Wer schon einmal einen Gerfalken oder das schnellste Tier auf unserem Planeten den Wanderfalken, im Flug oder im Sturzflug beim Beutefang beobachten konnte, wird sich über eine eher ungewöhnliche Fortbewegungsart des Falklandkarakaras sicherlich wundern. Aber der Reihe nach.
Die Vögel gehören in der Systematik zwar zur Familie der Falkenartigen, sie werden aber in einen eigenen Tribus (eine Stufe zwischen Unterfamilie und Gattung) als Geierfalken eingeordnet. Ich interpretiere das für mich mal so: „Sie sind etwas Besonderes.“ Der Name erschließt sich auch nicht sofort, warum „Geierfalken“. Man kann durchaus Gemeinsamkeiten finden: Einen großen, sehr kräftigen Schnabel, für einen Falken ungewöhnlich lange Beine, sie fressen auch Aas und sie bewegen sich häufig zu Fuß oder hüpfend über den Boden, obwohl sie gute Flieger sind.
Karakaras bevorzugen als Lebensraum Savannen, Steppen aber auch Hochgebirge, Küsten und Agrarflächen. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Süden der USA über Mittelamerika bis Patagonien und den Falklandinseln. Nach ihrer Herkunft und Aussehen werden 5 Gattungen mit mehreren Arten gezählt. Diese sind:
- Gelbkehlkarakara – Baumbewohner. Sie leben in den Tropenwäldern im nördlichen Südamerika und im Amazonasgebiet.
- Rotkehlkarakara – Verbreitungsgebiet wie oben. Rotkehlkarakaras sind Nahrungsspezialisten. Sie attackieren Wespennester reisen Löcher hinein um Larven und Eier herauszuholen.
- Die Carancho – Schopf- und Karibikkarakara diese beiden Arten finden wir im Süden der USA, der Karibik, im Westen Südamerikas bis Patagonien aber nicht im Amazonasgebiet. Eine weitere Art der Guadelupe-Karakara lebte auf der Mexiko vorgelagerten gleichnamigen Insel. Er wurde 1875 erstmals beschrieben und war bereits 1900 durch Verfolgung ausgerottet. „Ziegenmörder“
- Chimango – mit Chimangokarakara und Gelbkopfkarakara. Sie leben in den Pampas und auf Weideflächen von Panama und Südamerika.
- Bergkarakara – Streifen-, Berg-, Weißkehl- und Falklandkarakara leben in den Anden und auf den Falklandinseln.
Thema dieses Beitrages ist der Falklandkarakara, der nur auf der gleichnamigen Inselgruppe sowie auf den Feuerland vorgelagerten Inseln lebt. Von den dortigen Einwohnern erhielt er den Spitznamen Johnny Rook.


Als zu Anfang des Jahres 1833 die „HMS Beagle“ mit ihrem berühmten Passagier Charles Darwin an einem Archipel festmachte, das den Namen Falkland trug, war dieser wenig begeistert. Er beschrieb die Moorlandschaft, die er sah, als „desolate and wretched“ also trostlos und erbärmlich. Die dort lebenden Vögel mit schwarzem Gefieder und dem gelb gefärbten Oberschnabel weckten allerdings sein Interesse. Allerdings auch deshalb, weil sich die Mannschaft der Beagle über das diebische Verhalten der Vögel beschwerte und, da sie auch die Takelage überaus interessant fanden, musste eine zusätzliche Wache aufgestellt werden. Darwin registrierte zwar die aufmerksame Wachsamkeit, ihre Neugier und ihr Auftreten in Gruppen (was von anderen Raubvögeln nicht bekannt ist) und erwähnte sie auch ausführlich in seinem Reisebericht, aber weitergehende Studien führte er nicht aus, er hatte ja auch andere Ziele im Sinn.
Aber egal, ob man die Aufzeichnungen von Charles Darwin liest, einen Falkner befragt oder die Vögel selbst beobachtet, es wird schnell klar, dass sie nicht viel gemein haben, weder mit den eigentlichen Falken noch mit anderen Greifvögeln. Es sind Nahrungsopportunisten, das bedeutet, sie versuchen immer an das Futter zu kommen, das sie am schnellsten und einfachsten bekommen können. Deshalb fressen sie auch Aas, Insekten, Fisch, Eier und anderes mehr. Und sie sind erfindungsreich und intelligent. Man hat beobachtet, dass sie auf der Suche nach Futter Steine umdrehen und auch Stöckchen benutzen. Zum Vergnügen der Zuschauer erzählte ein Falkner aus der Zoofalknerei Neunkirchen, dass die Mülleimer auf dem Gelände „karakarsicher“ sind und man die Taschen doch bitte geschlossen halten solle.
Heute geht man davon aus, dass Papageien und die Gruppe der Falkenartigen gemeinsame Vorfahren hatten, die auf der zu dieser Zeit noch bewaldeten Antarktis lebten und sich über Landbrücken nach Norden verteilten und unterschiedlich entwickelten. Warum die so intelligente Spezies der Falklandkarakaras aber ausgerechnet in einem so abgelegenen, winzigen Gebiet heimisch wurden, hatten weder Darwin noch andere Wissenschaftler bisher klären können.


Falklandkarakaras trifft man in freier Wildbahn oft in Gruppen an, z.B. wenn sie gemeinsam jagen oder während der Brutzeit. Die Nester befinden sich häufig an Felsvorsprüngen oder auf dem Boden geschützt durch Grasbüschel und ausgepolstert mit Gras und Wolle. In der Regel werden ein bis drei Eier ausgebrütet und die Jungvögel werden von beiden Eltern – die im Übrigen monogam leben – versorgt. Ein besonderes Verhalten zeigen die Weibchen mit dem sogenannten „brood-reduction“. Der schwächste Nestling wird aus dem Nest geworfen um das Überleben der anderen zu sichern. Obwohl sie so sozial scheinen, werden sie in der Verteidigung ihrer Nester oder der Nahrung auch zu Artgenossen ausgesprochen aggressiv.
Johnny Rook’s sind in einigen deutschen Zoos zu sehen, u.a. in Frankfurt, der Wilhelma, Hannover oder Heidelberg. Besonders schön finde ich es, ihnen bei einer Flugshow ohne lästiges Gitter zu begegnen und sie dort zu beobachten, wie zum Beispiel in der Zoofalknerei in Neunkirchen.
Die folgenden Bilder entstanden in der Falknerei des Neunkirchner Zoos. Wachsamkeit aber auch Neugier bei „Johnny“: Was ist das für ein Ding, das sich der Typ vors Gesicht hält und das dauernd klickt?






Für uns Besserwisser: Der Name „Caracara“ stammt aus der Sprache der Ureinwohner Südamerikas, den Guarani. Er bedeutet so viel wie „Jäger“.