Säugetiere II + Zeittafel

Apokalypse und Triumph des Lebens

Das Erscheinen der Dinosaurier. Nach den Massenaussterben im Obertrias (235 – 208 Mio Jahren) gefolgt von der Krisenzeit an der Trias/Jura Grenze konnten Dinosaurier die ökologischen Nischen, die ihre Vorgänger und viele der ersten Synapsiden hinterließen, besetzen. Das taten sie auch, wie man weiß, sehr erfolgreich. Sie bildeten unfassbar viele, teils riesige Formen und Arten und beherrschten die damalige Welt. Die langsam auseinander triftende Pangäa verteilte sie auf die neu entstandenen Kontinente, wo sie weiterhin dominierend und erfolgreich blieben, bis vor 66 Mio. Jahren.

Und was geschah mit den Säugetieren bzw. deren Vorläufer die ich bereits oben beschrieben habe? Die Zauberworte hießen Anpassung und Liliput-Effekt. Die angehenden Säugetiere schrumpften auf die Größe von Mäusen oder Murmeltieren. Sie mussten einfach verschwinden können, um ihren zahlreichen Fressfeinden zu entgehen. Das bedeutete auch Unterschlupf in Höhlen oder Bäumen und Nachtaktivität. Und nun wird uns auch klar, warum viele dieser evolutionären Anpassungen erforderlich waren. Das Fell und ein selbst zu regulierender Wärmehaushalt waren gut für ein Leben untertage und bei nächtlichen Streifzügen. Die Entwicklung von Milchdrüsen entband die Elterntiere vom Herbeischaffen der Nahrung (man denke an Vögel) und der Nachwuchs war sicher in Bruthöhlen untergebracht. Die Entwicklung der Gebisse eröffnete neue Nahrungsressourcen und ein empfindliches Gehör war überlebenswichtig, wenn Dinosaurier in allen Größen und Formen um einem herumstapften oder flogen.

Nun wirst Du liebe Leserin, lieber Leser sagen: Ja aber… die Entwicklung der Säugetiermerkmale hat ja schon weit vor dem Erscheinen der Dinosaurier begonnen!“ Und das stimmt natürlich. Es waren für alle Lebewesen seit dem Landgang sehr schwierige Bedingungen die sie vorfanden und schon in der Anfangszeit galt es, seinen Platz in der sich ständig verändernden Welt zu finden und zu behaupten. Tatsache aus meiner Sicht ist jedoch, dass das Auftreten der Dinosaurier und ihre Vorherrschaft der Evolution der Säugetiere einen gewaltigen Schub versetzt hat.

Ob es jemals unter diesen Gegebenheiten Primaten oder Homo sapiens gegeben hätte? Wir wissen es nicht, aber ein Ereignis vor 66 Millionen Jahren bedeutete Ende und gleichzeitig Neuanfang für die meisten Lebewesen auf unserem Planeten. Ein Asteroid (oder Komet) mit einem Durchmesser von etwa 14 km raste auf die Erde zu und schoss nicht links oder rechts vorbei (die Wahrscheinlichkeit war bestimmt hoch) nein, er schlug auf der Erde ein, in einem Gebiet das wir heute die Halbinsel Yucatán in Mexiko nennen und die zu dieser Zeit im tropischen Flachwasser lag. Die Folgen waren verheerend. Die Masse die dort einschlug entsprach in etwa der Masse des heutigen Mount Everest. Der Krater* den er schlug war etwa 40 km tief und 180 km breit. Im Umkreis von 1000 km erstarb jegliches Leben, verursacht durch die gewaltige Explosion, die Energie in Form von Hitze, Licht und einer enormen Druckwelle freisetze. Selbst im Umkreis von 2500 km kämpfte alles Lebende mit Erdbeben, orkanartigen Stürmen und wurde mit einem Hagel aus glühendem Gestein überzogen. Der Ruß der Brände und der in die Atmosphäre geschleuderte Sand ergaben einen tödlichen Cocktail, der durch die Luftzirkulation über die Stratosphäre verteilt wurde. Die Folge – ein nuklearer Winter, Dunkelheit, die wohl mehrere Jahre anhielt. Allerdings war dies noch nicht das Ende der Katastrophe. Eine durch tektonische Schockwellen erhöhte Vulkantätigkeit im Bereich des heutigen Indiens sorgte für sauren Regen und vergiftete zusätzlich Land und Ozeane. Und als wäre das nicht genug, hatte der Einschlag eine sogenannte Karbonatplattform getroffen, die in der Folge verdampfte und Kohlendioxid in großen Mengen in die Atmosphäre entließ. So wurde der nukleare Winter nach einigen Jahren von einer durch das Treibhausgas verursachten Erderwärmung abgelöst.

Geschätzte 75% aller Arten starben aus. Dinosaurier und alle großen Reptilien verschwanden und im nun anbrechenden Paläozän mussten komplett neue Ökosysteme entstehen. Wobei die Erholung in der südlichen Hemisphäre deutlich schneller voranschritt als auf der Nordhalbkugel. Zu Beginn des Zeitalters hatte Gondwana sich bereits vom Nordteil getrennt. Australien, Südamerika und Antarktika waren noch verbunden, während Afrika und Indien bereits weiter nördlich lagen und ebenfalls noch miteinander verbunden waren. Das nördlich gelegene Laurasia mit Nordamerika, Grönland und Europa bildete noch eine Einheit Nordamerika hatte mit Ostasien Kontakt. Es entwickelten sich viele neue Säugetierarten, manche mit abenteuerlichem Aussehen, teils riesig groß und schwer.

Gegen Ende des Paläozäns verursachte eine gestiegene Vulkantätigkeit, Magmaaustritte im Meer (z.B. bei Island) die Trennung Europas von Grönland und Nordamerika. Als weitere Folge kam es zu einem erhöhten CO2 Ausstoß der zu einer Erderwärmung von 5°-8°C führte. Dieses Phänomen wird Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum (PETM) genannt und dauerte etwa 170.000 bis 200.000 Jahre. Die Folgen kann man sich vorstellen, der zwar kurze aber heftige Klimawandel verursachte erneut den Zusammenbruch der Ökosysteme. Die Tiere reagierten mit einer erneuten Verzwergung aufgrund des Nahrungsmangels, große Tiere hatten keine Chance. Viele Gattungen starben aus.

Trotz dieses schwierigen Starts wurde das Eozän zu einem Meilenstein in der Entwicklung der Säugetiere. Der Name leitet sich von der griechischen Göttin Eos, der Göttin der Morgenröte ab und es wurde tatsächlich ein Neubeginn. Viele der „modernen“ Plazentatiergruppen entstanden, wie Nagetiere, erste Primaten und Paarhufer. Eine der unglaublichsten Anpassungen die die Evolution hervorgebracht hat möchte ich herausgreifen. Es begann mit einem Paarhufer namens Indihyus vor etwa 48 Mio. Jahren in Indien, das zu dieser Zeit noch eine Insel, auf dem Weg nach Asien war.

Indohyus major, ein pflanzenfressender Wal-Vorfahr aus dem Mittelen-Eozän von Kaschmir, Bleistiftzeichnung, digitale Färbung von Nobu Tamura (http://spinops.blogspot.com)

Das Tierchen war etwa so groß wie ein Waschbär, mit einem schlanken Körperbau und dünnen Beinen. Es zog sich bei Gefahr oder zum Fressen ins Wasser zurück. Der Paläontologe Hans Thewissen stellte 2007 anhand eines Skelettfundes die Verwandtschaft mit Walen (und den entfernt verwandten Nilpferden) fest. Die Besonderheit war im Ohr zu finden. Die sogenannte Paukenblase ist bei Walen geformt wie eine Meerschnecke und hart wie Stein. Eine anatomische Gemeinsamkeit dieser beiden so unterschiedlichen Spezies. Im Lauf der Millionen Jahre passten sich die Übergangsformen immer mehr dem Leben im Wasser an, Beine wurden nach und nach zu Flossen. Geschuldet war der Wechsel vom Land zum Wasser wahrscheinlich den dramatischen klimatischen Änderungen der folgenden Zeitalter. Und befreit von allen „Gewichtsproblemen“ konnten die Tiere wachsen und ihre Körper dem Auftrieb des Wassers überlassen.

Dem Eozän (Dauer 22 Ma) folgten Oligozän (10,6 Ma), Miozän (17 Ma), Pliozän (2,7 Ma) und Pleistozän, das vor 2,8 Ma begann und vor 11.650 Jahren in das heutige, noch andauernde Holozän überging. Wir sprechen also von 56 Millionen Jahren in denen Klimaänderungen den Planeten ständig neu formten und die Evolution von Fauna und Flora ständig fortschritt, um das Leben den jeweiligen Gegebenheiten bestmöglich anzupassen. Warmzeiten und Kaltzeiten wechselten sich ab. Die Megafauna mit Mammuts, Riesenhirschen oder gigantischen Faultieren kam und verschwand und es entstand, was wir heute moderne Säugetiere nennen.

Das Ende: Es wird kein Ende geben. In fast viereinhalb Milliarden Jahren hat die Natur mit der Evolution mehrfach gezeigt wozu sie fähig ist. Ob das 6. Massensterben nun von Meteoreinschlägen, Vulkanausbrüchen oder wahrscheinlich vom Menschen ausgelöst wird, ist dabei egal. Und wir, die Überlebenskünstler, die Klugen, die Krone? Ich stelle mir mal folgendes vor: Gott blickt auf die Erde, schüttelt den Kopf und sagt: „Was ich in 7 Tagen erschaffen habe, habt ihr in Minuten ausgelöscht. Euch ist nicht mehr zu helfen.“ Für weniger bibelfeste unter Euch folgendes Bild: Wir sägen auf dem Ast auf dem wir sitzen und weil wir ja alles erreichen, schaffen wir es natürlich ihn durchzusägen. Dumm und… Schade eigentlich.

*Chicxulub-Krater
Info zur Zeittafel: mya – million years ago / Millionen Jahre her
ma – „megaanum“ steht für eine Zeitspanne von 1 Million Jahren.

Bild ganz oben: Messeler Urpferdchen gefunden in der Grube Messel bei Darmstadt
Bei meinen Recherchen war mir das Buch von Steve Brusatte „Eine neue Geschichte der Säugetiere“ sehr hilfreich.

Für uns Besserwisser:
Die geochronologischenn Hierarchieebenen einer Zeittafel lauten:
Äon – von griech. für „Ewigkeit“
Ära – mittellat. „Zeitalter“
Periode griech. „sich wiederholender Abschnitt“
Epoche griech. für „Haltepunkt“
Alter

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