Serval

Man kann nicht umhin vielen Tieren in Aussehen und Bewegung eine gewisse Eleganz zuzusprechen. Servale gehören mit ihrer schmalen hochbeinigen Erscheinung und der attraktiven Zeichnung definitiv dazu. Sie haben von allen Katzen die längsten Beine, sie verleihen dem Tier eine unglaubliche Sprungkraft. Die Körperlänge misst max. 95 cm und die Schulterhöhe max. 65 cm. Der Kopf ist recht klein, wodurch die breiten, langen Ohren schon fast überdimensioniert wirken.

Systematisch gehört der Serval innerhalb der Familie der Katzen zur Unterfamilie der Kleinkatzen. Eine enge Verwandtschaft besteht zu den ebenfalls in Afrika vorkommenden Karakals und Goldkatzen. Das Verbreitungsgebiet wird in der folgenden Karte dargestellt, wobei blau aktuell und rot ausgestorben bedeutet.


In den Maghreb-Staaten Tunesien und Algerien und der Westsahara gilt der Serval als ausgestorben, allerdings gab es Versuche, die Tiere in Tunesien wieder anzusiedeln. In Marokko wird vermutet, dass es einen kleinen Bestand geben könnte. Der Lebensraum umfasst die mit Gras bewachsenen Savannen und Buschgebiete, die über Wasserstellen und Flussläufe verfügen, außerdem Galeriewälder und Bergwiesen bis in 2000-3000 m Höhe und schilfbewachsene Sumpfgebiete. Die Tiere sind von Wasservorkommen abhängig.

Wer nun denkt das Jagdverhalten könnte wegen der langen Beine dem von Geparden ähneln, zumal der Lebensraum dafür ja ideal wäre, der irrt. Servale sind keine schnellen Jäger. Sie lauern ihrer Beute auf. Im hohen Gras sind die langen Beine und ihr überragendes Gehör von großem Nutzen. Sie können ihre Beute, meistens Nager aber auch kleine Antilopen, Reptilien und auffliegende Vögel, mit dem Gehör verorten, schleichen sich an, springen hoch und haken sie mit den Krallen fest. Sie sind in der Lage ihre Beute auch in unterirdischen Gängen aufzuscheuchen und sie mit blitzschnellen Tatzenhieben aus dem Bau oder aus Felsspalten zu ziehen.

Beschränkt sich die Beute im Wesentlichen auf kleine Tiere, sind Servale gezwungen den überwiegenden Teil des Tages zu jagen. Man kann sie dann mit lauschendem aufmerksamem Blick durch ihr Revier ziehen sehen. Unterbrochen werden die Jagdzüge nur durch etwa einstündige Pausen, die sie in Erdlöchern verbringen und natürlich ruhen sie während der heißen Tageszeit im Schatten.

Die Größe ihres Jagdreviers ist sehr unterschiedlich, kleiner bei Weibchen etwas größer bei Männchen. Das Kerngebiet kann zum Beispiel 1,5 qkm groß sein, während sich das gesamte Revier zwischen 6 und 32 qkm ausdehnen kann. Dies hängt von Umweltfaktoren (z.B. Wasserstellen), Beutedichte, Störungen durch Menschen (z.B. Landwirtschaft) oder anderen Raubtiere (Dichte an Löwen oder Hyänen) ab. Auch die Zeit der Aktivität wird diesen Faktoren angepasst. Obwohl Servale eigentlich tagaktive Tiere sind.

Servale markieren ihre Reviere sehr intensiv, wobei sich Reviere von Männchen und Weibchen überschneiden können. Ansonsten verteidigen insbesondere Männchen ihr Gebiet vehement gegen Eindringlinge.

Servale sind Einzelgänger und treffen mit dem anderen Geschlecht nur zur Paarung zusammen. Mütter nehmen ihre Jungen (üblich 1-3) ab dem sechsten Lebensmonat mit auf die Jagd. Im Zoo kann das Sozialverhalten dahingehend verändert werden, dass eine gemeinsame Haltung beider Geschlechter möglich ist.

Obwohl die Art in einigen Gebieten ausgestorben ist (südafrikanische Kap-Region), ist der Bestand im Großen und Ganzen nicht gefährdet. Genauere Bestandszahlen liegen jedoch nur für die Schutzgebiete vor, außerhalb dieser Zonen stützt man sich auf Vermutungen. Ihre große Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichen Gegebenheiten in ihren jeweiligen Lebensräumen helfen, den Bestand hoffentlich auch in Zukunft zu sichern.

Servale werden im deutschsprachigen Raum in etwa 60 Zoos und Tiergärten gehalten. Leider wird kein Zuchtbuch geführt. Und wie meine Bilder zeigen erwischt man sie häufig in Ruhephasen.Die folgenden Bilder wurden alle in der wilhelma Stuttgart aufgenommen

Die folgenden Bilder wurden alle in der Wilhelma Stuttgart aufgenommen. Im Anschluss an die Bildergalerie findet ihr noch einen Beitrag über Savannahs

die folgenden Bilder wurden im Zoo Saarbrücken 03/25 aufgenommen


Savannahs

Liebe Leserin, lieber Leser stellt Euch vor, man käme auf die Idee das domestizierte Tier Mensch und einen seiner wildlebenden nächsten Verwandten – vielleicht einen Schimpansen – zu kreuzen. Ein ethischer Aufschrei und moralische Entrüstung auf diese Entgleisung wären die Folgen. Behalten wir uns dieses Szenario einmal im Hinterkopf.

Wer zu Servals recherchiert oder sich mit Wildkatzen allgemein beschäftigt, kommt um das Thema Savannahs nicht herum. Bereits in den 1960er Jahren wurde mit Katzenhybriden experimentiert. Damals noch um Resistenzen gegen die Feline Leukämie-Infektion bei Hauskatzen zu entwickeln. 1986 gelang es jedoch der Amerikanerin J. Frank, einen Serval-Kater mit einer Siamkatze zu verpaaren. Nun möchte ich gar nicht genau wissen, wie das der Dame gelungen ist. Fest steht, dass eine Hauskatze sich nie mit einer Wildkatze paaren würde. Größenunterschied und der kräftige Nackenbiss des Katers sind definitiv nicht artgerecht im Hinblick auf Hauskatzen. Für das Muttertier bedeutet dies sehr oft eine Verletzung, häufig auch den Tod. Ganz zu schweigen von der Geburt der Welpen die eine enorme Größe im Vergleich zu normalen Katzenwelpen erreichen und daher meist per Kaiserschnitt geboren werden müssen. Männliche Tiere der ersten Generationen (F1-4) sind unfruchtbar, erst ab der Generation F5 können Savannahs mit Savannahs verpaart werden.

Wichtig dabei ist zu wissen, dass die erste Generation (F1) einen Wildblutanteil von etwa 50% hat, der dann von Generation zu Generation sinkt, F5 hat einen Anteil von etwa 3%. Decken Savannah-Kater allerdings Savannah-Katzen steigt dieser wieder. 2012 wurden Savannahs ab F5 als Rasse von der TICA akzeptiert.

Zukünftige Halter, die für einen solchen Hybrid zwischen € 1000 und € 10.000 auf den Tisch legen, unterschätzen oft die Wildtiereigenschaften ihrer neuen Hausgenossen. Mit den Anschaffungskosten ist es auch nicht getan. Freigehege, Warmhaus für den Winter sind wohl nur einige Posten, die zusätzlich kalkuliert werden müssen.

Warum macht man das also? Auf einer Homepage für Hybrid-Katzen steht zu lesen:
„Diese Hybridkatzen teilen eine markante Eigenschaft: Sie sind wild und unglaublich schön anzusehen, anders als die gewöhnliche Hauskatze von nebenan.“

Hier wird also nichts anderes befriedigt als das menschliche Ego. Man will sich vom „Normalo“ absetzen und seinen Instagram oder TikTok Account füllen. Justin Bieber hat wohl 390.000 Follower auf dem Account, den er 2019 für seine beiden Savannahs eingerichtet hat. (SZ „Mein Haus, mein Auto, mein Raubkätzchen“ vom 31.05.2021)

Wäre der Einsatz menschlichen Erfindergeists und Experimentierfreude nicht auf anderen Gebieten sinnvoller? Und wo bleiben ethischer Aufschrei und moralische Entrüstung?

Für uns Besserwisser:
F1-5: F steht für Filialgenerationen oder Tochtergeneration. F1 ist also die erste Generation nach der Kreuzung zweier Individuen. F2 wäre dann die Enkelgeneration usw.
Nackenbiss: Der Kater beißt die Katze während des Paarungsaktes in den Nacken und fixiert sie so. Durch den Paarungsakt bzw. die physische Stimulation erfolgt der Eisprung bei der Katze.