzter Fläche hat auch der Zolli das Problem, dass neue artgerecht gestaltete Gehege entsprechend größer als in der Vergangenheit sein sollen. Dies auch im Hinblick auf die Vergesellschaftung mehrerer Tierarten auf einer Fläche. Insofern gehen Umbauten immer zulasten der Nachbargehege, die dann in den meisten Fällen für die ursprüngliche Tierhaltung entfallen.

*unter Legat versteht man einerseits einen Gesandten oder Befehlshaber im römischen Reich bzw. auch im Mittelalter. Hier ist aber ein Vermächtnis (aus dem Erbrecht) gemeint.

Basler Schwergewichte