Weltvogelpark Walsrode

Bei Nachforschungen im Web und den Recherchen zu Themen rund um Vögel, taucht immer wieder der Name Weltvogelpark auf. Irgendwann in 2025 fand ich es ist an der Zeit, mich auf den langen Weg von Südhessen nach Walsrode in der Lüneburger Heide zu machen. Und, um es gleich vorweg zu nehmen, es wird nicht mein letzter Besuch gewesen sein.

  • Geschichte

Fritz Geschke ein Kaufmann aus Walsrode hatte ein besonderes Hobby. Er züchtete Wasservögel und Fasane. Er muss wohl sehr erfolgreich mit seinem Hobby gewesen sein, denn es bot die Grundlage um 1962 den Vogelpark in Walsrode zu gründen. Bereits zwei Jahre später übergab er den Park an Tochter und Schwiegersohn, Uschi und Wolf Brehm. Die Beiden hatten große Pläne und setzten diese in den Folgejahren konsequent um. Bis 1970 verdoppelte man die Parkfläche und investierte in neuartige, innovative Anlagen. Hervorzuheben wäre zum Beispiel die begehbare Paradieshalle, in welcher Besucher die exotischen Vögel ohne störendes Gitter beobachten können und die in den folgenden Jahren gebaute Freiflughalle. Anlässlich der Expo 2000 in Hannover wurde in Kooperation mit der Indonesischen Regierung die Regenwaldhalle eingeweiht.

In den Jahren nach 2000 schwächelten die Besucherzahlen und der Park schrammte mehrfach an einer Insolvenz vorbei. Besitzer und Konzepte wechselten, bis 2019 eine spanische Unternehmensgruppe den Park übernahm. Der Investor Parques Reunidos betrieb ursprünglich weltweit 60 Wasser-, Tier- und Freizeitparks, davon lagen 30 in Europa. Inzwischen wurden etwa 20 amerikanische Parks an die private Herschend Family Entertainment verkauft.

Im Jahr 2010 wurde der Park in Weltvogelpark Walsrode umbenannt.


  • Schwerpunkte – Vögel

Auf einer Fläche von 24 ha beherbergt der Park ungefähr 4000 Vögel in ca. 600 Arten. Das sind sehr beeindruckende Zahlen. Zum Vergleich, der Erlebnis Zoo Hannover hat etwa 1470 Tiere in 158 Arten auf fast gleicher Fläche (22 ha). Natürlich haben die großen Säugetiere mehr Platzbedarf als Vögel. Es bedeutet aber auch, dass sich interessierte Besucherinnen und Besucher eher zwei Tage für ihren Streifzug durch den Park reservieren sollten. Einige der Vögel gibt es nur hier zu sehen oder sind in der Natur extrem selten und vom Aussterben bedroht. Für mich war es ein besonderes Erlebnis einen Schuhschnabel beobachten zu können, den es im deutschsprachigen Raum nur hier gibt.

Von der Vielzahl der Anlagen seien folgende erwähnt:

Freiflughalle: Auf 3.000 qm lassen sich tropische Wasservögel wie Roten Sichlern, Rosalöfflern, verschiedenen Entenarten, als auch Riesenwaldrallen oder Wehrvögeln beobachten. Am Strand mit Wellenanlage finden sich Inkaseeschwalben, Ibisse sowie Stelzenläufer.
Vogelerlebniswelt „Toowoomba“: In der australischen Vogelerlebniswelt empfangen freifliegende Regenbogenlori-Schwärme die Besucher.
Regenwaldhalle: Die Regenwaldhalle ist ein unter dem Motto „Welt Forum Wald“ registriertes Projekt der EXPO 2000. Neben Originalbauwerken wie einem Toraja-Haus aus den Bergen Sulawesis und einer balinesischen Tempelmauer aus Lavagestein gehören über 50 verschiedene Vogelarten in einem begehbaren, tropisch bepflanzten Freiflug sowie in Volieren.
Kranichanlage: Der Weltvogelpark Walsrode ist bei der Kranichaufzucht eine der erfolgreichsten Institutionen weltweit und verfügt über eine einzigartige Kranichanlage mit sechs unterschiedlichen Biotopen. Hier und auch im europäischen Teil des Parks werden 8 von 15 weltweit vorkommenden Arten für die Besucher gut sichtbar gehalten und nach Möglichkeit gezüchtet.
Papageienhaus und Sittichanlagen

Weitere Anlagen z.B. für: Paradiesvögel, Pinguine, Greifvögel und Uhus


  • Der Weltvogelpark unterstützt folgende Projekte:

Den Schutz der Harpyie in freier Wildbahn und damit auch den Schutz und die Erholung von Wildbeständen im Iguazú-Nationalpark (Das Beitragsbild oben zeigt einen Harpyie aus den Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas),,
die Stiftung Naturschutzpark e.V. Lüneburger Heide hat zur Förderung der Bestände der heimischen Rauch- und Mehlschwalbe ein Artenschutzprojekt ins Leben gerufen,
die Katala Foundation, Inc. (KFI) ist eine Naturschutzorganisation, die hauptsächlich im Palawan-Archipel auf den Philippinen tätig ist,
ein Projekt für die in ihrem Lebensraum bereits ausgerottete Kangean-Schama, eine Singvogelart, welche nur noch in der Prigen Conservation Breeding Ark (PCBA) auf Java, Indonesien gezüchtet wird,
den Verein für Landschaftspflege, Artenschutz und Biodiversität e.V. Der VLAB setzt sich für die Wiederansiedlung des Habichtskauz ein,
außerdem Schutzprogramme für Wiedehopf und Steinschmätzer, Rötelfalke und Humboldt-Pinguin.

  • Bildung

Es wird ein „aktiver Biologieunterricht im Freien“ für Schulen und Kindergärten angeboten. Meet & Greet mit Pinguinen, Greifvögeln, Eulen oder Papageien für Kinder und Erwachsene. Flugshows im Freien und Indoorshows mit verschiedenen Vogelarten ergänzen das Programm.

  • Mein Fazit

Der Name sagt es ja schon, es sind nicht nur die zahlreichen Vogelarten die mich begeistert haben, sondern auch die Anlage des Geländes. Eine Parklandschaft mit einer Vielzahl an Rhododendron- und Azaleenbüschen, Rosen in allen Farben und Formen, einem alten Baumbestand, Teichen und Wasserläufen.

Der Artenreichtum, die Formen und Farben der gefiederten Bewohner des Parks ist so beeindruckend, dass man nicht umhinkommt, sich vor Natur und Evolution zu verneigen. Ich bin auch dankbar, dass es Orte wie Zoos, Tierparks und Vogelparks gibt, wo wir zumindest eine Ahnung bekommen, was unsere Welt für Schätze beherbergt und was wir verlieren könnten.


  • Thema Bewertungen im Internet

Sicherlich ist dies kein Thema, das nur den Weltvogelpark betrifft. Mir sind aber Bewertungen aufgefallen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte. Beispielsweise sind auf Parkscout die ersten Beurteilungen mit einem Stern sehr negativ. Die Bewertungen wurden jeweils kurz hintereinander abgegeben und allen wurde ein 100% „hilfreich“ attestiert. Ein Schelm der Böses dabei denkt. Es ist mir auch nicht ganz klar, wie solche Spezialisten beurteilen, dass ein Vogel „total abgestumpft“ oder „apathisch“ ist. Auch ein schöner Satz „Hospitalisiert starren sie vor sich hin“.

Ein weiteres Thema das zu negativen Bewertungen führt, sind Hunde da diese im Park verboten sind. Ich stelle mir gerade mal vor, dass sorglose Frauchen und Herrchen mit ihren hochgezüchteten Nervenbündeln in einer Freiflughalle erscheinen…

Ich würde allen raten sich bei Problemen direkt an die Betreiber zu wenden, so könnte man sich bei Bewertungen auf das Wesentliche konzentrieren. An alle Tierrechtler und solche die sich dafür halten sei gesagt, Desinformation und Polemik sind zwar modern, tragen aber nicht zu gegenseitigem Verständnis bei – wohl eher zum Gegenteil.


Tierkinder

In diesem Jahr bin ich Opa geworden und auf meine Enkelin passen all‘ die Adjektive wie goldig (auf hessisch goldisch), süß, zum knuddeln, entzückend und was begeisterten Großeltern noch so einfallen mag. Genau diese Worte hört man natürlich auch in Zoos und Tiergärten. Tierkinder verzaubern uns ebenso wie Menschenkinder. Ein Grund mehr in meinen Bildern nach Tierkindern zu stöbern und siehe da, es gibt einige davon. Viel Spaß und Freude beim Betrachten meiner Bilderauswahl – ausnahmsweise fast ohne Text.

Bitte klickt jeweils das erste Bild an, die Galerie öffnet sich und ihr seht die Bilder großformatig. Meine Fotos entstanden in verschiedenen Jahren in folgenden Zoos: Elefant: Opel Zoo, Flusspferd Zolli Basel, Nashorn Augsburg


Ist Mutterliebe ein rein menschliches Gefühl? Eher nicht, denn wissenschaftlich gesehen, wird vor der Geburt (um die Wehen einzuleiten) und nach der Geburt (z.B. durch das Stillen oder Kuscheln) das Hormon Oxytocin im Gehirn produziert und ausgeschüttet. Es fördert zusammen mit anderen Stoffen das, was wir Mutterliebe oder mütterliche Fürsorge nennen und das geschieht gleichermaßen bei Tier und Mensch. Paradebeispiele für mütterliche Fürsorge, die wir in Zoos erleben können, sind Elefanten und Orang-Utans. Ein arabisches Sprichwort sagt: „Weil Gott nicht überall sein kann, schuf er die Mütter.“

Schimpanse: Zolli Basel, Leipzig, Gorilla: Nürnberg u. Frankfurt, Orang-Utan: Neunkirchen u. Hagenbeck, Bonobo: Frankfurt


Koala: Wilhelma, Duisburg, Schwäne: Überlingen/Bodensee, Rotes Riesenkänguru: Heidelberg  Moko/Bergmeerschweinchen: Wilhelma, Moorenten: Heidelberg Stockente: Bodensee Nandu: Wilhelma


Somali-Wildesel: Zolli Basel, Vikunja: Wilhelma, Kirk-Dikdik: Frankfurt, Alpensteinbock: Wilhelma, Bongo: Frankfurt, Schabrackentapir: Wilhelma


Trampeltier: Heidelberg, Rothschild-Giraffe: Leipzig


Weitere Fotos von Tierkindern findet ihr in den folgenden Beiträgen:

Löwen, Amur-Tiger, Sumatra-Tiger, Schneeleopard, Erdmännchen, Gepard, Eisbär, Grevy-Zebra, Okapi, Panzernashorn und Dschelada.

Dscheladas

Der Name „Dschelada“ für diese Affenart – die lat. Bezeichnung lautet „Theropithecus gelada“- hat seinen Ursprung im Amharischen, der Sprache Äthiopiens. Er leitet sich vom Wort „Gelada“ ab, was so viel wie „Affe“ oder „Meerkatze“ bedeutet. Außer der üblichen Vorstellung dieser Tierart möchte ich etwas ausführlicher über das soziale Miteinander bzw. den Aufbau der Dschelada – Gruppen erzählen. Wie für viele andere Tierarten, hat es sich auch für die Dscheladas im Laufe ihrer Evolution von Vorteil erwiesen, in Gruppen zu leben.

Aber beginnen wir mit der deutschen Bezeichnung „Blutbrustpavian“. Ein etwas seltsamer Name, der seinen Ursprung vom nackten Brustbereich der Tiere hat. Zur Fortpflanzungszeit oder bei starker Erregung färbt sich dieser rot. Die Art gehört zur Familie der Meerkatzenartigen, wie die Paviane auch. Allerdings haben Dscheladas und Paviane zwar gemeinsame Vorfahren, Dscheladas sind jedoch keine Paviane. Sie sind ihre nächsten Verwandten. Während Paviane in vielen Ländern Afrikas weit verbreitet sind, findet man Dscheladas ausschließlich im Hochland von Äthiopien.Prof. Grzimek nennt die Tiere in seinem „Tierleben“ (Säugetiere 1) deshalb Hochgebirgsaffen.

Um deren Lebensweise besser zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die Geographie Äthiopiens. Das „Hochland von Abessinien“ zieht sich vom Norden bis in den Süden. Mehr als die Hälfte des Landes liegt über 1200 m hoch. Ein Teil dieses Hochlandes und die letzte verbliebene Heimat der Dscheladas, ist das Amhara-Plateau. Es fällt von 4500 m (der höchste Berg Ras-Dejen) bis auf etwa 2000 m nach Süden ab. Hier liegt auch ganz im Norden der größte Nationalpark und Weltkulturerbe der Simien-Nationalpark. Das Hochland wird zerschnitten durch zahlreiche Flüsse wie dem Weißen Nil, die tiefe Canyons und Täler mit steilen Abbruchkanten bilden. Das Klima in den niedrigeren Regionen des Plateaus ist durchaus mediterran, geht aber mit zunehmender Höhe in Hochgebirgsklima über. Die Landschaft wechselt mit zunehmender Höhe von einer nahezu baumlosen Graslandschaft in eine alpine Felslandschaft.

Die Dscheladas haben sich diesen Bedingungen perfekt angepasst. Abends ziehen sie sich in die höher gelegenen Felsformationen zurück, um dort die Nacht zu verbringen. Am Morgen lassen sie sich auf den Felsen ruhend von der Sonne erwärmen, um dann gemeinsam in die weiter unten gelegenen Plateaus mit ihren Graslandschaften zur Nahrungsaufnahme zu wechseln. Diese besteht zum überwiegenden Teil aus Gras. In Trockenzeiten sind sie jedoch durchaus flexibel und nehmen auch Wurzeln, Früchte, Knollen, Kräutern oder Insekten auf.

Dscheladas leben in Gruppen unterschiedlicher Größe zusammen. Diese Gruppen und Untergruppen erhielten folgende wissenschaftliche Namen:

  1. Die Ein-Mann-Haremsgruppe oder „One-Male-Unit“ – Es ist praktisch eine Familiengruppe aus 1-10 weiblichen Tieren mit den noch nicht erwachsenen Nachkommen. Angeführt wird die One-Male-Unit erwartungsgemäß von einem Alphamännchen. Löst ein erwachsenes männliches Tier ein anderes (evtl. zu altes) ab, so verbleibt dieses meist in der Gruppe, geht dem neuen Chef aus dem Weg und pflegt seinen Sozialkontakt (ohne Sexualkontakt) zu einem der Weibchen weiterhin.
  2. Da geschlechtsreife Männchen den Familienverband mit etwa 5-6 Jahren verlassen müssen, schließen sie sich zu Junggesellengruppen zusammen, die dann „All-Male-Units“ genannt werden. Nun schließen sich diesen Gruppen aus Erwachsenen auch Untergruppen aus Jugendlichen an, die oft zwischen der 1. und 2. beschriebenen Gruppe hin und herwechseln und mit ihren Müttern weiterhin Kontakt pflegen.
  3. Daraus folgt, dass sich beide Gruppen verwandtschaftlich nahestehen und sich ein Territorium teilen. Man nennt daher die Verbindung der Gruppen 1 und 2 ein „Team“. Hin und wieder versuchen sich geschlechtsreife Männchen aus Teams der One-Male-Unit anzuschließen, man nennt sie dann „Follower“. Follower leben am Rand der Gruppe versuchen aber zu gegebener Zeit das Alphatier abzulösen oder mit einer der Damen durchzubrennen um eine eigene One-Male-Unit zu gründen. Sie verteidigen allerdings auch gemeinsam mit dem Haremsführer die Gruppe gegen Eindringlinge wie z.B. solitär lebenden Männchen (Einzelgänger) oder Feinde.
  4. Mehrere Teams können „Bands“ (deutsch – Banden) bilden. Diese teilen sich dann ein Verbreitungsgebiet und nutzen gemeinsam Futterplätze und Wasserstellen. Außerdem gehen Forscher davon aus, dass es durch die fortlaufende Aufspaltung der Gruppen und damit Neubildung von One-Male-Units starke verwandtschaftliche Beziehungen innerhalb dieser Bands gibt. Die Bands bilden sich aus 30 – 260 Einzeltieren. Bands trennen sich bei knapp werdenden Nahrungsressourcen und kommen zusammen sobald sich die Situation verbessert.  
  5. Die größte Einheit in der sozialen Gemeinschaft bilden die dynamischen „Herds“ (Herden). Zusammensetzung und Größe ändern sich permanent und entstehen durch überlappende Reviere. Man konnte bis zu 600 Tiere in einer Herde zählen.

Verschiedene Drohgebärden des Alphamännchens: Mitte oben – starkes drohen und „Reproduktion“

Man kann also festhalten, dass die Haremsgruppe die wichtigste Konstante im sozialen Miteinander bei Dscheladas ist. Und hier sind es die Weibchen, die für stabile Verhältnisse in der Gruppe sorgen. Die ranghöheren Weibchen bleiben lebenslang in ihrer Geburtsgruppe und pflegen enge Kontakte überwiegend mit anderen Weibchen und nicht mit dem Haremsführer. Dieser hat eigentlich folgende funktionen: die Gruppe nach außen zu verteidigen, Streitigkeiten innerhalb der Gruppe zu unterbinden und, wie es biologisch so schön heißt, für Reproduktion zu sorgen. Wobei man festhalten kann, dass zwar das Männchen den Anstoß für den Zeugungsakt gibt, aber die Weibchen entscheiden, ob es dazu kommt oder nicht. Dominante Weibchen werden häufiger gedeckt als rangniedrigere.

Sollte es zu einer Übernahme des Harems durch einen Einzelgänger oder Follower kommen, genügt es nicht das Alphamännchen zu besiegen. Auch hier sind es die Weibchen die letztendlich den neuen „Chef“ akzeptieren oder nicht.

Eigentlich sind Dscheladas sehr ruhige und bedachte Tiere. Streitigkeiten sind aber in einer Gruppe unvermeidlich. Das Alphamännchen beendet diese jedoch meist mit seiner beeindruckenden Präsenz und einer kurzen Verfolgungsjagd. Das gute Miteinander und die Verbundenheit einzelner Tiere untereinander, spielt eine sehr wichtige Rolle. Das sogenannte „Grooming“ (Fellpflege) festigt die Gemeinschaft. Das bei uns gebräuchliche Wort „Lausen“ trifft es allerdings nicht, da nicht immer Insekten und Schmutz entfernt werden, sondern das Fell auf diese Weise gepflegt wird. Pflegen die Tiere ihr eigenes Fell, dient dies häufig zur Beruhigung z.B. nach einem Streit.

Die anspruchsvolle Sozialstruktur dieser Tiere macht die Haltung von Dscheladas für Zoos nicht eben einfach. Im deutschsprachigen Raum gibt es 8 Haltungen von denen der Naturzoo in Rheine die größte Anzahl Dscheladas in vier Haremsgruppen hält und das europäische Zuchtbucht führt. Dort und in der Wilhelma werden sie zusammen mit Mähnenspringern auf einer Anlage gehalten. In der Natur bilden sie häufig Lebensgemeinschaften mit Walia-Steinböcken, die in Zoos jedoch nicht gehalten werden.

Mähnenspringer und Dscheladas in der Wilhelma Stuttgart

Die instabile politische Lage in Äthiopien sowie die prekäre wirtschaftliche Situation der dort lebenden Menschen führen dazu, dass Auswilderungen momentan nicht möglich sind und die Bestände durch den kleiner werdenden Lebensraum abnehmen.

Für uns Besserwisser:
In der Zoologie werden Tiere in drei Entwicklungsstufen eingeteilt –
juvenil    = jugendlich,
Sub adult = praktisch erwachsen aber noch nicht fortpflanzungsfähig
adult      = erwachsen und fortpflanzungsfähig 

Alle Bilder dieses Beitrags entstanden in der Wilhelma Stuttgart und im Naturzoo Rheine

Schuhschnabel

Während ich schon das eine oder andere Mal über seltsame Namen von Tierarten philosophiert habe – wie z.B. die Suppenschildkröte – passt der Name hier ohne Wenn und Aber. Ebenso der arabische Name der im Sudan verwendet wird „Abu Markub“ was so viel wie „Vater des Schuhs“ oder auch „Urbild des Schuhs“ bedeutet.

Der Schuhschnabel in seinem eigentlichen Lebensraum:

Seeufer und Sümpfe, dicht bewachsen mit Papyrus, Lotos und Schilf bieten die besten Voraussetzungen für ein Schuhschnabelleben. Zu finden in Zentralafrika Uganda, Sambia (Bangweulusümpfe) und vor allem im „Sudd“ des Südsudan. Der Nil und seine Nebenflüsse haben hier das weltweit größte Sumpf- und Überschwemmungsgebiet geschaffen. Das bietet den Vögeln einen idealen Lebensraum mit Rückzugmöglichkeiten und ausreichender Nahrung.

Schuhschnäbel sind an diese Umgebung perfekt angepasst. Sie sind etwa 1,20 – 1,40m groß, haben ungewöhnlich lange Zehen mit denen sie über weichen Grund und Wasserpflanzen laufen ohne einzusinken. Der riesige, breite und lange Schnabel verfügt über einen Haken an der Spitze, damit auch glitschige Fische nicht mehr entkommen können. Die Ränder sind sehr scharf und zum Zerteilen der Beute geeignet. Beutetiere sind hauptsächlich Fische aber auch Amphibien und Reptilien.

Die Vögel sind äußerst effektive Jäger. Sie können stundenlang im seichten Wasser oder an Land stillstehen und plötzlich mit unglaublicher Geschwindigkeit den Kopf nach vorne schnellen, um ihren Fang zu fassen. Üblicherweise „schreiten“ die Vögel durch ihr Revier. Diese Bewegung erinnert an Kraniche. Sie fliegen nur sehr ungern und meistens wenn Gefahr droht.

Sie führen ein Einzelgänger Dasein und finden nur während der Brutzeit zusammen. Der Beste Zeitpunkt hierfür ist nach der Regenzeit, wenn die Pegel sinken und der Untergrund trockener wird. Die Nester werden im Röhricht in Ufernähe oder auf schwimmenden Inseln gebaut. Beide Eltern übernehmen die Brutpflege. Um die Eier vor Überhitzung zu schützen, schaffen sie Wasser im Schnabel heran, womit sie das Gelege kühlen.

Ihre verborgene Lebensweise hat wohl dazu beigetragen, dass sie erst 1840 vom deutschen Forschungsreisenden Ferdinand Werne (er gilt als Entdecker des Nildeltas) aufgespürt wurden. Araber und Bantu kannten den Schuhschnabel natürlich schon viel früher, was durch alte Reliefs und Skulpturen belegt ist. Schließlich kamen die ersten Bälge nach London und John Gould war es, der die Vögel 1851 in die Systematik eingliederte. Er nannte sie Balaeniceps rex, was so viel wie „Walkopfkönig“ heißt. Heute wird an das rex noch ein Gould zu Ehren des englischen Ornithologen angehängt.

Die Entdeckung durch die Europäer hatte – man kann es sich denken – schlimme Folgen. Viele Hundert Schuhschnäbel wurden geschossen, um in den Ausstellungen der Museen zu landen oder bei Sammlern in aller Welt. Hauptumschlagplatz für Bälge und lebende Vögel war Khartum im Sudan.

Schuhschnäbel in Menschenobhut:

Dieser Teil des Beitrags ist (leider) kurz. Zitat Zootierlexikon:

„Aufgrund seiner Schnabelform ist der Schuhschnabel sicher eine der bekanntesten Vogelarten. Zumindest theoretisch. In Zoos ist er nämlich äußerst selten zu sehen, weil die Beschaffung von Vögeln aus der Wildbahn schwierig ist und eine nachhaltige Zucht nicht existiert.“

Wie bereits beschrieben setzte nach ihrer Entdeckung ein wahrer Run von Sammlern und Zoos aus aller Welt auf diese Tiere (tot oder lebendig) ein. 1945 hatte der Berliner Zoo bereits einen Schuhschnabel. 1960 kam der erste Schuhschnabel in den Tierpark Berlin. 1975 bekam die Wilhelma einen weiblichen Schuhschnabel (Mausi) die 1990 in den Frankfurter Zoo umzog und dort am 30.03.2012 verstarb.

Für die Zoos war die Pflege dieser Tiere eine echte Herausforderung. Es gab kaum Erfahrungen im Umgang mit den Vögeln. Schwierigkeiten machten zunächst die Ernährung, medizinische Versorgung aber auch Anlage und Größe der Gehege sowie unser mitteleuropäisches Klima.

Heute wird im deutschsprachigen Raum nur noch ein letzter Vogel im Weltvogelpark Walsrode gehalten. Außerdem in Europa im belgischen Zoo Pairi Daiza (hier gelang auch die Zucht), in den Zoos von Prag und Exmoor GB.

Das weitaus größte Problem besteht jedoch in der Zucht dieser einzigartigen Vögel. Einerseits müssen passende Partner gefunden werden, da Schuhschnäbel äußerst wählerisch in der Partnerwahl sind (das gilt übrigens auch für die Beziehung zu Pfleger bzw. Pflegerin). Andererseits sind alle Vögel die in Zoos kamen nicht in der Wildbahn gefangen worden, sondern wurden von Menschenhand aufgezogen. Das führt zu einer Fehlprägung auf Menschen, die darin endet, dass Schuhschnäbel sich sozusagen gegenseitig ignorieren.

Vom Zoo Frankfurt erhielt ich auf meine Anfrage hierzu folgende Information:

„Die Expertenkommission des europäischen Zooverbandes hat diese Situation zum Anlass genommen, keine Empfehlung für ein Erhaltungszuchtprogramm auszusprechen, zumindest solange die Populationen in Afrika nicht akut bedroht sind. Sinnvoll wäre ein solches Programm sowieso nur dann, wenn sich eine größere Anzahl an Zoos u/o Vogelparks einem solchen Programm verschrieben, und die Fehlerquelle der Vergangenheit (s.o.) vermieden werden könnte. Da am Ende jede Population ohne Zuwachs natürlich nach und nach verschwindet, sind wir heute auf dem Stand, den Sie beklagen.“

Der momentan als gefährdete eingeschätzte Bestand in freier Wildbahn liegt bei 5000 – 8000 Tieren. Bedenkt man die politische Situation im zentralen Afrika insbesondere im Südsudan, Klimaveränderungen und die Bedrohung der Lebensräume, könnte diese akute Gefährdung in den nächsten Jahren jedoch eintreten. Ich hoffe man kann dann noch rechtzeitig reagieren.

Für uns Besserwisser:
Sudd – Das aus dem Victoriasee abfließende Wasser versorgt über den Nil den Sudd mit Wasser, hinzu kommen enorme Regenmengen. Der Nil verteilt das Wasser in verschiedene Flussarme über eine Fläche, die während der Trockenzeit etwa 30.000 km² (Hessen 21.500) und in der Regenzeit bis 130.000 km² (Griechenland 132.000) umfasst. Der geplante Jonglei-Kanal sollte die Wassermassen nach Norden (Nord-Sudan u. Ägypten) abführen um dort für die Landwirtschaft nutzbar zu sein. 1974 wurden die Arbeiten begonnen und 1984 aufgrund des sudanesischen Bürgerkrieges eingestellt. Gegner des Projekts hatten vergeblich auf die schwerwiegenden Einflüsse auf die Umwelt und die zu befürchteten Klimaveränderungen durch die Trockenlegung der Sümpfe hingewiesen.

Bangweulusümpfe – im nördlichen Sambia gelegen bieten ähnliche Voraussetzungen wie der Sudd. Sie sind allerdings kleiner haben aber ein reiches Vorkommen an Vögeln und Großwild. Das Kasanga – Schutzgebiet grenzt an die Sümpfe.

In der Systematik der Vögel sind Reiher, Pelikane und Hammerkopf die nächsten Verwandten der Schuhschnäbel:

Alle Bilder des Schuhschnabels entstanden im Weltvogelpark Walsrode im August 2025.

Säugetiere I

Wie alles begann

Es sind nicht nur die Tiere in ihren Gehegen und die Nähe zu ihnen, die mich faszinieren, es ist auch die Erkenntnis wie unglaublich vielfältig die Natur ist. Tausende Arten von Pflanzen und Tieren, die sich in ihrer langen Evolution den jeweiligen Lebensräumen perfekt angepasst haben und in einem ökologischen Gleichgewicht zueinanderstehen, dessen Vollkommenheit einem schier den Atem raubt. Und natürlich stellt man sich die Frage: wie hat sich das alles entwickelt?

In den beiden Beiträgen zum Thema „System im Tierreich“ bin ich bereits auf die Einteilung aller Lebewesen in bestimmte Kategorien eingegangen. Säugetiere werden wie folgt eingeteilt:

StammChordatiere 
UnterstammWirbeltiere 
ReiheTetrapodenWirbeltiere mit 4 Gliedmaßen -Landwirbeltiere
ohne RangAmniotenKönnen sich außerhalb von Gewässern fortpflanzen
ohne RangSynapsidenMerkmal ist ein einzelnes Schädelfenster in der hinteren Schädelseitenwand
KlasseSäugetiereNeugeborene werden über Milchdrüsen ernährt

Welche Tiere gehören also nun in diese Klasse und wie definieren sie sich als Säugetiere. Die Systematik setzt sich wie folgt fort:

3 UnterklassenUrsäuger,
Beuteltiere,
höhere Säugetiere oder Plazentatiere
z.B. Schnabeltier,
z.B. Koala, Känguru  
Embryo wird über die Plazenta im Mutterleib ernährt

Folgende Kennzeichen sind typisch für Säugetiere:

  • Fell,
  • Geruchs- und Gehörsinn (Gehörknöchelchen) ist hochentwickelt,
  • Leistungsfähige Gehirne, schneller Verstand (Neokortex),
  • lebendgebärend,
  • Warmblütiger Stoffwechsel,
  • Spezialisierte Zahnreihen,
  • Milchdrüsen

Werfen wir zunächst einen Blick auf die drei oben beschriebenen Unterklassen der Säugetiere: Sie alle drei weisen Gemeinsamkeiten auf die sie unzweifelhaft zu Säugetieren machen. Kloakentiere werden heute nur noch durch zwei rezente Arten repräsentiert, die Schnabeltiere und den Ameisen- oder Schnabeligel. Beide Tiere legen Eier, während der Schnabeltier die Eier in einer Höhle bebrütet, haben die weiblichen Ameisenigel einen Brutbeutel in den die Eier gelangen. Beide ernähren die Schlüpflinge über ein Milchdrüsenfeld, da sie keine Zitzen haben.

Der Nachwuchs der Beuteltiere wird lebend geboren und gelangt über einen Geburtskanal und mit viel Kraftanstrengung in den Beutel bzw. an die Zitzen der Mutter, wo er sich fertig entwickelt.

Bei allen Gemeinsamkeiten mit den höheren Säugetieren, die die beiden Tiergruppen aufweisen und die sie letztendlich in der Klasse der Säugetiere vereint, fehlt ihnen ein wichtiges Detail – die Plazenta. Ein Wunderwerk der Natur, das die Plazentatiere in die Lage versetzt, den Embryo (ab der 9. Schwangerschaftswoche Fötus) im Mutterleib zu entwickeln und zu ernähren.

Das tierische Leben begann im Wasser, daher war der nächste Schritt den die Evolution ging, das Leben unabhängig vom Wasser zu ermöglichen. Dazu war nicht nur eine Änderung des Skeletts nötig. Die erste Gruppe der „Vierfüßler“ oder Tetrapoden waren Amphibien. Um von Gewässern unabhängig zu werden, war ein weiterer Schritt erforderlich. Die Fortpflanzung musste neue Wege gehen. So entwickelten sich Eier, die mit einer festen Schale, einer Membran (Schutz vor Austrocknung) und einem Dotter die Entwicklung des Nachwuchses außerhalb des Wassers ermöglichten. Diese ersten Landwirbeltiere werden Amnioten genannt. Schaut man sich die biologische Systematik an wird auffallen, dass heute als Landwirbeltiere (Vierfüßler) auch Amphibien, Reptilien (auch Schlangen), Vögel oder Robben und Wale als Tetrapoden eingeteilt werden. Es hat schlicht damit zu tun, dass einige Gruppen im Lauf der Evolution Gliedmaßen zurückgebildet haben (die Schwingen von Vögeln) oder sogar vom Land ins Wasser zurückkehrten. Aber zunächst waren im Zeitalter Devon die ersten Landgänger Amphibien und die Vorgänger der Reptilien.

Der nächste Schritt zum Säugetier konnte nun getan werden. Mit dem Landgang war es den Tieren möglich, neue Lebensräume zu erobern und neue Nahrungsressourcen zu erschließen. Wir sind nun in der Periode des Perms vor etwa 325 Mio. Jahren. Amnioten spalteten sich in zwei Linien auf. Einerseits in Synapsiden, die sich zu Säugetieren entwickelten, und Diapsiden, aus denen die heutigen Reptilien und Vögel hervorgingen. Es stellt sich die Frage, was war der entscheidende Clou, der eine so unterschiedliche Entwicklung begünstigte? Es war eigentlich eine Kleinigkeit, aber mit großer Tragweite. Ein einzelnes Schädelfenster in der hinteren Schädelseitenwand, während die Diapsiden deren zwei hatten. Vorteil von nur einem Schädelfenster war, dass Platz geschaffen wurde für eine größere Kiefermuskulatur, was wiederum zur Folge hatte, dass Gebiss und Gehirn zukünftig modifiziert werden konnten. Trotzdem waren die Synapsiden in ihrer Frühform Reptilien, die im Aussehen und vielleicht auch im Verhalten diesen sehr ähnlich waren. Eine dieser Frühformen waren die Pelycosaurier und einer ihrer wichtigen Vertreter Dimetrodon.

Dimetrodon brachte die Weiterentwicklung zum Säuger so richtig in Schwung. Er verfügte als Fleischfresser über zwei unterschiedlich geformte Zahnreihen, was als eine erste Stufe in der Entwicklung eines Säugetiergebisses gesehen wird. Nachfolger der Pelycosaurier waren vor etwa 275 Mio. Jahren Therapsiden. Sie entwickelten zahlreiche Neuerungen, die sie in die Lage versetzten, ihre Körpertemperatur zu regeln. Die Beine wanderten unter den Körper, was die Beweglichkeit enorm erhöhte. Weitere Modifikationen betrafen Gebiss und Schläfen. Diese Therapsiden waren immer noch keine Säugetiere, entwickelten aber einige deren typischen Kennzeichen. Etwa 400 Gattungen dieser Gruppe sind heute bekannt, die meisten starben mit dem Ende des Perms und Beginn der Trias aus. Verantwortlich dafür war das dritte große Massenaussterben zu dieser Zeit, verursacht von einem massiven Klimawandel. Man schätzt, dass 70-90% aller Tier- und Pflanzenarten dem Massensterben zum Opfer fielen. Eine Gruppe der Therapsiden überlebte und passte sich im Lauf der Trias an die neuen Lebensbedingungen perfekt an. Es waren die bereits vor 270 Mio. Jahren lebenden Cynodontier, die bis zum Erscheinen der Dinosaurier mit einer großen Artenvielfalt zur dominierenden Tiergruppe wurden. Aber auch sie waren keine echten Säugetiere. Sie hatten noch Reptilienkiefer, aber mit der Zeit entwickelten sich ein besonderes Kieferngelenk, das nicht nur für Bisskraft und Kautechnik, sondern auch für die Weiterentwicklung des Gehörs wichtig war. So wurde von Chinesischen Paläontologen ein Schädel gefunden der nur 12mm lang war, aber zum ersten Mal über die revolutionäre Neuerung des Gehörs verfügte. Kiefer und Mittelohr waren getrennt und die drei Ohrknöchelchen (Hammer Ambos u. Steigbügel nachweisbar. Das Tier erhielt den Namen Hadrocodium wui, es lebte vor ca. 195 Mio. Jahren.

Auf einem vergrößerten und stabilen Kiefergelenk konnte nun ein Gebiss entwickelt werden wie wir es heute kennen. Die wichtigste Neuerung waren die Backenzähne (Molaren), die mit ihren Höckern und der Passgenauigkeit von Ober– und Unterkiefer dafür sorgten, dass jede Art von Nahrung zerkleinert werden konnte. Haramiyiden und die sich wahrscheinlich daraus entwickelnden Multituberculata (235 bis 40 Mio. Jahre) und Docodontier (165 bis 70 Mio. Jahre) waren die ersten, die über diese modernen Gebisse verfügten. Aufgrund der großen Ähnlichkeit von Kiefer und Gebiss mit modernen Säugetieren, werden sie als Seitenzweig bzw. in eine Gruppe der Säugetierartigen gezählt. Allerdings wurden sie im Eozän bzw. zum Ende der Kreidezeit von den modernen Säugetieren verdrängt und starben aus.

Dass alle diese Tiere solch erstaunliche Entwicklungen machen konnten lag auch an einer evolutionären „Neuentwicklung“ bei den Pflanzen, denn ab dem Übergang von Oberjura (160 Mio Jahre) zur Unterkreide (140 Mio. Jahre) traten die Angiospermen (Bedecktsamer oder Blütenpflanzen) aus dem Schatten der bis dahin vorherrschenden Pflanzen (Nacktsamer = Kiefer, Farne etc.). Nun gab es schmackhafte und nährstoffreiche Früchte, Triebe, Blüten und andere Pflanzenteile. Als Folge davon erweiterte eine Vielzahl neuer Insekten zusätzlich das Nahrungsangebot.

Bild oben: eines meiner Lieblingssäugetiere – Max.
Die Bilder der 1. Galerie entstanden im Zoos Heidelberg u. Duisburg, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Naturkundemuseum Schloss Rosenheim Stuttgart. Die Bilder der 2. Galerie Senckenberg Museum Frankfurt, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe u. Museum am Löwentor Stuttgart.

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Säugetiere II + Zeittafel

Apokalypse und Triumph des Lebens

Das Erscheinen der Dinosaurier. Nach den Massenaussterben im Obertrias (235 – 208 Mio Jahren) gefolgt von der Krisenzeit an der Trias/Jura Grenze konnten Dinosaurier die ökologischen Nischen, die ihre Vorgänger und viele der ersten Synapsiden hinterließen, besetzen. Das taten sie auch, wie man weiß, sehr erfolgreich. Sie bildeten unfassbar viele, teils riesige Formen und Arten und beherrschten die damalige Welt. Die langsam auseinander triftende Pangäa verteilte sie auf die neu entstandenen Kontinente, wo sie weiterhin dominierend und erfolgreich blieben, bis vor 66 Mio. Jahren.

Und was geschah mit den Säugetieren bzw. deren Vorläufer die ich bereits oben beschrieben habe? Die Zauberworte hießen Anpassung und Liliput-Effekt. Die angehenden Säugetiere schrumpften auf die Größe von Mäusen oder Murmeltieren. Sie mussten einfach verschwinden können, um ihren zahlreichen Fressfeinden zu entgehen. Das bedeutete auch Unterschlupf in Höhlen oder Bäumen und Nachtaktivität. Und nun wird uns auch klar, warum viele dieser evolutionären Anpassungen erforderlich waren. Das Fell und ein selbst zu regulierender Wärmehaushalt waren gut für ein Leben untertage und bei nächtlichen Streifzügen. Die Entwicklung von Milchdrüsen entband die Elterntiere vom Herbeischaffen der Nahrung (man denke an Vögel) und der Nachwuchs war sicher in Bruthöhlen untergebracht. Die Entwicklung der Gebisse eröffnete neue Nahrungsressourcen und ein empfindliches Gehör war überlebenswichtig, wenn Dinosaurier in allen Größen und Formen um einem herumstapften oder flogen.

Nun wirst Du liebe Leserin, lieber Leser sagen: Ja aber… die Entwicklung der Säugetiermerkmale hat ja schon weit vor dem Erscheinen der Dinosaurier begonnen!“ Und das stimmt natürlich. Es waren für alle Lebewesen seit dem Landgang sehr schwierige Bedingungen die sie vorfanden und schon in der Anfangszeit galt es, seinen Platz in der sich ständig verändernden Welt zu finden und zu behaupten. Tatsache aus meiner Sicht ist jedoch, dass das Auftreten der Dinosaurier und ihre Vorherrschaft der Evolution der Säugetiere einen gewaltigen Schub versetzt hat.

Ob es jemals unter diesen Gegebenheiten Primaten oder Homo sapiens gegeben hätte? Wir wissen es nicht, aber ein Ereignis vor 66 Millionen Jahren bedeutete Ende und gleichzeitig Neuanfang für die meisten Lebewesen auf unserem Planeten. Ein Asteroid (oder Komet) mit einem Durchmesser von etwa 14 km raste auf die Erde zu und schoss nicht links oder rechts vorbei (die Wahrscheinlichkeit war bestimmt hoch) nein, er schlug auf der Erde ein, in einem Gebiet das wir heute die Halbinsel Yucatán in Mexiko nennen und die zu dieser Zeit im tropischen Flachwasser lag. Die Folgen waren verheerend. Die Masse die dort einschlug entsprach in etwa der Masse des heutigen Mount Everest. Der Krater* den er schlug war etwa 40 km tief und 180 km breit. Im Umkreis von 1000 km erstarb jegliches Leben, verursacht durch die gewaltige Explosion, die Energie in Form von Hitze, Licht und einer enormen Druckwelle freisetze. Selbst im Umkreis von 2500 km kämpfte alles Lebende mit Erdbeben, orkanartigen Stürmen und wurde mit einem Hagel aus glühendem Gestein überzogen. Der Ruß der Brände und der in die Atmosphäre geschleuderte Sand ergaben einen tödlichen Cocktail, der durch die Luftzirkulation über die Stratosphäre verteilt wurde. Die Folge – ein nuklearer Winter, Dunkelheit, die wohl mehrere Jahre anhielt. Allerdings war dies noch nicht das Ende der Katastrophe. Eine durch tektonische Schockwellen erhöhte Vulkantätigkeit im Bereich des heutigen Indiens sorgte für sauren Regen und vergiftete zusätzlich Land und Ozeane. Und als wäre das nicht genug, hatte der Einschlag eine sogenannte Karbonatplattform getroffen, die in der Folge verdampfte und Kohlendioxid in großen Mengen in die Atmosphäre entließ. So wurde der nukleare Winter nach einigen Jahren von einer durch das Treibhausgas verursachten Erderwärmung abgelöst.

Geschätzte 75% aller Arten starben aus. Dinosaurier und alle großen Reptilien verschwanden und im nun anbrechenden Paläozän mussten komplett neue Ökosysteme entstehen. Wobei die Erholung in der südlichen Hemisphäre deutlich schneller voranschritt als auf der Nordhalbkugel. Zu Beginn des Zeitalters hatte Gondwana sich bereits vom Nordteil getrennt. Australien, Südamerika und Antarktika waren noch verbunden, während Afrika und Indien bereits weiter nördlich lagen und ebenfalls noch miteinander verbunden waren. Das nördlich gelegene Laurasia mit Nordamerika, Grönland und Europa bildete noch eine Einheit Nordamerika hatte mit Ostasien Kontakt. Es entwickelten sich viele neue Säugetierarten, manche mit abenteuerlichem Aussehen, teils riesig groß und schwer.

Gegen Ende des Paläozäns verursachte eine gestiegene Vulkantätigkeit, Magmaaustritte im Meer (z.B. bei Island) die Trennung Europas von Grönland und Nordamerika. Als weitere Folge kam es zu einem erhöhten CO2 Ausstoß der zu einer Erderwärmung von 5°-8°C führte. Dieses Phänomen wird Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum (PETM) genannt und dauerte etwa 170.000 bis 200.000 Jahre. Die Folgen kann man sich vorstellen, der zwar kurze aber heftige Klimawandel verursachte erneut den Zusammenbruch der Ökosysteme. Die Tiere reagierten mit einer erneuten Verzwergung aufgrund des Nahrungsmangels, große Tiere hatten keine Chance. Viele Gattungen starben aus.

Trotz dieses schwierigen Starts wurde das Eozän zu einem Meilenstein in der Entwicklung der Säugetiere. Der Name leitet sich von der griechischen Göttin Eos, der Göttin der Morgenröte ab und es wurde tatsächlich ein Neubeginn. Viele der „modernen“ Plazentatiergruppen entstanden, wie Nagetiere, erste Primaten und Paarhufer. Eine der unglaublichsten Anpassungen die die Evolution hervorgebracht hat möchte ich herausgreifen. Es begann mit einem Paarhufer namens Indihyus vor etwa 48 Mio. Jahren in Indien, das zu dieser Zeit noch eine Insel, auf dem Weg nach Asien war.

Indohyus major, ein pflanzenfressender Wal-Vorfahr aus dem Mittelen-Eozän von Kaschmir, Bleistiftzeichnung, digitale Färbung von Nobu Tamura (http://spinops.blogspot.com)

Das Tierchen war etwa so groß wie ein Waschbär, mit einem schlanken Körperbau und dünnen Beinen. Es zog sich bei Gefahr oder zum Fressen ins Wasser zurück. Der Paläontologe Hans Thewissen stellte 2007 anhand eines Skelettfundes die Verwandtschaft mit Walen (und den entfernt verwandten Nilpferden) fest. Die Besonderheit war im Ohr zu finden. Die sogenannte Paukenblase ist bei Walen geformt wie eine Meerschnecke und hart wie Stein. Eine anatomische Gemeinsamkeit dieser beiden so unterschiedlichen Spezies. Im Lauf der Millionen Jahre passten sich die Übergangsformen immer mehr dem Leben im Wasser an, Beine wurden nach und nach zu Flossen. Geschuldet war der Wechsel vom Land zum Wasser wahrscheinlich den dramatischen klimatischen Änderungen der folgenden Zeitalter. Und befreit von allen „Gewichtsproblemen“ konnten die Tiere wachsen und ihre Körper dem Auftrieb des Wassers überlassen.

Dem Eozän (Dauer 22 Ma) folgten Oligozän (10,6 Ma), Miozän (17 Ma), Pliozän (2,7 Ma) und Pleistozän, das vor 2,8 Ma begann und vor 11.650 Jahren in das heutige, noch andauernde Holozän überging. Wir sprechen also von 56 Millionen Jahren in denen Klimaänderungen den Planeten ständig neu formten und die Evolution von Fauna und Flora ständig fortschritt, um das Leben den jeweiligen Gegebenheiten bestmöglich anzupassen. Warmzeiten und Kaltzeiten wechselten sich ab. Die Megafauna mit Mammuts, Riesenhirschen oder gigantischen Faultieren kam und verschwand und es entstand, was wir heute moderne Säugetiere nennen.

Das Ende: Es wird kein Ende geben. In fast viereinhalb Milliarden Jahren hat die Natur mit der Evolution mehrfach gezeigt wozu sie fähig ist. Ob das 6. Massensterben nun von Meteoreinschlägen, Vulkanausbrüchen oder wahrscheinlich vom Menschen ausgelöst wird, ist dabei egal. Und wir, die Überlebenskünstler, die Klugen, die Krone? Ich stelle mir mal folgendes vor: Gott blickt auf die Erde, schüttelt den Kopf und sagt: „Was ich in 7 Tagen erschaffen habe, habt ihr in Minuten ausgelöscht. Euch ist nicht mehr zu helfen.“ Für weniger bibelfeste unter Euch folgendes Bild: Wir sägen auf dem Ast auf dem wir sitzen und weil wir ja alles erreichen, schaffen wir es natürlich ihn durchzusägen. Dumm und… Schade eigentlich.

*Chicxulub-Krater
Info zur Zeittafel: mya – million years ago / Millionen Jahre her
ma – „megaanum“ steht für eine Zeitspanne von 1 Million Jahren.

Bild ganz oben: Messeler Urpferdchen gefunden in der Grube Messel bei Darmstadt
Bei meinen Recherchen war mir das Buch von Steve Brusatte „Eine neue Geschichte der Säugetiere“ sehr hilfreich.

Für uns Besserwisser:
Die geochronologischenn Hierarchieebenen einer Zeittafel lauten:
Äon – von griech. für „Ewigkeit“
Ära – mittellat. „Zeitalter“
Periode griech. „sich wiederholender Abschnitt“
Epoche griech. für „Haltepunkt“
Alter

Seekühe

In diesem Beitrag muss ich mit einer Entschuldigung beginnen. Seekühe – in diesem Fall Manatis – werden nicht oft in Zoos gezeigt. Da die Zoos versuchen den natürlichen Lebensraum nachzubilden und Seekühe nun mal an tropischen Küsten und Flussdeltas leben, hat man als Hobbyfotograf ein großes Problem. Spiegelnde Glasscheiben, schlechtes Licht, trübes Wasser mit allerlei darin schwebenden Feststoffen trüben auch meine Freude beim Betrachten der Bilder. Sei‘s drum, ich glaube das Thema ist so interessant, dass die Tiere einen Beitrag verdient haben. Und es gibt da noch die Geschichte um die Stellersche Seekuh, die ich zumindest in Kurzform unbedingt erzählen möchte.

In meinem Beitrag „Rotschulter-Rüsselhündchen“ hatte ich schon geschrieben, dass Seekühe in die Überordnung Afrotheria der Höheren Säugetiere gehören und somit Verwandtschaft zu diesen und Elefanten besteht. Skelettfunde aus Ungarn belegen, dass es vor etwa 50 bis 60 Mio. Jahren bereits die Vorgänger von Seekühen gab. Diese konnten sich noch auf vier Beinen bewegen, lebten aber wahrscheinlich schon überwiegend im flachen Wasser der Tethys. Die Tethys war eine riesige Bucht, die der Superkontinent Pangaea im Osten bildete. An dieser Bucht lagen bis zu ihrer Trennung die heutigen Kontinente Asien, Europa, Afrika und Australien. Da die Kontinentalränder zum Teil sehr flache Randmeere bildeten, bot es der Entwicklung der Seekühe zu reinen Wasserbewohnern beste Voraussetzungen. Während ihrer Entwicklung über Millionen Jahre entstanden viele verschiedene Arten von Seekühen. Der Klimawandel (Eiszeiten) während des Pleistozäns (vor 2,3 Mio. – bis 12.000 Jahren) war wohl dafür verantwortlich, dass die meisten nicht überlebten und es deshalb heute nur noch vier Arten gibt.


Die Gattung Seekühe unterscheidet zwei Familien:
•       die Gabelschwanzseekühe umfassen heute nur noch eine lebende Art, den Dugong. Bis vor etwa 250 Jahren gab es noch eine weitere, heute aber ausgestorbene Art, Stellers Seekuh in der Beringsee.
•       die Rundschwanzseekühe, auch Manatis genannt, umfassen drei Arten in dieser Gattung, den Karibik-Manati, den Amazonas-Manati und den Afrikanischen Manati.

Alle heute noch lebenden Arten der Seekühe findet man an flachen Küsten tropischer Gewässer. Den Dugong im Indischen Ozean und nordwestlich von Australien. Manatis verbreiten sich über den Golf von Mexiko, die Karibik bis zur Küste Brasiliens. Der Amazonas Manati ist die kleinste und einzige Art, die im Süßwasser lebt. Afrikanische Manatis leben vor der Westküste Afrikas vom Senegal bis zum nördlichen Angola.

Mit einer Körperlänge von 2,50 bis 4,00 m und einem Gewicht zwischen 250 und über 700 kg haben sie wenige Fressfeinde. Es ist verständlich, dass bei diesen Körpermaßen die Nahrungsaufnahme einen erheblichen Teil des Tages ausmacht. Seekühe sind dabei nicht an Tageszeiten gebunden. Sie können sowohl am Tag als auch in der Nacht auf Futtersuche gehen. Während Dugongs ausschließlich Pflanzen auf dem Meeresboden fressen, weiden Manatis Seegrasinseln, Mangrovenblätter und andere Wasserpflanzen an der Oberfläche ab. Etwa alle 5 Minuten kommen sie zum Atmen an die Oberfläche, können aber auch bis zu 20 Minuten tauchen.

Außer einer engen Mutter/Kind Beziehung sind Seekühe Einzelgänger. Man trifft sie aber auch in Familienverbänden oder größeren Gruppen (wenn Futterknappheit herrscht) an. Sehr interessant ist die Verständigung der Tiere untereinander. Sie verständigen sich über das Aussenden von Geschmacks- und Geruchspartikeln und durch hohes Gurren oder Zirpen. Die Mutter/Kind Kommunikation gleicht einem Duett. Bisher konnte jedoch noch nicht erklärt werden, wie sie diese Töne erzeugen, denn Seekühe besitzen keine Stimmbänder. Das Hörvermögen beschränkt sich auf hohe Frequenzen ab etwa 600 Hertz. Leider wird das den in der Karibik und Florida lebenden Tieren häufig zum Verhängnis, da sie die tieftönenden Motorbootgeräusche nicht hören können.

Man geht davon aus, dass Weibchen, sofern das Futterangebot ausreichend ist, das ganze Jahr über empfangsbereit sind. Sie paaren sich mit mehreren Männchen, ohne dass es dabei zu Rivalitäten unter den Bewerbern kommt. Nach etwa einem Jahr wird ein Junges geboren, das etwa 18 Monate gesäugt wird und auch anschließend noch einige Zeit in der Nähe der Mutter bleibt.

Alle Bilder dieser Galerie zeigen Amazonas-Manatis. Die oberen 3 Bilder entstanden im Zoo Nürnberg, die unteren 3 im Zoo Duisburg.

Ich habe geschrieben, dass Seekühe keine natürlichen Feinde haben, allerdings ist der Mensch zum Feind Nummer 1 geworden (natürlich). Pestizide, eingeleitete Industrieschadstoffe durch Industrieanlagen und Verlust von Lebensraum dezimieren die Zahl der Seekühe schon viele Jahre weltweit. Ein Absterben der Seegraswiesen an Floridas Küsten verursacht durch die genannten Faktoren war am Tod von an die 1000 Tieren im Jahr 2021 schuld. Nun hat der Bundesstaat Schutzmaßnahmen ergriffen und man kann nur hoffen, dass sie sich als wirksam erweisen.

Zeichnung von Stellers Seekuh aus Henry Neville Hutchinsons 1892 erschienenem Buch Extinct Monsters. (© Biodiversity Heritage Library, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Stellers Seekuh

Die Entdeckung dieser Art in der Beringsee ist eng verbunden mit einer unvorstellbaren vom Menschen verursachten Naturkatastrophe und dem tragischen Schicksal der Expeditionsmannschaft und letztlich auch des Entdeckers und Wissenschaftlers Georg Wilhelm Steller.

1730 beschloss die russische Kaiserin Anna Iwanowna eine Expedition nach Kamtschatka zu senden, um von dort die nördlichen Küsten Russlands zu vermessen und den Seeweg nach Amerika und Japan zu erkunden. Mit der Leitung der sogenannten „Großen nördlichen Expedition“ die von 1733 bis 1743 dauerte wurde Kapitän Vitus Bering beauftragt, der zuvor schon die erste Kamtschatka-Expedition geleitet hatte (im Auftrag Zar Peter I.).

Georg Wilhelm Steller (geb. 1709 in Windheim, Mittelfranken) stieß nach Aufforderung durch Bering zur Expedition. Steller war Ethnologe und Naturforscher aber auch Arzt und als solcher wurde er von Bering auf dem Flaggschiff „St. Peter“ angeheuert. 1741 stachen die „St. Peter“ und die „St. Paul“ in See. Ende Juli erreichte die St. Peter die heutige Insel Kayak Island. Aufgrund der Wetterlage beschloss Bering jedoch eine zügige Rückkehr, die allerdings absolut chaotisch verlief. U.a. war Bering zu dieser Zeit bereits sehr krank und sein Durchsetzungsvermögen schwand zusehends. Am 16. November strandete das stark beschädigte Schiff auf einer Insel, die die Besatzung fälschlicherweise für Kamtschatka hielt tatsächlich aber etwa 500 Meilen nördlich davon lag. Bering verstarb dort und die Insel wurde nach ihm „Bering-Insel getauft.

Steller sammelte während des neunmonatigen, erzwungen Aufenthalts Proben von Mineralien, Pflanzen, zeichnete Vögel und notierte akribisch das Verhalten der dort lebenden Tiere, wie beispielsweise das von Robben oder Polarfüchsen.

Während seines Aufenthalts auf der Bering-Insel erforschte er auch die in Ufernähe lebenden Seekühe. Im Gegensatz zu deren nahen Verwandten den Dugongs waren diese jedoch zwischen 8 und 9 Metern lang und 5000 bis 8000 kg schwer. Natürlich war es schnell klar, welch ungeheure Essensvorräte diese zutraulichen Tiere liefern konnten und so begann das Schlachten. Steller kehrte mit der verbliebenen Mannschaft im August 1742 aufs russische Festland zurück. Mit seinen Exponaten und Aufzeichnungen verließ er Kamtschatka 1744 in Richtung St. Petersburg, das er nie erreichte. Er starb 1746 im westsibirischen Tjumen an Krankheit und Erschöpfung.

Alle Seefahrer und Pelztierjäger die die Bering-Insel anliefen, bedienten sich nun der kostenlosen Nahrungslieferanten und so nahm die von mir anfangs erwähnte Katastrophe ihren Lauf.  Das letzte Tier wurde 1768 von Jägern getötet. Stellers Seekuh war nach 27 Jahren ihrer Entdeckung bereits ausgestorben. Ähnlich erging es übrigens den Polarfüchsen, deren wertvolle Felle von den überlebenden Expeditionsteilnehmern auf dem Festland zu hohen Preisen verkauft wurden und die damit einen Run auf diese Tiere auslösten, der sie sowohl in Russland als auch in Alaska fast ausrottete.

Alle Bilder Senckenbergmuseum Frankfurt – Gabelschwanz- und Rundschwanz-Manati

Für uns Besserwisser:
Polyandrie: Die Polyandrie (Vielmännerei) ist eine Form der Polygamie, bei der sich innerhalb der gleichen Fortpflanzungsperiode ein Weibchen mit mehreren Männchen paart, die Männchen jedoch nur mit diesem einen Weibchen. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet in etwa „Reichtum an Männern“.

Bei Nachforschungen zu Steller war mir das Buch von Auro Koivisto „Georg Wilhelm Steller – Die Opfer einer Forschungsreise“ sehr nützlich.

Serval

Man kann nicht umhin vielen Tieren in Aussehen und Bewegung eine gewisse Eleganz zuzusprechen. Servale gehören mit ihrer schmalen hochbeinigen Erscheinung und der attraktiven Zeichnung definitiv dazu. Sie haben von allen Katzen die längsten Beine, sie verleihen dem Tier eine unglaubliche Sprungkraft. Die Körperlänge misst max. 95 cm und die Schulterhöhe max. 65 cm. Der Kopf ist recht klein, wodurch die breiten, langen Ohren schon fast überdimensioniert wirken.

Systematisch gehört der Serval innerhalb der Familie der Katzen zur Unterfamilie der Kleinkatzen. Eine enge Verwandtschaft besteht zu den ebenfalls in Afrika vorkommenden Karakals und Goldkatzen. Das Verbreitungsgebiet wird in der folgenden Karte dargestellt, wobei blau aktuell und rot ausgestorben bedeutet.


In den Maghreb-Staaten Tunesien und Algerien und der Westsahara gilt der Serval als ausgestorben, allerdings gab es Versuche, die Tiere in Tunesien wieder anzusiedeln. In Marokko wird vermutet, dass es einen kleinen Bestand geben könnte. Der Lebensraum umfasst die mit Gras bewachsenen Savannen und Buschgebiete, die über Wasserstellen und Flussläufe verfügen, außerdem Galeriewälder und Bergwiesen bis in 2000-3000 m Höhe und schilfbewachsene Sumpfgebiete. Die Tiere sind von Wasservorkommen abhängig.

Wer nun denkt das Jagdverhalten könnte wegen der langen Beine dem von Geparden ähneln, zumal der Lebensraum dafür ja ideal wäre, der irrt. Servale sind keine schnellen Jäger. Sie lauern ihrer Beute auf. Im hohen Gras sind die langen Beine und ihr überragendes Gehör von großem Nutzen. Sie können ihre Beute, meistens Nager aber auch kleine Antilopen, Reptilien und auffliegende Vögel, mit dem Gehör verorten, schleichen sich an, springen hoch und haken sie mit den Krallen fest. Sie sind in der Lage ihre Beute auch in unterirdischen Gängen aufzuscheuchen und sie mit blitzschnellen Tatzenhieben aus dem Bau oder aus Felsspalten zu ziehen.

Beschränkt sich die Beute im Wesentlichen auf kleine Tiere, sind Servale gezwungen den überwiegenden Teil des Tages zu jagen. Man kann sie dann mit lauschendem aufmerksamem Blick durch ihr Revier ziehen sehen. Unterbrochen werden die Jagdzüge nur durch etwa einstündige Pausen, die sie in Erdlöchern verbringen und natürlich ruhen sie während der heißen Tageszeit im Schatten.

Die Größe ihres Jagdreviers ist sehr unterschiedlich, kleiner bei Weibchen etwas größer bei Männchen. Das Kerngebiet kann zum Beispiel 1,5 qkm groß sein, während sich das gesamte Revier zwischen 6 und 32 qkm ausdehnen kann. Dies hängt von Umweltfaktoren (z.B. Wasserstellen), Beutedichte, Störungen durch Menschen (z.B. Landwirtschaft) oder anderen Raubtiere (Dichte an Löwen oder Hyänen) ab. Auch die Zeit der Aktivität wird diesen Faktoren angepasst. Obwohl Servale eigentlich tagaktive Tiere sind.

Servale markieren ihre Reviere sehr intensiv, wobei sich Reviere von Männchen und Weibchen überschneiden können. Ansonsten verteidigen insbesondere Männchen ihr Gebiet vehement gegen Eindringlinge.

Servale sind Einzelgänger und treffen mit dem anderen Geschlecht nur zur Paarung zusammen. Mütter nehmen ihre Jungen (üblich 1-3) ab dem sechsten Lebensmonat mit auf die Jagd. Im Zoo kann das Sozialverhalten dahingehend verändert werden, dass eine gemeinsame Haltung beider Geschlechter möglich ist.

Obwohl die Art in einigen Gebieten ausgestorben ist (südafrikanische Kap-Region), ist der Bestand im Großen und Ganzen nicht gefährdet. Genauere Bestandszahlen liegen jedoch nur für die Schutzgebiete vor, außerhalb dieser Zonen stützt man sich auf Vermutungen. Ihre große Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichen Gegebenheiten in ihren jeweiligen Lebensräumen helfen, den Bestand hoffentlich auch in Zukunft zu sichern.

Servale werden im deutschsprachigen Raum in etwa 60 Zoos und Tiergärten gehalten. Leider wird kein Zuchtbuch geführt. Und wie meine Bilder zeigen erwischt man sie häufig in Ruhephasen.Die folgenden Bilder wurden alle in der wilhelma Stuttgart aufgenommen

Die folgenden Bilder wurden alle in der Wilhelma Stuttgart aufgenommen. Im Anschluss an die Bildergalerie findet ihr noch einen Beitrag über Savannahs

die folgenden Bilder wurden im Zoo Saarbrücken 03/25 aufgenommen


Savannahs

Liebe Leserin, lieber Leser stellt Euch vor, man käme auf die Idee das domestizierte Tier Mensch und einen seiner wildlebenden nächsten Verwandten – vielleicht einen Schimpansen – zu kreuzen. Ein ethischer Aufschrei und moralische Entrüstung auf diese Entgleisung wären die Folgen. Behalten wir uns dieses Szenario einmal im Hinterkopf.

Wer zu Servals recherchiert oder sich mit Wildkatzen allgemein beschäftigt, kommt um das Thema Savannahs nicht herum. Bereits in den 1960er Jahren wurde mit Katzenhybriden experimentiert. Damals noch um Resistenzen gegen die Feline Leukämie-Infektion bei Hauskatzen zu entwickeln. 1986 gelang es jedoch der Amerikanerin J. Frank, einen Serval-Kater mit einer Siamkatze zu verpaaren. Nun möchte ich gar nicht genau wissen, wie das der Dame gelungen ist. Fest steht, dass eine Hauskatze sich nie mit einer Wildkatze paaren würde. Größenunterschied und der kräftige Nackenbiss des Katers sind definitiv nicht artgerecht im Hinblick auf Hauskatzen. Für das Muttertier bedeutet dies sehr oft eine Verletzung, häufig auch den Tod. Ganz zu schweigen von der Geburt der Welpen die eine enorme Größe im Vergleich zu normalen Katzenwelpen erreichen und daher meist per Kaiserschnitt geboren werden müssen. Männliche Tiere der ersten Generationen (F1-4) sind unfruchtbar, erst ab der Generation F5 können Savannahs mit Savannahs verpaart werden.

Wichtig dabei ist zu wissen, dass die erste Generation (F1) einen Wildblutanteil von etwa 50% hat, der dann von Generation zu Generation sinkt, F5 hat einen Anteil von etwa 3%. Decken Savannah-Kater allerdings Savannah-Katzen steigt dieser wieder. 2012 wurden Savannahs ab F5 als Rasse von der TICA akzeptiert.

Zukünftige Halter, die für einen solchen Hybrid zwischen € 1000 und € 10.000 auf den Tisch legen, unterschätzen oft die Wildtiereigenschaften ihrer neuen Hausgenossen. Mit den Anschaffungskosten ist es auch nicht getan. Freigehege, Warmhaus für den Winter sind wohl nur einige Posten, die zusätzlich kalkuliert werden müssen.

Warum macht man das also? Auf einer Homepage für Hybrid-Katzen steht zu lesen:
„Diese Hybridkatzen teilen eine markante Eigenschaft: Sie sind wild und unglaublich schön anzusehen, anders als die gewöhnliche Hauskatze von nebenan.“

Hier wird also nichts anderes befriedigt als das menschliche Ego. Man will sich vom „Normalo“ absetzen und seinen Instagram oder TikTok Account füllen. Justin Bieber hat wohl 390.000 Follower auf dem Account, den er 2019 für seine beiden Savannahs eingerichtet hat. (SZ „Mein Haus, mein Auto, mein Raubkätzchen“ vom 31.05.2021)

Wäre der Einsatz menschlichen Erfindergeists und Experimentierfreude nicht auf anderen Gebieten sinnvoller? Und wo bleiben ethischer Aufschrei und moralische Entrüstung?

Für uns Besserwisser:
F1-5: F steht für Filialgenerationen oder Tochtergeneration. F1 ist also die erste Generation nach der Kreuzung zweier Individuen. F2 wäre dann die Enkelgeneration usw.
Nackenbiss: Der Kater beißt die Katze während des Paarungsaktes in den Nacken und fixiert sie so. Durch den Paarungsakt bzw. die physische Stimulation erfolgt der Eisprung bei der Katze.

Wilhelma

Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart

Genau genommen blickt die Alpensteinbockgeiß nicht von ihrem Felsen nach Stuttgart, sondern nach Bad Cannstatt, dem größten Stadtbezirk Stuttgarts. Und dieser Ort ist nicht nur für seinen „Cannstatter Wasen“ bekannt, sondern auch für 19 Mineralquellen, deren Entdeckung mit der Geschichte der Wilhelma eng verbunden sind.

  • Geschichte und wichtige Personen

Seit 1816 ist Wilhelm I König von Württemberg. Seine Gattin Katharina von Württemberg (1788–1819) entschließt sich, eine Sommerresidenz für ihre Familie in Bad Cannstatt auf dem Rosenstein bauen zu lassen. Sie verstirbt früh, mit 30 Jahren, aber Wilhelm I erfüllt ihren Wunsch und so beginnen die Bauarbeiten im Jahr 1824. Im zum Schloss gehörenden Park findet man 1829 während der Bauarbeiten Mineralquellen. Auf Wilhelms Wunsch erweitert der Architekt Karl Ludwig von Zanth die Schlossanlage um ein Badhaus (später Wohnhaus), einen Garten und weitere Gebäude. Die auf Wunsch von Wilhelm im „maurischen Stil“ konzipierte Anlage wird von ihm „Wilhelma“ getauft. Mit der Errichtung des „Wintergartens“ wird die Wilhelma 1853 nach den Plänen Zanth’s fertiggestellt. Zanth stirbt 1857. 1864 vervollständigt der Architekt Wilhelm Bäumer mit der „Damaszenerhalle“ die historische Wilhelma. Die Monarchie endet 1919 und sowohl Schloss und Park Rosenstein als auch die Wilhelma gehen in Staatsbesitz über. Die Wilhelma ist bis dato ein botanischer Schaugarten.

Außer der Damaszenerhalle wird die Wilhelma am 19. und 20. Oktober 1944 bei einem Luftangriff völlig zerstört, aber bereits 1949 wieder eröffnet. Der Naturwissenschaftler und Architekt Albert Schöchle, der seit 1933 Direktor des Gartens ist, initiiert zunächst Tierschauen und beginnt 1953 mit dem Bau der ersten dauerhaften Tiergehege. Die Wilhelma wird bis zu seinem Dienstende 1970 erweitert und ist damit zum zoologisch-botanischer Garten geworden.


  • Schwerpunkte

Wie in den modernen Zoos üblich, hat sich auch die Tierhaltung in der Wilhelma von der Sammelleidenschaft früherer Zoodirektoren dahingehend gewandelt, dass Themenbereiche z.B. nach Kontinenten oder Regionen geschaffen werden. Das hat den Vorteil, dass den Tieren mehr Raum zur Verfügung steht. So ist einer der Schwerpunkte in der Tierhaltung Südamerika (mit einer Freianlage und dem Amazonienhaus) oder die 2022 fertiggestellte Terra Australis.

Im botanischen Bereich ist ein Schwerpunkt kaum auszumachen, zu groß ist die Vielfalt der Pflanzen. Als Beispiele seien genannt: die historische Gewächshauszeile mit Ananasgewächsen, Orchideen und Insektivoren, das Maurische Landhaus mit Baumfarnen oder der kleine Mammutbaum-Wald der im Todesjahr Wilhelms (1864) gepflanzt wurde.

  • Artenschutz und Zucht

In der Wilhelma leben etwa 11.000 Tiere in 1200 Arten*. Zu den besonderen Zuchterfolgen in den letzten Jahren gehören die Geparden-Fünflinge (2022), ein Schabrackentapir (2022), Serval Zwillinge (2023), Hirscheber (2024), Riesentukane und Ende 2024 Zwillinge bei den Koalas. Aus meiner Sicht auch etwas Besonderes, die seit 1989 erfolgreiche Nachzucht von Okapis mit bisher 14 Jungtieren (davon 2022 gleich zwei).

Für den aktuellen Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin und sein Team hat Artenschutz oberste Priorität. So hat der Zoo alleine 2024 etwa 1 Million Euro in verschiedene Projekte auf allen Kontinenten investiert. Von den 40 Projekten, die teilweise über viele Jahre unterstützt werden, seien folgende genannt:

Wiederaufforstungen in Lebensräumen des Orang-Utans in Indonesien,
Schaffung und Überwachung von Brutplätzen für Hornvögel in Thailand,
Schutz von Berggorillas und Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo,
Unterstützung der ecuadorianischen Organisation Jocotoco beim Kauf und der Renaturierung von Land,
Kurzfristige Rettung und Wiederauswilderung von Jungtieren der Unechten Karettschildkröte über einen Nothilfe-Fond in Südafrika.

Ein Ziel von Zoos sollte es sein, Tiere die im Zoo geboren wurden, wieder in ihre angestammten Lebensräume auszuwildern sofern dies möglich ist. Voraussetzungen sind u.a. Machbarkeit, der Schutz der Tiere vor Ort und ausreichende Nahrungsvorkommen. So konnten Steinböcke, Gänsegeier, Moorenten und Seeadler erfolgreich ihren Weg von der Wilhelma in die Wildbahn antreten.

Da auch Pflanzen vom Aussterben bedroht sind, engagiert sich die Wilhelma ebenfalls auf diesem Sektor. So gibt es einen internationalen Samenaustausch zu dem die Wilhelma mit der Verteilung von Samen an 130 botanische Einrichtungen beiträgt. Für eine Ex-situ** Sammlung der „Glänzenden Seerose“ übernahm die Wilhelma die Verantwortung. Sollte diese Pflanze aufgrund des Klimawandels oder durch menschliches Zutun in der Natur aussterben, können Samen aus der Wilhelma diese Art retten.


*Diese Zahlen erscheinen mir etwas zu hoch, leider werden von der Wilhelma keine jährlichen Bestandszahlen veröffentlicht. Oder habe ich etwas übersehen? Laut A.Sheridans Zoohandbuch waren es am 31.12.2018 (ohne Amphibien, Insekten und Fische) 2243 Tiere in 391 Arten.
**ex situ: außerhalb des natürlichen Lebensraums, also im botanischen Garten oder im Zoo.

Glänzende Seerose (Nymphaea candida)
  • Bildung

Zwei Diplom-Biologinnen leiten die Wilhelma Schule. Ein breites Angebot für Kinder und Schüler aller Altersklassen vermittelt Wissen zu zoologischen, botanischen und ökologischen Themen. Für Lehrerinnen und Lehrer werden umfangreiche Weiterbildungskurse in Sachen Botanik und Zoologie angeboten.


  • Mein Fazit

Aus der Länge dieses Beitrages kann man schon ableiten, dass dies einer der Zoos ist, die mir besonders am Herzen liegen. Der historische Kern mit Gebäuden, die mit der Gartenanlage ein phantastisches Arrangement bilden. Vielfältige botanische Besonderheiten, die ergänzt durch unzählige Vogelvolieren und eine Großvoliere, immer zum Verweilen und Beobachten animieren sowie die Artenvielfalt und weitläufige moderne Anlage rücken die Wilhelma in meiner persönlichen Beliebtheitsskala ganz nach oben.

  • Zukunft

Nach der Eröffnung der „Terra Australis“ folgt nun die Erweiterung der Anlage, um weiteren Tieren von Down Under ein angemessenes Zuhause zu bieten. So wird momentan an der Freianlage für Nacktnasenwombats gebaut, es folgen Anlagen für Graue Riesenkängurus, Bennett-Kängurus und (hoffentlich) für den Tasmanischen Teufel.
In diesem Jahr fertiggestellt wird die komplett neue und sehr große Anlage für Amur-Tiger. Die Spannung steigt!
Ein Herzensprojekt von Dr. Köplin und eine zukünftige Anforderung an Zoos die Elefanten halten, wird mit der neuen Elefantenwelt umgesetzt. Die Planungen sehen vor, auf einer Fläche von zwei Hektar Platz für bis zu 15 Elefanten zu schaffen. Mein Herzenswunsch: Afrikanische Elefanten. Möge die Übung gelingen!

Für uns Besserwisser:

Fission-Fusion-Anlage – Ist eine Trenn- und Verbindungsanlage in der (Herden-)Tiere in ihren natürlichen Sozialstrukturen leben. Für Elefanten bedeutet dies, eine Herde aus Muttertieren mit Nachwuchs, ein Teil für einen Zuchtbullen sowie einen Teil für eine Gruppe noch nicht geschlechtsreifer Junggesellen.


Pfeilgiftfrösche

auch: Baumsteiger- oder Farbfrösche


Bei den Untersuchungen zur durchschnittlichen Verweildauer vor Tiergehegen gibt es unterschiedliche Ergebnisse. 7 Sekunden wird wohl das Ergebnis einer Erhebung von Zoogegnern sein, während 2 oder mehr Minuten eher von Zoobefürwortern ermittelt werden. Unabhängig davon ist meine Erfahrung, dass Pfeilgiftfrösche Besucherinnen und Besucher länger an den Terrarien verweilen lassen. Gründe dafür sind vielleicht ein gewisses Gruseln, wenn man sich vorstellt, dass solch kleine Tiere gefährlich sein können, die bunte Vielfallt der Arten die gezeigt werden und, dass die Terrarien mit ihrem dichten Bewuchs oft einem Suchbild gleichen. Bei einer „Größe“ von 12 bis 60 mm, muss man also etwas Geduld aufbringen, um die Tiere zu entdecken. Und das sollte man auch.

P. bicolor – Zweifarbiger Blattsteiger/P.terribilis – Schrecklicher Pfeilgiftfrosch/P.vittatus – Gestreifter Blattsteiger

Der Name Pfeilgiftfrösche oder englisch arrow poison frogs weist schon auf ein Schicksal hin, welches die Tiere aufgrund des menschlichen Erfindergeists ereilt hat. Da einige dieser Frösche in der Lage sind, ein sehr giftiges Sekret über die Haut auszuscheiden, machten sich Indigene Chocó in Kolumbien diese Tatsache zunutze und präparierten die Pfeilspitzen für ihre Blasrohre mit diesem Gift. In Grzimeks Tierleben wird die Prozedur wie folgt beschrieben. Empfindliche Seelen mögen diesen Abschnitt überspringen:

„Die Indianer töteten die Giftfrösche, indem sie sie mit einem spitzen Stück Holz aufspießen und dann über ein Feuer halten. Unter dem Einfluss der Hitze tritt das Gift in Tropfen aus den Hautdrüsen heraus und wird nun in ein Gefäß abgestrichen, wo es einen Fermentationsprozess durchläuft. Schließlich taucht man die Pfeilspitzen in die Flüssigkeit und lässt sie trocknen…“
Zitat aus Grzimeks Tierleben Fische 2 + Lurche, Seite 405

Glücklicherweise ereilte nicht alle Pfeilgiftfrösche dieses Schicksal. Einige besonders giftige, wie z.B. der „Schreckliche Pfeilgiftfrosch“, wurden in die Freiheit entlassen, nachdem das Sekret vom Körper abgestrichen war. Im Übrigen muss klargestellt werden, dass nicht alle Pfeilgiftfrösche giftiges Sekret ausscheiden können. Sehr vielen Arten dient das Sekret schlicht dazu, sich ungenießbar für Fressfeinde zu machen. Der Name ist daher eigentlich irreführend und oft wird eben auch der Oberbegriff „Baumsteiger“ für die Froschfamilie benutzt. Auch etwas verwirrend, wenn wir nun in die Einordnung dieser Frösche in das System im Tierreich blicken.

Alle Frösche sind Amphibien und gehören in diesem System in die „Ordnung“ der Froschlurche. Es folgen: „Familie“, „Unterfamilie“, „Gattung“ und letztlich „Art“. Wir betrachten eine der „Familien“, nämlich die der Baumsteigerfrösche mit drei „Unterfamilien“. Eine dieser Unterfamilien ist in acht Gattungen unterteilt, wovon zwei Baumsteigerfrösche genannt werden. Hierzu gehören 61 Arten. Die lateinischen Namen lauten Dendrobates (sie produzieren wenig oder kaum Giftsekret) und Blattsteiger-Frösche lat. Phyllobates (sie gehören zu den gefährlichen und somit namensgebenden Pfeilgiftfröschen). Der Name Baumsteiger wird also als Oberbegriff für die Familie als auch für eine Gattung unterhalb der Familie genutzt. Liebe Leserinnen und Leser habe ich euch nun endgültig verwirrt? Ich hoffe nicht. *

D.tinctorius – Blauer Baumsteiger/d.auratus – Goldbaumsteiger/D.leucomelas – Gelbgebänderter Baumsteiger

Wenden wir uns nun dem Leben dieser faszinierenden Zwerge zu. Das Verbreitungsgebiet zieht sich vom mittelamerikanischen Nicaragua, dem nördlichen Teil Südamerikas mit vorgelagerten karibischen Inseln bis ins Amazonasbecken und zu den Ausläufern der Anden hin. Einige Arten kommen auch im Hochland von Ecuador vor. Im Amazonasbecken leben die meisten Arten. Unabdingbar für ihr Überleben ist eine hohe Luftfeuchtigkeit von 70-100% und Tagestemperaturen von 25-28°C. Ihr Habitat ist also ausschließlich der tropische Regenwald.

Bis heute sind etwa 170 verschiedene Arten bekannt und genau so vielfältig wie Farben und Zeichnung sind ihre Lebensweisen. Ich kann hier daher nur immer Beispiele nennen und komme gleich auf die Namensgebung zurück. Viele Arten leben beileibe nicht auf Bäumen, sondern halten sich in der Nähe oder direkt am Boden auf. Bevorzugte Pflanzen sind Epiphythen (Aufsitzerpflanzen) wie z.B. Bromelien, Helikonien und Orchideen. Somit trifft die Bezeichnung für die Familie der „Baumsteiger“ auch nicht auf alle Arten zu, dann schon eher „Farbfrösche“, wie sie auch noch genannt werden.

Farbfrösche sind tagaktiv und ernähren sich von Ameisen, Käfern, Tausendfüßlern, Mücken oder Milben. Da die Frösche ihr Giftsekret nicht selbst produzieren können, wird das mit den Nahrungstieren aufgenommene Gift umgewandelt und kann dann wie beschrieben über die Haut ausgeschieden werden. Das bedeutet auch, dass in Terrarien gehaltene Frösche ihre Giftigkeit verlieren, da sie mit ungiftigen Insekten gefüttert werden. Fressfeinde haben sie sehr wenige. Einerseits sind sie im Tageslicht durch ihre bunte Färbung schwer zu entdecken, andererseits ist sie auch eine Warnung an hungrige Mäuler und Schnäbel, dass es sich hier um gefährliche Nahrung handelt. Potenzielle Fressfeinde lernen nach dem ersten Versuch, dass sie eine ungenießbare Beute erwischt haben. Es gibt wie fast immer eine Ausnahme, es ist die Goldbauchnatter, die in etwa das gleiche Verbreitungsgebiet hat und zu deren Hauptnahrung Amphibien gehören und gegen deren Gift sie resistent ist.

Ein weiteres sehr spannendes Thema ist die Fortpflanzung bzw. die Brutpflege der Farbfrösche. Der alte Spruch „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ gilt auch hier. Zunächst zum „werden“. Da es in Gewässern von Fressfeinden wimmelt, haben die meisten der Farbfrösche die Eiablage an Land verlegt. Bekanntermaßen werden Froscheier außerhalb des Körpers des Weibchens befruchtet. So kommt es bei zwei Gattungen der Farbfrösche zum sogenannten Kopfamplexus. Das Männchen lockt das laichbereite Weibchen auf ein Blatt, besteigt es und umklammert mit den vorderen Gliedmaßen deren Kopf. Dies garantiert, dass, sobald ein Ei abgelegt wird, vom Männchen das Sperma entlassen wird. Der Kopfamplexus dient so der Koordination der beiden Geschlechter. (Beispiel Dreifarben-Blattsteiger). Beim Schrecklichen Pfeilgiftfrosch wird das Sperma auf einem Blatt am Boden abgesetzt und das Weibchen legt seine Eier darüber.

Da Amphibien aufgrund ihrer Entwicklung aber sehr stark von Wasser und Feuchtigkeit abhängig sind, müssen auch Farbfrösche dafür sorgen, dass sowohl Eier als auch die sich daraus entwickelnden Kaulquappen feucht gehalten werden und sich letztendlich die Metamorphose vollziehen kann. Einige, besonderes die ganz kleinen Arten, laichen beispielsweise in die Trichter von Bromelien, in denen sich üblicherweise Wasser ansammelt. Alle anderen müssen die Eier auf verschiedene Weise befeuchten bis die Kaulquappen schlüpfen. Diese müssen dann teilweise gefüttert werden. Dazu lockt das Männchen das Weibchen zum Gelege und animiert es dazu Eier abzulegen, die nicht befruchtet, sondern an die Quappen verfüttert werden. Alle diese Aufgaben fallen überwiegend den Männchen zu.  Ein weiterer wichtiger Dienst der Papas ist es, die geschlüpften Quappen zu einem größeren Gewässer zu transportieren, wo letztendlich die Metamorphose stattfinden kann. Also die Entwicklung zum fertigen Frosch. Das machen sie indem die Kaulquappen auf ihren Rücken steigen, dort anhaften und sie dann einzeln oder in Gruppen zum nächsten Gewässer transportiert werden. Während dieser verschiedenen Entwicklungsphasen wird Territorium und Nachwuchs vehement gegen Eindringlinge oder Fressfeinde verteidigt. Diese Aufgabe übernimmt meist der Elternteil, der nicht mit der Brutpflege betraut ist.

E.mysterious – Marañón-Baumsteiger/E.tricolor – Dreigestreifter Baumsteiger

Verhalten und Aussehen dieser phantastischen Tiere hat dazu geführt, dass sie schnell bei Terrarianern beliebt wurden. In den Anfangsjahren glich die Haltung von Pfeilgiftfröschen aufgrund der Fang- und Transportmethoden sowie der mangelnden Erfahrung im Umgang einem Vernichtungsfeldzug. Heute hat sich das geändert und man muss froh sein, dass es viele erfahrene Züchter gibt, die mithelfen Bestände und genetische Reserven zu sichern. Dieser ist ausnahmsweise nicht nur durch den Eingriff des Menschen in ihren Lebensraum bedroht, sondern auch durch einen Pilzbefall der Chytridiomykose auslöst. Der Pilz befällt die Haut von Amphibien und zerstört sie. Seinen Ursprung hatte er vermutlich in Afrika. Nach einer Endemie in Südafrika bei Krallenfröschen wurde er durch den Export der Frösche über den gesamten Globus verbreitet. (Also doch ein fataler Eingriff der Menschen?) In der Zwischenzeit sind etwa 500 Amphibienarten in 60 Ländern betroffen. Der Befall ist praktisch immer ein Todesurteil.

*Wer mehr über das „System im Tierreich“ wissen möchte, empfehle ich meine entsprechenden Beiträge aus Dezember 2021.

A.trivittata – Grüner riesengiftfrosch/A.castaneoticus – Paranuss Pfeilgiftfrosch/O.lehmanni – Rotringel Baumsteiger

Für uns Besserwisser: Es handelt sich bei den Hautsekreten der Frösche um basische Alkaloide, z.B.  Pumiliotoxin bei Dendrobates und Batrachotoxin bei Phyllobates). Das letztgenannte ist auch für Menschen sehr gefährlich.

Aposematismus und Mimikry: Giftige Farbfrösche signalisieren mit ihrer bunten Färbung den Fressfeinden ihre Gefährlichkeit (Aposematismus). Weniger giftige oder ungiftige Gattungen kopieren die Zeichnungen der giftigen Arten, um vorzutäuschen gefährlich zu sein (Mimikry).