Bei Nachforschungen im Web und den Recherchen zu Themen rund um Vögel, taucht immer wieder der Name Weltvogelpark auf. Irgendwann in 2025 fand ich es ist an der Zeit, mich auf den langen Weg von Südhessen nach Walsrode in der Lüneburger Heide zu machen. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, es wird nicht mein letzter Besuch gewesen sein.
- Geschichte
Fritz Geschke ein Kaufmann aus Walsrode hatte ein besonderes Hobby. Er züchtete Wasservögel und Fasane. Er muss wohl sehr erfolgreich mit seinem Hobby gewesen sein, denn es bot die Grundlage um 1962 den Vogelpark in Walsrode zu gründen. Bereits zwei Jahre später übergab er den Park an Tochter und Schwiegersohn, Uschi und Wolf Brehm. Die Beiden hatten große Pläne und setzten diese in den Folgejahren konsequent um. Bis 1970 verdoppelte man die Parkfläche und investierte in neuartige, innovative Anlagen. Hervorzuheben wäre zum Beispiel die begehbare Paradieshalle, in welcher Besucher die exotischen Vögel ohne störendes Gitter beobachten können und die in den folgenden Jahren gebaute Freiflughalle. Anlässlich der Expo 2000 in Hannover wurde in Kooperation mit der Indonesischen Regierung die Regenwaldhalle eingeweiht.
In den Jahren nach 2000 schwächelten die Besucherzahlen und der Park schrammte mehrfach an einer Insolvenz vorbei. Besitzer und Konzepte wechselten, bis 2019 eine spanische Unternehmensgruppe den Park übernahm. Der Investor Parques Reunidos betrieb ursprünglich weltweit 60 Wasser-, Tier- und Freizeitparks, davon lagen 30 in Europa. Inzwischen wurden etwa 20 amerikanische Parks an die private Herschend Family Entertainment verkauft.
Im Jahr 2010 wurde der Park in Weltvogelpark Walsrode umbenannt.



- Schwerpunkte – Vögel
Auf einer Fläche von 24 ha beherbergt der Park ungefähr 4000 Vögel in ca. 600 Arten. Das sind sehr beeindruckende Zahlen. Zum Vergleich, der Erlebnis Zoo Hannover hat etwa 1470 Tiere in 158 Arten auf fast gleicher Fläche (22 ha). Natürlich haben die großen Säugetiere mehr Platzbedarf als Vögel. Es bedeutet aber auch, dass sich interessierte Besucherinnen und Besucher eher zwei Tage für ihren Streifzug durch den Park reservieren sollten. Einige der Vögel gibt es nur hier zu sehen oder sind in der Natur extrem selten und vom Aussterben bedroht. Für mich war es ein besonderes Erlebnis einen Schuhschnabel beobachten zu können, den es im deutschsprachigen Raum nur hier gibt.
Von der Vielzahl der Anlagen seien folgende erwähnt:
Freiflughalle: Auf 3.000 qm lassen sich tropische Wasservögel wie Roten Sichlern, Rosalöfflern, verschiedenen Entenarten, als auch Riesenwaldrallen oder Wehrvögeln beobachten. Am Strand mit Wellenanlage finden sich Inkaseeschwalben, Ibisse sowie Stelzenläufer.
Vogelerlebniswelt „Toowoomba“: In der australischen Vogelerlebniswelt empfangen freifliegende Regenbogenlori-Schwärme die Besucher.
Regenwaldhalle: Die Regenwaldhalle ist ein unter dem Motto „Welt Forum Wald“ registriertes Projekt der EXPO 2000. Neben Originalbauwerken wie einem Toraja-Haus aus den Bergen Sulawesis und einer balinesischen Tempelmauer aus Lavagestein gehören über 50 verschiedene Vogelarten in einem begehbaren, tropisch bepflanzten Freiflug sowie in Volieren.
Kranichanlage: Der Weltvogelpark Walsrode ist bei der Kranichaufzucht eine der erfolgreichsten Institutionen weltweit und verfügt über eine einzigartige Kranichanlage mit sechs unterschiedlichen Biotopen. Hier und auch im europäischen Teil des Parks werden 8 von 15 weltweit vorkommenden Arten für die Besucher gut sichtbar gehalten und nach Möglichkeit gezüchtet.
Papageienhaus und Sittichanlagen
Weitere Anlagen z.B. für: Paradiesvögel, Pinguine, Greifvögel und Uhus






- Der Weltvogelpark unterstützt folgende Projekte:
Den Schutz der Harpyie in freier Wildbahn und damit auch den Schutz und die Erholung von Wildbeständen im Iguazú-Nationalpark (Das Beitragsbild oben zeigt einen Harpyie aus den Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas),,
die Stiftung Naturschutzpark e.V. Lüneburger Heide hat zur Förderung der Bestände der heimischen Rauch- und Mehlschwalbe ein Artenschutzprojekt ins Leben gerufen,
die Katala Foundation, Inc. (KFI) ist eine Naturschutzorganisation, die hauptsächlich im Palawan-Archipel auf den Philippinen tätig ist,
ein Projekt für die in ihrem Lebensraum bereits ausgerottete Kangean-Schama, eine Singvogelart, welche nur noch in der Prigen Conservation Breeding Ark (PCBA) auf Java, Indonesien gezüchtet wird,
den Verein für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität e.V. Der VLAB setzt sich für die Wiederansiedlung des Habichtskauz ein,
außerdem Schutzprogramme für Wiedehopf und Steinschmätzer, Rötelfalke und Humboldt-Pinguin.
- Bildung
Es wird ein „aktiver Biologieunterricht im Freien“ für Schulen und Kindergärten angeboten. Meet & Greet mit Pinguinen, Greifvögeln, Eulen oder Papageien für Kinder und Erwachsene. Flugshows im Freien und Indoorshows mit verschiedenen Vogelarten ergänzen das Programm.
- Mein Fazit
Der Name sagt es ja schon, es sind nicht nur die zahlreichen Vogelarten die mich begeistert haben, sondern auch die Anlage des Geländes. Eine Parklandschaft mit einer Vielzahl an Rhododendron- und Azaleenbüschen, Rosen in allen Farben und Formen, einem alten Baumbestand, Teichen und Wasserläufen.
Der Artenreichtum, die Formen und Farben der gefiederten Bewohner des Parks ist so beeindruckend, dass man nicht umhinkommt, sich vor Natur und Evolution zu verneigen. Ich bin auch dankbar, dass es Orte wie Zoos, Tierparks und Vogelparks gibt, wo wir zumindest eine Ahnung bekommen, was unsere Welt für Schätze beherbergt und was wir verlieren könnten.



- Thema Bewertungen im Internet
Sicherlich ist dies kein Thema, das nur den Weltvogelpark betrifft. Mir sind aber Bewertungen aufgefallen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte. Beispielsweise sind auf Parkscout die ersten Beurteilungen mit einem Stern sehr negativ. Die Bewertungen wurden jeweils kurz hintereinander abgegeben und allen wurde ein 100% „hilfreich“ attestiert. Ein Schelm der Böses dabei denkt. Es ist mir auch nicht ganz klar, wie solche Spezialisten beurteilen, dass ein Vogel „total abgestumpft“ oder „apathisch“ ist. Auch ein schöner Satz „Hospitalisiert starren sie vor sich hin“.
Ein weiteres Thema das zu negativen Bewertungen führt, sind Hunde da diese im Park verboten sind. Ich stelle mir gerade mal vor, dass sorglose Frauchen und Herrchen mit ihren hochgezüchteten Nervenbündeln in einer Freiflughalle erscheinen…
Ich würde allen raten sich bei Problemen direkt an die Betreiber zu wenden, so könnte man sich bei Bewertungen auf das Wesentliche konzentrieren. An alle Tierrechtler und solche die sich dafür halten sei gesagt, Desinformation und Polemik sind zwar modern, tragen aber nicht zu gegenseitigem Verständnis bei – wohl eher zum Gegenteil.







